# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 03 22_S59 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 59 trübten Gesicht, in seinen langen, schlichten Haaren, die über den, auf einer Schulter hangenden Mantel herabgehangen, Jedermann den Eindruck gegeben habe, daß dieser Mann in der größten Verläugnung seiner selbst stehen müsse, während vielleicht viele von den redlichen Bekennern der Wahrheit nicht eben ausgezeichnete Gaben des Verstandes und der Beredsamkeit hatten, und in ihrem Leben durch ihr entschiedenes Bekenntniß für alle lauen, gleichgültigen und irdisch gesinnten Gemüther abstoßend und lästig waren. Ja, es hat wohl auch damals die Vertheidigung der Wahrheit durch manchen unlautern Eifer und üblen Schein, der sich leider mit eingemischt, wobei aber die Wahrheit selbst doch immer Wahrheit blieb, gar mehrfachen Schaden gelitten. Wenn darum auf der einen Seite wohl auch manches Aergerniß gegeben und dadurch der einreißenden Ketzerei und Trennung nicht immer auf die rechte Weise gewehrt wurde, so kam doch auf der andern Seite auch 3. noch dieses hinzu, daß Arius und seine Anhänger alle Mittel versuchten, wie sie nur irgend ihre Partei vergrößern könnten. Darum reisten sie weit umher und streuten ihren bösen Samen nicht nur in heimlichen Versammlungen und listigen Ueberredungen, sondern sogar durch allerhand Lieder aus, die sie unter Schiffer, Reisende und Arbeiter vertheilten. Noch mehr aber suchten sie mit gehässiger Nachrede die Lehrer der wahren Kirche überall verdächtig zu machen, und schonten in der Folge keinen Betrug, keine Bestechung, keine Lüge, ja keinen falschen Eidschwur, um nur zu ihrem Zweck zu gelangen. Daß wir hierin nicht zuviel sagen, davon gibt die ganze Geschichte der Arianischen Streitigkeiten, die wir freilich hier nicht ausführlicher behandeln können, die traurigsten Beweise, und es bestätigte sich darum auch hier abermals die wichtige Wahrheit, daß ein Jeder, der nur offene Augen hatte, den argen Baum, trotz allem täuschenden Schein, an seinen Früchten erkennen konnte. — Nachdem nun der Streit mehrere Jahre hindurch mit Heftigkeit geführt worden war, also, daß auch die Heiden auf ihren Theatern darüber spotteten, so wendete sich der alte, aber unermüdete Bischof Alexander immer dringender an die andern angesehensten Bischöfe des ganzen Morgenlandes und ermahnte sie durch Briefe, daß sie mit ihm gegen das überhandnehmende Uebel, ihrer selbst und der Heerde Christi wohl wahrnehmen möchten. Es traten ihm auch die meisten Bischöfe bei und andere fielen zum Theil von dem Arius wieder ab. Eusebius aber von Nicomedien, der eifrigste Freund und Vertheidiger des Arius, suchte nebst andern Bischöfen seines Sinnes die Sache auf gütlichem Wege beizulegen und den Alexander zur Wiederaufnahme des Arius zu bewegen. Dasselbe versuchte auch der Kaiser nochmals, indem er den Bischof Hosius von Corduba nach Alexandrien schickte, der den ganzen Streit vermitteln und zu einem friedlichen Ende bringen sollte. Weil aber Arius von seinen Irrthümern nicht abließ und Alexander es durchaus nicht über sein Gewissen bringen konnte, mit Verläugnung der göttl. Wahrheit den kirchl. Frieden zu erkaufen und eine Union mit Irr- und Falschgläubigen zu stiften, so mußte natürlich an dieses Mannes standhaftem Bekenntniß das Flickwerk menschlicher Vermittlung immer auf's Neue zerreißen und zu Schanden werden. Obgleich nun dadurch die Verwirrung von Neuem größer wurde, als zuvor, so sah der Kaiser doch selbst immer deutlicher ein, daß ein tiefer Ernst in dieser Sache sei, und daß sich's wahrhaftig dabei um höhere Güter handle, als um blos äußerliche Ruhe und Einigkeit.—Daher wollte er wenigstens diese Ruhe und Einigkeit nicht länger auf einem andern Wege hergestellt wissen, als durch eine freie, öffentliche und gegenseitige Verständigung aus Gottes Wort. Und somit entschloß er sich, die ganze Kirche des Morgen- und Abendlandes in ihren vertretenden Bischöfen zu einem großen allgemeinen Kirchenconcilium zusammen zu berufen, welches in der That werth und wichtig genug ist, als daß wir es nicht in dem folgenden Abschnitt in einigen Zügen betrachten sollten. (Fortsetzung folgt.) (Eingesandt von Pastor Schieferdecker.) Zuruf an Lutheraner, welche sich anderen Kirchen angeschlossen haben. Wir sehen alle Tage, wie immer mehrere unserer lutherischen Glaubensbrüder durch den schädlichen Einfluß des Sectenwesens uns entfremdet und von der Gemeinschaft der luther. Kirche gänzlich losgerissen werden. Wer könnte es uns verargen, wenn uns die Liebe zu solchen dringt, ein Wort an ihr Gewissen zu legen; sie ihres Gelübdes zu erinnern, das sie ihrer Kirche bei ihrer Taufe und Confirmation gethan haben; sie zu fragen, was sie bewogen hat, dies heilige Gelübde zu brechen, und ihnen die Gefahr vorzustellen, in welche sie sich stürzen, indem sie sich unbedachtsam von der Wahrheit zum Irrthum kehren? Wie könnte uns ein solches Wort verargt werden, da der heil. Apostel uns zuruft: „Liebe Brüder, so Jemand unter euch irren würde von der Wahrheit, und Jemand bekehrete ihn, der soll wissen, daß wer den Sünder bekehret hat von dem Irrthum seines Wegs, der hat einer Seele vom Tode geholfen und wird bedecken die Menge der Sünden.“ (Jak. 5, 20.) Um solcher apostolischen Ermahnung willen rufen wir unsern abgefallenen Glaubensgenossen zu: Wisset ihr nicht, daß ihr in einer Kirche erzogen seid, welche auf den Grund der Apostel und Propheten gebaut ist, da JEsus Christus der Eckstein ist? in einer Kirche, welche man daran als die wahre Kirche JEsu Christi erkennen kann, weil sie sein Wort und seine Sacramente lauter und unverfälscht bewahrt hat? in einer Kirche, deren Lehre durch das große Werkzeug Gottes, Dr. M. Luther, von allem Sauerteig menschlicher Satzungen gereinigt und zu ihrer apostolischen Reinheit wieder hergestellt worden ist? in einer Kirche, welche eure Väter so innig und herzlich liebten, daß sie lieber sterben, als diese Kirche verlassen wollten? — In einer solchen Kirche seid ihr geboren und erzogen! So hättet ihr ja Gottes große Barmherzigkeit gegen euch erkennen sollen, der euch schon durch eure Geburt und erste Erziehung den Weg zur Wahrheit bahnte; und ihr seid von ihr abgefallen? Denket an euer eigen Gelübde, wie heilig ihr bei eurer Confirmation versprochen hattet, dieser Kirche treu zu bleiben, und die lautere evangelische Wahrheit zu bekennen bis in den Tod! Haltet ihr nicht selbst einen Menschen für ehr- und gewissenlos, welcher bricht, was er heilig versprochen hat? Nun hattet ihr jenes Gelübde nicht den Menschen gethan, sondern Gott selbst, Christo, eurem Erlöser. Solltet ihr nicht erschrecken, das gebrochen zu haben, was ihr JEsu Christo selbst mit einem heiligen Gelübde versprochen hattet? Doch ihr saget vielleicht: damals verstanden wir noch nicht, wie viel ein solches Gelübde auf sich hatte. Nun gesetzt, ihr hättet es damals noch nicht verstanden, so müsset ihr es doch nunmehr verstehen. Ebenso wenig gilt die Entschuldigung, wenn ihr saget: wir verstanden damals noch nicht recht, was wir gelobten, darum fühlten wir uns auch nicht verpflichtet, es zu halten. Denn wisset dieses: Ist's eine sündliche Sache und dem Worte Gottes offenbar zuwider, das wir geloben, so ist alles Gelübde null und nichtig, wie hoch und theuer es auch geschehen wäre; ist's aber eine heilige, rechte Sache, dem Wort und Willen Gottes gemäß, so muß man das Gelübde halten, auch wenn man zuvor noch nicht recht verstanden hätte, was man gelobte. Nach diesem Grundsatz ist z. B. das Gelübde zu der römisch-kathol. Kirche null und nichtig, denn es ist wider Gott, ihm mißfällig, weil in dieser Kirche das Gelübde zu einer falschen Lehre geschieht. Hier muß das Gelübde zerbrochen werden um Gottes willen, denn es ist ein Strick, der die armen Gewissen im Irrthum gefangen hält. Aber etwas anderes ist es mit der lutherischen Kirche; hier muß das Gelübde gehalten werden, man habe es nun, wissend oder unwissend gethan, weil es ein Gelübde ist zur reinen Lehre, zum wahren Evangelio Christi. Wenn darum die Sünde derer, die ihr Gelübde gebrochen haben, auch nicht allemal wissentliche, vorsätzliche Untreue ist, so ist's doch Leichtsinn oder Verblendung. Aber weil es billig ist, erst die Verantwortung eines Menschen zu hören, ehe man ihn verurtheilt, so fragen wir euch, liebe Brüder: was hat euch denn bewogen, euer Gelübde zu brechen, die lutherische Kirche zu verlassen und euch an irgend eine Secte, an die Neu-Evangelischen oder Methodisten, oder dergl. anzuschließen? Was hat euch dazu bewogen? Da werden denn manche sagen: wir fanden in andern Kirchen mehr, als in der luther. Kirche; wir waren lange genug in der luther. Kirche, und hörten doch immer nur falsche Lehre; wir sahen an den Lutheranern meistens ein böses, ärgerliches Leben. Wir fanden in der lutherischen Kirche keinen Prediger, der ernstlich an's