# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 05 01_S140 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Lande fand wenigſtens wöchentlich einmal eine ſolche Predigt ſtatt. Die Taufhandlung gehört nach allen lutheriſchen Kirchenordnungen in das Haus des HErrn und ſoll nur um beſonderer Urſachen wil⸗ len in einem Privathauſe verrichtet werden dürfen; größtentheils fand ſie ihre Stellung, in Ueberein⸗ ſtimmung mit der ganzen früheren Kirche, außer⸗ halb der genannten Gottesdienſte. Dies gilt auch von der öffentlichen Beſtätigung der von einem Chriſten in einem Nothfalle ertheilten Taufe, wo— für in vielen Agenden das zu gebrauchende For— mular vorgeſchrieben iſt. Rückſichtlich der Confirmations-Hand⸗ lung finden ſich nur in einigen älteren Agenden einige und zwar ſehr abweichende Anordnungen; nach der pommerſchen, urſprünglich von Dr. Bu⸗ genhagen im Jahre 1535 verfaßten, wurde ſie in Städten an einem Wochentage, auf den Dörfern an einem Sonntag gehalten. Nach vorausgegan⸗ genem Sermon und nach dem Geſang des Liedes: Komm, Heil'ger Geiſt u. ſ. w., trat der Prediger vor den Altar und ließ die Confirmanden ſich zu beiden Seiten desſelben ſtellen; hierauf folgte eine vorgeſchriebene Ermahnung an die Kinder, welche mit drei Fragen ſchloß, auf welche die erſteren einſtimmig mit: Ja, Amen, antworteten. Dann knieten die Kinder am Altare nieder, während an die Gemeinde eine Vermahnung gerichtet, das heilige Vater unſer gebetet und noch ein beſonde⸗ res Gebet für die Kinder gethan wurde. Endlich ſprach der Pfarrer über jedes einzelne Kind oder, wenn die Zahl derſelben groß war, über mehrere zugleich den Kirchenſegen, doch ſo, daß jedem Kinde die Hand aufgelegt werden mußte. Das Ganze wurde mit dem Liede: Allein Gott in der Höh' ſei Ehr', oder: Es woll' uns Gott genädig ſein, beſchloſſen. Die Trauungen wurden gewöhnlich nach dreimaligem Aufgebote, bisweilen auch bei wohl— bekannten Perſonen unter gewiſſen Umſtänden vor demſelben, aber nie anders als in der Kirche, entweder Sonntags nach der Vesper oder an einem Wochentage gehalten. Die ſpäter immer häufiger werdenden Hochzeitspredigten geſchahen von der Canzel, worauf dann am Altar die Trau⸗ ung nach dem Formular vollzogen wurde. Der Kirchgang der Sechs-Wöchnerinnen wurde ebenfalls zufolge ein iger lutheriſchen Kir— chenordnungen an einem Sonn- oder Wochen⸗ tage, nach vorhergegangener Abkündigung, gehalten; wozu, ſo wie zu der bffentlichen Einſegnung vor dem Aitare, Formulare vor⸗ handen ſind. Die Leichenbegängniſſe wurden im all⸗ gemeinen ſo gehalten: Am Grabe, während der Einſenkung der Leiche, ſang man ein Lied, z. B.: Mit Fried und Freud ꝛc. ꝛc. Hierauf las der Prediger eine bibliſche Lection vor, z. B. aus Johannis 11, 20—27., 1 Cor. 15., 1 Theſſ. 4, 13—18. Daran ſchloß ſich eine kurze Ermahnung und den Schluß machte Collecte und Segen. Beſondere Leichenpredigten wurden in der erſten Zeit der lutheriſchen Kirche meiſtens nur bei den 140 Begräbniſſen obrigkeitlicher Perſonen, Prediger u. ſ. w. gehalten. Die Ordination der Prediger wurde zufolge der meiſten Kirchenordnungen an einem Sonn⸗ oder Wochentage vor verſammelter Ge— meinde und zwar nach vorausgegangener Predigt über das heilige Predigtamt am Altare in Gegen⸗ wart einiger Diener des göttlichen Worts gehalten und hierauf dem Ordinirten das heilige Abend⸗ mahl gereicht. Die Introduction oder Amtseinweiſung der ordinirten Prediger vor verſammelter Ge— meinde wurde auf ähnliche Weiſe mit Aus⸗ nahme der Communion verrichtet; das vortreff⸗ liche Formular dazu in der pommerſchen Agende verdient wiederum allgemein er bekannt zu werden. 4) Der kirchliche Wechſelgeſang und das Kirchenlied. Es iſt gewiß, daß viele einzelne Beſtandtheile des öffentlichen Gottesdienſtes aus den apoſtoli⸗ ſchen Zeiten herrühren und daß namentlich alle Grundformen desſelben ſchon in der früheſten Kirche vorkommen, z. B. die Litanei oder das allgemeine Kirchengebet, und dergleichen. Die morgenländiſche oder griechiſche Kirche führt die Einrichtung ihres Gottesdienſtes auf den Apoſtel Jacobus zurück. Der Unterſchied zwiſchen dieſer und der ſpätern Einrichtung des Gottesdienſtes beſteht namentlich darin, daß in der ganzen alten griechiſchen Kirche an der Stelle des Kirchenliedes nur Pſalmen und Hymnen zu finden ſind; denn⸗ noch iſt dabei die Gemeinde in unausgeſetzter Thätigkeit, indem alles, z. B. die Litanei, in Wechſelunterredungen zwiſchen ihr und den Die— nern des Worts beſteht. In der alten griechiſchen Kirche war ferner weder eine Melodie noch eine Figural-Muſik, ſondern nur ein Pſalmen ähn⸗ licher Recitativ-Geſang gebräuchlich; und endlich iſt die Einrichtung des Gottesdienſtes durch das ganze Kirchenjahr hindurch faſt immer ein und dieſelbe. Die abendländiſche oder lateiniſche Kirche hat ihre Gottesdienſteinrichtung aus der griechiſchen herüber genommen, in ihrer Weiſe ausgebildet und durch die Einführung des Kirchengeſanges und der Kirchenmuſik vervollſtändigt; namentlich führte Ambroſius im Aten Jahrhundert anſtatt des Recitativ-Geſanges die Choräle ein, z. B.: Nun kommt der Heiden Heiland; beſonders aber hat ſich Gregorius der Große im 6ten Jahrhun⸗ dert um das Kirchenlied und die Kirchenmuſik große Verdienſte erworben, doch wurde beides, je näher an die Zeit der Reformation, deſto mehr durch Verweltlichung und Künſtlichkeit verderbt. Nach dieſen Umgeſtaltungen wurde nicht nur das Ganze des Gottesdienſtes weit kürzer und abge⸗ rundeter, ſondern die einzelnen Formulare erhiel⸗ ten auch eine reichere und gedrängtere Faſſung. Alles, was dem Diener der Kirche zukam, z. B. die Collecten und dergleichen, wurde ſeit Grego⸗ rius dem Großen nicht mehr geleſen, ſondern in lateiniſcher Sprache in Recitativform geſungen; alles dagegen, was der Gemeinde zukam, war in Choralform gefaßt, und dieſer Unterſchied zwiſchen dem collectirenden Geſange des Pfarrers und dem Choralgeſange der Gemeinde hat ſich noch bis auf unſere Zeit erhalten. Dr. Luther fand nun eine Weiſe des öffent⸗ lichen Gottesdienſtes vor, welche neben früheren heilſamen Gebräuchen auch viele Mißbräuche ent⸗ hielt, allein er verfuhr damit nicht, wie die ſchwti zeriſchen Reformatoren (2), welche ſich gegen dit beſtehende Einrichtung ohne weiteres erklärten, ſondern er wendete allen Fleiß an, das Vorhan⸗ dene zu prüfen und das Gute zu behalten; ſo be⸗ hält der lutheriſche Hauptgottesdienſt alle reinen Stücke der päbſtlichen Meſſe, die aus alter chriſ⸗ licher Zeit ſtammten, dagegen findet ſich darin nichts von ſolchen Stücken, die geradezu ſchrift⸗ widrig waren, z. B. das Otlertorium oder der Opfergeſang; ſo behält auch die lutheriſche Kirche viele einzelne Formulare, z. B. von Collecten, Präfationen und dergleichen, hat aber alles, was mit Heiligendienſt und anderen päbſtlichen Greueln befleckt war, ohne weiteres abgethan. und ob ſie gleich immer die Hauptabſicht des Gottesvienſtes feſtgehalten hat, daß nämlich die Gemeinde im Worte Gottes unterrichtet würde, ſo hat ſie doch manchen Gebrauch, der dieſem Worte nicht zu⸗ wider iſt, beibehalten, z. B. den Altar, anſtatt deſſen die Reformirten bekanntlich nur einen + Abendmahletiſch haben; die Sitte, daß ſich der Diener der Kirche bei den Gebeten am Altare gegen denſelben wendet, die Amtstracht der Pre⸗ diger, das Kreuzeszeichen, Kruzifix, Kniebeugen, Händefalten, Altarlichter u. ſ. w. Die beſſere Einrichtung des Gottesdienſtes erforderte aber nun eine ungemeine Arbeit, denn gemäß der Hauptabſicht desſelben, die Gemeinde aus Gottes Wort zu unterweiſen, mußte nothwendig alles in deutſcher Sprache geſchehen; daher mußten die vorhandenen reinen Formulare aus dem Lateini⸗ ſchen überſetzt, der Inhalt vieler vervollſtändigt und der ſo gewonnene Vorrath noch überdies ver⸗ mehrt werden, da manches Alte hatte weggeworfen werden müſſen und manches Neue, zur rechten Lehre Nöthige gebraucht wurde. Da ferner die lutheriſche Kirche die Gemeinde mit thätig machen wollte, ſo bedurfte ſie des Kir⸗ chenliedes, wobei ſie jedoch aus Mangel an ſchon Vorhandenem genöthigt war, ſelbſt Hand ans Werk zu legen. Endlich galt es dann noch, das ſo Hergeſtellte nicht bloß in den Gottesdienſt ein⸗ zuordnen, ſondern auch den Gemeinden einzu⸗ üben; den Verlauf dieſer Arbeiten müſſen wir auch noch im Allgemeinen überblicken. — Gegen den alten Kirchengeſang der Geiſtlichen und der Chöre hegte noch das Volk eine große Ehrerbie⸗ tung, und es war daber nicht rathſam, dagegen, wie Carlſtadt und dann die reformirte Kirche that, ſtürmiſch zu verfahren. Es lag vielmehr Dr. Luthern aus guten Urſachen daran, dieſen Kirchengeſang in lateiniſcher Sprache wenigſtens ſo lange fortbeſtehen zu laſſen, bis für entſpre⸗I chende deutſche Stücke geſorgt wäre; hierzu kam die Nothwendigkeit, für die Gemeinden deutſche Kirchenlieder zu verfaſſen, wozu Dr. Luther nicht nur Andere dringend ermuntert, ſondern darin auch ſelbſt ſeine Meiſterſchaft bewieſen hat.. Rückſichtlich des Muſikaliſchen behielt Dr. Luther