# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 05 25_S135 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) meinen Glauben, da will ich bei bleiben, nicht weiter denken, fragen, oder hören, noch klügeln, wie ſich das oder dies reime, noch dich hören, ob du gleich einen andern Tert oder Sprüche her⸗ bringeſt, als dem zuwider aus deinem Kopf ge⸗ zogen, und deinen Geifer daran geſchmieret. Denn dies wird nicht wider ſich ſelbſt noch einigen Artikel des Glaubens ſein, ob es wohl in deinem Kopf wider einander iſt, und ſich nicht reimet. Aber hiervon iſt anderswo genug geſaget. Aehnlichkeit und Unterſchied zwiſchen der wah⸗ ren Gottſeligkeit und der geſchmückten Scheinheiligkeit. Ein Pfeil fliegt durch die Luft in großer Ge⸗ ſchwindigkeit, ein Vogel auch; eine Uhr iſt in ſteter Bewegung, die Pulsader am menſchlichen Leibe auch; der Topf ſteht am Feuer, ſiedet und prudelt, daß das Waſſer überfließt, die Quelle ſtößt auch ihr Waſſer auf und läßt ihr Strömlein von ſich fließen; wer ſiehet aber nicht, was zwi⸗ ſchen dieſen allen für ein Unterſchied iſt? Jene Dinge haben ihre Bewegung durch einen äußer⸗ lichen und gewaltſamen Antrieb, haben aber ſonſt kein Leben in ſich. Wenn der Pfeil die Höhe erreicht hat, zu welcher ihn die Macht des Bogens trieb, ſo fällt er wieder herunter; wenn die Uhr abgelaufen iſt, ſo ſteht ſie ſtille; wenn das Feuer zurückgelegt wird, ſo hat des Topfes Prudeln und Ueberfließen ein Ende. Dieſe aber, der Vogel, die Pulsader, die Springquelle, be⸗ wegen ſich aus einer innerlichen, ihnen zuſtehen⸗ den Kraft, freiwillig und ſtetig. So iſt es auch mit den Heuchlern, welche den Schein eines gott⸗ ſeligen Lebens haben, und die Kraft verleugnen, und den Gottſeligen, welche ihre geiſtliche Lebens⸗ kraft aus der Gnade und aus der Vereinigung mit Chriſto IEſu haben. Es iſt unter ihnen ein ſolcher Unterſchied, als zwiſchen einem künſt⸗ lich gemalten und einem natürlich ſchönen Luſt⸗ garten. Jener kann mir die Augen eine Zeit⸗ lang beluſtigen, wenn ich aber die Hand aus⸗ ſtrecke, und will Blumen ſammeln und Früchte brechen, ſo iſt es ein plattes Brett oder angeſtri⸗ chenes Tuch und nichts mehr; dieſer aber kann nicht nur meine Augen weiden, ſondern auch mein Herz erquicken und meinen Magen ſättigen. Ebenſo kann ein Künſtler ein Bild eines Men⸗ ſchen oder Thiers zurichten, das ſich reget und be⸗ weget; aber es lebt darum nicht. — — Scriver. Rechte Rache und beſte Selbſthülfe. In dem franzöſiſchen Dorfe Querry hatten die Bauern gerechte Beſchwerden gegen ihren Guts⸗ herrn. Die Gährung war groß, und auf dem Punkte auszubrechen. die Kanzel und ſprach: „Meine Freunde, der Tag der Freiheit und der Rache iſt angebrochen. Der Beſitzer dieſes Dorfs iſt bisher ein Tyrann ge⸗ weſen; er muß alſo beſtraft werden. Bei einem ſo gerechten Vorhaben kann ich meine Gemeinde nicht verlaſſen, erlaubt mir alſo euer Anführer zu ſein und ſchwöret alle, meinem Beiſpiele zu folgen; ſie ſchwuren, und der Pfarrer fuhr fort: Ich ſchwöre mich zu rächen, daß ich ihm verzeihe; denn Gott ſpricht: rächet euch ſelbſt nicht, meine Liebſten, ſondern gebet Raum dem Zorn Gottes. Die Rache iſt mein, ich will vergelten, ſpricht der HErr! Jedermann ſei unterthan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat; denn es iſt keine —. keit ohne von Gott; wo aber eine Obrigkeit iſt, die iſt von Gott verordnet. Wer ſich nun wider die Obrigkeit ſetzt, der widerſtrebt Gottes Ordnung, Ddie aber widerſtreben, werden über ſich ein Urtheil empfangen. Seid unterthan aller menſchlichen Ordnung um des HErin willen. — Dem Beiſpiel Da trat der Pfarrer auf 13⁵ ihres Seelenhirten und dem geleiſteten Eide ge⸗ treu, ließen die Bauern ihrem Gutsherrn Ver⸗ zeihung widerfahren. Sartorius' Lebensſpiegel. Das böſe B. Eine kräftige Mutter hatte drei artige, muntere Kinder, die eben auch, wie andere Kinder, in ihrer Munterkeit jezuweilen ſehr unartig wurden. Da pflegte die Mutter das Ausklopfſtöckchen zu ge⸗ brauchen, und das nicht blos zum Scherz. Eine Dame von der neuern, zarten Bildung, welche Ruthe und Stock bei den Kindern nur dann zu⸗ ließe, „wenn letztere Thiere und keine Menſchen wären“, zankte mit ihr darüber und rief: „Wie grauſam gehen Sie mit dieſen lieblichen Engeln um! Sie ſchlagen ihnen ja Haut und Fleiſch her⸗ unter!“ Die Mutter bemerkte lächelnd, wenn ihre Kleinen Engel wären, dann hätte es mit Haut⸗ und Fleiſchherunterſchlagen keine Gefahr. In der Wahrheit aber habe ſie erſt noch drei hübſche Bengelein, und da müßte nothwendig, zwar nicht Haut und Fleiſch, aber das B herunter, ſollte ſie hüſche Engelein krigen. Ja, fuhr ſie fort, glau⸗ ben Sie mir, meine Beſte! es hat jedes Kind ſo ein gewiſſes böſes B vorne dran, das nun einmal ohne Klopfen ſchwer weggeht. Auf dieſes hat's mein Stöcklein abgeſehen; ſeine Zunge ſagt immer dies: „B! B! du böſes B! herunter, herunter, herunter von dem lieben Kinde!“ Es war auch wirklich ſchon etwas — ſo zu ſagen — Engelſchönes, wenn ihr Kind die thrä⸗ nenfeuchte, hochrothe Wange an das Knie ſchmiegte, über das es erſt zur Züchtigung gelegt war, und ſchluchzte: Mutterle, will fromm ſein! —* Die Wahrheit. Nach Hans Sachs: aus „des Knaben Wunderhorn“. Vier Jungfräulein von hohem Stamm, Die waren bei einander: Ignis Feuer die erſte mit Nam, Aqua Waſſer die ander. Aer die Luft, ſo hieß die Dritt', Dann Veritas die Wahrheit, Die ſtand da in des Gartens Mitt' Und ieuchtete in Klarheit. „Ich ſehne mich gar oft nach euch“, Sprach ſie mit klugen Sinnen, „Drum ſaget mir, eh ich entfleuch, Wo ſoll ich euch ſtets finden?“ Das Feuer ſprach: „Schlag an ein'n Stein Mii guten Schwertes Spitzen, So werd ich ſchnelle bei dir ſein Und freudig Funken ſpritzen.“ Das Waſſer ſprach: „Wo Binſen ſtehn, Da ſollſt du nach mir graben, Du wirſt mich bei der Wurzel ſehn, Da will ich dich erlaben.“ Die Luft ſprach: „Wenn an einem Baum Die Blättlein gehn und nicken, Da bin ich auch im ſelben Raum Und will dich bald erquicken.“ All' drei ſie ſprachen wonnſamlich: „Du edele Wahrheite, Wo ſollen wir denn finden dich?“ Die Wahrheit ſprach: „Im Leide.“ O ihr Schweſtern, Mord über Mord! Kein eigen Haus mir bleibet; Man findet mich nicht hier und dort, Ein jeder mich vertreibet. Ich pocht auch bei Gelehrten an, Weil ehrlich iſt ihr Wandel; Doch iſt ihr Wort ein Lug und Wahn Und ſpärlich nach dem Handel. Sie fingen mich und banden mich, Begoſſen mich mit Dinten In mein ſchneeweißes Angeſicht, Ich mußte ſchier erblinden. Mit Büchern ſchlugen ſie mich dumm Und kratzten mich und krallten Und zogen mich beim Haar herum, Zur Thür hinaus mich brallten.“ Sie wollte klagen noch viel mehr, Ein Thürlein thät erklingen, Ein Krit'ker kam ganz grad daher, Davon that ſie ſich ſchwingen. Der Hirtenbrief des Herrn Paſlors Grabau zu Buffalo vom Jahre 1840. Nebſt den zwiſchen ihm und mehre⸗ ren lutheriſchen Paſtoren von Miſſouri ge⸗ wechſelten Schriften. Der Oeffentlichkeit übergeben als eine Proteſtation gegen Gel⸗ tendmachung hierarchiſcher Grundſätze inner⸗ halb der lutheriſchen Kirche. Unter dieſem Titel iſt ſoeben ein Büchlein er⸗ ſchienen, herausgegeben von mebreren lutheriſchen Predigern aus dem Staate Miſſouri und bevor⸗ wortet von Paſtor Löber in Altenburg, Perry Co., Mo. Um den Leſer in den Stand zu ſetzen, ein Urtheil zu gewinnen über das, was er von dem Büchlein zu erwarten hat, ſo theilen wir aus dem Vorworte Folgendes mit: „Gegen wohl- oder übelgemeinte Urtheile müſ⸗ ſen wir vor allen Dingen erklären: Erſtens: Gott weiß es und unſere nachſtehen⸗ den Briefe und Zeugniſſe beweiſen es, daß wir nicht unſere Ehre, nicht Zank und Zwieſpalt ge⸗ ſucht, oder ohne Noth jenen Streit angefangen, ſondern ſo lange gezögert, gewarnt und geduldet und nur zuletzt dem Drange unſeres Gewiſſens und den Aufforderungen vieler Brüder nicht län⸗ ger widerſtanden haben, die ganze Sache der Oef⸗ fentlichkeit zu übergeben. Zweitens wurden wir dazu noch beſonders durch den Umſtand genöthigt, daß Herr Paſtor Grabau und ſeine gleichgeſinnten Amtsbrüder nebſt 18 Deputirten ihrer Gemeinden uns in einem öffentlichen Synodalbericht vom Jahre 1845 von Seiten unſerer Lehre, unſeres Amtes und unſeres Lebens aufs Bitterſte ange⸗ griffen, beſchimpft und ſomit ſelbſt herausgefordert haben, uns nun auch öffentlich zu verantworten, welches wir jedoch noch bis in das dritte Jahr hinausgeſchoben, während welcher Zeit wir auch noch wiederholt, aber leider! vergeblich verſucht haben, ob wir nicht durch eine perſönliche Ver⸗ ſtändigung mit jenen Paſtoren die zwiſchen uns und ihnen obwaltende Streitigkeit beilegen könn⸗ ten. Drittens können wir im Voraus verſichern, daß ſichs bei dieſem Streit nicht etwa um bloßes Wortgezänk, oder um gleichgültige Dinge, ſon⸗ dern um ſehr theure und wichtige Wahrheiten handelt, deren unverfälſchte Bewahrung für die ganze Kirche, ſonderlich auch zu dieſer Zeit, nur von dem ſegensreichſten Einfluß durch Gottes Gnade werden kann. Jene Lehrartikel aber, von welchen in dieſem Büchlein vornehmlich gehandelt wird, ſind inſon⸗ derheit der Artikel von dem Verhältniß des Predigtamts zur Gemeine, von der Berufung zu dieſem Amte, von der Ordination, von dem geiſtlichen Prieſterthum aller wahren Chriſten, von der geiſtlichen Freiheit derſelben, vom Gebrauch guter Kirchenordnun⸗ gen u. ſ. w.“ Die ganze Schrift beſteht aus folgenden Theilen: Vorwort. 1. Der Hirtenbrief des Herrn Paſtors Grabau. 2. Beurtheilung des Hirtenbriefs, wozu der Verfaſſer uns aufgefordert hatte. 3. Herrn Paſtor Grabaus vermeinte Wider⸗ legung unſrer vorſtehenden Beurtheilung. 4. Ein zu der vorigen Widerlegung gehöriger Brief des Herrn Paſtors Grabau an Herrn Paſtor Brohm in New York.