# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 03 20_S114 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Demuth, das traf mich, aber ich dacht', der Herr Pfarrer iſt doch ein demüthiger Mann, und mit den „Briefen Pauli leſen“, das kam mir wunder⸗ lich vor, denn ich hatte immer gemeint, daß der ſelige Luther, und die „Altlutheraner“ gerade recht auf die Briefe Pauli ſtünden. Indeſſen dacht' ich: lernen ſchadet nicht, du ſollſt es doch thun, und wenn du es kapirt haſt, willſt du unſerm Herrn Pfarrer auch ein Licht aufſtecken, denn der arme Mann wird auch viel geſcholten und geplagt, daß er ſo ſteif iſt, und nicht will Alles zum heili⸗ gen Abendmahl laſſen, und ich wollt's ihm wohl gönnen, wenn er's etwas beſſer haben könnte in ſeinem Leben. Da bin ich denn dabei gegangen, und habe mir die Briefe Pauli durchgeſehen; aber du liebe Zeit, ich habe ganz was anders gefunden, und weiß mich nun gar nicht zurecht finden, und mußte zuletzt ausrufen, nun ſind wahrlich die Ungelehr⸗ ten auch ſchon verkehrt geworden; man ſieht's ja klar an dem Kirchenboten und ſeinen Mitläufern. Nun, was hab ich denn gefunden? Ich will's nur ſo eben anführen: Gleich im Brief an die Römer 16, 17. heißt's: „Ich ermahne aber euch, lieben Brüder, daß ihr aufſehet auf die, die da Zertrennung und Aer⸗ gerniß anrichten neben der Lehre, die ihr gelernet habt, und weichet von denſelbigen.“ Ei, dachte ich, das klingt ja ganz anders. Denn wir haben ja die reformirte Lehre vom Abendmahl und Taufe ꝛc. nicht neben der apoſtoliſchen einge⸗ führt, und damit die Zertrennung gemacht, ſon⸗ dern ſie, wir haben ja auch die Union nicht ein⸗ geführt, und damit Streit und Hader in die Lu⸗ theriſche und Reformirte Kirche gebracht, ſondern unſere guten Freunde, die uns jetzt der Liebloſig⸗ keit zeihen, und uns den Hader in's Gewiſſen ſchieben wollen, den ſie doch eingeführt haben. Auch konnt' ich's gar nicht herausfinden, daß wir uns mit ihnen zuſammen thun ſollten, ſondern Weichet! Weichet! heißt's ja. Die beiden Briefe an die Corinther ſind ja ganz voll von Eifer gegen falſche Lehre und falſche Lehrer, und mußte der Apoſtel die Lehre vom hei— ligen Abendmahl mit großem Ernſt wieder zurecht ſtellen, und iſt mir das beſonders bedenklich gewe⸗ ſen, daß er ſo hart für die Lehre von der Aufer— ſtehung des Leibes ſtreitet, da man doch meinen ſollte, man könne auch wohl ohne Leib fortexiſti— ren, und wie viele kluge Leute, auch ſogenannte Gläubige, meinen, es müſſe ſich dort noch beſſer ohne Leib als mit Leib fortleben; aber St. Pau⸗ lus ſteht feſt darauf, und wie er's uns vormacht, ſieht man's auch klar, daß wer die Lehre von der Auferſtehung der Todten umſtößt, der ſtoße den ganzen Glauben um, und laſſe nichts von der lieben Erlöſung übrig, ſondern bleibe in ſeinen Sünden. 1 Cor. 15, 12. Wird auch wohl nicht mit ihnen kirchliche Gemeinſchaft gehabt ha— ben, denn er nennt dieſe falſchen Lehrer „Teufels⸗ Apoſtel“, 2 Cor. 11, 15., obgleich ſie auch Predi⸗ ger der Gerechtigkeit, alſo recht „evangeliſche gläubige Prediger“ waren, wie man denn heut zu Tage ſo mir nichts dir nichts einen Jeden, der ein langes Geſicht machen kann, und recht jüdiſch geſetz⸗ 11⁴ lich eifert, ſonſt aber etwas evangeliſch ſchwätzet, und liberal iſt, und die „Liebe“ hat, „evan⸗ geliſch“ und einen „lieben frommen Mann“ nennt. Ja, er iſt noch nicht fertig, im zweiten Briefe an den Timotheus 2, 16. 17. nennt er den Hyme⸗ näus und Philetus, die auch dieſe Lehre anders deuteten, und ſagt: „ſie haben der Wahrheit gefehlt, ihr Wort frißt um ſich, wie der Krebs.“ Nun, ein Jeglicher weiß, welch eine ſchreckliche, gefährliche Krankheit der Krebs iſt, da kann man ſich ja gar nicht freundlich mit vertragen, und ich denke, der heilige Apoſtel wird's wohl auf Trieb des Heiligen Geiſtes und auf Befehl Chriſti ge⸗ than haben, wenn er den Einen dieſer „lieben Brüder“ ſammt ſeinem Mitgeſellen, dem Alexan⸗ der, dem Satanas übergiebt, „daß er gezüchtigt werde und nicht mehr läſtere“, 1 Tim. 1, 20., trotz dem, daß der „Kirchenbote“ und Conſorten gar nicht damit zufrieden ſind. x Den Brief St. Pauli an die Galater braucht' ich gar nicht erſt aufzuſchlagen, denn die Stelle 1, 8. hatte ich ſchon als Kind oft von meiner lieben Großmutter gehört, wenn die alte Frau auf die klugen Sachen von meinen älteren Geſchwiſtern nichts mehr vorbringen konnte, dann ſchlug ſie die Bibel auf, und zeigte hin auf die Stelle und ſagte: „Liebe hin, Liebe her, ich weiß auch wohl, was Liebe iſt, aber da! da! das iſt Gottes Wort, und der's geſprochen, hatte wohl mehr von der Liebe, als wir alle miteinander, und die bewies er, wenn er ſich ſchinden und plagen ließ von den Leuten, denen er das Evangelium predigte, um ſie von dem ewigen Verderben zu erretten, aber wenn's Gottes Wort und die rechte Lehr galt, da konnte er auch fluchen, und wenns auch einem Engel galt“; ich ſah mir die Stelle noch einmal an und dachte in meinem Sinn: 's iſt doch man gut, daß der liebe Apoſtel beim HErren iſt, denn den würde der „Kirchenbote“ auch noch zum Papi⸗ ſten und Heiden machen, die ſtimmen doch gar nicht mit einander. Aber der heilige Apoſtel wurde mir doch noch weiter recht verdächtig, als ich den Kirchenboten weiter las, oder nein, der Kirchenbote wurde mir doch recht verdächtig, denn in dem lieben Brief iſt ja ſchnurſtracks das Gegentheil zu leſen von dem, das Herr K—t herausgeleſen hat, und nun auch von uns verlangt, daß wir's herausleſen ſollen. Es giebt doch wunderliche Menſchen in der Welt! denn da ſteht's ja ganz klar, daß gerade über die moſaiſchen Dinge der Apoſtel ganz hart mit der Gemeinde zuſammenſtieß; denn Gal. 4, 10. heißt's: „Ihr haltet Tage, und Monden, und Feſte, und Jahreszeiten“, und ſetzt hinzu: „ich fürchte, daß ich nicht vielleicht umſonſt habe an euch gearbeitet“. Und 5, 2.: „Siehe! ich, Pau⸗ lus, ſage euch: Wo ihr euch beſchneiden laßt — ſo iſt euch Chriſtus kein nütze.“ Ei, dachte ich, das iſt doch wunderlich, ein Stückchen Vorhaut mehr oder weniger, was kann das denn eben aus⸗ machen, namentlich da der liebe Apoſtel ja ſeinen Timotheus auch beſchneiden ließ? man ſollt's doch nicht denken, daß der heilige Apoſtel ſich ſo darüber ereifern dürfte. Aber er erklärt's gar fein — in dem folgenden Vers, daß damit die ganzt Predigt von Chriſto und ſeiner Erlöſung, und von : der Rechtfertigung durch den Glauben allein, un⸗ geſtoßen werde; und ſo wird's wohl mit jeder falſchen Lehre ſein. Eine einzige wird wohl Alles verderben, wie der Apoſtel auch ſagt Vers 9.: „Ein wenig Sauerteig verder⸗ bet den ganzen Teig.“ Aber wie ſo ganz fällt der heilige Apoſtel aus der Liebe des Kirchenboten, wenn er Vers 12.] ſagt: „Wollte Gott, daß ſie auch ausgerottet! würden, die euch verſtören.“ Das klingt ja wieder ganz anders, als es der Kirchenbote haben willl Daß die Apoſtel verſchiedener Meinung gewe⸗ ſen über dieſe Lehren, kann ich auch nicht finden, und kommt mir vor wie eine ſchändliche Läſterung der Einen Wahrheit, und der Untrüglichkeit der Apoſtel, und macht das ganze Wort Gottes un⸗ gewiß, daß ſolche dumme, einfältige Leute, wie ich, nichts mehr damit anzufangen wüßten, und nur ſolche kluge Leute, wie der Kirchenbote, den Einen gewiſſen göttlichen Weg herausfinden könnten. Aber ich denke, vielleicht haben ſolche beſondere Heilige auch ihre beſonderen Wege durch die Luft, und brauchen eben keinen feſten Grund mehr un⸗ ter ihren Füßen. Das finde ich wohl, daß der heilige Petrus einmal aus Menſchenfurcht und Gefälligkeit in Heuchelei fiel, und ſich auch unint mit falſchen Lehrern; aber Paulus ſagt nicht: „Je nun, lieber Bruder Petrus, das macht nichts, x ſiehe, das ſind nun eben verſchiedene Meinungen, die die Leute haben, deswegen halt dich man ge⸗ troſt zu den Leuten, aber bring die Leute mit, wir. wollen nun das heilige Abendmahl mit einander feiern, denn um ſolcher Lumpereien willen ſoll die Liebe nicht fallen“, ſondern er ſetzte ihn öffentlich zurecht und ſtellte ihm ſeine Heuchelei unter die Augen. Gal. 2, 14. Den Leuten, die darauf beſtunden, daß Ti⸗ tus ſich ſollte beſchneiden laſſen, wich er keine Stunde, damit die Wahrheit des Evangelii be⸗ ſtünde, und nennt jene Leute ganz kurz weg, ohne beſondere Liebesceremonien, „falſche Brüder“, das iſt ja aber ganz was anders, als was Hen K—t ſagt: „Waren nicht auch die Apoſtel ver⸗ ſchiedener Meinung? und zwar in einer eben ſo wichtigen Lehre, indem Einige noch am Moſai⸗ ſchen hingen“ (was doch die Leute den heiligen Apoſteln Alles in die Schuhe gießen, um der lie- ben „Liebe“ willen!), „während Paulus mit aller Kraft dagegen arbeitete. Aber ſie waren dennoch friedfertig und liebevoll gegen einander“ ꝛc., das iſt ja offenbar falſch und gar nicht wahr: denn 1) waren die Apoſtel über dieſe Dinge gar nicht verſchiedener Meinung, ſondern lehrten darüber ſehr einſtimmig, Apoſtg. 15., und 2) wenn je⸗ mand im Wandel ſich dagegen verſah, was auch einem Apoſtel paſſiren konnte, ſo ſetzte ihn der Apoſtel öffentlich zurecht, und 3) wenn jemand — dagegen, wie überhaupt gegen den einmal ge⸗ predigien Glauben lehrte, ſo predigte und „ ſchrieb er öffentlich dagegen, und wenn ſie nicht ö ablaſſen wollten, ſo übergab er ſie getroſt dem Teufel, daß ſie gezüchtigt würden, nennt ſe Hunde, Phil. 3, 2., Satans Apoſtel, 2 Cor. 11,