# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 05 25_S131 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Evangelium, Joh. 3., preiſet die Gabe, welche der Heilige Geiſt durch das Wort des Evangelii den Renſchen verkündigt und den Gläubigen ſchenkt, nemlich unſern HErrn IEſum Chriſtum. Das dritte Evangelium, Joh. 10., gibt einen Unterricht vom heiligen Predigtamte, als dem Amte des Heiligen Geiſtes, und zeigt namentlich den Unter⸗ ſchied zwiſchen rechten und falſchen Lehrern. Die Epiſteln des zweiten und dritten Feiertages (Apoſtelg. 10, 42 — 48. und 2, 29 —36. oder 8, 14—25.) geben Zeugniß von den Predigten der Apoſtel und ihrer Frucht. Das Trinitatisfeſt fordert nach Dr. Luthers Ausſpruch, die Leute zu unterrichten, zu trinnern und zu ſtärken im Glauben des Artikels der heiligen Dreifaltigkeit; denn wo dies nicht geſchehe, ſo könnten auch die anderen Artikel nicht rein, noch fruchtbarlich gehandelt werden; hin— ſichtlich des Unterſchiedes dieſes und der andern hohen Feſte fügt er Folgendes hinzu: „Die an⸗ deren Feſte im Jahr wickeln unſern HErrn Gott ein in ſeine Werke und Wunder, die er gethan hat; als, in den Weihnachten Chriſti begeht man, daß Gott iſt Menſch worden; am Oſtertage, daß er iſt von Todten auferſtanden; am Pfingſttage, wie er den Heiligen Geiſt gegeben und die chriſt⸗ liche Kirche angerichtet hat, und ſo fort an; daß alle andere Feſte von unſerm HErrn Gott ſo pre⸗ digen, wie er bekleidet iſt, etwa mit einem Werk; aber dies Feſt hält uns für, wer er an ihm ſelbſt ſei, außer allen Kleidern oder Werken, bloß an ſeinem göttlichen Weſen. Da muß man hoch über alle Vernunft kommen, alle Kreaturen hienieden laſſen und allein hören, was Gott von ihm ſelbſt ſagt und von ſeinem innerlichen Weſen, ſonſt werden wir es nicht erfahren.“ (XII, 8⁵2 ff.) Nach ſeiner Meinung iſt das gewöhnliche Evan⸗ gelium Joh. 3. deßhalb für dieſes Feſt beſtimmt vorden, weil darin der Unterſchied der drei Perſo⸗ nen in ihrem höchſten Werk, nämlich unſerer Recht⸗ fertigung, ſo deutlich angezeigt wird, wie nemlich der Vater der Welt ſeinen Sohn ſchenkt, der Sohn am Kreuz ſich erhöhen läßt und der Heilige Geiſt durch das Waſſer der heiligen Taufe uns wieder⸗ gebieret zum Reiche Gottes. Die Perikopen der 27 Trinitatisſonn⸗ tage waren mit unbedeutenden Ausnahmen die⸗ ſelben, wie wir ſie jetzt noch haben. Die ganzen Feiertage, welche während der Tri⸗ nitatiszeit nach den alten lutheriſchen Kirchenord⸗ nungen gefeiert werden, ſind mit Ausſchluß der Apoſteltage folgende: Der Tag Johannis des Täufers (24. Juni) ſoll, wie Dr. Luther ſagt, um der geiſtli⸗ chen Freude willen begangen werden, daß Johan⸗ nes der erſte Prediger iſt, welcher mit ſeinem Fin⸗ ger den gebenedeieten Samen zeigen und uns das Heil und Vergebung der Sünden weiſen ſoll; folg⸗ lich wird dies Feſt nicht um Johannis, ſondern um Chriſti willen gefeiert, und zwar iſt der Lob⸗ geſang oder das Benedictus des Zacharias das rechte Hauptſtück im ganzen Tert, weil er darin „mit den allerfeiueſten Worten das Evangelium und Reich Chriſti mit allen ſeinen 13¹ Früchten, Farben und Eigenſchaften auf das allermeiſterlichſte abmalet, daß es ſei ein Wort und Reich der Gnaden, Vergebung, Friedens, Freuden, Sicherheit, Seligkeit und alles Gutes“. (XI, 3059.) Der Tag Mariä Heimſuchung (te Juli) iſt ebenfalls ein Feſt des HErrn, denn wir feiern es darum, „erſtlich, daß man Gott danke für die herrliche Offenbarung, die auf dieſen Tag ge⸗ ſchehen iſt, daß die fromme und alte Matrona, die liebe Eliſabeth, ſo des Heiligen Geiſtes voll iſt, und die vor von Chriſto und ſeiner Empfängniß nichts weiß, jetzund herausfähret und bekennet, daß das Jungfräulein Maria ſei die rechte Mut⸗ ter ihres HErrn und Gottes: wird deroh alben froh, daß ſie ſo einen großen herrlichen Gaſt be— kommen hut, der da heißt Gottesſohn. Und das Kindlein in ihrem Leibe, der liebe Johannes, meldet ſolchen Gaſt auch, wird fröhlich und hüpfet im Mutterleibe. Bezeugen alſo beide, die Mutter mit ihrer Predigt, und das Kindlein mit ſeinem Hüpfen, daß Chriſtus vorhanden ſei, durch welchen aller Welt, zuvörderſt aber dem jüdiſchen Volk, von Tod, Sünde und Teufel ſoll geholfen werden. Solches ſoll uns zugleich zur Freude und ernſtem Dank gegen Gott bewegen. Denn wo Gott dieſen Schatz heimlich halten und nicht gewollt hätte, daß wir davon wiſſen und ſein ge⸗ nießen ſollten, würde ſolche wunderbarliche Offen⸗ barung wohl dahinten geblieben ſein. Auf dieſe Offenbarung folget darnach auch ein ſonderliches Stück, nämlich der ſchöne Lobgeſang, das Magni⸗ ficat: das iſt auch werth, daß wir einen Feiertag ihm zu Ehren machen, daß man es predige und wohl verſtehen lerne, denn es iſt zumal ein feiner Geſang.“ (XIII, 2720. ff.) „Den Tag Michaelis des Erzengels (den 29. September) halten wir, daß wir Gott dem HErrn danken für dieſe Wohlthat, Troſt und Freude, daß er uns gegeben hat den Schutz und Beiſtand ſeiner lieben Engel, daß wir nicht dahin leben, wie die undankbaren gottloſen Leute, deren leider allzuviel iſt auf Erden, — wenn man aber von den lieben Engeln predigt, ſo kann man nicht umgehen, man muß auch predigen von Teufeln; ſintemal die Teufel auch Engel ſind, — wenn man aber dieß nicht weiß, daß uns der Teufel ſo nahe iſt, ſo ver⸗ leuret man die Erkenntn iß der Wohlthat, die uns Gott durch ſeine Engel thut, gleichwie einer, der den Tod nicht kennet, kann nicht wiſſen, wie edel das Leben iſt; und wer keinen Hunger gelitten hat, weiß nicht, wie theuer und werth das liebe Brod ſei.“ (X, 1234. ff.) Das Reformationsfeſt wurde nach der pommerſchen Kirchenordnung als ein beſonderes Feſt am Tauftag Dr. Luthers (11. November) gefeiert. Dieſer Tag erhielt dann als Evange⸗ lium Luc. 12, 35 — 48., und als Epiſtel Offen⸗ barung St. Joh. 14, 6. 7. In Sachſen wurde vom Jahre 1669 an dies Feſt am 31. October gefeiert, wobei als Evangelium Offenbarung St. Joh. 14, 6—13., und als Epiſtel Pſ. 46. vorge⸗ ſchrieben war; übrigens war der erſte, welcher den Engel mit dem ewigen Evangelio auf Dr. Luther gedeutet, nicht, wie man gewöhnlich an⸗ nimmt, Dr. Bugenhagen in der Leichenpredigt Luthers, ſondern Michael Stiefel, der darüber ſchon um das Jahr 1520 eine beſondere Schrift heraus gegeben hat. ö Der Kirchweihtag wurde nach einer ſäch⸗ ſiſchen Verordnung in dem Zeitraume vom 11ten November bis 6ten December gefeiert, wie dies auch ſchon zu Dr. Luthers Zeiten geſchah; er ſagt davon: „Ich halte, daß es aus ſonderlicher Got⸗ tes Vorſehung geſchehen ſei, daß die lieben Väter dies Evangelium (Luc. 19, 1. ff.) auf dieſen Tag zu leſen und zu predigen verordnet haben, da ſie (die ſpäteren Lehrer) die Larven und Ge⸗ präng der äußerlichen Kirchweihung eingeſetzet haben; wiewohl ſie mit einem thürſtigen Frevel das menſchliche Herz, ſo mit äußerlichen Dingen befangen iſt, merklich ſehr verhindern, daß es nichts Tiefes indeß bedenken kann. Doch zeuget das Evangelium, welches Geiſt und Leben iſt, an, daß der Tempel ſolle Gott geheiliget ſein: nicht der Tempel, der von Stein oder Holz gebauet iſt und mit Schiefer bedecket, ſondern es ſagt, daß dem Hauſe ſei Heil widerfahren, welches da iſt ein Sohn Abrahä.“ (XI, 3219.) Die Apoſteltage ſind in vielen lutheriſchen Landeskirchen mit ganztägiger, in mehreren, wie in der pommerſchen, mit halbtägiger Feier began⸗ gen, ſelten aber auf den nächſtfolgenden Sonntag und noch weit ſeltener, nach dem Vorgange der Reformirten, auf die Wochenpredigten verlegt worden. Die Legenden der Apoſtel, ausgenom⸗ men Pauli, ſollen nach Dr. Luthers Rath, wobei er ſich auf Euſebius' Kirchengeſchichte beruft, deß⸗ halb verworfen werden, weil ſie durch die Bosheit der Ketzer verderbt worden ſind; hinſichtlich deſſen aber, was die heilige Schrift von ihnen erzählt, ſagt Dr. Luther: „Es iſt ſehr gut, daß man in der Kirche etliche Hiſtorien der Heiligen beibehalten hat, welche in der heiligen Schrift darum ſo flei⸗ ßig auigezeichnet ſind, auf daß wir nach ſolchen Erempeln uns halten und unſer Leben beſſern ſollten. Denn um dieſer Urſach willen hat es der Heilige Geiſt ſo verordnet, daß man nicht allein von ihrer Heiligkeit, Glauben und guten Werken, ſondern auch von ihrer Schwachheit und Sünden hat ſchreiben müſſen, uns zum Unterricht und Lehre, daß, gleichwie ihr Glaube und gute Werke uns vorleuchten und wir ihrem Exempel folgen ſollen, alſo auch ihre Sünde und Schwachheit uns warnen ſoll, daß wir nicht ſicher ſein, ſondern uns in guter Hut halten ſollen. Denn, ſo es ſo großen trefflichen Leuten, denen wir unſer Lebiag nicht gleich werden, gefehlet hat, daß ſie geſtrau⸗ chelt und bisweilen gar gerallen ſind, wie viel mehr kann es ſich mit uns zutragen, ob wir gleich jetzt ſtehen, daß wir unverſehens fallen und liegen. Darum gehört großer Fleiß und ſtetes Beten dazu, daß Gott uns erhalten und nicht in Verſuchung wolle ſinken laſſen.“ (XIII, 2798. ff.) Die Reibe der Apoſteltage, deren Perikopen mit weni⸗ gen Ausnahmen am Ende unſerer Bibeln ange⸗ geben ſind, iſt nach dem Laufe des Kirchenjahres folgende: Tag des Andreas 30. November, des Thomas 21. December, Johannis des Evange⸗ liſten den 27. December (meiſtens durch den drit⸗