# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 05 11_S123 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) lichen Majeſtät bei der Taufe Chriſti. Davon handelt auch das Lied: „Was fürcht'ſt du Feind Herodes“, welches Dr. Luther aus einem von Sedulius im 5. Jahrhundert verfaßten Kir⸗ chenliede überſetzt hat. Da nun über das zweite der gen ann ten Wunder am 2ten Sonntage nach Epiphanias gepredigt wird, ſo bleiben für jenes Feſt noch zwei evangeliſche Perikopen übrig, von denen nach Dr. Luthers Rath beſonders die von der Taufe Chriſti an dieſem Feſte gehandelt wer— den ſoll, weil ja doch dazu eine ſonderliche Zeit im Jahre beſtimmt werden müſſe, wie dies auch die meiſten lutheriſchen Kirchenordnungen für ver⸗ ſchiedene Sonntage gethan haben. Die Sonntage nach Epiphanias, ſo wie Septuagesimae und Sexagesimae haben in allen Kirchenordnungen mit ſehr wenigen Aus⸗ nahmen die noch jetzt gebräuchlichen Perikopen. Das in dieſe Zeit fallende Feſt Mariä Rei⸗ nigung (den 2. Februar) iſt durchgängig als ein ganzer Feſttag gefeiert und dabei beſonders auf den Lobgeſang Simeons geſehen worden, durch welchen Chriſtus ebenfalls offenbaret werde. Das Feſt Mariä Verkündigung, (25. März), welches gewöhnlich in die Paſſions⸗ zeit fällt, wird nach allen rein lutheriſchen Kir⸗ chenordnungen als ein ganzer Feſttag zu Ehren des Artikels, daß IEſus Chriſtus von dem Hei⸗ ligen Geiſt empfangen ſei, begangen, wenn es aber in die Charwoche fällt, wird es an dem Sonntage vor oder nach Oſtern gefeiert und zwar: „Nach alter Gewohnheit, damit man die⸗ ſelbe Zeit das heilige Leiden und Auferſtehen Chriſti unverhindert predigen möge.“ ö Die Faſten- oder Paſſionszeit beginnt mit dem Sonntage Quinquageſimä oder Eſtomihi (genan genommen erſt mit dem näch⸗ ſten Mittwoch) und ſchließt mit dem Sonnabend vor Oſtern. Von den frühern An ordnungen hin⸗ ſichtlich des Faſtens behielt die lutheriſche Kirche, wie bei der Adventszeit, nur das Verbot der Hoch⸗ zeiten und öffentlichen Luſtbarkeiten. In den ſonntäglichen Vormittags-Gottesdienſten wurde nur über die jetzt noch gewöhnlichen Evangelien geprediget, welche ſämmtlich den HErrn Chriſtum als Ueberwinder der Welt und des Teufels darſtel⸗ len, wie die vorgeſchriebenen Faſten-Collecten zum Lobe Gottes und zur Tröſtung der Gläubigen hervorheben, desgleichen die für dieſe Zeit be— ſtimmten Lieder, z. B.: „Ein' feſte Burg iſt unſer Gott“ und „Was kann uns kommen an für Noth“. In den Wochengottesdienſten und auf dem Lande auch in den ſonntäglichen Nachmittags⸗ Gottesdienſten wurde über die, von Dr. Bugen⸗ hagen aufs neue herausgegebene Zuſammenſtel⸗ lung der Paſſionsgeſchichte geprediget, wie ſie in den ältern Agenden und Geſangbüchern zu fin⸗ den iſt. Hinſichtlich der Feier der Char- oder Stil⸗ len Woche vom Palmſonntage an theilen ſich die lutheriſchen Kirchenordnungen in zwei Klaſſen; die eine und zahlreichſte läßt die ganze Leidens⸗ geſchichte wiederholen, entweder in Predigten an den einzelnen Tagen, oder, wo dies nicht mög⸗ 123 lich war, durch Vorleſung der Paſſionsgeſchichte in drei Abſchnitten. Am Gründonnerstage, der ſchon in alten lutheriſchen Kirchenordnungen nur als ein halber Feiertag vorkommt, wurde von der Ein⸗ ſetzung des heiligen Abendmahls gepredigt, wenn dazu nicht der Palmſonntag beſtimmt war. Am Charfreitage, welcher größtentheils als ein ganzer Feiertag bezeichnet wird, wurde nach dem Vorgange des chriſtlichen Alterthums als Evangelium entweder die ganze Leidens⸗ geſchichte, oder der letzte Theil derſelben, oder Matthäi 27, 45 —50. zum Grunde gelegt. Das Oſterfeſt, zum ſeligen Gedächtniß der Auferſtehung IEſu Chriſti von den Todten, wird, wie ſchon oben erinnert, urſprünglich mit einer dreitägigen Feier begangen. In der Anordnung der Perikopen iſt keine Veränderung vorgenom⸗ men worden, außer daß für den zweiten Feiertag als Epiſtel auch Ap. Geſch. 2, 14. ff. vorkommt. Die Sonntage von Quaſimodogeniti bis Rogate werden als zur Oſterzeit gehörend betrachtet, denn die meiſten dafür vorgeſchriebenen Evangelien, welche aus den Abſchiedsreden Chriſti genommen ſind, ſollen die Erfüllung deſſen an⸗ zeigen, was der HErr von ſeinem Sterben und Auferſtehen ſeinen Jüngern vorausgeſagt hatte. Außerdem ſoll in dieſer Zeit nach dem Rath und Vorgang Dr. Luthers beſonders aus 1 Cor. 15. von unſerer Auferſtehung fleißig gepredigt werden, ohne welche uns die Auferſtehung Chriſti nicht völligen Nutzen brächte. (Fortſetzung folgt.) Politiſche Correſpondenz aus Deutſchlund. (Schluß.) Unterdeſſen hatte die⸗Reichsverſammlung mit Berathung der Grundrechte, mit vielen Interpel⸗ lationen an die Miniſter, mit vielem Regieren⸗ wollen und vielen Händeln viel Zeit vertragen, und ſah ſich durch die Ereigniſſe wie durch die allgemeine Stimmung des Volkes genöthigt, von der zweiten Berathung der Grundrechte zur Be⸗ rathung der Reichsverfaſſung überzugehen. Als aber die Linke merkte, daß das Werk der Einigung trotz aller Hinderniſſe, Revolten und Wühlereien dennoch zu Stande kommen wollte, warf ſie ſich, die vorher mit aller Gewalt nach Einheit, nach Centraliſation und Nichtachtung aller beſondern Intereſſen der einzelnen Staaten und Fürſten ge⸗ ſchrieen hatte, auf einmal auf die entgegengeſetzte Seite und erklärte durch einen ihrer Hauptwort⸗ führer, Robert Blum, frei und frech, daß wo ein Staat ſeine Sonderintereſſen der Reichsregierung gegenüber vertheidigte, ſie auf jener Seiten ſtünde. Denn weil die Regierungen ſich nun willig zeig⸗ ten, mit der Reichsregierung ſich zu einigen, und dieſe zugleich ihrem geſetzlichen Berufe nachkam, nicht nur den äußern, ſondern auch den innern Feinden des Reichs und der Ordnung entgegen⸗ zutreten, ſo erklärten die Linken die Reichsregie⸗ rung für reactionär und das Echo der Clubs hallte es nach. Ja, Arnold Ruge trat aus der Reichsverſammlung aus und begab ſich nach Berlin, wo die Anarchie zu blühen anfing und wohin nächſtens ein Demokratencongreß zuſam⸗ menkommen ſollte, der nichts weniger beabſichtigte, als das Parlament in Frankfurt zu ſprengen und ſich als die echte und rechte Volksvertretung zu conſtituiren. Ruge zog unterdeſſen im Lande herum, wühlend und wüthend, Frankfurt für ein elendes Dorf erklärend, in dem er nicht mehr hätte bleiben mögen, weil er geſehen, daß dort für die Sache des „Volks“ nichts mehr zu machen und zu gewinnen ſei. Robert Blum aber war nach Wien gegangen als Abgeſandter der Linken, um dem dortigen Reichstage für ſeine ungarn⸗ freundlichen und kaiſerfeindlichen Beſchlüſſe Dank und Beifall zu überbringen, und war dort in der Aula unter den Studenten als eine Art Danton aufgetreten und dann zum Anführer der Barri⸗ kadenkämpfer geworden. In Wien nämlich ſtanden ſich in und außer dem Reichstage die ſogenannte deutſche und die ſlaviſche Partei gegenüber. Die zahlreichen Sla⸗ venvölker des öſterreichiſchen Staats hatten die allgemeine Verwirrung und die Ohnmacht der Regierungen benutzt, um ſich zu erheben, und wa⸗ ren ſchon zur Zeit der Parlamentswahl nach Frankfurt offen mit einem Slavenbund umge⸗ gangen, zu dem ſich ihre Abgeordneten nach Prag verſammelt hatten. Es kam da zwar nichts zu Stande, weil von den Abgeſandten kaum zwei einander verſtanden, aber ſie hatten doch faſt in ganz Böhmen die Wahlen verhindert, die Deut⸗ ſchen in Todesſchrecken verſetzt und alle Ordnung über den Haufen geworfen, bis Fürſt Windiſch⸗ Grätz, der Commandant Prags, ſie durch ſeine Kanonen und ſein ruhiges, feſtes Benehmen zu Ruh und Ordnung zurückführte. Der Wiener Reichstag wußte des aber dem Fürſten wenig Dank, und als der Banus Jellachich von Kroatien, vom Kaiſer bevollmächtigt, gegen die Magyaren, d. i. die eigentlichen Ungarn zog, die ſchon längſt allen andern Völkern Ungarns gleiche Rechte mit ihnen mißgönnt, ja ſogar ihre Nationalſprache hatten rauben wollen, die ſich nun auch gegen den Kaiſer vollſtändig empört, ſeinen Abgeſandten Grafen Lamberg auf offener Straße in Peſth aus dem Wagen geriſſen, gemordet, ſeinen Leichnam in den Straßen herumgeſchleift und in thieriſcher Wuth ſein Blut faſt geleckt hatten, aber dabei im⸗ mer den Wienern vorſpiegelten, ſie hieltens mit den Deutſchen und wollten nur die Slavenherr⸗ ſchaft nicht aufkommen laſſen; da entbrannte ganz Wien wiederum gegen Jellachich und gegen die „Camarilla“, die den Kaiſer zu ſolchen Schritten veranlaßt hätte. Nun ſollten etliche Wiener Re⸗ gimenter gegen die rebelliſchen Ungarn ausziehen, aber, von den Wühlern aufgehetzt, mit ungari⸗ ſchem Golde beſtochen, mit deutſchem Bier und Branntwein benebelt, verweigerten ſie den Ab⸗ marſch. Der wüthende Pöbel ſuchte den Kriegs⸗ miniſter Latour, einen um das Kriegsweſen von lange her ſehr verdienten Mann, von dem jener Befehl zum Abmarſch ausgegangen war, in ſei⸗ nem Palaſte auf, zog ihn aus dem Verſteck her⸗ vor, trieb ihn herunter auf die Straße, und als er unter das Volk treten wollte, ſtieß ihn einer mit einer eiſernen Stange durch den Hals, ein *