# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 05 01_S137 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) 8 Velligirt von C. F. W. Walther. er Lulheraner. „Gottes Mlort und Kuthers Xehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten. Hahrgang 5. Ht. Louis, Mo., den 1. Mai 1849. No. 18. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. (Eingeſandt von Prof. P. Wolter.) Selbſtwiderſpruch in der kathaliſchen Kirchen⸗ Zeitung von Baltimore. Aus zwei auf einander folgenden Nummern der katholiſchen Kirchenzeitung von Baltimore entneh⸗ men wir Wort für Wort folgende zwei Stellen: 1. Aus No. 43 dieſes Jahres, Seite 346: Ddie Bibel, und beſonders das Neue Teſtament, iſt nicht bloß das trefflichſte Lehr⸗ und Erbauungs⸗ buch für die Menſchen, die nach Wahrheit und Willensheiligkeit, nach Gottes⸗ und Gewiſſens⸗ frieden ſtreben; ſondern es iſt zugleich das treuſte und theilnehmendſte Troſt- und Warnungsbuch, das die umſichtigen und heilsbegierigen Chriſten auf die Zeichen der Zeit aufmerkſam macht, in allen Gefahren und Nachſtellungen warnt, und gegen die Leiden der Zeit, wogegen Alle, die den HErrn lieben und ihm mit unerſchütterlicher Wil⸗ lenstreue ergeben ſind, unaufhörlich zu kämpfen haben, tröſtet und ſtärkt und ſie in der beruhigen⸗ den Gewißheit erhält, daß der HErr den Gang der Weltbegebenheiten durch ſeine Allwiſſenheit und Allweisheit leitet und, mit Güte und Allmacht zur rechten Zeit eingreifend, Ziel und Maß ſetzt, wenn das Böſe überhand nimmt und Alles zu vernichten droht. — Dann aber iſt das Wort Got⸗ ts für alle Gläubigen zugleich eine Werkſtätte des Heiligen Geiſtes, das herrlichſte Arſenal Gottes, aus welchem der ſtreitende Chriſt Wehr und Waffen hernehmen ſoll, ſeine wüthenden Feinde damit aus dem Felde zu ſchlagen. Vor allen andern Waffen empfiehlt der heilige Pau⸗ lus Epheſ. 6, 16. den Schild des Glaubens, mit welchem die Chriſten auffangen ſollen die feu⸗ rigen Pfeile des Satans, abgeſchoſſen vom Un⸗ glauben, der ſich auf den Lehrſtuhl geſetzt hat, und ſelbſt zugeſpitzt und vergiftet von Chriſtenlehrern. — Dann ſollen ſie nehmen, Vers 17., den Helm des Heils und das Schwert des Gei⸗ ſies, welches da iſt das Wort Gottes, deſſen ſtär⸗ kende und ſiegende Kraft nicht allein gegen alle Anfechtungen und Verſuchungen des Teufels, der Welt und des Fleiſches vollkommen bewährt und erprobt iſt, ſondern auch das Gemüth der erſten chriſtlichen Glaubenshelden und Blutzeugen unter den grauſamſten Martern und Peinigungen ihrer Henker und Mörder über ſich ſelbſt und alles Ver⸗ gängliche erhob, und mit der freudigſten Hoffnung, mit der Gewißheit des ewigen Lebens erfüllte.“ 2. Aus No. 44 dieſes Jahres, Seite 354: „Unter und neben jenen traurigen Bemühun⸗ gen, das Anſehen der Bibel zu ſchwächen und nach und nach zu vernichten, iſt die Bibelwuth unſerer Tage, die zur herrſchenden Zeitmode geworden und mit eine (ſoll wohl heißen: wie eine) Epidemie ſich über die ganze Erde verbreitet, eine Erſchei⸗ nung, die man nicht glauben könnte, wenn man ſie nicht mit Augen anſähe. Die auf's ſchänd⸗ lichſte mißhandelte Bibel, der man nur noch als gewöhnlichem Schulbuche einigen Werth und kaum ſo viel Werth übrig gelaſſen hatte, als Herodots, Homers und anderer Heiden Schriften, wird wie die gemeinſte Trödelwaare Ballen- und Cent⸗ nerweiſe in die Welt und unter die Erdbewohner geſchleudert, daß ſchon dieſes ballenweiſe Hin⸗ ſchleudern den Werth der Waare, den jene heil⸗ loſen Gelehrtenverſuche noch übrig gelaſſen haben könnten, herabzuſetzen nicht verfehlen mag. Mil⸗ lionen werden auf dieſe Bibelverſchwendung ver⸗ wendet, während man um ſich herum Hunderte und Tauſende von nackten ausgehungerten Men⸗ ſchenkindern dem Elende Preis gegeben kaltblütig anſehen kann! Während die gelehrteſten Männer mit der ernſthafteſten Miene ſich den Kopf zer⸗ brechen, um den Sinn der heiligen, in todten alten Sprachen geſchriebenen, Urkunde zu erforſchen, und in dieſem angeſtrengten Streben ihre abwei⸗ chenden und täglich verſchiedener werdenden For⸗ ſchungsreſultate in Quartanten und Folianten der Welt verkündigen, ohne unter einander und mit ſich ſelbſt Eins zu werden, beſteht man hart⸗ näckig darauf, das alte, in längſt ausgeſtorbenen Sprachen geſchriebene, nur aus vielfach abweichen⸗ den Abſchriften und Ueberſetzungen vorhandene Buch ohne die allermindeſte Erklärung ſchwer verſtändlicher Ausdrücke und Stellen dem Volke in die Hände zu geben.“ — ** ** ** Man traut kaum ſeinen Augen, wenn man dieſe beiden ſo ſchnurſtracks ſich widerſprechenden Aeußerungen in ein und demſelben Blatte noch dazu in zwei unmittelbar aufeinander folgenden Blättern antrifft. Denn ſo viel Wahres und Erbauliches die erſtere enthält, ſo gottlos und verabſcheuungswürdig iſt die zweite. Beide aber liefern abermals den traurigen Beweis, daß zum Mindeſten die Stimmführer der römiſchen Kirche, nicht etwa aus gänzlicher Unkenntniß der Wahr⸗ heit, ſondern gegen beſſeres Wiſſen und Gewiſſen die offenbare und ihnen wohlbewußte Wahrheit aus purer Gottloſigkeit anfeinden und auszurot⸗ ten ſuchen. Wir hätten nicht nöthig auch nur noch ein Wort zum Beweiſe dieſer Behauptung herzuſetzen, denn auch das blödeſte Auge erkennt den offenbaren Widerſpruch in jenen beiden angezogenen Artikeln, als wenn es z. B. No. 43 heißt: „die Bibel, und beſonders das neue Teſtament, iſt nicht bloß das trefflichſte Lehr- und Erbauungsbuch für die Men⸗ ſchen, die nach Wahrheit und Willensheiligkeit, nach Gottes⸗ und Gewiſſensfrieden ſtreben“ u. ſ. w. oder: „das Wort Gottes iſt für alle Gläu⸗ bigen eine Werkſtätte des Heiligen Geiſtes“ u. ſ. w. — ich ſage, auch das blödeſte Auge erkennt den ſchneidenden Widerſpruch dieſer Worte mit dem, was man No. 44 lieſ't, wo z. B. die Ver⸗ breitung der Bibel unter die Erdbewohner eine Bibelverſchwendung genannt wird, wodurch der Werth der Waare herabgeſetzt werde; oder wo die heilige Schrift genannt wird: „ein altes, in längſt ausgeſtorbenen Sprachen geſchriebenes, nur aus vielfach abweichenden Abſchriften und Ueber⸗ ſetzungen vorhandenes Buch, welches ohne die allermindeſte Erklärung ſchwer verſtändlicher Stel⸗ len und Ausdrücke dem Volke in die Hände ge⸗ geben werde“. — Ich meine, man kann es ja mit Händen greifen, wie weit die Hochachtung vor der Bibel bei den Papiſten geht, wenn ſie auch noch ſo ſchöne Ausdrücke für ſie gebrauchen. Wir wollen aber dennoch mit einigen Worten auf den faulen Grund hinweiſen, aus welchem dieſe Wi⸗ derſinnigkeit entſpringt, daß die katholiſche Kirchen⸗ zeitung auf der einen Seite die Bibel in den