# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 02 16_S97 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Belligirt von C. E. W. Aalther. ger Cutheraner. „Gottes Mort und Kuthers Aehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſonri, Ohio und anderen Staaten. gaßrgang 5. St. Louis, Mo., den 20. Februar 1849. No. 13. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben vorauszubezablen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. E Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of CO. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. Predigt, gehalten von Dr. Sihler vor ſeiner Gemeinde in Fort Wayne, In d.“) „Denn es müſſen (auch) Rotten unter euch ſein, auf daß die, ſo rechtſchaffen ſind, offenbar unter euch werden.“ Alſo, meine Lieben, ſpricht der heilige Apoſtel Paulus 1 Cor. 11, 19., und dies Wort tröſtet uns billig, wenn wir, zumal hier in Amerika, rings um uns berſchauen und die vielen und vielerlei Rotten und Secten erblicken, *) Wir erlauben uns, das, was uns der theure Herr Verfaſſer dieſer Predigt über die Veranlaſſung dazu ſchreibt, auch den Leſern mitzutheilen. Es iſt Folgendes: „Die äußere Veranlaſſung zu dieſer Predigt iſt dieſe, daß der vorige hieſige Methodiſtenprediger, nach althergebrachter jeſuiziſch methodiſtiſcher Moral, ſich hinter meinem Rücken in die Häuſer meiner Kirchkinder ſchlich und zwar vor⸗ nehmlich, nach Art der alten Schlange, zu dieſer und jener Eva, wenn Adam nicht daheim war. Wo nun Jemand durch den dunten Balg d. i. die freundlichen Begrüßungen, die ſüßen und prächtigen Reden des Sir Leiſetritt ſich täu⸗ ſchen ließ und ihn nicht gebührender Maßen alsbald derb abfertigte, da wurde er flugs aus dem Schleicher zum Win⸗ kelprediger und hub, indem er zugleich ſein neues Teſtament aus der Taſche zog, nach Art ſeiner Schlangenmutter im Paradieſe, ſeinen Spruch an: „Ja, ſollte Gott geſagt haben, die Taufe ſei die Wiedergeburt und theile den Heiligen Geiſt mit?“ Schauet doch hieher auf Ap. Geſch. 8, 14—17. und 10,44—46., da werdet Ihr es gar anders befinden und ſehen, daß der Heilige Geiſt entweder ohne Taufe oder doch erſt nach der Taufe durch das Gebet und die Handauflegung der Apoſtel mitgetheilt wurde u. ſ. w. Als ich von dem Umherſchleichen dieſes Wolfs in Schafs⸗ lleidern Nachricht erhielt, ſo erſuchte ich alsbald zwei Vor⸗ ſteher der Gemeinde, zu ihm zu gehen und ihn zu einem öffentlichen Zwiegeſpräche über die Schriftlehre von der hei⸗ ligen Taufe aufzufordern. Dieſes lehnte er jedoch ab, und ſing dagegen an, in ſeiner Kirche das verworrene Durch⸗ tinander der methodiſtiſchen Secte von der heiligen Taufe herauszuplaudern, da er wohl wußte, daß ihm hier Niemand tiwas darauf erwidern konnte. Nachdem ich dieſes erfuhr und zugleich, daß doch mehrere wohl noch nicht gründlich befeſtigte Lutberaner ſeine ſogenannte Predigt angehört hat⸗ trn, ſo ließ ich ihn zu jenem ſelbigen Zwiegeſpräch mit einem Studenten auffordern, auch um ſeinen Hochmuth zu drücken, welches er jedoch mit großem Unwillen von ſich wies. Da blieb mir nun nichts übrig, um es wenigſtens von meiner Serte an dem nöthigen Unte richte fur die Aufrichtigen und Wabrheilelie benden nicht fehlen zu laſſen, deren etliche viel⸗ leicht durch ſen dumm dreiſtes Anziehen ungehöriger Schrift⸗ ſtellen irre geworden, als nachfolgende Predigt zu halten.“ welche den geiſtlichen Leib Chriſti, die Eine heilige chriſtliche Kirche in ihrem ſichtbaren Hervortreten und Bekennen zu zerreißen und zu zerſtören dro⸗ hen. Aber wiewohl dieſe Secten alle, ſie mögen ſich nun um dieſe oder jene Irrthümer, ja Lügen her⸗ umſchaaren und dieſe wider allen beſſern Unter⸗ richt harinäckig feſthalten — wiewohl ſie alle vom Teufel herrühren, der, als der Vater der Lügen, die falſchen Propheten und Sectenſtifter ausſendet, ſo ſtehet doch auch dies unter Gottes Verhängung und Regiment, daß er auch auf dieſe Weiſe ſeine Kirche ſichtet und die Spreu von dem Weizen, die Irrgläubigen und Gottloſen von den Recht⸗ gläubigen und Rechtſchaffenen ſcheidet und beide dadurch offenbar macht. Dieſes geſchiehet aber alſo, daß der Heilige Geiſt wider die Irr⸗ und Flattergeiſter allewege treue Zeugen erweckt, welche die reine Lehre, nach der Seite des Angriffs hin, vertheidigen und behaupten und dieſe und jene Stücke derſelben, die bis daher wie die Blätter in der Knospe lagen, genauer entfalten und aus Gottes Wort ins klare Licht ſtellen. Alſo erweckte Gott z. B. wider den gottloſen Arius, der die Weſenseinheit und Gottgleichheit des HErrn Chriſti mit dem Vater, alſo auch die Dreieinigkeit Gottes leugnete, den großen Kirchen⸗ lehrer Athanaſius, durch den die angegriffenen Lehren viel genauer und beſtimmter an den Tag kamen, als ſie ehedem waren, wie die Vergleichung des Apoſtoliſchen mit dem Nicäniſchen und Atha⸗ naſianiſchen Glaubensbekenntniß im zweiten und dritten Artikel uns ſolches klar anzeiget. Alſo richtete der HErr etwas ſpäter wider den Pelagius, den Leugner der Erbſünde, den trefflichen Lehrer Auguſtinus auf, der die Lehren von Sünde und Gnade aus der heiligen Schrift ſo klar und aus⸗ führlich ans Licht brachte, als ſie vordem noch nicht waren. Desgleichen ſtellte derſelbe getreue Gott unſern theuern Vater und Lehrer, D. M. Luther, mehr als tauſend Jahre nach Auguſtin, wider die Pa⸗ piſten und Schwärmer auf den Kampfplatz, um wider das abergläubiſche Zuthun jener und wider das ungläubige Abthun dieſer vornehmlich folgende Wahrheiten aus Gottes Wort zur vollen Klarheit für Jedermann herauszuſtellen: 1.) daß die heilige Schrift allein die Quelle aller Heilserkenntniß ſei, aber weder die münd⸗ lichen ſogenannten Apoſtoliſchen Ueberlieferungen der Papiſten, noch die ſegenannten unmittelbaren Erleuchtungen und Offenbarungen des Heiligen Geiſtes bei den Schwärmern; 2.) daß der ſündhafte Menſch von und vor Gott gerechtfertigt d. i. als gerecht erklärt werde allein aus Gnaden, durch die Zurechnung des Verdienſtes Chriſti, das aber allein der Glaube ergreife, ſich aneigne und feſthalte, ohne alles Zu⸗ thun und Mitwirken aller Geſetzeswerke vorauf und aller Liebes werke darnach; 3.) daß die heiligen Sacramente. Taufe und Abendmahl, weſentliche und wahrhaftige Gnaden⸗ mittel des Heiligen Geiſtes ſeien, darin er durch des HErrn Chriſti Wort in irdiſchen Mitteln himmliſche Güter, und mit denſelben die Gnade Gottes und das Verdienſt Chriſti mittheile, nicht aber, daß dieſe heiligen Sacramente enweder gleichſam Zaubermittel ſeien, wie die Papiſten meinen, die auch ohne den Glauben des Em⸗ pfängers Gnade und Segen verliehen, oder blos leere Zeichen und Bilder, wie die Schwärmer wähnen, die erſt durch den Glauben des Em⸗ pfängers einigen Gehalt bekämen. Durch dieſe und ähnliche große Lehrer der hei⸗ ligen Kirche, durch ſolche auserwählte Rüſtzeuge des Heiligen Geiſtes geſchah es denn, daß die Irrlehren der falſchen Propheten durch die Wahr⸗ heit der heiligen Schrift, in richtiger Anwendung, immer klarer aufgedeckt und durch dieſe Waffen des Lichts immer ſiegreicher überwunden wurden. Nach allen Seiten hin ward alſo die himmliſche Lehre, die z. B. im Apoſtoliſchen Symbol noch ganz furz zuſammengefaßt iſt, klar und ausführ⸗ lich an den Tag gelegt; und die Rotten dienten alſo nur dazu, die treuen Lehrer und ihre Schüler als die Rechtſchaffenen offenbar zu machen. Und indeß Satan gedachte, dieſen und jenen Theil von der Veſte der chriſtlichen Lehre durch ſeine Lügen⸗ propheten heimlich zu untergraben und dadurch allmählich den Einſturz des Ganzen zu bewirken,