# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 03 20_S118 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Irret euch nicht, Gott läßt ſich nicht ſpotten. Die franzöſiſche Zeitung „Le memorial“ in Rouen berichtet unter dem 21. Februar 1847 folgendes Strafgericht Gottes, das in dem „Pil⸗ ger aus Sachſen“ vom 29. Januar 1848 wieder⸗ erzählt wird. In den letzten Tagen hat ſich in der Gemeinde Gonpilleres ein trauriges Ereigniß zugetragen. Es war eine Geſellſchaft von Fabrikarbeitern zu Tiſche bei dem Koſtgeber Levaillant. Einer der Anweſenden ließ ſich beigehen, bei Gottes Namen zu ſchwören, mehr aus Gewohnheit, als aus muthwilliger Bosheit. Der Wirth machte ihm hierüber einige freundſchaftliche Vorſtellungen, welche von dem Arbeiter gut aufgenommen wur⸗ den, der übrigens kein völlig irreligiöſer Menſch war. Ein anderer Arbeiter aber, ein Weber, Namens Herubel, wollte ſich nun als einen ſtar⸗ ken Geiſt zeigen. Erſt leugnete er, daß ein Gott ſei. Ueber ſeinen eigenen Großſprechereien wuchs ihm der Muth zu gottloſen Reden, bis er endlich die entſetzlichſten Läſterungen gegen Gott ausſtieß. Dieſer Tollheit ſuchte Levaillant mit ſanften Worten zu begegnen, um den Frevler zu beſänfti⸗ gen. Aber Herubel antwortete ſpöttelnd: „Was ſaaſt du mir von deinem Gott? Ich will heute Abend mit ihm zu Nacht eſſen.“ Im gleichen Augenblick ſtürzte er, wie vom Donner gerührt, auf ſein Angeſicht zur Erde. Er war todt! Man denke ſich das Entſetzen der Anweſenden, welche in dieſem plötzlichen Todesfalle die göttliche Strafe erkannten. ** Politiſche Carreſpondenz aus Deutſchland. Durch Freund L. iſt mir Ihr Wunſch, für den Lutheraner von Zeit zu Zeit Nachrichten aus dem alten Vaterlande über die Dinge, die ſich nun in demſelben zutragen, zu erhalten, mitgetheilt wor⸗ den, und ich wollte ſeine Aufforderung, ſolche regelmäßige Berichte zum Beſten Ihres Blattes zu übernehmen, nicht zurückweiſen. Sie erhalten nun hiemit die erſte Probe und es hängt natürlich davon ab, wie Sie und Ihre Leſer mit dem neuen Correſpondenten ſich zufrieden oder unzufrieden erklären, daß die Correſpondenz fortgeſetzt oder einem beſſern Berichterſtatter übergeben werde. Es iſt eben ſo wenig in der Ordnung, mit der Thür aus dem Haus heraus, als in dasſelbe hineinzufallen, und darum ſei es mir geſtattet, zum geziemenden Eingang Ihnen zu berichten, wie wir uns hier in Ihrer alten Heimat bei der neuen — Ordnung können wir noch nicht ſagen, und Unordnung wollen wir nicht, weil es doch Gott Lob! keine völlige geworden iſt — alſo wie wir uns bei der neuen Geſtaltung der Dinge be⸗ finden und wie wir ſie anſehen. Unſere Freunde jenſeits des Meeres, die unſer bei den erſten Nachrichten von den diesſeitigen unerwarteten Ereigniſſen mit ſo herzlicher Theil⸗ nahme in ihren Briefen, in ihren Geſprächen und in ihrem Kämmerlein gedachten, ſtellten ſich un⸗ ſere Lage wohl als eine höchſt aufgeregte, ängſt⸗ — —118— liche und beſtürzte vor, und wenn ſie ſich im Geiſt in die Haupt⸗ und Reſidenzſtädte deutſcher Lande, namentlich der größern, verſetzten, hatten ſie ge⸗ wiß vollkommen Recht. Bei uns auf dem plat⸗ ten Lande dagegen, obwohl es an mancherlei Spannung, Beſorgniß und bangem Erwarten der morgenden Nachrichten namentlich im Anfang der Ereigniſſe nicht fehlte, iſt die Stimmung de⸗ rer, die wiſſen, was ſie wollen und woran ſie halten, eine ruhige, gefaßte und vielfach gemüth⸗ liche. Wer die Tagsbegebenheiten, namentlich in Norddeutſchland, die zunehmenden Krawalle, die Ohnmacht und Ungeſchicklichkeit der Regierun⸗ gen, die ſich dabei herausſtellte, die zunehmende Gottloſigkeit, die ſich in der Entſtehung und Aus⸗ breitung des Deutſchkatholicismus und Licht— freundthums immer mehr kund that, immer un⸗ verhohlener heraustrat, auf der andern Seite die Ungerechtigkeit und den unverantwortlichen Gei⸗ ſtesdruck, den die Regierungen, voran die baierſche unter dem Abel'ſchen Miniſterium, ausübten, die Hinterliſt und Treuloſigkeit, mit der die Verfaſ⸗ ſungen verletzt, die Landtage am Narrenſeil her⸗ umgeführt, die gerechteſten Beſchwerden der Unter⸗ thanen mit einem ſtolzen „Wir haben uns nicht bewogen gefunden“, oder wohl gar mit höhnen⸗ den Beſcheiden zurückgewieſen wurden: wer das alles mit einigem Nachdenken beobachtete, den konnte der Ausbruch einer Revolution gerade nicht befremden, und nur die Plötzlichkeit des Ausbruchs und die Schnelligkeit, mit der das Revolutionsfeuer über ganz Deutſchland hin ſich verbreitete, war das Ueberraſchende. Ja, wir ſelbſt, die wir doch nie Revolutionen billigten noch billigen werden, fanden, beſonders was die kirchlichen Zuſtände anbelangt, unſere Lage ſo verzweifelt, daß wir die ſo nöthige Neugeſtal⸗ tung der Kirche und die dazu vorauszuſetzende Freiheit derſelben, menſchlich angeſehen, nur von einer Revolution erwarten konnten, die natürlich wir nicht machen würden. Als ſie nun auf ein⸗ mal da war, und mit ihr zugleich und aus ihr heraus das Geſchrei nach Freiheit und Gleichheit aller Bekenntniſſe, nach Trennung der Kirche vom Staate, ertönte, da fühlten wir uns nicht minder befriedigt als überraſcht, und die Ausſicht auf beſſere Geſtaltung kirchlichen Lebens und Weſens überwog die Beſorgniſſe, die ſich uns in Bezug auf bürgerliche Ruhe und irdiſches Fortkommen allerdings unabweislich aufdrängten, weit. Wir waren und ſind zu Opfern bereit und unſer eini⸗ ger Wunſch und unſer ſtetes Flehen iſt nur, daß der HErr ſich ſeiner Kirche annehme, daß Er die aufrichtigen Bekenner ſeines lautern Worts in eine lebendige Gemeinſchaft bringe und aus ſeiner Kirche eine Magd mache, die ſeinen heiligen Wil⸗ len nicht nur wiſſe und im Munde führe, ſondern auch thue. Daß das der Segen ſein werde, der aus dieſen Stürmen zuletzt bleibe und mitten un⸗ ter ihnen erblühe, das iſt unſer Hoffen, das wird der Gnädige und Barmherzige ja verwalten, und das macht uns getroſt und ruhig. Wer aber auch die Sachen nicht ſo entſchieden von unſerm Standpunkt aus betrachtete, fühlte ſich nach der erſten Ueberraſchung und Angſt ſo ziem⸗ lich dadurch beruhigt, daß die Fürſten allenthalben dem Drang der Umſtände nachgaben und die frei⸗ ſinnigſten Verheißungen ausgehen ließen, daß ſie ihre Zuſtimmung zu einem nach Frankfurt zu be⸗ rufenden Parlamente gaben, das die einheitliche Verfaſſung Deutſchlands conſtituiren und ſo die „Errungenſchaften“, wie man es nannte, ſichern ſollte. Darüber entſtand ein — freilich ſchnell ver⸗ hallender — Jubel in allen Landen, in den die Beſonnenern und Ernſtern nicht von Herzen ein⸗ ſtimmen konnten. Denn wenn ihnen auch die ver⸗ heißenen Freiheiten gleichfalls willkommen waren, ſo konnten ſie doch die Art und Weiſe, wie die⸗ ſelben „errungen“ wurden, nicht erfreulich, nicht ihres Beifalls und Jubels werth finden.! Indeß durch ihre Zuſtimmung, durch die Lobſprüche ſogar, die von den Fürſten den Tagen ſolches Rin⸗ gens und Dringens und dem Ergebniß desſelben ertheilt wurden, war der gewaltſam herbeigeführte Zuſtand ein menſchlich rechtlicher geworden. Zu⸗ dem war die Stimmung des Volks in jenen erſten Tagen überwiegend conſtitutionell⸗ monarchiſch. Obwohl bereits Republikaner zu wühlen anfingen, ſahen die meiſten doch ein, daß Errichtung einer Republik nichts anders als die größte Ungerechtig⸗ keit und das größte Unglück unter unſern Um⸗ und Zuſtänden ſein würde, oder wer es nicht ein⸗ ſah, ließ ſich leicht belehren, und ſo kam es, daß die Wahlen für die Nationalverſammlung zu Frankfurt dem größten Theile nach in dieſem Sinne ausfielen. Daß aber dieſe Wahlen ſo ſehr als möglich beſchleunigt werden mußten, war eine Fügung oder Zulaſſung, für die wir Gott nicht genug danken können. Denn ehe man ſichs verſah, war die Geſinnung der Menge umgeſchlagen und entſchieden republikaniſch geworden, wozu eines⸗ theils das Treiben des ehemaligen badiſchen Land⸗ tagsabgeordneten Hecker nicht wenig beitrug, der den badiſchen Seekreis theils aufgewühlt, theils durch Drohungen und Brandſchatzungen auf ſeine Seite gezogen hatte, anderntheils das Auftreten der Linken auf dem Frankfurter Reichstage. Dieſe mit ihren gewaltigen Stimmen und ihrer gewal⸗ tigen Frechheit, mit ihren paar grundſtürzenden Gedanken und ihrer wohlfeilen Weisheit hatten bald den großen Haufen allenthalben auf ihrer Seite. Es half nichts, daß Heckers Bande den edeln Geueral Gagern beim Parlamentiren meuchlings erſchoſſen, daß er ſelbſt verjagt, daß ſeine Wahl zum Parlamente für nichtig erklärt, daß der Unſinn ſeines ganzen Unternehmens, die Treuloſigkeit und Gewalithätigkeit ſeines Verfah⸗ rens an den Tag gelegt wurde: er ward allent⸗ halben als der Mann des „Volks“ ausgerufen, ſein Name ward zur Parole der „Volksfreunde“. Es half nichts, daß die unverſchämteſten Lügen und Jutriguen von Männern der Linken an den Tag kamen, daß ihr gefliſſentliches Beſtreben, die Verhandlungen der Reichsverſammlung zu hem— men, vor Augen lag, daß ſie bei jener Verſamm⸗ lung auf der Pfingſtweide deutlich genug zu einer gewaltſamen Demonſtration gegen die National⸗ verſammlung ſelbſt aufforderten, daß darauf der Krawall in Frankfurt losbrach, neben dem dit ausgezeichneten Abgeordneten v. Auerswald und