# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 05 11_S128 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſtände erzielende Parthei hat überall die Oberhand gewonnen und theils mit Gewalt, wie in Wien und Berlin, theils durch Künſte der Politik dem Volke ſeine ſogenannten Märzerrungenſchaften aus den Händen gerungen, doch ſcheint ſie ihres Triumphs noch keineswegs ſicher zu ſein. Die hohen Gedanken von Einheit und Freiheit Deutſchlands ſind größtentheils in ein Nichts zer⸗ ſtoben; nie iſt die Ausſicht auf Einheit der ver⸗ ſchiedenen deutſchen Stämme entfernter geweſen, als jetzt. Der Frankfurter Reichstag, der bei⸗ läufig ſo theuer ſein ſoll, daß jedes Wort, das dort geſprochen wird, einen halben Gulden koſtet, ſcheint immer mehr an moraliſcher Kraft zu verlieren. Er faßt Beſchlüſſe, aber niemand kümmert ſich darum. Im Januar ſollten die ſogenannten Grundrechte in ganz Deutſchland publicirt und eingeführt werden, als aber der Tag kam, dachte Niemand daran, einige Regierungen weigerten ſich geradezu, ſie einzuführen, andere wollten ſie nur bedingungsweiſe anerkennen, noch andere wollten abwarten, was die andern thun würden. Der Reichstag hat beſchloſſen, es ſoll ein Kaiſer ſein und derſelbe ſoll aus den regierenden Fürſten gewählt werden. Oeſtreich aber, da es merkt, daß der König von Preußen gute Ausſicht auf die Kaiſerkrone habe, macht böſe Miene und will in keinem Falle ſich eine Unterordnung unter einen andern Fürſten gefallen laſſen. Es wird ſich vom deutſchen Bunde entweder gänzlich trennen, oder, wenn es die Kaiſerwahl nicht auf ſich lenken kann, das ganze Project durch heimliche Intriguen um⸗ ſtoßen, zumal da es an Rußland, Bayern und Hannover gleichgeſinnte Bundesgenoſſen hat. In Ungarn ſollen die bisher ſiegreichen kaiſer⸗ lichen Waffen bedeutende Verluſte von den Ungarn erlitten haben und man vermuthet, daß der Kaiſer bereit ſein würde, einen billigen Frieden mit den rebelliſchen Ungarn zu machen. Dänemark rüſtet ſich fortwährend bedeutend, ungeachtet die Friedensunterhandlungen fortgeſetzt werden und der Waffenſtillſtand um drei Monate verlängert werden ſoll. In Frankreich gewinnt der neue Präſident, Louis Bonaparte, an Volksgunſt und Anhängern. Man ſpricht bereits ſchon von ſeiner in Ausſicht ſtehenden Thronbeſteigung. Daß der Pabſt aus Rom entflohen, iſt bereits bekannt; nun hat das römiſche Volk auch am 9. Februar die Republik ausgerufen und die weltliche Herrſchaft des Pabſtes über den Kirchenſtaat für aufgehoben erklärt. Doch will man dem Pabſte die Ausübung ſeiner geiſtlichen Gewalt ſichern. Dieſer Act wurde mit einem Te Deum in der Peterskirche beſchloſſen. Wahrſcheinlich wird ſich das Feuer weiter verbreiten, wie denn bereits der Großherzog von Toskana aus ſeiner Reſidenz ver⸗ jagt und. die Republik dort erklärt worden iſt. Gegen Rom ſollen zwei Armeen im Anzuge ſein, um den Pabſt in „das Erbe Petri“ wieder einzu⸗ ſetzen. Ein merkwürdiges Zeichen der Zeit iſt's auch, daß der türkiſche Großherr ein Geſetz erlaſſen hat, durch welches die Chriſten gleiche bürgerliche Rechte mit den Muſelmännern genießen und ſelbſt zu den höchſten Staatsämtern Zutritt haben ſollen. Die beiden unter türkiſcher Oberhoheit ſtehenden Fürſtenthümer, die Moldau und Wallachei, welche auf Veranlaſſung einer dort ausgebrochenen Re⸗ volution von den Ruſſen beſetzt waren, ſind noch in den Händen der letzteren und ſie haben keine Luſt, ſie wieder herzugeben, trotz der Proteſtation Englands und Frankreichs dagegen. 12⁸ Die Aufgeklärten und die Kirche. Wechſelgeſang. 1 Sam. 24, 13.: Der HErr wird Rich⸗ ter ſein zwiſchen mir und Dir. Die Aufgeklärten. Wie haben wir's doch ſo weit gebracht, Wie ſind wir doch ſo vorgeſchritten! Wir haben die Lehre nun klar gemacht, Den Kern der Bibel erſtritten. Wir haben gezeigt, daß ein Gott muß ſein, Seine Eigenſchaften wir kennen: ‚ Daß Gott iſt Gott — das gilt jetzt gemein, Und Chriſt ſein Geſandter zu nennen. Die Kirche. Es ſpricht der Unweiſen Mund wohl: Den rechten Gott wir meinen; Doch iſt ihr Herz Unglaubens voll, Mit That ſie ihn verneinen. Ihr Weſen iſt verderbet zwar, Vor Gott iſt es ein Greuel gar, Es thut ihr'r Keiner kein Gut. Die Aufgeklärten. Und wie der Menſch beſchaffen ſei, Das brauchet ihr uns nur zu fragen; Von ſeinen Gaben ſo mancherlei Wir wiſſen das Rechte zu ſagen. Denn der Vernunft iſt Alles klar, Sie bauet einen Thurm bis zum Himmel, Dort ſchauet ſie Gott und bis auf ein Haar Den Menſchen im Erdengetümmel. Die Kirche. Unſer Wiſſen und Verſtand Iſt mit Finſterniß umhüllet, Wo nicht Deines Geiſtes Hand Uns mit hellem Licht erfüllet. Gutes denken, thun und dichten, Mußt du ſelbſt in uns verrichten. Die Aufgeklärten. Der Menſch iſt edel, iſt göttlich, iſt frei Wird ohne Sünde geboren; 3„ Wtrr Braucht er ſeine Gaben ſo mancherlei, Geht nimmer das Glück ihm verloren. Und ſtrauchelt er — ſiehe, wir leugnen es nicht — So braucht er doch nicht zu erſchrecken, Die eigne Tugend ihn frei wieder ſpricht, Ihr Glanz wird die Schäden ſchon decken. Die Kirche. Durch Adams Fall iſt ganz verderbt Menſchlich Natur und Weſen: Sein Gift iſt auf uns fortgeerbt, Wir konnten nicht geneſen Ohn' Gottes Troſt, der uns erlöſ't Hat von dem großen Schaden, Drein Satans Macht Uns hat gebracht, Gott's Zorn auf uns zu laden. Die Aufgeklärten. Seht, das iſt Wahrhein, die machet euch frei Und glücklich, ſie wehrt nicht dem Freuen; Nur, daß es hübſch mäßig und anſtändig ſei, Damit nicht die Folgen zu ſcheuen. Und habt ihr vollendet die Erdenbahn, Ihr treuen, ihr herrlichen Seelen, So wird euch, die ihr hier Gutes gethan, Der Lohn der Tugend nicht fehlen. Die Kirche. Mitten wir im Leben ſind Von dem Tod umfangen: Wen finden wir, der Hülfe thu', Daß wir Gnad' erlangen? Das biſt Du, HErr, alleine. Uns reuet unſre Miſſethat, Die Dich, HErr, erzürnet hat. Heiliger HErre Gott, Heiliger ſtarker Gott, Heiliger barmherziger Heiland, Du ewiger Gott, laß uns nicht verſinken In des bittern Todes Noth. Kyrie eleiſon. Die Aufgeklärten. Wie haben wir's doch ſo weit gebracht, Wie ſind wir doch ſo vorgeſchritten! Doch nehmt, o Freunde, das wohl in Acht, Das wir ſo mühſam erſtritten. Vereinigt euch, Freunde des Lichts, zur Zeit, Die Bande noch enger zu ſchlingen, Führt wider die Dunkelmänner den Streit: Fürwahr es wird euch gelingen. Die Kirche. Das Wort ſie ſollen laſſen ſtahn Und keinen Dank dazu haben. Er iſt bei uns wohl auf dem Plan Mit ſeinem Geiſt und Gaben. Nehmen ſie den Leib, Gut, Ehr', Kind und Weib: Laß fahren dahin, Sie haben's keinen Gewinn; Das Reich muß uns doch bleiben. (Aus den Zeitgedichten v. H. A. Seidel.) Die beiden Blinden. Es waren einmal in Rom zwei Blinde. Der eine derſelben rief täglich in den Straßen der Stadt: „Dem iſt geholfen, dem Gott hilft“; det andere hingegen rief: „Dem iſt geholfen, dem der Kaiſer hilft.“ — Da ſie dies täglich thaten, und der Kaiſer es oft hörte, ſo ließ er ein Brod backen und es mit vielen Goldſtücken füllen. Dieſes mit Geld gefüllte Brod ließ er dem einen Blinden geben, der ſich auf des Kaiſers Hülfe berief. Da er das ſchwere Gewicht des Brodes fühlte, ſo ver⸗ kaufte er es dem andern Blinden, als er ihm be⸗ gegnete. Der Blinde, der das Brod gekauft hattt, trug es nach Hauſe, und da er es gebrochen hatie und das Geld darin fand, ſo dankte er Gott und hörte von nun an auf zu betteln. Da aber der andere immer noch in der Stadt Brod bettelte, ſo rief ihn der Kaiſer zu ſich und fragte ihn: „Was haſt Du mit dem Brode gemacht, das ich Dir geſtern habe geben laſſen?“ Er antwortete: „Ich ö habe es an meinen Freund verkauft, weil es min teigig zu ſein ſchien.“ Der Kaiſer aber ſagte: „In der That, wem Gott hilft, dem iſt gehol⸗ fen“, und trieb den Blinden von ſich. (Lat. Geſch. aus d. 13. u. 14. Jahch. Mag. f. Lit. d. Ausl.) Die Deutſche Evangeliſch⸗Lutheriſche Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten hält ihre nächſten Sitzungen in Fort Wayne, In d., von Mittwoch nach Trinitatis an, am 6. bis 16. Juni d. J. Beränderte Adreſſe: Rev'd J. C. Schulze, Springfield, Clark Co., Ohio. Die Buchhandlung von Rohland und Detharding, Nro. 9 Cheſtnut Straße, St. Louis, Mo., empfiehlt: Der Pilger aus Sachſen. Eine chriſtliche Zeitſchrift. 14. Jahrg. 52 Num⸗ mern 51.00. Erhalten für die Miſſion am Fluſſe Cass in Mich.: 51.00 von den luth. Gemeinden zu Bucyrus und Gal⸗ lion, Crawford Co., O., durch Hrn. P. Kraus. zur Synodal-Miſſions⸗Caſſe: 55.684 von Hrn. P. Löber u. ſ. Gemeinde. 51.00 von Hrn. Gottfr. Müller in Paitzdorf. 83.00 durch Hrn. P. Habel von ſ. Gemeinde in Pomeroy und Cheſter Township, Ohio. 53.00 von Hrn. P. Brauer, Collecte. 54.15 von Gemeindegliedern in St. Louis. 1 Bezahlt. Den 1. Jahrg. Hr. Fr. Ochs. Den 4. Jahrg. Hr. Heinr. Bardonner bis No. 17. Die 1. Hälfte des 5. Jahrg. Hr. Kaufmann. Die 2. Hälfte des 5. Jahrg. Die HH. Fr. Markgraf, Jakob und Chrn. Wingert. Den 5. Jahrg. Die HH. Anton Bade, P. Brauer, John Beery, Conr. Brandes, Fr. Dickmann, Nicol. Hel⸗ ferich, Georg Heilbronn, P. Jäger, Krage, P. Meißner, Fr. Ochs, P. Röbbelen, H. Schmidt, Chrn. Spannagel, Georg Weidner. Die 1. Hälfte des 6. Jahrg. Die HH. Fr. Markgraf, Jakob und Chrn. Wingert. Gedruckt bei Arthur Olshauſen, Herausgeber des Anzeiger des Weſtens.