# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 05 11_S125 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) herigen Wün ſchen entgegenkommend, daß ſelbſt die Mitglieder der Linken darüber verblüfft waren, und einige nicht verhehlen konnten, ſie ſeien damit ge⸗ hörig blamirt. Nicht nur ſchließt ſich dieſe Ver⸗ faſſung genau an die zu Frankfurt berathenen Grundrechte an, ſondern erklärt auch, daß wo durch die weitere Berathung und zweite Leſung der Grundrechte eine Differenz ſich ergebe, die Regierung in Gemeinſchaft mit der nächſten Landesverſammlung, der die Verfaſſung zur Re⸗ viſion vorgelegt werden ſolle, den Einklang der⸗ ſelben mit den Grundrechten herzuſtellen habe. In manchen Punkten tritt ſie noch entſchiedener auf als die Grundrechte, ſo geſtattet ſie der Kirche völlige Freiheit und behält dem Staat nicht ein⸗ mal eine Beſtätigung der Wahl von Kirchen⸗ dienern vor. Nun erhob ſich freudiges Erſtaunen im Lande, von allen Seiten liefen Dankadreſſen für die Verfaſſung an den König ein, ſelbſt von Orten, die kurz vorher der Linken Aufmunterungs⸗ adreſſen zugeſchickt hatten. Mit der Steuer⸗ verweigerung aber wars nun ganz vorbei: General Wrangel, der früher Vielgehaßte und Verworfene, iſt nun der populärſte Mann in Ber⸗ lin, und Held, der bisherige Hauptdemagoge, Volkserreger und Tyran nenfreſſer, ergötzt jetzt das Volk in demſelben Hauſe, wo das Rumpfparla⸗ ment ſich zuletzt verſammelt hatte, mit Marionet⸗ tenſpiel, in dem er jenes lächerlich macht. Nun, am Ende des alten und Anfang des neuen Jahres iſt man mit den Wahlen in Preußen beſchäftigt, die aber wegen der unpolitiſchen Strenge, womit die Regierung gegen die frühern Mitglieder der Linken verfährt, radicaler auszufallen ſcheinen, als man ſonſt hätte erwarten dürfen. In Frankfurt aber ſind die Grundrechte bereits zum zweiten Male geleſen und mit wenigen Ab⸗ änderungen durchgegangen. Auch die Reichs⸗ verfaſſung iſt bis zum letzten und Hauptpunkt, dem vom Reichsoberhaupt, berathen. Ob ein Kaiſer? ob ein erblicher oder Wahlkaiſer? ob kein Kaiſer, ſondern eine Trias? ob vorderhand immer nur ein Reichsverweſer? ob den König von Preußen oder den Kaiſer von Oeſterreich?“) Das ſind die großen ſchwierigen Fragen, die noch ſchwieriger dadurch werden, daß Oeſterreich bisher die Be⸗ ſchlüſſe der Reichsverſammlung nicht anerkannt, ja ziemlich unverhohlen erklärt hat, daß es vorder⸗ hand in den Bundesſtaat nicht eintreten könne. Ein Hauptanſtoß ſind die §8 2 und 3 der Reichs⸗ verfaſſung, die beſtimmen, daß deutſche Länder, mit denen nichtdeutſche verbunden ſind, nur unter der Bedingung zum deutſchen Reiche gehören können, daß ihre nichtdeutſchen Anhängſel nur durch Per⸗ ſonalunion fernerhin mit ihnen verbunden blieben. Das kann Oeſterreich nicht, ohne ſich ſelbſt auf⸗ zugeben. Und darüber iſt die ganze Reichsver⸗ ſammlung unter einander gerüttelt wie in einem Sieb, alle Parteien ſind darüber zerfahren, der Reichsminiſter Schmerling hat als Oeſterreicher auf Anrathen ſeiner eigenen Freunde abgedankt *) Dieſer iſt gegenwärtig Franz Joſeph I., nachdem ſein Onkel, der bisherige Kaiſer Ferdinand, und ſein Vater, Erz⸗ herzog Karl, zu ſeinen Gunſten abgedankt haben. Er iſt 18 Jahre alt. 12⁵ und Gagern iſt nun Miniſterpräſident. Der will die Einheit Deutſchlands ohne Oeſterreich her⸗ ſtellen und die Verbindung mit Oeſterreich nur auf geſandtſchaftlichem Wege erzielen, die allerdings ſo eng als möglich werden ſoll. Stimmt ihm die Reichsverſammlung darin nicht bei, ſo hat ſein Miniſterium auch ſogleich wieder ein Ende. Alles iſt in Spannung. Die Weihnachts⸗ und Neu⸗ jahrsferien geben Zeit zum Ueberlegen. Die Knoten ſind geſchürzt, die Fragen ſcharf geſtellt, das Jahr 1849 ſoll die Löſung bringen. Gott walt es gnädig! Das Geſetz. So weit der Himmel von der Erde abgeſondert iſt, ſo weit ſollen wir das Geſetz vom Gewiſſen abſondern. Denn das Geſetz kann im Gewiſſen nichts anders thun, als ſchrecken, die Sünde meh⸗ ren und tödten. So gehöret demnach das Reich des Gewiſſens allein zur Gnade, welches uns Chriſtum vorträgt, der für uns gelitten hat. Das Geſetz aber muß auf den Leib und die äußer⸗ lichen Glieder verwieſen werden, damit es eine Regel und Richtſchnur der äußerlichen Pflichten ſei. Luth. Opp. VI, 756. Ein Zeugniß Dr. Heinrich Müllers von der Kraft der Abſolution. Dr. Heinrich Müller, der Verfaſſer des „himm⸗ liſchen Liebeskuſſes“, der „geiſtlichen Erquickſtun⸗ den“, der „Kreuz⸗, Buß⸗ und Betſchule“, der „Schlußkette“ und des „Herzensſpiegels““) und mehrerer anderer geiſtvoller Schriften, ſcheint noch bei den Methodiſten und anderen gewiſſen Leuten in einigem Anſehen zu ſtehen. Wenigſtens haben der „Apologet“ und der „Amerikan iſche Botſchaf⸗ ter“ ſchon mehrere Auszüge aus ſeinen Schriften ihren Leſern mitgetheilt; der erſtere hat ſogar Heinrich Müllern einmal als einen Zeugen der Wahrheit gegen die ſogenannten Altlutheraner vorgeführt. Wir hoffen daher, daß die Herren Methodiſten, wenn wir ihnen ein Zeugniß eines ſolchen Mannes für die Kraft der heiligen Abſo⸗ lution vorlegen, dasſelbe nicht ſo ſchnell zurück⸗ weiſen, ſondern der Beherzigung werth achten werden. Wenigſtens ſollte ſie ein ſolches Zeug⸗ niß davon überzeugen, daß ein Mann allem tod⸗ ten Werkgottesdienſt und allem fleiſchlichen Ver⸗ trauen auf bloße reine Lehre ohne lebendigen Glauben und heiliges Leben feind und ein eifriger Chriſt und erleuchteter Lehrer ſein, und doch die bibliſche Lehre von der Kraft der Abſolution feſt⸗ halten und ſich derſelben tröſten könne. Heinrich Müller ſchreibt nemlich in ſeiner „Thränen- und Troſtquelle“, einer Reihe *) Das Buch dieſes Namens iſt eine Poſtille von zwei Theilen, in deren erſtem die Predigten über die Evangelien und in deren anderem die über die Epiſteln für alle Sonn⸗ und Feſttage des Kirchenjahrs enthalten ſind. Dieſes vor⸗ treffliche Predigtbuch iſt neuerdings unverändert wieder auf⸗ gelegt und uns eine ziemliche Anzahl Exemplart zum Ver- kauf zugeſendet worden. Wer dasſelbe zu haben wünſcht, kann es durch die Redaction des Lutheraner erhalten. Beidt Theile, in Einen Band gut gebunden, koſten à2.50 Cts.; ein einzelner Theil broſchirt Pl. D. R. von 20 ſaft⸗ und kraftvollen Betrachtungen über die Geſchichte von der großen Sünderin (nach Luc. 7, 36. ff.) folgendermaßen: „Wer iſt dieſer, der auch die Sündt vergibt? So fragten die Phariſäer, weil ſie Chriſtum für einen bloßen Menſchen hielten. Scheint, ſie haben die allgemeine Erzählung von Vergebung der Sünden einigermaßen wohl er⸗ tragen können; daß aber durch den Dienſt eines Menſchen die Application von Vergebung der Sünden entweder ingemein vielen Gläubigen, oder inſonderheit einem und andern, der es be⸗ gehrte, geſchehen könnte, haben ſie nicht getrauet. Daraus leicht zu ermeſſen iſt, wie kalt und oben⸗ hin ſie das Amt des Geiſtes müſſen verwaltet ha⸗ ben unter dem Volk. Denn ſie leugnen, daß durch das Amt der Verſöhnung die Gnadenver⸗ heißung den Gläubigen dergeſtalt ſoll zugeeignet werden, daß ſie daraus unfehlbarlich ſchließen können und ſollen, ihre Sünde ſei ihnen vergeben. Haben alſo nicht anders geurtheilt, als daß in der Predigt des Worts von Vergebung der Sünden nur ingemein etwas erzählt werde ohne einige Kraft und Mitwirkung Gottes. In ſolcher Meinung ſtecken annoch heut viel, die auch derhal⸗ ben das Amt des Geiſtes in ihren Schriften ſehr verkleinern. Des Pabſtthums Lehre von dem Gnaden⸗Zweifel kommt dieſer phariſäiſchen Läſte⸗ rung ſehr nahe. Denn ſo wir durch die Predigt von der Verſühnung der Vergebung unſerer Sünden nicht ohnfehlbarlich verſichert werden, was hat man ſie denn groß zu achten? Iſt ſie ein Wort Gottes, ſo muß ſie in größerer Gewiß⸗ heit ſein. Was Menſchen ſagen, kann trügen, weil alle Menſchen Lügner ſind; was aber Gott ſagt, das iſt ja gewißlich wahr, denn Gott iſt die Wahrheit, und ſo er uns (obgleich durch Men⸗ ſchen) die Wahrheit ſagt, warum glauben wir ihm nicht? „Wer iſt dieſer, der auch die Sünde vergibt? Weil Er nicht ein bloßer Menſch, ſon⸗ dern zugleich Gott und Menſch war, ſo hatte Er die Macht, Sünde zu vergeben, nicht nur als ein Sohn Gottes, ſondern auch als ein Menſchen Sohn, zumal Ihm nach Seiner menſchlichen Natur die Allmacht Gottes, ſo Er als Gott weſentlich hatte, perſönlich mitge⸗ theilt worden. Darum ſagt er anderswo, daß des Menſchen Sohn Macht habe, die Sünde zu vergeben. Nicht nur hat Er (wie Bellarmi⸗ nus und der Reformirten einige auf gut Phari⸗ ſäiſch wollen) als wahrer Menſch das Recht gehabt, die Sünde zu vergeben, ſondern auch das göttliche Vermögen. Er hat's Macht zu thun, hat auch Kraft dazu gehabt, denn, ſo Er nicht allein Macht (Ermächtigung), ſondern auch Gewalt gehabt, den unſaubern Geiſtern zu gebie⸗ ten, daß ſie ausfahren ſollten (Luc. 4, 36.), wie ſollte er nicht auch mit gleicher Macht und Ge⸗ walt die Sünde haben vergeben können? Dies ſollen wir nicht verneinen noch läſtern, ſondern uns vielmehr freuen, daß wir an Chriſto einen ſolchen allmächtigen HErrn haben, auch der Natur nach, in welcher Er unſer Fleiſch und Blut iſt. Und das deutet Er klärlich an,