# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 03 22_S57 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Lutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von C. F. W. Walther. Jahrgang 1. St. Louis, Mo., den 22. März 1845. No. 15. Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den Subscriptionspreis von Einem Dollar fünf und zwanzig Cents für die auswärtigen Unterschreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 6¼ Cents verkauft. Die erste Osterfeier des heiligen Jesusknaben zu Jerusalem. Zum Osterfest nach Zions Stadt zu wallen, Zieh'n Tausende aus nah und fern heran; Des königlichen Sängers Psalmen schallen Zum Lobe Zions überall voran; In eines einz'gen großen Tempels Hallen Verwandelt scheint das ganze Kanaan; Wo Straßen nach der heil'gen Stadt sich bahnen, Ertönt der Festgesang der Caravanen: „An Babels Wassern saßen sie und weinten, Die Väter, als sie, Zion, dein gedacht, Als heimathlos, umringt von ihren Feinden, Die Harfen trauernd schwiegen Tag und Nacht, Als sie verlassen sich vom Gotte Jacobs meinten, Der liebend der Verstoß'nen auch gedacht, Als sie das Lied von Zion singen sollten, Und ihre Thränen in die Saiten rollten. Und dennoch riefen sie im fremden Lande: Jerusalem! gedenk' ich deiner nicht, An dich gekettet mit der Liebe Bande, Mein Hoffnungsstern und helles Freudenlicht, Bis an der fernen Zukunft gold'nem Rande Jehovas Glanz aus deinen Mauern bricht: So soll kein Brunnen mir Erfrischung geben Und meine Zung' an meinem Gaumen kleben.“ Psalm 137, 1—6. So singen sie, — und ach, sie ahnen nimmer, Daß Er schon selbst in ihrem Zuge steht, Ein heil'ger Knabe ohne Erdenschimmer, Doch strahlendhell von Gottes-Majestät, Der Ew'ge, — der verborgen durch die Trümmer Des abgefall'nen Gottesvolkes geht, Aus Nazareth, in seiner Eltern Mitte Zum Feste zieht nach frommer Kinder Sitte. Siehst du ihn dort im bunten Festgewimmel Wie eine Lilie unter Dornen steh'n, Mit klarem Auge, rein wie Frühlingshimmel, Oft dort hinauf zu seinem Vater späh'n, Um unentweiht vom lärmenden Getümmel Demüthig an der Mutter Hand zu geh'n? Hörst du ihn jetzt den Pflegevater fragen, Ob dort die Zinnen seines Zion ragen? — Da strahlen sie im gold'nen Abendscheine! Viel Tausend zieh'n zu ihren Thoren ein, Und alle jubeln laut, zu der Gemeine Des Hauses Israel gezählt zu sein; Sie jubeln Alle, und nur Er alleine Tritt sinnend in die lauten Straßen ein, Er denkt mit Wehmuth an die schönen Zeiten, Wo David sang in seine heil'gen Saiten. (O heil'ges Kind! vergib, daß Sünder wähnen, Zu ahnen, ach, was da dein Herz empfand—) Gewiß, sein Auge füllte sich mit Thränen, Als diese Stadt vor seinem Blicke stand, Und ihn ergriff ein heimwehbanges Sehnen Nach Salems Stadt im ew'gen Vaterland; Zum erstenmal, gleich wie zum letzten Male, Begrüßt er weinend sie im Erdenthale. Ihn fesseln nicht die prunkenden Paläste, Mit Gold und Silber glänzend ausgeschmückt, Ihn fesselt nicht der Bau der Königsfeste, Obgleich sie einstmals Davids Thron beglückt; Eins — Eins war ihm das Herrlichste, das Beste, Was wunderbar sein kindlich Herz entzückt: Jehovas Haus allein war werth, vor allen Dem heil'gen JEsuskinde zu gefallen. Hier weilet er zu seines Vaters Preise Vom Morgenrothe bis zum Sternenlicht, Hier labt er sich an süßer Himmelsspeise Und Freude strahlt auf seinem Angesicht, Denn er vernimmt mit aufmerksamen Fleiße, Was Lehrermund vom Worte Gottes spricht; Voll Kindesdemuth bittet er die Alten, Des Wortes Sinn ihm deutlich zu entfalten. Und diese staunen ob der hohen Fragen, Die dieser Wunderknabe an sie stellt, Der unermüdet sich in diesen Tagen Auf's Neue stets in ihren Kreis gesellt; Sie wissen oft verlegen nicht zu sagen, Was seiner Fragen tiefen Sinn erhellt; Sie ahnen nicht, daß dieser weise Knabe Vom Vater selbst die hohe Weisheit habe. So von Bewund'rern rings umher umgeben, Steht demuthsvoll der heil'ge Knabe da, Und Jung und Alt mit einem Mund erheben Das Lob des selt'nen Kindes fern und nah, Weil keiner je in diesem Erdenleben Ein solches Kind von solcher Weisheit sah: Da tritt Maria mit beschwingtem Schritte Und Joseph ängstlich in des Tempels Mitte. Es füllt' Erstaunen ihre bangen Herzen, Und Engel schweben nieder, ihn zu seh'n, Als sie den Sohn in Tempel wiedersah'n; Maria spricht: Wir suchten dich mit Schmerzen, Mein Sohn, warum hast du uns das gethan? Doch wie verklärt von hellen Himmelskerzen Zeigt er den Grund der langen Trennung an: Was sucht ihr mich? mußt' ich nicht hieher eilen, In meines Vaters Eigenthum zu weilen? Auf der Versammlung ruhet heil'ge Stille, Als er, wie es gebeut der Eltern Wille — Obgleich sie seine Worte nicht verstehen — Damit er jegliches Gebot erfülle, Von dannen eilt, nach Nazareth zu geh'n. Da lebt er still, entsagt dem Herrscherrechte, Erniedrigt sich — und — stirbt — für schnöde Knechte! Hier schweigt mein Lied; es sinken meine Kniee Anbetungsvoll vor seinem Throne hin. Erbarm' dich meiner, heil'ges Kind, und siehe, Wie ich so fern von deinem Bilde bin! Erbarm' dich meiner, Gottessohn, und ziehe Hinauf zu dir vom Staube meinen Sinn, Daß ich dich dort, wo Himmelslüfte wehen, Als meinen HErrn von Angesicht darf sehen! Otto Hermann Walther, weiland Pastor der deutschen ev.-luth. Gemeinde ungeänderter Augsburgischer Confession allhier, gestorben in dem HErrn den 21. Januar 1841. (Eingesandt von G. H. Löber.) Der Irrlehrer Arius und sein Ende. (Fortsetzung.) 2. Die Irrlehre des Arius und der Kampf dagegen. Wir haben im vorigen Abschnitt — Gott gebe, zu unserer Aller Warnung — den kirchlichen Boden betrachtet, auf welchem die verderbliche Arianische Ketzerei wurzeln und so weit um sich greifen konnte. Nun wollen wir die giftige Pflanze selbst ansehen, welche unter Satans List und Bosheit so großes Unheil in der Kirche verursacht hat. Sehr treffend sagt der sel. Luther in seiner lehrreichen Schrift über die ersten drei christl. Symbola: „Ich habe erfahren und gemerkt in allen Geschichten der Christenheit, daß alle diejenigen, so den Hauptartikel von JEsu Christo recht gehabt und gehalten haben, sind fein und sicher im christl. Glauben geblieben; und ob sie sonst daneben geirrt, oder gesündigt haben, sind sie doch zuletzt erhalten; denn wer hierin recht und vest steht, daß JEsus Christus rechter Gott und Mensch ist, für uns gestorben und auferstanden, dem fallen alle anderen Artikel zu und stehen ihm vest bei.“*) — — „Wiederum habe *) Anmerk. Diese Bemerkung ist sehr wichtig zur richtigen Beurtheilung vieler früheren und späteren christl. Lehrer, welche mit treuer Festhaltung des Artikels von Christo doch in dem Vortrag dieses Artikels und sonst wohl in dem einen oder anderen Stück von dem Vorbild der heilsamen Lehre 8