# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 02 16_S103 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) 22 Marc. 13, 17. Einſt fragte der heilige Auguſtinus ſeinen Freund Poſidius, ob er bemerkt, wie er mitten in der Predigt abgeſprungen und auf einen anderen 1 Gegenſtand gerathen ſei. Dieſer geſtand es. Da meinte er, Gott möge dieſe Vergeßlichkeit und Verirrung haben entſtehen laſſen, um vielleicht durch das, was er außer dem Zuſammenhang geſagt, irgend einen Zuhörer von ſeinem Irrthum zu bekehren. Einen oder zwei Tage nachher kam ein Kaufmann zu Auguſtinus, in Thränen zer⸗ fließend, vor ihm ſich niederwerfend auf die Kniee. Er ſei, ſagte er, viele Jahre Manichäer geweſen, ſei von den ſogenannten Auserwählten ſehr betro⸗ gen worden; eine der letzten Predigten Auguſtins habe ihn enttäuſcht. Man fragte nach, welche, und es war eben die Abſchweifung, auf welche Auguſtinus gerathen war. Das Ideal der geiſt⸗ lichen Beredſamkeit, das ihm vorſchwebte, hat er ſelbſt geſchildert in einer beſondern Schrift. So wollte er predigen, daß Alle mit ihm und er mit Allen in Chriſto lebte. „Das iſt meine Leiden⸗ ſchaft, meine Ehre, mein Ruhm, meine Freude, mein Reichthum.“ (Aus Böhringers Kirche Chriſti.) (Eingeſandt von P. Fick.) Die Roſen. Einſt wurden zu Brüſſel zwei Knaben, Johannes und Heinrich, verbrannt. Was iſt doch die Schuld, die ſie haben? Nur weil ſie die Wahrheit bekannt Und bleiben bei luther'ſcher Lehr, Verdammt ſie der Pabſt und ſein Heer. Hoch lodern die praſſelnden Flammen, Rings flackert die brennende Gluth; Drinn loben die Märt'rer zuſammen Den HErren mit freudigem Muth, Sie lächeln ins Feuer hinein: „Dies ſcheinen mir Roſen zu ſein.“ Wie blühen ſie feurig, die Roſen! — Es wandelt auf Roſen ihr Herz. Es kommen die Engel und koſen Und fächeln hinweg ihren Schmerz, Drauf ſchwebet zum Himmel das Paar, Viel liebliche Roſen im Haar. Sie gehn in die himmliſchen Auen Und ruhn an des Heilandes Bruſt, Deß heiliges Antlitz ſie ſchauen Nun ewig voll ſeliger Luſt. Nun hat der HErr Chriſtus ihr Haupt Mit Kronen von Roſen umlaubt. Auch ich will geduldig nun tragen Das Creuz, das mein Heiland mir giebt. Nun will ich auch nicht mehr ſo klagen: Ich weiß ja, daß IEſus mich liebt. Kommt Trübſal, Verfolgung und Pein: Es ſcheinen mir Roſen zu ſein. Anmerkung. Es ſind die beiden Antwerpner Augu⸗ ſtinermönche Heinrich Voes und Johann Eſchen, zween junge Knaben, wie ſie Dr. Luther nennt in ſeinem ſchönen Liede „von den zween Märtyrern Chriſti, zu Brüſſel, von den Sophiſten von Löwen verbrannt.“ Der Eine von ihnen ſagte im Hinblick auf das ihn umgebende Feuer: „Dit ſchynen mi als Rooſen te zyn.“ Brandt, Hiſt. der Refor⸗ mation. 1, 79. — (Eingeſandt.) Widerruf. Aus einem unlängſt erſchienenen Schriftchen, betitelt: „Der Hirtenbrief des Herrn Paſtor Gra⸗ bau ꝛc. nebſt den zwiſchen ihm und mehreren lutheriſchen Predigern gewechſelten Schriften“, 103 erſehe ich, daß auch mein Name mit veröffentlicht worden iſt, als eines damaligen Gemeinde⸗ Vorſtehers, der die in jenem Hirtenbriefe aus⸗ geſprochenen Grundſätze als die ſeinigen er— kannte. Ich fühle mich gedrungen zu erklären, daß ich allerdings damals jenem Hirtenbriefe aus Unkunde unbedingten Beifall gegeben, aber, durch die Ausſtellungen der Herrn Prediger in Miſſouri eines Beſſern unterrichtet, bereits ſeit fünf Jahren mein Urtheil darüber geändert habe. Uebrigens bitte ich die, an welchen ich die irrigen Grund⸗ ſätze des Hirtenbriefes habe ausführen helfen, herzlich um Verzeihung. New York, 5. Februar, 1849. Ernſt Kriege. Schnelle Beſonnenheit. Der nordamerikaniſche Prediger Helmuth war einſt auf Beſuch bei einem an der Indianer⸗ Grenze angeſtellten Landprediger, wo noch vor etlichen Jahrzehnten, ſo oft Gottesdienſt gehalten werden ſollte, ein Theil der Gemeindeglieder rings um die auf einem Hügel ſtehende Kirche her Wache halten mußte, um Störungen des Gottesdienſtes durch die kriegeriſchen Indianer zu verhüten. Helmuth predigte in dieſer Kirche, und redete in ſeiner gewöhnlich liebevollen Weiſe ſo ergreifend an die Herzen, daß die ganze Verſammlung davon hingenommen ward, ſchließlich erinnerte er noch an die vorige Zeit und wollte noch eine Anwen⸗ dung davon machen, indem er begann: „Nun ſtellt euch vor, ihr alten Väter dieſer Gemeinde!“ — Dieſe Worte wurden durch Mißverſtand ſo aufgefaßt, als ob er verlange, die Väter der Ge⸗ meinde ſollten dem Leibe nach ſich vorſtellen; ſie erhuben ſich daher von ihren Sitzen, traten vor und ſtellten ſich um den Altar. Helmuth durch⸗ ſchaute im Augenblick den Mißverſtand, war aber ſchnell beſonnen, was er thun wollte, er wendete ſogleich ſeine Rede dahin, daß eine beſondere An⸗ ſprache an dieſe Alten daraus wurde, in der er ihnen vorhielt, wie ſie als erfahrene Hausväter gegen ihre Angehörigen ſich erzeigen ſollten. Dann hieß er ſie wieder nach ihren Sitzen zurückkehren'; weil er aber bemerkte, daß die Gemeinde mit tief— ſter Rührung ſeine Anſprache aufgenommen, wollte er die gute Gelegenheit nicht verſäumen, noch weiteres daran anzuknüpfen, und ließ auch die Mütter, ſodann die Jünglinge und endlich die Jungfrauen vortreten, und ſagte jeder Abtheilung das Gehörige. Und da ſich das ſo ganz ungeſucht gemacht hatte, ſo blieb der Eindruck Vielen un⸗ auslöſchlich. (Chr. Bote.) Natur, Sünde und Gnade. Natur und Gnade ſoll man wohl unterſcheiden. Aber Natur, und Sünde und Gnade wohl zu unterſcheiden, iſt noch viel nöthiger. Es gibt blöde Seelen, die ſich von ihrem irrenden Herzen dem neueingetretenen Arbeiter Gnade geben, das, was Natur iſt, ohne Unterſchied zur Sünde machen laſſen, und daher alle Freude an den Creaturen, Eſſen und Trinken, Schlafen und Wachen, und andere natürliche Verrichtungen mit einer gewiſſen Unruhe und Zitterhaftigkeit anſehen, die oft erſt eine Urſache zur Sünde und Vergehungen hintennach wird: da man ſonſten in Einfältigkeit des Herzens unter Dankſagung gegen den guten Schöpfer, der uns unſere Noth⸗ Sünde abhelfen, ſondern auch die Natur ändern: ſie ſolle zum Exempel aus einem Menſchen von ſchwachem natürlichen Verſtande einen raffinirten, klugen Menſchen machen: ſie ſolle ein kurzes Ge⸗ dächtniß ſtärken, daß man alles fertig und leicht behalten könne: ſie ſolle einen, der natürlicher Weiſe kein Mundſtück hat, dahin bringen, daß er auch, wie andere, ein fließendes Gebet in Gegen⸗ wart anderer verrichten, und vom Werk der Gnade mit fertiger Zunge peroriren könne ꝛc. Und wenn die Gnade ſolches nicht an ihnen zu Stande bringt, ſo werden ſie an ihrem Gnadenſtande ſelbſt irre, und meinen, weil die Gnade nicht auch die Natur bei ihnen zu eben dem Grad erhöhe, den ſie bei andern hat, ſo ſei das nicht die rechte Gnade. Es gibt aber auch leichtſinnige oder leichtfertige Menſchen, welche nicht nur die Natur, ſondern auch, unter ſcheinbaren Namen, ſelbſt die Sünde ſo ſchön und unſchuldig vorzuſtellen wiſſen, als ob man überhaupt der Gnade nicht nöthig hätte, oder als ob die Gnade unter der Botmäßig⸗ keit der Natur oder der Sünde ſtehen müßte. Alle dieſem Mißverſtand wird durch den ſchrift⸗ mäßigen reinen Unterſcheid zwiſchen Natur und Sünde und Gnade vorgebeugt, und die rechte Ge⸗ ſtalt eines begnadeten Menſchenkindes nach der Erträglichkeit dieſes Lebens, da wir noch das Bild des Irdiſchen tragen, und nach dem ungekränkten Unterſcheid, den der Schöpfer ſelbſt in die ver⸗ ſchiedene Faßlichkeit der menſchlichen Gemüther geleget hat, und welchem die Gnade ſelbſt auch in ihrem Reiche nachahmet, nicht zu hoch und nicht zu niedrig vorgeſtellet. Der Geſang: „Es glänzet der Chriſten inwendiges Leben“ ꝛc. und ein anderer: „So führſt du doch recht ſelig, HErr, die Deinen“ ꝛc. mögen hierbei eine gute Materie zum Nachdenken und Ueberlegen geben. Und wer in den ſymboliſchen Büchern unſerer Kirche be⸗ wandert iſt, der wird wahrnehmen, daß in den⸗ ſelben der Unterſchied zwiſchen Natur und Sünde ſorgfältig beobachtet werde: als welches letztere eigentlich die Hauptſache und das Reale in der bekannten Flacianiſchen Streitigkeit von der Erbſünde“) ausmacht. Zum Exempel kann man in der Apologie Art. II, und in dem Con⸗ cordienbuch, Erklärung Art. I. nachſehen. (Ph. D. Burks Paſtoralſammlungen.) Kirchliche Nachricht. Am erſten Sonntag nach dem Feſte der Er⸗ ſcheinung, den 7. Januar d. J., iſt Herr Candi⸗ dat F. Bernreuther aus Bayern, nachdem er von Lutheranern in und um Miſhawaka, St. Joſephs Co., Indiana, einen ordentlichen Beruf erhalten und das vorſchriftsmäßige Examen vor den Profeſſoren des Fort Wayner Seminars be⸗ ſtanden hatte, im Auftrage des Vicepräſes der Synode von Miſſouri ꝛc. von P. Schuſter vor ſei⸗ ner Gemeinde ordinirt worden. Gebildet in dem lutheriſchen Miſſionsſeminar zu Dresden, war er vor ungefähr einem halben Jahre mit der Abſicht hier eingewandert, der lutheriſchen Kirche dieſes Landes zu dienen. Möge der HErr der Ernte manche volle Garbe in die Scheuer ſeiner Kirche zu ſammeln. Mittheilung von Welthändeln. Seit den letzt berichteten Ereigniſſen haben ſich keine weſentlichen Veränderungen im politiſchen Zuſtand Europas zugetragen. Die monarchiſche *) Flacius behauptete nemlich, daß die Natur des Men- durft mit Wohlgefallen gönnet, gar wohl ohne ſchen ſelbſt zur Sünde geworden und nicht blos von der Anſtoß der Creaturen hätte genießen dürfen. Wiederum giebt es redliche, ernſtliche Seelen, die der Gnade zumuthen, ſie ſolle nicht nur der Subſtanz ſelbſt ſei. ö Sünde verderbt und dieſelbe ihr nur anhängig, alſo nicht zufällig, ſondern weſentlich, nicht ein Accidens, ſondern die D. R.