# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 02 16_S104 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Partei gewinnt offenbar aller Orten mehr und mehr die Oberhand. In Deutſchland bereitet man ſich auf eine definitive Kaiſerwahl vor; der König von Preußen ſcheint die beſten Ausſichten auf die Kaiſerkrone zu haben. Oeſtreich will ſich von dem deutſchen Reich gänzlich trennen; die Unterwerfung der Ungarn iſt beinahe vollendet. Danemark zeigt Luſt. den Krieg wegen Holſtein zu erneuern. In Frankreich iſts ſtill und Handel und Geſchäfte fangen an, ſich zu heben. Der Pabſt befindet ſich noch in Gaeta, einer Stadt im Neapolitaniſchen, und hat die Hoffnung, von den katheliſchen Mächten wieder in ſeine alten Rechte eingeſetzt zu werden. Im verfloſſenen Jahre kamen im Hafen von New Nork 51,973 deutſche Auswanderer an. Die Kirche und die deutſche Reichs⸗Ver⸗ ſammlung. Die „Dorfzeitung“ ſchreibt von den über das Verdältniß zwiſchen Kirche und Staat in der Reichs⸗Verſammlung gepflogenen Verhandlungen u. a. Folgendes: „Neben manchen guten Worten ſind die leichtfertigſten und unbeſonnen ſten Reden, Späße, die nan von ernſihaften Männern in ſo wichtigen Angelegenheiten nicht erwarten ſollte, gehört worden. Vogt aus Gießen und Jordan aus Marburg haben ſich darm ausgezeichnet. Vogt erklärte, das, was man Kirche nenne, müſſe gänzlich vernichtet und von der Erde verrilgt werden. Jeder müſſe vollſtändiger Gottes⸗ leugner ſein köanen, nach Belieben; auf voll⸗ ſtändige Freiheit der Schule und der Jugend müſſe man dabei rechnen. Auch Jordan, der Katholik, erklärte ſich für Vernichtung der Kirche.“ (Eingeſandt.) Aus Deutſchland. Hier bei uns ſind noch die wildeſten Gährun⸗ gen; es iſt noch gar nicht abzuſehen, wohm die Frechheit der zügelloſen Rotte führen wird, oder. vielmehr, wie die Gerichte Gottes, die über uns eingebrochen ſind, ablaufen weiden. Es ſcheint aber, als wolle der HErr die lutheriſche Kirche ſegn n. Die preußiſche Union wird in dieſen Slüemen, da ſie auf Sand gebaut, zurammen⸗ ſtürzen; das, ſcheint mir, iſt ſchon jetzt offenbar in den verwirrten Bewegungen der preußiſchen Lan⸗ deskirche. In allen Provinzen, Schleſien, Sach⸗ ſen, Pommein, Brandenburg, (von Oſt- und Wenpreußen erinnere ich mir nichts geleſen zu haben) iſt eine mehr oder weniger mächtige luthe⸗ riſche Bewegung, hervorgehend aus dem Gefühle, daß Gott der HEri jetzt Selbſt mit Seinem Fin⸗ ger darauf gewieſen hat, daß nur in dem treuen, unverhüllten Bekenniniſſe zu Seinem Worte in dieſen Stürmen ein ſicherer Punkt zu finden iſt. Binnen Kurzem wird ohne Frage das ganze jetzt noch ſtatiniſch beſtehende Gebäude der prrußiſchen Landeskirche zuſammenſtürzen, und dann die Treuen, wenn auch einige noch Unreife und Un⸗ klare üderbleiben, ſich auf Grund des lutheriſchen Bekenntniſſes unter den Trümmern anbauen, und die Anderen mögen dann ſehen, was ſie können oder vielmehr nicht können. Man ſieht da ſo recht deurlich, was alle menſchliche Kirchenſtifterei iſt, wie ein Wind ſolch loſes Weſen umweht. Ich hörte neulich ausſprechen, die treue Ausdauer der ſeparirten Lutyeraner in Preußen empfange doch nun jetzt ihren Gnaͤdenlohn, weil ſie doch nun alle in Preußen auf he hinſehen müſſen und zu ihnen übergehen Wichtig iſt in der letzten Zeit die Conferenz zu Leipzig am 30. und 31. Auguſt unter den Aupicien von Harleß (in Verbindung mit dem Miſſtons-Jahresf ſt) gehalten, für un⸗ ſere Kirche geweſen. Zweihundert und ſechszig 10⁴ Perſonen aus faſt allen lutheriſchen Ländern (auch aus unſerem Lande [dem Hannoverſchen! ziemlich viele, z. B. mein Bruder in Lamſpringe) ſind ver ſammelt geweſen. Folgende Sätze, als Beſchluß der Verſammlung, ſcheinen mir das wichtigſte Reſultat: „Angeſichts der Gefahren, welche der ev.⸗Iutheriſchen Kirche drohen, und zur Anbahnung der Einigung derſelben auf geſetzlichem Wege be⸗ ſchließt die Conferenz wie folgt: Erſtens, eine An⸗ zahl von Männern ev.⸗luth. Bekenntniſſes bildet ein Comite, welches über die Bedürfniſſe der ev.⸗luih. Kirche Deutſchlands unter den gegen⸗ wärtigen Zeitereigniſſen zuerſt beſonders ſchriftlich ſich zu berathen, wie auch wegen der etwa nöthigen Schritte neue Berathungen im Wege allgemeiner und beſonderer Conferenzen einzuͤeiten hat.“ In einem Briefe aus dem Königreich Sachſen heißt es von der Leipziger Conferenz: „Darin wurde zuerſt die Frage: Ob die Augsburgiſche Confeſuon ein ausreichendes Bekenntniß für einen evangeliſch-lutheriſchen Chriſten ſei? dahm be— autwortet und entſchieden, daß jede Zurückweikung eines anderen lutheriſchen Bekenniniſſes ein Miß⸗ trauensvotum enihalten würde gegen den in der Kirche ſich kundgegebenen Geiſt der Erkenntniß und des Glaubens, da alle Betenntniſſe bis zur Concordienformel nur Beſtätigungen und Aus⸗ legungen der Confessio Augustana ſeien.“ (Eingeſandt.) „ Bitte. Keine Stadt Amerikas enthält eine ſo große Menge deutſcher Einwohner, als New Nork; man rechnet ihrer 60,000. Tauſende von ihnen leben ohne Kirche, Tauſende von Kindern ohne Schule, wenigſtens ohne chriſtlichen Unterricht. Es iſt für mich immer ein großer Schmerz, dieſes Elend zu ſehen und in meinem Theile ſo wenig beitragen zu können, ihm zu ſteuern. Meine Gemeinde, an Zahl noch klein und meiſt aus unbemittelten Leu⸗ ten beſtehend, bringt große Opfer, um die gemein⸗ ſamen kirchlichen Ausgaben zu beſtreiten, und, ich kann es verſichern, ſie thut es mit willigem Her⸗ zen; aber noch immer müſſen wir uns mit einem engen, gemietheten Saale begnügen, der uns zu⸗ gleich als Rirche und Schule dient, und können darum einer veibälmißmäßig nur kleinen Anzahl Gäſten Raum bieten. Unſer Saal iſt gewöhnlich überfüllt und gewiß würde die Zahl der Hörer bei weiiem größer ſein, wenn unſer Verſamm⸗ lungsort geräumiger wäre und ein mehr Kirchen ähnliches Aeußere hätte. So iſt mein Einfluß auf die große Menge der uns umgebenden Deut⸗ ſchen nur ſehr gering, abgeſehen von 50 bis 60 Kindern, die ich an meiner Schule iheilnehmen laſſe. Meine Gemeinde fuͤhlt mit mir dieſe Noth und hat ſeit zwei Jahren angefangen, einen Fond zum Bau einer geräumigen Kirche zu bilden. Das Capital iſt durch eine hier geſammelte Col⸗— lecte, ſowie durch ein anſehnliches Geſchenk der benachbarten Schweſtergemeinde des P. Wyneken in Baltimore ſoweit gewachſen, daß wir dieſes Frübjahr zur Auszührung unſeres Vorhabens ſchreiten zu können hofften; jedoch eine nochma⸗ lige Vergleichung der vorhandenen Mittel und der Koſten rathet uns, noch einen ferneren An⸗ ſtand zu nehmen, ob es Gott gefallen wollte, uns noch andere Hülfsquellen zu öfſnen. Wäre es bloß, um unſerm eignen Mangel abzuhelfen, ſo würden wir nicht wagen, andern Gemeinden mit Bitte um Beihulfe läſtig zu werden; und wir wollten uns gein, wie bisher, mit unſerm dürf⸗ tigen Huttlein begnügen; nur die Betrachtung der allgemeinen Noth und der ſehnlichſte Wunſch, daß die Rirche des reinen Bekenntniſſes auch in hieſiger Stadt den Raum ihrer Hütte weiter aus⸗ — dehnen möchte, thut mir den Mund auf, entfernte Glaubensgenoſſen um Hülfe anzuſprechen. Ich weiß wohl, daß die meiſten unſerer Gemeinden im Innern des Landes an ihren eignen Laſten genug zu lragen haben, und ſtimme ganz dem Grundſatz bei, daß für Kirchenbauten jede einzelne Gemeinde billig ſelbſt ſorgen muß, aber wenn die lieben Brüder ſehen ſollten, wie hier faſt alle Secten unter dem armen deutſchen Volk hanthieren und Schaaren der ſorgloſen, unwiſſenden Lutheraner auf ihre Seite ziehen, ſo bin ich gewiß, ſie wür⸗ den gern ein Scherflein beitragen, daß die Kirche ungeänderter Augsburgiſcher Confeſſion auch hier eine feſte Hütte bekäme. darein ſie ihre verwahr⸗ loſeten Kinder ſammeln könnte. Es wird mir gewiß niemand die thörichte Meinung beimeſſen. als erwariete ich von einem ſteinernen Gebäude das Heil der Kirche, aber gewiß iſt's, ein geräu⸗ miges Kirchgebäude würde vielen eine Veraulaſ⸗ ſung werden, das Wort des Lebens zu hören. Alle Beiträge, ſie ſeien noch ſo gering, würden aufs dankbarſte angenommen werden und ich bitte, ſelbige entweder direct unter meiner Adreſſe oder durch die Redaction des Lutheraner einzuſenden. Ihr Empfang wird zu ſeiner Zeit in dieſem Blatte angezeigt weiden. New HRork, den 1. Februar 1849. Theodor J. Brohm, evang.⸗luth. Paſtor, wohnhaft 170 Second St. Anzeige. In der lithographiſchen Anſtalt von L. Gaſt in St. Louis, Mo., ſind zu haben: 32 Conſirmations⸗Scheine mit Bibelſprüchen und Liederverſen, ingleichen mit bibliſchen Bildern und Randzeichnungen. Lithographirt und herausgegeben von Leopold Gaſt. Preis: 1 Dollar. Die unterzeichnete Redaction fühlt ſich gedrungen, dieſe Confirmationsſcheine den Herm Predigen hierdurch beſtens zu empfehlen. Die Bibelſprüche und Liederverſe, die dieſelben enthal⸗ ten, ſind paſſend ausgewählt und die bibliſchen Bilder und Embleme mitſchriſtlichem Sinn und Geſchmack ausgeführt. Wir ſahen nie etwas Schöneres dieſer Art. Wer ſeinen Confirmanden etwas recht Liebliches zur Erinnerung an den Tag der Confirmation mitgeben will, findet hier eine ſchöne Gelegenheit. Die Red. des „Luth.“ Die Buchhandlung von Rohland und Detharding, Nro. 9 Cheſtnut Straße, St. Louis, Mo., empfiehlt: Der Pilger aus Sachſen. Eine chriſtliche Zeitſchrift. 14. Jahrg. 52 Num⸗ mern 5l.00. Erhalten für die Miſſion am Fluſſe Cass in Mich.: 55 Cts. von hieſigen Gemeindegliedern. Sl.58 von der Gemeinde des Hrn. P. Beſel. zur Synodal-Miſſions⸗Caſſe: 51.00 von Hrn. Steinbrück. 9.50 von der Gemeinde des Hrn. P. Fürbringer. P4.873 von hieſigen Gemeinde⸗ gliedern. Bezahlt. Die 2. Hälfte des 4. Jahrg. Die HH. Balthas Bienz. J. G. Reidenbach. Den 4. Jabrg. Hr. P. Beſel. ö Den 5. Jahrg. Die HH. Job. Brenner, Balth. Bienz, P. Brohm (16 Er.), Gerh. H. Brockſchmidt, Dörnet, Chri⸗ ſtoph Dietzel, Dr. Henkel, Jakob Horn, Michael Hochmuth, Abrah. Ivachim (durch voppelte Zahlung d. A. Jahrg.), P. J. Iſenſee, Rörner, Landwehr, Jakob Redel, J. G. Reiden⸗ dach, '. Schroer (2 Ex.), Ludwig Schum, P. Stübgen, P. Scieferdecker (2. Hälfte). Gedruckt bei Arthur Olshauſen, derausgeber des Anfeiger des Weſens.