# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 03 20_S115 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) 14., und verflucht ſie, mocht's auch ein Engel vom Himmel ſein. Daß er in gleichgültigen Din⸗ gen mit den Schwachen Geduld hatte, und in Ceremonien, die Gottes Wort frei ließ, ſich ihnen gleichſtellte, ſo lange die Schwachen es nicht als ein Geſetz ihm auf bürden wollten, je nun! das verſteht ſich von ſelbſt, das thun wir ja noch wohl, und ſind gerade wir Lutheriſchen recht freiſinnig darin, wie ich das in meinen Wanderjahren ja recht geſehen habe; aber in der Lehre kann ich gar nicht finden, wie Herr Kt, daß er nachge⸗ geben, iſt auch gar nicht liebreich mit den falſchen Lehrern umgegangen; möcht' nur wiſſen, was für Brillen die Leute aufſetzen, wenn ſie ſich an „Pauli Briefe“ machen. In dem Briefe an die Epheſer dringt der hei⸗ lige Apoſtel ſo recht auf die Einigkeit im Geiſt NB-aber nicht im Fleiſch —ſpricht auch viel von Liebe und Frieden, wie Herr K—t, — aber, aber, von Einigkeit mit falſcher Lehre will er doch nichts wiſſen, ſondern indem er auf die Einigkeit des Leibes hinweiſet, zeigt er auch zugleich, was den Einen Leib zuſammenhält, nämlich der Eine Geiſt, der Einen Glauben gewirkt, und die Eine Taufe, worinnen wir durch den Einen Geiſt alle zu Einem Leib getauft, und ich kann aus 1 Cor. 12, 13. auch wohl hinzufügen: auf das Eine Abendmahl, worinnen wir alle zu Einem Geiſt getränkt ſind. Epheſ. 4, 46. Und der Apoſtel ermahnt nun auch gleich darauf, daß ſie nun nicht wie die Kinder ſein ſollen, und ſich von allerlei Wind der Lehre wiegen und wägen laſſen, durch Schalkheit der Menſchen und Täu⸗ ſcherei, damit ſie uns erſchleichen zu verführen“, und ſei eben darum das heilige Predigtamt von Chriſto eingeſetzt, daß ſie die Ge⸗ meinde Chriſti eben in dieſem Einen Glauben halten und auf bauen ſollen, und aufpaſſen. Epheſ. 4, 11—14. In meiner Bibel ſteht beim 14ten Vers am Rande bemerkt: „d. i. Wie die Spitzbuben mit den Würfeln umgehen, alſo gehen die mit der Schrift um, die Menſchenlehre vorgeben“; und mir kommt recht lebendig in den Sinn, wie ich als Bube einmal um einen Sechſer kam, den meine Großmutter mir geſchenkt hatte, um einen Leb⸗ kuchen zu kaufen auf den Jahrmarkt. Da war ſo'n Mann, der hatte Fingerhüte, und ein klein Kügelchen, das ſchob er dann ganz geſchwind von einem Fingerhut unter den andern, und wollte uns Geld geben, einen Sechſer gegen einen Sechſer, wer's rathen könnte, wo die Kugel ſteckte. Nun dachte ich, das will ich bald verdienen, denn ich meinte gewiß, ich hätt's geſehen, wo die Kugel wäre, und lachte, und legte meinen Sechſer auf den Tiſch, und hob den Fingerhut auf, aber da war nichts, und nun lachte der Mann, und die Wandern Buben auch, ich aber ſchlich mit langem Geſicht davon und kriegte keinen Lebkuchen, denn meinen Sechſer war ich los. Das kam mir ſo recht lebendig in den Sinn bei der Stelle und dem Kir⸗ chenboten; denn am Ende iſt's doch nichts anders, als daß ſolche Leute andere einfältige mit ihrem Hokuspokus betrügen, und ihnen ein X für ein U vormachen, und wollt Gott, es handelte ſich hier 11⁵ bloß um Sechſer und Lebkuchen, ſo möcht's noch hingehen, aber Gott's Wort und der Seelen Se⸗ ligkein, das iſt ein ernſt Ding, Herr Lutheraner. — Was mir nun aber bei der Stelle im Brief an die Epheſer auffällt, oder vielmehr dem Kirchen⸗ boten auffallen muß, iſt, daß der heilige Apoſtel im 15ten Vers ermahnt: „Laſſet uns rechtſchaffen ſein in der Liebe“ ꝛc. Muß Herr Kt den Apoſtel nicht für einen Erzheuchler halten, daß er nun ſo fromm zur Liebe ermahnt, da er eben vorher, Vers 14., ganz auf lutheriſche Weiſe ſo lieblos ge⸗ gen die „lieben Brüder“ geweſen, die „anderer Meinung“ ſind, als er? ich weiß nicht, es will doch nirgends ſtimmen mit dem Kirchenboten und dem Apoſtel. Aber in dem Brief an die Philipper, dachte ich, da wirſt du es finden, und auf den weiſet Herr Kt hin, aber gleich im erſten Capitel, Vers 27., finde ich, daß der Apoſtel die Philipper ermahnt, daß ſie „würdiglich wandeln ſollen dem Evangelio Chriſti“, das hieße doch nun nach den Weylſchen Liebesideen, ihr müßt hübſch friedfertig ſein, und nicht ſo zankſüchtig, und es nicht ſo ge⸗ nau nehmen mit dem Glauben und dem Evange⸗ lio, denn die Liebe, die Liebe geht über Alles. Aber der Apoſtel hat ganz andere Anſichten von der Sache, er ſagt: ſie ſollen kämpfen mit ihm für den Glauben des Evangelii, und ſich auf kei⸗ nem Wege erſchrecken laſſen von den Widerſachern, (waren doch wohl keine Heiden?) „welches NB — iſt ein Anzeichen ihnen der Verdammniß, euch aber der Seligkeit, und dasſelbige vor Gott.“ Das muß ja recht grob und unapoſtoliſch klingen in den Ohren aller frommen Unioniſten. Und wie unchriſtlich, ja überlutheriſch grob ſpricht der Apoſtel Capitel 3, 2. ff. von falſchen Lehrern? er nennt ſie Hunde, böſe Arbeiter, die Zerſchneidung, wollen ſich nur ihres Fleiſches rühmen, der Bauch iſt ihr Gott ꝛc. Aus ſolchen Stellen leſen nun die ungelehrten, aber verkehrten Leute heraus, „daß die Apoſtel über eben ſo wichtige Lehren, wie die von Taufe und Abendmahl, nemlich über das Moſaiſche — verſchiedener Meinung geweſen, aber doch recht friedfertig, hätten ſich nicht einan⸗ der vom heiligen Abendmahl ausgeſchloſſen“ ꝛc. Nun wahrhaftig, ich denke, der Apoſtel zeigt's uns eben, wie liebevoll und friedfertig er mit ſolchen Leuten iſt umgegangen. Aber erklären Sie uns doch einmal, Herr Luthe⸗ raner, in Ihrer Zeitung, dieſe unbegreifliche Frech⸗ heit und Unverſchämtheit, die dieſe Leute im Leibe haben, daß ſie auch nicht das Geringſte von den Briefen Pauli geleſen haben, und doch alles wiſſen wollen, und rechtliche Leute, die auf Gottes Wort halten, ermahnen, ſie ſollten „die Briefe Pauli doch leſen, da würden ſie es finden“. Ja freilich findet man's heraus, was ſie ſind. Gott erbarm's, und mach doch dem Aergerniß ein Ende, das dieſe für die Leute weinen, wie der Apoſtel Paulus es in ſeiner brennenden Liebe konnte, 3, 18 und 19., das kann ich noch nicht recht zu gleicher Zeit, ob⸗ gleich es wohl ſo hin und wieder, nach einander kommt. — Doch es wird ſchon wieder ruhig. Aber hier habe ich gelernt, wie ſolche Leute „die Briefe Pauli“ leſen, und wie leichtfertig ſie mit Gottes Wort umgehen. Da reißen ſie hier ein Stück ab, und dort ein Stück, und flicken es an einander, ſtecken ihre Unverſchämtheit hinein, und gehen dann damit auf den Markt, und auf die Straßen, Sprüche Sal. 9, 13—17., und ſprechen: „Siehe da, das iſt das wahre Chriſtenthum“, ſo ſieht's aus, leſet nur die Briefe Pauli, da ſteht's; die Altlutheraner ſind Zänker und halbe Heiden, und müſſen erſt die Briefe Pauli leſen; da kann man ja doch nicht anders, als zuſpringen, und den Leuten das zuſammengeſtückte Kleid herunterreißen, damit ſie ſelbſt und die andern Leute ſehen, was denn eigentlich hinter den chriſtlichen und nur ſo umgehängten Lappen ſteckt, nemlich eitel Fleiſch und Blut. Das, denke ich ſo in meiner Dumm⸗ heit, iſt die rechte Liebe, wenn's mit einem feinen Liebesherzen, und mit Gebet für dieſe armen ver⸗ führten Verführer und betrogenen Betrüger ge⸗ ſchieht. So machts Herr K—t auch: da zieht er ſein Lappenkleid an, das die unioniſtiſchen Liebespre⸗ diger ihm überhängen, und ſagt: Leſet die Briefe Pauli; da ſteht z. B. im Briefe an die Philipper, daß wir friedſam und freundlich mit einander ſein ſollen, und „ſollt ihr ſonſten was halten (d. h. doch wohl, ſolltet ihr noch über dies oder jenes Nebending noch nicht recht einig ſein), das laſſet euch Gott offenbaren“; und da iſt denn ein ſol⸗ cher Mann ſo ſeelenvergnügt, daß er nun eine be⸗ queme Decke für ſein Fleiſch und Blut gefunden hat, und nebenbei den Altlutheranern noch eins ö am Zeuge flicken kann, daß er's Buch zumacht, und nicht weiter lieſet, ſondern ermahnt: „leſet die Briefe Pauli.“ Wenn er aber nur einen Vers weiter geleſen hätte, ſo hätte er gefunden, Vers 16.: „Doch ſofern, daß wir nach Einer Regel, darein wir gekommen ſind, wandeln und gleich gefinnet ſind.“ Nun ſollt' ich denken, daß die Kirche ſchon zu der Apoſtel Zeit auch in der Lehre vom heiligen Abendmahl und Taufe, wie in allen Stücken unſers Glaubens, zu Einer Regel gekommen war! wo nicht, wie ſollten wir dazu kommen? müßten am Ende wohl zum Pabſt gehen, und Seine Heiligkeit bitten, er möge uns doch gefälligſt die Eine Regel in dieſen Sa⸗ chen angeben. — Na! das wäre was Schönes! Nein, da bleib ich lieber mit meinem Herrn Pfar⸗ rer und andern einfältigen Leuten beim kleinen Katechismus Lutheri und der Augsburger Con⸗ feſſion, das ſtimmt Alles gar trefflich mit den Briefen Pauli und der heiligen Schrift, und laß unverſchämten Liebesſchwätzer einfältigen Seelen die Leute ſchwatzen, ſo viel ſie wollen, daß wir die in den Weg werfen! Herr Lutheraner! mir wird Liebe nicht haben! ich denke, der liebe Gott wird ganz warm, ich denke, ich laſſ' lieber das Schrei⸗ wohl wiſſen, wo die Liebe ſitzt, das können aber ben ein wenig anſtehen, ich kann Ihnen ſagen, es wir ſchon wiſſen, wo ſolch ein leichtfertiger kocht ordentlich, und ich fürchte, es möcht Fleiſch Glaube iſt, da kann's mit der Liebe auch nicht damit zwiſchen ſein, denn ich bin ein ſchwacher weit her ſein, und das kann man Herrn Kt Menſch, Gott ſei's geklagt, und fluchen, und doch auch aus ſeinem Schreiben beweiſen, wie allen