# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 03 20_S116 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) jenen Liebesſchreiern. Indeſſen Herr K—t kann man's eben nicht viel Schuld geben, der kommt wie er ſagt, aus der Finſtern iß des Pabſtthums heraus, und wird wohl gleich ſolch einem leicht⸗ füßigen Flickenſchneider in die Hände gerathen ſein, der hat ihn denn in das Flickenkleid hinein⸗ geſteckt, und auf dem Markt aufgeſtellt, und da muß er nun mit ſchreien helfen, um die Leute irre zu führen. Der HErr wird ihm ſchon weiter helfen, wenn er aufrichtig iſt. Das klingt Alles ganz gut, was die Leute vor⸗ bringen: „Die Schrift ſagt: wer da glaubet, daß IEſus der Chriſt“, oder „wer an den HErrn IEſum glaubt ꝛc., der iſt von Gott — wiederge⸗ boren — wird ſelig“ u. ſ. w. Indeſſen iſt das ein wunderlich Ding, daß ich glauben ſoll, JEſus ſei der Chriſt, und will den Worten Chriſti nicht glauben, noch an ſeiner Rede bleiben, um ſo die Wahrheit zu erkennen und recht frei zu werden. Und das ſind doch ſeine rechten Jünger, nicht die da in ihren Phantaſien meinen, daß ſie in Chriſto ſind, ſondern die an ſeiner Rede, an ſeinem Worte bleiben, denn da iſt Chriſtus für uns arme Leute, und da allein finden wir ihn, und nur wenn wir an ſeiner Rede, an ſeinem Worte bleiben, dann ſind und bleiben wir in Chriſto, Joh. 8. 31 und 32. Das iſt überhaupt ein wunderlich Capitel, Herr Lutheraner, und kommt mir oft in den Sinn, wenn ich ſo zuſehe, wie die „Gläubigen“ heut zu Tage es angehen. Da finden wir auch Leute, die an den HErrn IEſum glauben, Vers 31., aber was thun denn dieſe gläubigen Leute, Vers 59? „Sie huben Steine auf, daß ſie auf ihn würfen!!“ und was machte denn dieſe lieben Leute ſo böſe auf den HErrn IEſum, an den ſie doch „gläubeten“? Der HErr ſagte zu ihnen, ſie ſollten nun auch an ſeiner Rede bleiben; das wollten ſie ſich nicht ſagen laſſen, und da der liebe HErr JEſus doch auch nicht nachgeben konnte von ſeinem Worte, da kam's zu harten Worten, zum Läſtern und endlich zu Steinen. — Es freut Einen nur, daß unſer lieber HErr noch ſo gut davor wegge⸗ kommen iſt; ich denke, er wird heute auch noch wohl ſicher ſein auf dem Thron ſeiner Herrlichkeit, und unter ſeinen Flügeln können wir fröhlich tauen, wenn die Leute jetzt uns arme „Altluthe-— raner“ mit Steinen werfen, — bloß — weil wir „die Liebe“ nicht haben. — Aber um wieder auf die Briefe Pauli zu kom— bote“ haben uns bloß zum Narren gehabt; denn ſolche Schalksſtreiche lernt man leicht, wenn man ſo Botengehen muß, und mit allerlei Leuten zu⸗ ſammen geräth, namentlich wenn man ſolch eine beſondere Liebhaberei für Querſtraßen und Holz⸗ wege hat, wie der „Kirchenbote“, und ſo ins Blaue hinausfährt, wie meine Großmutter von dem neuen Prediger zu ſagen pflegte. Denn, ſo wahr ich ein armer Sünder bin, ich habe alle Briefe Pauli von Neuem durchgeleſen, und kann keine einzige Stelle finden, wo der Apoſtel ſeine Gemeinden darüber ſtraft, daß ſie zu hart ge⸗ gen falſche Lehre ſind, und nicht friedfertig, ſomdern in allen Briefen an alle Gemeinden, an 11¹ den Timotheus und Titus vermahnt der Apoſtel einfältig bei dem einmal gepredigten Glauben zu bleiben, und warnt, und droht aufs ernſtlichſte, daß ſie ſich doch ſollten vor falſchen Lehren in Acht nehmen, und keine Gemeinſchaft, d. h. kirchliche, haben mit ſolchen, die andere Lehre haben. So im Briefe an die Coloſſer, im ganzen zweiten Ca⸗ pitel, ſo in beiden Briefen an die Theſſalonicher; und wer kann nur die Briefe an Timotheus und Titus oberflächlich geleſen haben, ohne auch nur bei dem Gedanken zu erſchrecken, mit ſolchen Leu— ten kirchliche Gemeinſchaft zu haben, die in der Lehre abweichen. Wie gebietet er Beiden, auf die heilſame Lehre zu achten, mit ſo ernſten Worten, und zu wiederholten Malen, und gebietet ihnen geradezu, von ſolchen Leuten zu weichen, und ſie zu meiden, 1 Timoth. 6, 5. 2 Timoth. 3, 5. 2, 21. Tit. 3, 10. Jeder Vers handelt ja davon in allen dieſen Briefen, daß man auf die reine Lehre achten, ſie bewahren, darum kämpfen, und mit ſol⸗ chen Leuten nichts zu thun haben ſoll in kirchlicher Gemeinſchaft, die von der reinen Lehre abweichen. Und was der Hr. K—t von den ſieben Briefen in der Offenbarung Johannis ſagt, das kommt mir auch wunderlich vor, und iſt gerade, als wäre die Wahrheit ſo ein Buch, wie ich's 'mal auf dem Jahrmarkt bei einem Tauſendkünſtler geſehen habe, das zeigte bald nichts, als weiß Papier, und wenn dann wieder die Seiten ſchnell durch die Finger geblättert wurden, ſo war nichts darin, als der alte Fritz von Preußen, dann wie— der nichts als ungariſche Huſaren u. ſ. w., und die Kirche wäre danach denn ſo'n Tauſendkünſtler, der das Buch durch die Finger laufen ließ, und bald wäre dies darin, bald das, nun, das iſt garſtig. — Und muß der Mann wieder ſeine eigenen Brillen gehabt haben, denn Offenb. 2, 2. lobt der HErr den Biſchof zu Epheſus, daß er die falſchen Apoſtel — alſo die falſchen Lehrer — aus— erfunden, und ſich von ihnen gereinigt hat, ſo auch die Werke der Nikolaiten, — und ich denke, ſchlechte Werke kommen aus falſcher Lehre und Glauben, denn die Wahrheit wird wohl andere Früchte und Werke bringen. Der Biſchof zu Smyrna will auch nichts zu thun haben mit falſcher Lehre und wird gelobt, V. 9. Der Biſchof zu Pergamus wird geſcholten, daß er ſolche unter ſich dulde, die an der Lehre Balaams halten, V. 14 und an der Lehre der men, ſo glaube ich, Herr K—t und der „Kirchen⸗ Nikolaiten; „das haſſe ich“, ſpricht der HErr, 15. Der Biſchof zu Thyatira wird geſcholten, daß er eine falſche Prophetin unter ſich dulde, V. 20 und 24. Der Biſchof zu Philadelphia muß dagegen ſtreng geweſen ſein gegen falſche Lehrer, und zum Lohn will der HErr ihm geben, daß ſich einige von ihnen zur Wahrheit bekehren, und zu ſeinen Füßen anbeten, 2, 9. So weiß ich gar nicht, was ich aus ſolchen Leuten machen ſoll, die Gottes Wort im Munde und doch im Herzen nichts darauf halten, ſonſt könnten ſie es nicht ſo leichtfertig aufgeben an ſolche Leute, die falſche Lehren haben. Denn was die Leute von der zwei Männer am Waſſer ſtehen, und der eine will hinein ſpringen, obgleich er darin ertrinken kann, ſo iſt das eine wunderliche Liebe, wenn der andere ſagt: Ja, das thu', mein Freund, ich will zwar lieber hier im Trocknen bleiben, aber das macht nichts, das ſind eben Meinungen und Lieb⸗ habereien, wir können deswegen doch gute Freunde bleiben. vertrinken, und der andere wollte ſagen: Mein Lieber, ich wollte dir wohl helfen, aber ich müßte dich hart anfaſſen, und das wäre doch gar zu lieblos und könnte unſere Freundſchaft ſtören; oder ſoll er hineinſpringen und ſagen: Wart', Freund, ich will mich auch erſäufen, dann kom⸗ men wir gewiß Beide auf's Trockene! Nein, Herr Lutheraner, ich denke: Fir beim Kragen ge⸗ packt, oder, wenn's nicht anders geht, bei den Haaren, und wenn er auch hundertmal ſchreit: Au weh! das iſt zu hart! — feſtgehalten! zuge⸗ faßt! und wo möglich mit Gottes Hülfe heraus gezogen! das iſt viel beſſer, und möchte wohl die rechte Liehe ſein. Uebrigens bin ich Ihr ganz gehorſamer Diener Hans. Briefe des „Beſuchers“ (einheimiſchen Miſſia⸗ nars) der deutſchen evang.⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten an den Redacteur. Schluß.) Keokuk, Jowa, den 5. Dec. 1848. Theurer W.! Schon ofimals habe ich auf meiner Reiſe das Lied des ſel. Profeſſors Lorenz*): „Bin ich gleich ferne von Bekannten ꝛc.“ mir vorgeſagt und vor— geſungen und darüber meditirt; aber ſo tröſtlich und erquickend war es mir doch noch nie, als auf meiner Reiſe von Burlington hierher. Beſon— ders bewegte ich in meinem Herzen immer die Worte: Biſt du gleich ferne von Bekannten, Was ſchadet's, da dir früh und ſpät Ein Heer von glänzenden Trabanten Umher um deinen Wagen ſteht? Es war ein ſtürmiſcher Tag, an welchem ich mit der Stage von Burlington abfuhr. Der Sturm brauste über die Prairieen und durch den Wald hin, entwurzeite Bäume und trieb den dicht herabfallenden Schnee ſo in's Geſicht, daß man kaum die Augen zu öffnen vermochte. Ich war dieſem Sturme den ganzen Vormittag hindurch ausgeſetzt, da die Poſtkutſche bereits ſchon ange— füllt war, als ich einſteigen wollte, und für mich nur noch ein Räumchen auf dem Bocke zu finden war. Daraus hätte ich mir indeß wenig gemacht, wenn nicht die Reiſe überhaupt mit ſo mancherlei Gefahr verbunden geweſen wäre. Der Weg ging vielfach ſteile Berge hinan und hinab und war durch den friſchgefallenen Schnee ſehr ſchlüpfrig geworden. Bald glitten die Pferde aus und ver⸗ mochten kaum feſten Fuß zu faſſen, bald brach und zerriß etwas am Wagen, bald verlor derſelbe das Gleichgewicht und war einmal über das an⸗ dere dem Umſturz nahe. Ich befahl mich dem Liebe ſagen, iſt nun ganz wunderlich. Wenn Siehe: Lutheraner, Jahrg. IV. No. 11, S. Sb. Oder wenn einer darin läge und wolltt