# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 02 16_S99 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Gottes die heilige Taufhandlung verrichten, ſo daß der HErr ſelber der Täufer iſt, der taufende Diener aber gleichſam ſeine Hand, wie er in der Predigt des Evangeliums ſein Mund iſt. (2 Cor. 5, 19.) Zum Dritten endlich heißt „im Na⸗ men“ auch, unter Bekenniniß und Anrufung des dreieinigen Gottes taufen; denn wie wüßte man ſonſt, daß im Namen Gottes getauft wird, wenn ſein Name nicht genannt, bekannt und angerufen würde? So iſt alſo, nach Joh. 3, 5., die heilige Taufe, ſo der Täufling ſich dieſes Wortes gläubig an⸗ nimmt, die Errettung von der Obrigkeit der Fin⸗ ſterniß und die Verſetzung aus dem Reiche des Satans in das Reich des lieben Sohnes; und da eigentlich der dreieinige Gott der rechte Täufer iſt, ſo wird der gläubige Täufling dadurch derge⸗ ſtalt in die Lebensgemeinſchaft der heiligen Drei— faltigkeit hineinverſetzt oder dieſe ihm alſo einge⸗ pflanzet, daß ihm weſentlich und wahrhaftig zu Theil wird die Gnade des Vaters, das Verdienſt des Sohnes und die Kraft des Heiligen Geiſtes, oder mit andern Worten, daß er wird das Kind des Vaters, der Bruder oder die Schweſter des Sohnes, der Tempel und die Wohnung des Hei⸗ ligen Geiſtes. Dieſes führet uns aber zur Be— antwortung der zweiten Frage: II. Was wirket die heilige Taufe? Wir ſagen nach Gottes Wort Apg. 2, 38. und 22, 16.: 1. Vergebung der Sünde und die Gabe des Heiligen Geiſtes. Als Petrus nemlich am Tage der Pfingſten ſein Zeugniß von Chriſto und ſonderlich von ſeiner Auferſtehung kühn und kräftig erhob, da wird uns gemeldet Apg. 2, 37.: „Da ſie aber das höreten, ging es ihnen durchs Herz und ſprachen zu Petro und den andern Apoſteln: Ihr Männer, lieben Brüder, was ſollen wir thun?“ Wäre nun der heilige Petrus ein Methodiſten-Apoſtel geweſen, ſo hätte er geſagt: Laſſet uns miteinander auf unſere Kniee fallen, zu dem HErrn ſchreien und dem Himmelreich Gewalt anthun, ſo wird der Heilige Geiſt ebenſo unmittelbar auf euch ausge⸗ goſſen werden, als auf uns. Aber gar anders lauten Petri Worte; denn alſo antwortet er Vers 38.: „Thut Buße (än⸗ dert euren Sinn) und laſſe ſich ein jeglicher tau⸗ fen auf den Namen JEſu Chriſti zur Verge⸗ bung der Sünden, ſo werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geiſtes.“ (Ver⸗ gleiche Apg. 22, 16.) Ueber ſolche und ähnliche Stellen freilich, die wirkliche Beweiskraft für die Wirkſamkeit der hei⸗ ligen Taufe haben und das Einſetzungs⸗ und Verheißungswort des HErrn Chriſti, davon oben gemeldet, näher auslegen — über ſolche Stellen hüpfen die Taufſchwärmer, nach beliebter Weiſe, gern über, und bringen dagegen andere Stellen hervor, die gar nicht her paſſen, aber vor unkundi⸗ gen Zuhörern ihren Wahn zu ſtützen ſcheinen. So auch unſer Methodiſt. Da bringt er flugs Apg. 8, 14—17. daher, wo alſo geſchrieben ſteht: „Da aber die Apoſtel höreten zu Jeruſalem, daß Samaria das Wort Gottes angenommen hatte, —9— ſandten ſie zu ihnen Petrus und Johannes, welche, da ſie hinabkamen, beteten ſie über ſie, daß ſie den Heiligen Geiſt empfingen; denn er war noch auf keinen gefallen, ſondern waren allein getauft in dem Namen des HErrn IEſu. Da legten ſie die Hände auf ſie und ſie empfingen den Heiligen Geiſt.“ Da ſehet ihr, ſpricht er, wie die Taufe den Heiligen Geiſt nicht mittheile, ſondern das Gebet thuts (denn die Handauflegung der Apo⸗ ſtel läßt er gern dahinten). Wie nun aber? ſteht dieſe Stelle mit der obi⸗ gen im wirklichen Widerſpruch? Nicht alſo; ſon⸗ dern hier iſt nicht der Heilige Geiſt gemeint, den jeder Täufling, ſo er glaubt, kraft der heiligen Taufe empfängt zu bleibender Einwohnung, und darin Vergebung der Sünden, Leben und Selig⸗ keit, wie jener obige Spruch Apg. 2, 38. bezeuget; ſondern in dieſer letzteren Stelle iſt die Rede vom Heiligen Geiſte, ſo fern er im Anfange der chriſt⸗ lichen Kirche gewiſſen Täuflingen beſondere Wun— der⸗ und Gnadengaben austheilte, z. B. das Zungen-, d. i. in fremden, nie erlernten Sprachen reden, und das Weiſſagen, welches meiſt durch Handauflegen der heiligen Apoſtel geſchah. Dieſe Austheilung geſchah ausnahmsweiſe ſogar ohne Taufe und Handauflegung Petri, auf deſſen Pre⸗ digt, an Cornelius und den Seinen, wie ſolches Apg. 10, 43 —46. nachweiſet. Damit aber dieſe Gaben ihr Herz hängten und in den ſüßen Gefühlen, die ſie bei ihrem Zungenreden hatten, ſtecken blieben, ſo ſprach Petrus Vers 47.: „Mag auch Jemand das Waſſer wehren, daß dieſe nicht getauft werden, die den Heiligen Geiſt empfangen haben, gleichwie auch wir? und befahl ſie zu tau⸗ fen in dem Namen des HErrn.“ Alſo gerade in der von den Schwärmern ſo höchlich verachteten Waſſertaufe ſollten Cornelius und die Seinen, die doch die Wundergabe des Heiligen Geiſtes hatten, die unſere Schwärmer nicht haben, die feſte und gewiſſe Verſiegelung ihrer Begnadigung und der Vergebung der Sün⸗ den empfangen. Wie aber die Sündenvergebung in der heiligen Taufe zu geeignet werde, das bezeuget Gal. 3, 27.: „Denn wie viele euer getauft ſind, die haben Chriſtum angezogen.“ Das Verdienſt Chriſti alſo wird dem Täufling in dieſem heiligen Waſ⸗ ſerbade alſo mitgetheilt, daß die Schuld der Erb⸗ (und ſo er ein Erwachſener iſt) auch der Thatſünde abgewaſchen und er mit der Gerechtigkeit des HErrn und Heilands als mit einem Kleide ange⸗ than und ganz und gar bedecket iſt. Es iſt aber dasſelbe, ob wir ſagen: die Sünden ſind uns ver⸗ geben, oder: wir ſind gerecht erklärt vor Gott. Wo aber dies iſt, da iſt auch: 2. der Bund eines guten Gewiſſens mit Gott; denn alſo ſteht geſchrieben 1 Petr. 3, 21.: „welches (nämlich das Waſſer) nun auch uns ſelig macht in der Taufe, die durch jenes (das Waſſer der Sündfluth) bedeutet iſt, nicht das Abthun des Unflaths am Fleiſch, ſondern der Bund eines guten Gewiſſens mit Gott, durch die Auferſtehung IEſu Chriſti.“ Hier wird ausdrücklich bezeuget, daß das, ver⸗ gerade dieſe Erſtlinge aus den Heiden nicht an ſteht ſich ins Wort gefaſſete, Waſſer ſolch großes Ding ausrichte. Dieſer Bund aber beſteht darin, daß von Seiten Gottes dem Menſchen Gottes Gnade und Chriſti Verdienſt durch die heilige Taufe zugeeignet wird, welches nun der Menſch ſeinerſeits durch den Glauben ergreift und ſich aneignet, ſeine Glaubenshand in Gottes darge⸗ reichte Gnadenhand legt und daraus Vergebung der Sünden und ein gutes Gewiſſen zu Gott gewinnt. 3. Summa die Wiedergeburt. Denn alſo ſteht geſchrieben Tit. 3, 5—7.: „Gott macht uns ſelig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geiſtes, welchen er ausgegoſſen hat über uns reichlich durch IJEſum Chriſtum, unſern Heiland, auf daß wir durch des⸗ ſelbigen Gnade gerecht und Erben ſein des ewigen Lebens nach der Hoffnung.“ Hier wird alſo der heiligen Taufe klar und rund zugeſprochen: a.) die Wiedergeburt, kraft welcher der alten Geburt aus dem Fleiſch (Joh. 3, 6.) der Todes⸗ ſtoß verſetzt und die neue Creatur dem Menſchen, dem Keime nach, eingepflanzt wird. Da aber gleichwohl, obſchon die Schuld der Erbſünde völ⸗ lig vergeben iſt, die Erbſünde ſelber immer noch bleibt und in Gedanken, Worten und Werken viel⸗ fach zur Thatſünde wird, ſo gilt es eine ſtete Ab⸗ tödtung der Erbſünde und eine ſtete Belebung der Taufgnade, oder, mit andern Worten, es fließet aus der heiligen Taufe auch her: b.) die Erneuerung des Heiligen Geiſtes, nämlich, daß der in der heiligen Taufe empfangene Heilige Geiſt den Getauften von der Befleckung der täglichen Sünde fortwährend rei⸗ nigt und erneuert und alſo den neuen Menſchen, das in Adam verlorene, aber in Chriſto wiederge⸗ wonnene, und mittelſt der heiligen Taufe wiederum eingepflanzte göttliche Ebenbild immer mehr ſtärkt und fördert, wovon ſpäter ein Mehreres. Daß aber daſteht: „welchen, nämlich den Heiligen Geiſt, Gott ausgegoſſen über uns reichlich durch JEſum Chriſtum, unſern Heiland“, das will ſo viel ſa⸗ gen, daß das blutige Sühnopfer und Verdienſt Chriſti und darnach ſein glorreicher HDingang zum Vater die Urſache war, daß der Heilige Geiſt in der heiligen Taufe über den Menſchen ausge⸗ goſſen und die Wiedergeburt und ſtetige Erneue⸗ rung demſelben mitgeiheilt wird; denn ohne den Hingang und die Verklärung Chriſti bei dem Va⸗ ter konnte der Tröſter, der Heilige Geiſt, nicht von dem verherrlichten Gottes- und Marien-Sohne herniederkommen, um dieſen wiederum durch! Wort und Sacrament in die Herzen der Gläubi⸗ gen zu bringen und darin zu verklären. Der Zweck aber dieſes Baͤdes der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geiſtes iſt in Vers 7. enthalten, wo es heißt: „auf daß wir durch des⸗ ſelbigen Gnade gerecht und Erben ſein des ewigen Lebens nach der Hoffnung.“ Hieraus iſt aber genugſam klar, daß auch die Vollendung der Wiedergeburt in der ſeligen und herrlichen Auferſtehung der Gerechten in Chriſto, daß ihr Ererben des Reichs, ihr ewiges und ſeu⸗ ges Anſchauen des majeſtätiſchen glorreichen Got⸗