# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 02 16_S91 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) gegen die Obrigkeit, eben als Gottes Dienerin und Stellvertreterin (ſ. Pſ. 82.), und zwar nicht gegen die gute Obrigkeit allein, ſondern auch ge⸗ gen die böſe, um ihres Amtes und dieſer göttlichen Einſetzung willen; als geſchrieben ſteht: „Ehret den König!“ „Furcht, dem Furcht gebühret; Ehre, dem Ehre gebühret“; — Worte, die der heilige Apoſtel ſchrieb, als in Rom ein faſt wahnſinniger und höchſt grauſamer, blutdürſtiger Unmenſch, der Kaiſer Nero, regierte. ö Zum Andern ſollen nach Gottes Wort und Ordnung die Unterthanen auch ſonderlich für ihre Obrigkeit Bitte, Gebet und Fürbitte zu dem HErrn aufheben, auf daß ſie ein geruhiges und ſtilles Leben führen mögen in aller Gottſeligkeit und Ehrbarkeit. (1 Tim. 2, 2.) Zum Dritten ſind ſie Gehorſam und Unter⸗ thänigkeit ſchuldig; nicht aus Furcht vor der Strafe, nicht aus Hoffnung auf Lohn und Aner⸗ kennung, ſondern, wie geſchrieben ſteht Röm. 13, 5., „um des Gewiſſens willen“, weil eben die Obrigkeit von Gott verordnet iſt und Gottes Bild und Ehre an ſich trägt. Dieſer Gehorſam iſt aber zu leiſten nicht blos gütigen und väterlichen Oberherren und Regie⸗ mungen, ſondern auch harten und tyranniſchen Zwangsherren, ſofern ſie nichts gebieten und for⸗ dern, was wider Gottes Gebot iſt, als z. B. un⸗ gerechte Eroberungskriege zu führen, die Bekenner des reinen Evangeliums zu unterdrücken u. ſ. f., denn hier heißt es auch: „Man muß Gott mehr gehorchen als den Menſchen.“ Zum Vierten auch Schoß und Zoll nach Röm. 12, 6. 7., weil ſie, die Obrigkeit, eben Gottes Dienerin iſt, die den rechten Schutz handhabt, zur Strafe über die Uebelthäter und zum Lobe den Frommen. Wie aber, ſprichſt du, wenn z. B. die Fürſten ihre Unterthanen über die Maßen mit Abgaben beſchweren, vielleicht um ein großes ſtehendes Heer auf den Beinen zu erhalten und ſich dadurch eine Achtung gebietende Stellung unter den andern Staaten zu verſchaffen? oder wenn ſie ein übermäßiges Heer von Beamten aufrichteten, die auf gut chineſiſch den Nährſtand faſt unleidlich drückten und beſchwerten? oder wenn ſie durch den Preßzwang jede freimüthige Darlegung der Schäden und Gebrechen ihres Re⸗ giments hinderten und gewaltſam unterdrückten? oder wenn ſie überdieß früher gethane Zuſagen und Verſprechungen, z. B. eine freie Verfaſſung zu geben, ihren Völkern nicht hielten? — Wie nun, ſollten da die Unterthanen, wenn ehrerbietige Vorſtellungen und Bitten zu öftern Malen nichts helfen, ſondern der Druck und die Beſchwerung eher zu⸗als abnimmt, — ſollen, oder dürfen da die armen geplagten Unterthanen ſich nicht ge⸗ waltſam ſelbſt helfen, ihre Oberherren vertreiben, oder doch en tſetzen, und ſich ſelbſt andere wählen. oder gar ſich eine andere, z. B. die Verfaſ⸗ ſung geben, nach der die Oberherrlichkeit in der Maſſe des Volkes ſelber iſt? — Das ſei ferne! Wollen die gedrückten und beſchwerten Unter⸗ thanen Chriſten, und nicht Heiden ſein, ſo bindet folgendes Wort Gottes ihr Herz und Gewiſſen: „Wer ſich wider die Obrigkeit ſetzet, der wider⸗ 9¹ ſtrebet Gottes Ordnung, die aber widerſtreben, werden über ſich ein Urtheil empfangen.“ (Röm. 13, 2.) So Unrecht nämlich auch die Oberherren ha⸗ ben mögen, ſo iſt jedenfalls Aufruhr und Empö⸗ rung noch ein größeres Unrecht, und es iſt eben beſſer Unrecht leiden, als Unrecht thun, denn die⸗ ſes Letztere iſt ſchnurſtracks wider Gottes Wort und das Gewiſſen; Erſteres aber ſchadet dem chriſtlichen Gewiſſen und Herzen nicht, ſondern nützet ihm vielmehr, ſofern der Chriſt es, wie bil⸗ lig, als eine väterliche Züchtigung ſeines Gottes willig auf- und annimmt. Nach dem göttlichen Geſetze nämlich beſehen, iſt es ein geringes Ding, wenn wir, nach menſchlichem Rechte gemeſſen, ein noch ſo großes Unrecht leiden; denn wir haben, als Sünder von Natur, viel ärgere Strafen von Gott verdient, als ſchlechte Obrigkeit, oder etwa Hunger, Schwert und Peſtilenz iſt, nämlich den Tod, Hölle, Teufel und ewige Verdammniß. Nach dem Evangelium aber beſehen, trifft uns dieſe letztere ewige Strafe gar nicht, ſo wir von Herzen an Chriſtum glauben, und auch jenes zeit⸗ liche Uebel der böſen Obrigkeit iſt dann eigentlich nicht mehr Strafe, ſondern väterliche Heim⸗ ſuchung, um den noch rückſtändigen alten Adam heilſam zu kreuzigen und abzutödten und immer mehr dem HErrn Chriſto uns ähnlich zu machen, der uns ein Vorbild gelaſſen hat, daß wir ſollen nachfolgen ſeinen Fußtapfen; denn wie er nicht wieder ſchalt, da er geſcholten wurde, wie er nicht drohete, da er lit, ſo wollen wir es auch machen; und wie Er es dent heimſtellte, der da recht rich⸗ tet, ſo ſollen auch wir uns nicht ſelber rächen, ſon⸗ dern dem Zorne Gottes Raum geben, der auch der gottloſen Obrigkeit vergelten wird nach ihren Werken, und die Frucht ihres Weſens auf ihren Kopf bringen. Helfen wir uns aber ſelber aus Kreuzesflucht und fleiſchlicher Ungeduld, ſo fallen wir ſelber in Goties Gericht und ziehen ärgere Plage auf uns, als böſe Obrigkeit iſt. Oder iſt es nicht ein ſchrecklicheres Uebel, wenn in Folge ſolcher fleiſch⸗ lichen Selbſthülfe blutige Parteikämpfe oder gar weiter um ſich greifende Bürgerkriege entſtehen? wenn ein Zuſtand völliger Geſetzloſigkeit und Zuchtloſigkeit eintritt, und Gott dann dieſem Zu⸗ ſtand alſo ein Ende macht, daß er einen gewalti⸗ gen Zwingherrn den Streitenden über den Hals ſchickt, der ſie nicht, wie der frühere, mit Ruthen, ſondern mit Scorpionen züchtigt? Es gehet ihnen dann, wie den Fröſchen in der Fabel, die wollten den Klotz nicht als König leiden, ſo bekamen ſie den Storch, der fraß ſie alle auf. Und dieſes Ende könnte vielleicht die Sache in Deutſchland nehmen, daß die königlich Geſinnten und die Republikaner ſich zuerſt untereinander beißen und freſſen, bis endlich der Bär aus dem Norden über beide kommt, und mit ſeinen gewal⸗ tigen Tatzen, zumal die Letztern, in den Staub legt und mächtig darniederhält. Sollte es aber fürs Erſte alſo hinauslaufen, daß die Republikaner ſiegen, und keine äußere Macht über ſie kommt, ſo iſt doch ſehr zu beſorgen, daß aus ihnen ſelber, über kurz oder lang, Einer aufſteht, der die Alleinherrſchaft gewaltthätig an ſich bringt, wie die Geſchichte alter und neuer Zeit das mehrfach belegt. Summa: Gewaltſame Selbſthülfe und Selbſt⸗ rache beſchwerter Unterthanen gegen ihre unge⸗ rechte Obrigkeit iſt ſchnurſtracks wider Gottes Wort und Ordnung, und iſt nichts, denn eine Berauſchung aus dem Taumelbecher der fleiſch⸗ lichen Freiheit, den der Satan, der Lügner und Mörder von Anbeginn, den Kindern des Unglau⸗ bens voll eingeſchenkt hat, um ſie unter Vorſpie⸗ gelung der Freiheit zu ſeinen Knechten zu machen, und ſie in den Stricken des Verderbens gefangen zu führen, nach ſeinem Willen. Deßhalb iſt denn auch der Sinn ihres Herzens und das Ge⸗ ſchrei ihres Mundes: „Laſſet uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Seile!“ (Pſ. 2.) eigentlich wider die allerhöchſte Majeſtät Gottes im Himmel geredet, deſſen Feinde und Verächter ſie ſind. „Aber, der im Himmel wohnet, der lachet ihrer und der HErr ſpottet ihrer. Er wird mit ihnen reden in ſeinem Zorn und mit ſeinem Grimm wird er ſie ſchrecken.“ Wie nun aber, ſprichſt du, wie ſoll ein chriſtliches Volk ſich nach Gottes Wort und Ordnung halten, wenn es einen harten und ungerechten Oberherrn hat, der es mit faſt unleidlicher Beſchwerung belegt, und auf alle demüthige und ehrerbietige Bitte um Ab⸗ ſtellung auch nur des gröbſten Drucks nichts gibt, ſondern darnach ſein Volk eher härter plagt, denn zuvor, wie Pharao mit Iſrael that? Das Erſte iſt, daß es ſich unter die gewaltige Hand Gottes demüthige und daran gedenke, daß es mit ſeinen Sünden ja noch viel mehr zeitliche Strafen und eigentlich die ewige Verdammniß der Höllen wohl verdient habe, und daß auch jetzt noch viel böſe und gottloſe Leute unter ihnen ſeien, die unter gütigen und gelinden Oberherren nur immer roher und frecher fortſündigen würden und denen ſonderlich hoch von Nöthen iſt, daß ſie tüchtig geplagt und der Muthwille ihres Fleiſches gedämpft werde. Gott nämlich ſtraft einen Bu⸗ ben mit dem andern, gottloſe Unterthanen durch gottloſe Fürſten und umgekehrt. Das Andere iſt dieſes, daß ſie zu Gott ſchreien und zunächſt für ihre, vom Teufel verblendeten Dränger den HErrn anrufen, nachdem geſchrieben ſtehet, Matth. 5, 44.: „Liebet eure Feinde, ſeg⸗ net, die euch fluchen, thut wohl denen, die euch haſſen, bittet für die, ſo euch beleidigen und ver⸗ folgen, auf daß ihr Kinder ſeid eures Vaters im Himmel.“ So nun dieſes ehrlich und aufrichtig geſchieht, ſo wird Gott der Zweien eines thun: entweder nämlich wird der gottloſe Oberherr, ſo er zum ewigen Leben verordnet iſt, gründlich in ſich ſchla⸗ gen, ſich zum HErrn bekehren und ein chriſtlicher Fürſt werden, oder die Fürbitte des chriſtlichen Volkes wird zu dieſem zurückkehren, die Ver⸗ ſtockung des Tyrannen wird, wie bei Pharao, ſichtlich zunehmen, und der HErr wird ohne Zu⸗ thun des Volkes ſeine Gerichte an ihm hinaus⸗ führen, wie z. B. an Pharao und den gottloſen Königen Israels, und auf dieſe Weiſe die Unter⸗