# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 05 11_S127 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Um einer Mißernte und einer daraus entſtehenden Hungersnoth vorzubeugen, erwartet man, daß Jemand einen Kriegsgefangenen von einem der beiden Geſchlechter darbringen würde, und es fan⸗ den ſich auch ſtets Solche, die eine Ehre darin ſuchten, die Beute ihrer Tapferkeit der allgemeinen Wohlfahrt zu weihen. Das Opfer ſelbſt wurde ſorgfältig in Unwiſſenheit über das ihm bevor⸗ ſtehende Schickſal gehalten, wurde auf's Schönſte gekleidet, auf's Beſte genährt und mit aller Zart⸗ heit behandelt, in der Abſicht, die Fettleibigkeit zu befördern und den zu verſöhnenden Göttern eine deſto angen ehmere Gabe zu bereiten. War das ſorgloſe Opfer durch den erfolgreichen Gebrauch dieſer Mittel hinlänglich gemäſtet, ſo wurde ein Tag zur Opferung beſtimmt und das ganze Volk verſammelte ſich, um dem feierlichen Auftritte bei⸗ zuwohnen. Denkt euch die große Verſammlung der Paw⸗ nee's zu Ehren des Opfers und ihr wildes Jauch⸗ zen. In die Mitte des großen Kreiſes bringt man einen Pfahl, deſſen Ende geſchärft wird, dann treibt man ihn tief in die Erde. Darauf erhebt ſich Jauchzen und Freudengeſchrei, ein Zeichen, daß alles fertig iſt. In einiger Entfernung ſteht eine Schaar von Pawnee's — an der Seite des Führers ein feines Mädchen. Sie iſt eine Ietanerin. Sie nähern ſich. Der, welcher ſie gefangen führte, tritt ſtolz in den Kreis. Ein Freudengeſchrei bewillkommt ihn. Er nimmt das Mädchen bei der Hand und führt ſie zum ver⸗ hängnißvollen Ort. Ihr Rücken wird gegen den Pfahl gelehnt, man bringt Stricke und ſie wird daran gebunden. Dann werden Holzbündel ge⸗ ſammelt und rund um das Opfer gelegt. Schon ſieht man eine Fackel, welche aus dem Walde kommt, in der Nähe. In dieſem Augenblicke ſpringt ein junger Krieger in den Kreis, ſtürzt ſich zum Pfahle, zerſchneidet die Stricke, welche das Opfer daran binden, ſpringt auf ein Pferd und wirft ſie auf ein anderes, treibt beide zum ſchnell⸗ ſten Galopp und iſt bald in der Ferne verſchwun⸗ den. Es war Petaleſharro, der Sohn des großen Häuptlings der Pawnee's, Letalaſhahou. Nach⸗ dem er das gerettete Mädchen in die weiten Ebe⸗ nen außerhalb der Grenzen der Pawnee⸗Stadt gebracht und ſie mit Lebensmitteln verſehen hatte, zeigte er ihr den beſten Weg zu ihrem Volke, wel⸗ ches etwa vierhundert Meilen entfernt war, und verließ ſie. Sie hatte das Glück, am nächſten Tage einer Kriegerſchaar ihres Volkes zu begeg⸗ nen, von welcher ſie ſicher nach Hauſe gebracht wurde. Im Jahre 1821 ging Petaleſharro in Ange⸗ legenheiten ſeines Volkes nach Waſhington. Dis dortigen Damen übergaben ihm in einer feierlichen Verſammlung eine Medaille als Anerkennung ſei⸗ ner edien That. Mit der Anmuth, welche dem Indianer eigenthümlich iſt, hielt er das Ehrenzeichen, welches er auf eine ſo heldenmüthige Weiſe gewonnen hatte, vor ſich hin und antwor⸗ tete im Hinblicke darauf folgendermaßen: „Dieß Geſchenk bringt meinem Herzen Ruhe. Ich fühle mich ruhig, wie ein Blatt nach dem Sturme und wenn der Wind ſtille iſt. Ich habe Euch gehört. 12⁷ Ich bin erfreut. Ich liebe die Blaßgeſichter mehr als je, und will meine Ohren weiter öffnen, wenn ſie reden. Ich freue mich, daß Ihr von meiner That gehört habt. Ich wußte nicht, daß meine That ſo gut war. Sie kam aus meinem Herzen. Ich war unbekannt mit ihrem Werthe. Ich weiß jetzt, wie gut ſie war. Ihr lehrt es mich, indem Ihr mir dieſe Medaille ſchenkt.“ Solche Thaten pflegen die Rationaliſten als Beweiſe für die natürliche Güte, Reinheit und Unverdorbenheit des menſchlichen Herzens anzu⸗ führen. Wir dagegen ſehen nach der heiligen Schrift mit Auguſtinus in den Tugenden der Heiden nur glänzende Laſter. Solche Thaten haben den Schein eines guten Werkes, aber auch nichts mehr, denn ſie entſpringen aus Ehrgeiz, Eitelkeit, und Ruhmſucht. Das Herz des Unwiedergebore⸗ nen iſt böſe, darum ſind es auch alle ſeine Erzeug⸗ niſſe, wenn ſie äußerlich auch noch ſo ſehr gleißen unter der heuchleriſchen Maske der Tugend. Dagegen offenbart das Heidenthum in den Menſchenopfern recht eigentlich ſein teufliſches, grauenhaftes Weſen. Und doch, man kann es nicht leugnen, ſpricht ſich in dieſer fürchterlichen Verirrung eine dunkle Ahnung von der menſch⸗ lichen Sündhaftigkeit, von dem Zorne Gottes und einem verſöhnenden Opfer aus. Leſer! der Du Frieden gefunden und Deine Kleider helle gemacht haſt in dem Blute des Lam⸗ mes und der Du im gläubigen Genuſſe desſelben täglich die Freundlichkeit und Leutſeligkeit Deines Gottes ſchmeckſt, vergiß in Deinem Gebete jener armen verſunkenen Heiden nicht, die, ohne es ſelbſt zu wiſſen, nach Erlöſung ſeufzen. Es iſt ja Chriſto ein Leichtes, ſie dem ſtarken Gewapp⸗ neten zu entreißen, ſie aus der waſſerloſen Grube zu führen und ſie zu erleuchten mit dem Worte des ewigen Lebens. Auch ſie ſind durch die Schöpfung und durch die Erlöſung zwiefach Chriſti Eigenthum, auch ihnen hat er die Seligkeit ver⸗ heißen, darum laßt uns Alles thun, was uns möglich iſt, jene verirrten Schafe in die Arme ihres ewig treuen Hirten zu führen. „Der Lichtfreund.“ In der letzten Nummer dieſes Blattes ereifert ſich ein Correſpondent aus unſerer guten Stadt St. Louis heftig darüber, daß der Lutheraner'vor einiger Zeit bewieſen hat, wie thöricht es ſei, ſich an dem Wunder von Bileams redendem Eſel zu ſtoßen. Dieſe Sache, ſowie der Umſtand, daß wir Lutheraner nicht glauben wollen, wie unſere Re⸗ publik nach unſeren Begrifſen vom Teufel ſei, bringt unſeren lieben republikaniſchen Mitbürger ſo außer ſich, daß er, wie von einem Wahrſager⸗ geiſt ergriffen, folgenden Orakelſpruch thut: „Aber es kommt die Zeit für Amerika gewiß noch leider, wo dieſe lutheriſchen Jeſuiten, eben ſo gut wie die katholi-— ſchen, aus dem Lande getrieben wer⸗ den, wie dieß anderwärts geſchehen iſt.“ Da wir nun fürchten müſſen, der ehren⸗ werthe Herr Correſpondent habe in der Geſchichte von dem redenden Eſel etwas für ihn perſönlich len. Was aber den zweiten Punkt betrifft, ſo glauben wir, daß zwar Revolution nie ohne Sünde gemacht wird, daß aber jede beſtehende ordentliche obrigkeitliche Gewalt und Staatsver⸗ faſſung, gleichviel auf welchem Wege ſie zu ihrem Beſtand gekommen iſt, von Gott ſei, denn die Schrift ſagt: „Jedermann ſei unterthan der Obrig⸗ keit, die Gewalt über ihn hat. Denn es iſt keine Obrigkeit, ohne von Gott; wo aber Obrig⸗ keit iſt, die iſt von Gott verordnet.“ Der Herr Correſpondent hat ſich zwar mit dem Buchſtaben X unterzeichnet, wir erlauben uns jedoch beſcheiden zu zweifeln, daß dieß der An⸗ fangsbuchſtabe ſeines Namens ſei, halten vielmehr dafür, daß er uns damit zu unſerem Troſte zu verſtehen geben wolle, er gehöre zu denen, die den Leuten gern ein X für ein U vormachen, daß wir uns daher vor jenem unrepublikaniſchen Orakel⸗ ſpruch nicht zu fürchten haben. „Antworte dem Narren nach ſeiner Narrheit, daß er ſich nicht weiſe laſſe dünken.“ Sprüchw. 26, 5. Als der Fürſtlich-Schönburgiſche Hofprediger zu Hartenſtein, Niedner, einſtmals bei ſeinem Fürſten zur Tafel war, wendete ſich ein ſchnippi⸗ ſches adeliges Fräulein mit den Worten an den ehrwürdigen Greis: „Sagen Sie mir doch, Herr Hofprediger, glauben Sie denn wirklich auch das, daß Bileams Eſel geredet habe?“ Der Gefragte antwortete ſchnell: „Nein, mein Fräulein, denn es ſteht geſchrieben, es ſei eine Eſelin geweſen, die geredet habe.“ — Das Fräulein ſchwieg. Recht glauben und wohl leben heimlich und bei ſich ſelbſt, fichtet der böſe Geiſt nicht ſo hart an. Aber wenn man will herausfahren, und dasſel⸗ bige ausbreiten, bekennen, predigen und loben auch dem andern zu gut, das mag er nicht leiden. Luther. Geſetz und Evangelium. Das Geſetz, wo es recht verſtanden wird, ſo machts verzagt, und richtet Verzweiflung an; wirds aber nicht verſtanden, ſo macht es Heuchelei. Gleichwie das Evangelium, wo es nicht recht ver⸗ ſtanden wird, ſo macht es ſichere rohe Leute; wiederum, wo es recht verſtanden und geglaubet wird, ſo macht es fromme gottſelige Leute. Luther. Kirchliche Nachrichten. Nachdem Herr Dr. Stibolt aus Holſtein von den deutſch-lutheriſchen Gemeinden zu Warſaw, Illinois, und zu Keokuk, Jowa, einen ordent⸗ lichen Beruf erhalten und das vorſchriftsmäßige theologiſche Candidatenexramen beſtanden hatte, ſo iſt ſelbiger am 28. vorigen Monats vor der hieſi⸗ gen lutheriſchen Gemeinde in der Dreieinigkeits⸗ kirche derſelben von dem Präſes der Synode unter Aſſiſtenz des Paſlors Bünger zu ſeinem Amte öf⸗ fentlich und feierlich ordinirt worden. Mittheilung von Welthündeln. Es iſt ſchwer, von den europäiſchen und reſp. deutſchen Zuſtänden ein richtiges Bild zu entwer⸗ fen, noch ſchwerer, einen Wahrſcheinlichkeitsſchluß für die nächſte Zukunft zu machen, da dieſe Zu⸗ ſtände ſeit den letzten Monaten in neue Verwir⸗ rung und Unſicherheit gerathen ſind. Scheinbar Ehrenrühriges zu finden geglaubt, ſo erklären wir iſt äußere Ruhe faſt allenthalben hergeſtellt, aber hierdurch, daß wir mit derſelben durchaus keinen die Erbitterung der Partheien währet fort; die unſerer Mitbürger perſönlich haben kränken wol- reactionäre d. i. die Rückkehr in die frühern Zu⸗