# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 05 25_S132 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ten Weihnachtsfeiertag verdrängt), des Matthias den 24. Februar, des Philippus und Jacobus den 1. Mai, des Petrus und Paulus den 29. Juni, des Jacobus den 25. Juli, des Bartholo⸗ mäus den 24. Auguſt, des Matthäus den 21. September, des Simon und Judas den 28. October. Unter den ſeltener vorkommenden Heiligen⸗ Tagen findet ſich: Pauli Bekehrung (25. Januar) mit dem Evangelio Matth. 19, 27-30., oder Apoſtelgeſch. 9, 1—22., und mit der Epiſtel 1 Tim. 1, 14 — 17., oder Apoſtelgeſch. 9, 1 —22. Dr. Luther hat an dieſem Tage nur über den Text aus der Apoſtelgeſchichte geprediget, weil er nach Art der Evangelien geſchichtlichen Inhalts iſt; er ſagt: „Dies Feſt halten und feiern wir um der herr⸗ lichen und lieblichen Hiſtorie und Geſchichte wil⸗ len, darinnen beſchrieben iſt, wie Sct. Paulus von Chriſto ſelbſt zum Apoſtel berufen und zum Prediger verordnet ſei, welchen Prediger und Apo⸗ ſtel er uns (die wir von den Heiden abſtammen) gegeben hat.“ (XII, 1506.) — „Die Hiſtoria von der Bekehrung des heiligen Pauli ſoll man als ein ſonder Gnadenwunderwerk unſers lieben HErrn Gottes in der Kirche behalten und davon predigen, beide um des großen Troſtes und nützen Lehre willen, die in ſolchem Wunderwerk uns wird vorgehalten.“ (XIII, 2520.) Der Tag der Maria Magdalena (22. Juli) iſt in den meiſten lutheriſchen Landeskir⸗ chen rückſichtlich der ganzen und halbtägigen Feier den Apoſteltagen gleichgeſtellt worden. Von dem Evangelio dieſes Tages (Luc. 7, 36 -50.) ſagt Dr. Luther: „Das iſt eine treffliche Hiſtorie, die billig auf einen ſondern Tag alle Jahre in der Kirche ſoll geprediget werden; denn ſie hält uns die zwei fürnehmſten Stücke der chriſtlichen Lehre vor, was eine rechte Buße ſei, und wie man zur Vergebung der Sünden kommen ſoll. (XIII, 2778.) Der Tag des Laurentius, des heiligen Märtyrers aus dem dritten Jahrhundert, (den 10. Auguſt) kommt nur in wenigen, doch guten Kir⸗ chenownungen vor und wird ebenfalls meiſt den Apoſteltagen gleich geſtellt. Hierher gehört das Wort des heiligen Auguſtinus, welches Dr. Lufher anführt: „Die Feſte der Märtyrer ſind Ermunterungen, ihnen in ihren Blutzeugniſſen nachzufolgen, daß wir nicht verdroſſen ſein ſollen, ihnen in demjenigen nachzufolgen, deſſen Andenken wir mit Vergnügen feiern.“ Unter diejenigen Tage und Feſte, welche die ſtreng lutheriſchen Kirchenordnungen des 16ten Jahrhunderts noch nicht kennen, gehören: Die Buß- und Bettage, zu denen erſt die Drangſale des 17ten Jahrhunderts Anlaß gegeben, und welche erſt um das 8te Jahrhun⸗ dert immer allgemeinere Geltung erlangt haben; genau genommen ſollten ſie nach der heiligen Schrift nur bei gewiſſen äußerlichen Veranlaſſun⸗ gen, z. B. bei Landplagen und dergleichen allge⸗ meinen Nöthen, gehalten werden. Ebenſo wenig findet man in jener Zeit ein Erndtefeſt, ob- gleich es nicht ſelten vorkommt, daß der Erndte— 132 dank auf den Michaelistag verlegt wird. Hätte man den Lutheranern des 16ten Jahrhunderts von einem Erndtefeſt, Miſſions feſt, Todten feſt und dergleichen geſagt, ſo würden ſie ſolche Sprache gar nicht verſtanden, oder wenigſtens für etwas Papiſtiſches gehalten haben; denn es war ihnen ein Feſt nur ein ſolcher Tag, den der HErr ſelbſt gemacht hatte; und Dr. Luther, indem er an der päbſtlichen Kirche die Sucht, Feſte zu machen, tadelt, ſpricht er: „Die Natur iſt geneigt, ja un⸗ ruhig, äußerliche Sitten aufzurichten und Gottes⸗ dienſte einzuſetzen; darum iſt vonnöthen, daß man ihr vorlomme und ſie behalten werde im Worte Gottes, auf daß wir gewiß ſeien, daß wir göttliche Dinge handeln und Gott einen Gefallen thun.“ (XIII, 2318.) (Fortſetzung folgt.) * Anweiſung zu einem wahrhaft chriſtlichen Leben. (Von Luther.) Sünde meiden iſt ein Schrein: Geduld im Leiden leg' darein, Gutes für Arges thu dazu, Fröhlich in Armuth —: nun ſchleuß zu! (S. Delitſch's Schatzkäſtlein.) —— Die Predigt und Predigttexte in der luthe⸗ riſchen Kirche. Unter den Mitteln, welche die Kirche zum Heile der Seelen gebraucht, ſteht die Predigt oben an. Sie iſt das Mittel, die da ferne ſtehen, herbeizu⸗ rufen, und die Herbeigerufenen und Herbeigekom⸗ menen in Beruf und Erwählung feſtzumachen. Bei der Predigt legt es die Kirche nicht eben dar⸗ auf an, das heilige Wort durch menſchliche Kunſt zu unterſtützen, ſondern die Haupiſache iſt, ſeine Kraft und Wirkung nicht zu hindern und dem Worte keine Art und Weiſe des Wirkens aufzu⸗ drängen, welche ſich für dasſelbe nicht eignet. Der Prediger verkündet das Heil in Chriſto JEſu mit dem Bewußtſein, daß nicht ſeine Zuthat, ſon⸗ dern der edle Inhalt des Wortes die Seelen von der Welt ſondern und Gott nahbringen müſſe. Zwar iſt es natürlich, daß der Prediger glaubt und darum redet, und es iſt ein häßlicher Wider⸗ ſpruch, zu predigen und ſelbſt nicht zu glauben; aber ein rechter Prediger will nicht durch Dar⸗ legung ſeines Glaubens und Erfahrens die Wahrheit empfehlen; er würde damit nur ſich empfehlen; vielmehr ſucht er ſein Volk dahin zu bringen, daß es mit jenen Samaritern ſagen könne: „Wir glauben hinfort nicht mehr um dei⸗ ner Rede willen, ſondern wir haben ſelbſt erkannt und geglaubt, daß dieſer iſt Chriſtus, des lebendi⸗ gen Gottes Sohn.“ Ein aufrichtiger Prediger tritt deshalb zwar nicht abſichtlich zurück, aber er tritt auch nicht abſichtlich vor, ſondern er kommt mit dem Wort und das Wort mit ihm; er iſt ein einfältiger, treuer Zeuge des Wortes, und das Wort zeuget für ihn; er und das Wort erſcheinen wie Eins. Ruhe baſirt. Auch wenn er ſtraft und ihn der Eifer um Goties Haus frißt, iſt's nicht der Zorn der unruhigen Welt, ſondern der Zorn des unver⸗ All ſein Predigen iſt auf heiliger letzbaren, friedenreichen Gottes, welcher in ihm erwacht. Nicht er iſt es hauptſächlich, der da redet, ſondern der HErr in ihm und durch ihn und ſeine Amtsführung iſt des HErrn würdig. Alleweg iſt es das Maß männlicher Reife, welches den kirchlichen Prediger auszeichnet. Int großen Vertrauen auf das göttliche Wort verſchmäht er deßhalb jeglichen Methodismus. Er hat eine Methode, die der ſach- und wortge⸗ mäßen Einfalt; aber gerade dieſe iſt keines Me⸗ thodismus fähig. Er will weder durch menſch⸗ liche Beredſamkeit, noch durch Gefühlserregungen, 5 noch durch das unreinere Mittel aufgereizter Ner⸗ ven dem HErrn IEſu Freunde gewinnen. Nicht die Unruhe der Erweckung iſt es, worauf er aus⸗ geht, ſondern der Umſchwung göttlicher Gedanken. Gleichwie die Berufung zur Erleuchtung fort⸗ ſchreitet und jeder Fortſchritt im innern Leben durch einen Fortſchritt der Erkenntniß bedingt' wird, ſo ſucht er auch vor allen Dingen die heili⸗ gen Gedanken des göttlichen Wortes recht befannt, dem Gedächtniß, der Anſchauung, dem Wohlge⸗ fallen, dem innerſten Weſen ſeiner Zuhörer recht nahe zu bringen. Auch er verwirft die Gefühle der Menſchen nicht, aber er erregt ſie durch ſtilles Vorhalten des himmliſchen Lichtes, oder vielmehr, er läßt dies Licht leuchten und weiß dann gewiß, daß mit dem Strahle auch Wärme ausgeht. Seine Schlagworte ſind nicht „erwecken“ u. dgl., ſondern jene Worte der Schrift, welche auf das allmähliche, ſtille Zunehmen des göttlichen Senf⸗ korns deuten. Sein Dringen und Nöthigen iſt nicht das Dringen und Nöthigen menſchlicher Un⸗ geduld, ſondern das geduldige Ausharren bei dem Worte. Er wartet gerne und weiß, daß die köſt⸗ lichen Früchte nicht über Nacht wachſen, und war⸗ tet auf alle ſeine Schafe, denn er weiß, daß der HErr Seine Stunden, Sein Eilen, aber auch Sein Verweilen hat. Der Prediger der Kirche iſt alſo kein Freund der „neuen Maßregeln“, mit den Methodiſten zu re⸗ den, ſondern er bleibt bei den alten Maßregeln des geduldigen, treuen Anhaltens am Wort und an der reinen Lehre. Derſelbe Geiſt ruhiger, ſicherer, vorſichts⸗ und zuverſichtsvoller Weisheit regiert ihn bei der Wahl ſeiner Texte. Er freut ſich der altherkömm⸗ lichen Perikopen und würde, auch wenn er dürfte, nicht gerne anſtatt ihrer freie Terte oder fortlaufende Stücke der heiligen Schrift ſeinen Vorträgen in den Hauptgottesdienſten zu Grunde legen. Er behält wohl am liebſten die Evan— gelien für den Hauptgottesdienſt, läßt die Epi⸗ ſteln an ihrer Stelle in der Ordnung des Gottes⸗ dienſtes und wird nicht müde, über die Evangelien zu predigen. Gleichwie ſie das Volk am liebſten hört, ſo werden ſie auch ihm immer voller und reicher, je öfter er darüber ſpricht. Er lernt, je länger er ſie behandelt, die große Predigerweisheit, dem Unbekannten Eingang durch das Bekannte zu verſchaffen und alle Lehren der Kirche an den allbekannten Texten zu zeigen. Wer alljährlich mit dem Texte wechſelt, taugt nicht zum Prediger des Volks, ja, man darf wohl ſagen, der Kirche. Das immer Andere und Neue ohne