# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 05 11_S121 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) —— + U 2 Redigirt von C. F. W. Walther. er Cutheraner. „Gottes Mort und Authers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten. Jahrgang 5. St. Louis, Mo., den 2. April 1849. No. 16. . Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſeriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. ENur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W (Eingeſandt von Paſtor Keyl.) Die urſprüngliche Gottesdienſtardnung in den deutſchen Kirchen lutheriſchen Bekenntniſſes. Unter dieſem Titel hat Herr Doctor Kliefoth, Superintendent zu Schwerin, vor zwei Jahren eine ſehr lehrreiche Schrift herausgegeben, bei deren Abfaſſung, außer andern Hülfsmitteln, allein fünf und neunzig verſchiedene Kirchenord⸗ nungen benutzt worden ſind. Dieſe Schrift iſt wahrſcheinlich nur den wenigſten Leſern dieſes Blattes zu Geſicht gekommen, verdient aber mit vollem Recht, allen lutheriſchen Predigern und Gemeinden bekannt zu werden. Ich habe mir daher vorgenommen, einen möglichſt kurzen Aus⸗ zug aus dieſer Schrift, doch mit manchen Ver⸗ änderungen und Zuſätzen aus Dr. Luthers Wer⸗ ken, mitzutheilen, welcher in ſonderheit dazu dienen ſoll, daß vor allem die Leſer um ſo mehr erkennen, wie die Wiederherſtellung der rechten Gottesdienſt⸗ ordnung eine Hauptwohlthat der Reformation und mit der Wiederherſtellung der reinen Lehre unzertrennlich verbunden ſei. Daß ſie erkennen, wie viele und große Verdienſte hierbei vor allem der hoch erleuchtete Mann Gottes Dr. Martin Luther gehabt und wie treulich ſeine Mitarbeiter auf dem Grunde, den er als ein weiſer Baumei⸗ſter gelegt, ſo manche vortreffliche Kirchenordnung gebaut haben. Daß ſie beſſer ſchätzen lernen „die ſchönen Gottesdienſte des HErrn“, wie ſie in der ganzen lutheriſchen Kirche Deutſchlands, von der Reformation an, beinahe 200 Jahre lang gehal⸗ ten, dann aber, namentlich vom Jahre 1750 an bis auf die neueſte Zeit, immermehr verderbt wor⸗ den ſind. — Dieſer Auszug ſoll ferner zu einer prüfenden Vergleichung der Gegenwart mit der Vergangenheit Gelegenheit geben, um ſich zu über⸗ zeugen, daß der lutheriſche Gottesdienſt in ur⸗ ſprünglicher Weiſe faſt an keinem Orte mehr, we⸗ nigſtens hier nicht, gehalten werde. Daß nicht nur die neue amerikaniſche, ſogenannte lutheriſche Agende vom Jahre 1842 offenbar antilutheriſch ſei, ſondern daß auch außerdem bei dem Gottes⸗ dienſte manches für lutheriſch ausgegeben und gehalten werde, was es doch nicht iſt, wenigſtens nicht dem geſchichtlichen Zuſammenhange nach mit dem Vorbilde der älteſten lutheriſchen Kir⸗ chenordnungen. Endlich ſollen dieſe Mittheilungen in Predigern und Gemeinden den Wunſch immermehr erwecken, nach einer größeren Gleichförmigkeit in den Cere⸗ monien und zwar, ſo weit dies nur immer thun⸗ lich iſt, auf Grund der urſprünglichen lutheriſchen Gottesdienſtordnung. Um die Ausführung die⸗ ſes Wunſches vorbereiten zu helfen, mögen Pre⸗ diger und Gemeinden ſich das Nachfolgende zur weitern Ueberlegung und Beſprechung empfohlen ſein laſſen. 1) Die allgemeinen Grundſätze der lutheriſchen Kirche hinſichtlich der An⸗ ordnung des Gottesdienſtes. Dieſe Grundſätze ſind zuerſt und auf das Bün⸗ digſte von dem theuren Gottesmanne Dr. Mar⸗ tin Luther in ſeiner Schrift: „Von Ordnung des Gottesdienſtes in der Gemeinde“ vom Jahre 1523 ausgeſprochen worden, welche mit folgenden Wor⸗ ten anhebt: „Der Gottesdienſt, welcher jetzt allent⸗ halben gehet, hat eine chriſtlich feine Ab⸗ kunft, gleich wie auch das Predigtamt. Aber gleich wie auch das Prebigtamt verderbt iſt durch die geiſtlichen Tyrannen, alſo iſt auch der Gottes⸗ dienſt verderbt durch die Heuchler. Wie wir nun das Predigtamt nicht abthun, ſon dern wieder in ſeinen rechten Stand begehren zu bringen, ſo iſt auch nicht unſere Meinung, den Gottesdienſt auf⸗ zuheben, ſondern wieder in rechten Schwang zu bringen. — Drei große Mißbräuche ſind in den Gottesdienſt gefallen: der erſte, daß man Gottes Wort geſchwiegen hat und allein geleſen und geſungen in den Kirchen. Das iſt der ärgſte Mißbrauch. Der andere: Da Gottes Wort geſchwiegen geweſen iſt, ſind neben einkom⸗ men ſo viel unchriſtlicher Fabeln und Lügen, beide in Legenden, Geſängen und Predigten, daß greu⸗ lich iſt zu ſehen. Der dritte: Daß man ſolchen Gottesdienſt als ein Werk gethan hat, damit Gottes Gnade und Seligkeit zu erwerben. Da iſt der Glaube untergegangen und hat Jedermann zu Kirchen und Stiften gegeben, Pfaffe, Mönche und Nonnen werden wollen!“ (Walch X, 262 ff.) Dreierlei iſt es demnach, was Dr. Luther von dem damals beſtehenden Gottesdienſte überhaupt hervorhebt, ſeine chriſtliche Abkunft, ſein großes Verderben, wobei er drei Mißbräuche namhaft macht, und ſeine Wiederherſtellung. Folglich war der Maßſtab, nach welchem er⸗jedes einzelne Theil⸗ chen in der ungeheuren Maſſe gottesdienſtlicher Gebräuche beurtheilte, um es entweder beizube⸗ halten, oder zu reinigen, oder hinweg zu thun, nicht blos, wie bei der reformirten Kirche, ein be⸗ ſtimmtes bibliſches Gebot, oder das früheſte kirch⸗ liche Alterthum, ſondern es war das Vorbild der ganzen heilſamen Lehre. Dieſer Maßſtab zeigte, wie bei dem ganzen Gottesdienſte, was Gott an uns thut durch die Predigt und ſein Wort, von dem, was wir vor Gott thun durch Beten und Danken, Gelübde und Bekenntniß, ſo weit unter⸗ ſchieden ſei, als der Himmel von der Erde, und wie doch beides, namentlich Predigt und Gebet, in jedem Gottesdienſte verbunden ſein müſſe. Mit dieſem Maßſtabe konnte Dr. Luther und ſeine Mitarbeiter feſt und klar auf die überlieferten Gottesdienſtordnungen und Ceremonien eingehen, Alles prüfen und das Gute behalten, das Halbe ergänzen, das Schiefe zurechtſtellen, das Falſche verwerfen, und ſo erhielt die lutheriſche Kirche ihren gereinigten Gottesdienſt, durch den ſie, ſo wie durch die gereinigte Lehre, ihren Zuſammen⸗ hang mit der alten, ja mit der ganzen chriſtlichen Kirche der Vorzeit bewahrte, welchen die refor⸗ mirte Kirche ſtürmiſch zerriß. Obgleich aber der lutheriſche Gottesdienſt das gute Alte aus der römiſch⸗katholiſchen Kuͤrche bei⸗ behielt, ſo nahm er doch auch wieder ein Neues auf, was unter dem Papſtthum je länger, deſto mehr verdrängt worden war, und dies iſt, neben der allgemeineren Wiedereinführung der Piedigt, die Betheiligung der Gemeinde an dem Got⸗ tesdienſte, beſonders durch mehrfachen Wech ſel⸗ geſang und durch den Geſang von Kirchen⸗ liedern. Um dieſen Zweck zu erreichen, mußte dafür geſorgt werden, daß nun in deutſcher Sprache das Wort Gottes vorgeleſen, geprediget, die Sacramente verwaltet, gebetet und geſungen werden konnte, und da bis dahin oft in Einer