# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 02 16_S89 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Belligirt von C. g. W. Wulther. ger Cutheraner. „Gottes Mlort und Xuthers Jehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten. St. Louis, Mo., den 6. TFebruar 1849. Hahrgang 5. vorauszubezahlen und das Poſtgeld LNur die Briefe, welche Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. u Minheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of O. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. welche denſelben (Eingeſandt von Dr. Sihler.) Gottes Wort zu der Menſchen Thun in Hin⸗ ſicht auf den Stand der Dinge in Deutſchland. Es iſt ja allen unſern Leſern zur Genüge be⸗ kannt, wie es in unſerm alten Vaterlande im Laufe des vorigen Jahres bereits hergegangen iſt und noch hergeht, wie in den meiſten Ländern die Unterthanen hin und her wider ihre Obrigkeit aufgeſtanden ſind und von den Fürſten und Her⸗ ren theils die Abſtellung drückender Beſchwerun⸗ gen, theils die Erfüllung gegebener Verſprechun⸗ gen in gewaltthätiger Selbſthülfe ertrotzt haben. Doch nicht dieſes allein iſt geſchehen, ſondern in einzelnen Gegenden hat ſich auch das Landvolk erhoben und die Burgen und Schlöſſer des Adels verbrannt und dabei verheert und zerſtört, was ihm möglich geweſen. Nun iſt zwar nicht zu leugnen, daß die Deut⸗ ſchen in mancherlei Hinſicht von ihren verſchiede⸗ nen Fürſten hart beſchwert und eng bevormundet ſind. Da ſind 3. B. die gewaltigen ſtehenden Heere, die hin und her über die Hälfte der Staats⸗ tinkünfte koſten und eine große Maſſe von Ab⸗ gaben den arbeitenden Klaſſen auf den Hals legen; da iſt die ungeheure Zahl der Beamten mit ihrer unermeßlichen Vielregiererei, durch die ſie das Volk in eine unnatürliche Zwangsjacke tinſchnüren und ihm jede freie Bewegung faſt unmöglich machen; da iſt eine engherzige, miß⸗ nauiſche Oberaufſicht über Alles, was geſchrieben wird, die jede freimüthige Aeußerung über die Gebrechen des beſtehenden Regiments gewaltſam unterdrückt, indeß ſie antichriſtiſchen und gottes⸗ läſterlichen Schriften kein Hinderniß in den Weg legt. Da iſt — doch dies drückt mehr die Kinder Gottes als die Kinder der Freiheit — da iſt die klägliche Gefangenſchaft der Kirche in den Ban⸗ den der weltlichen Obrigkeit, die nicht etwa nur das äußerliche Schutzregiment handhaben will, das ihr zuſteht, ſondern auch die innerliche Re⸗ gierung der Kirche, die ihr nicht zuſteht; kleinere örtliche Uebelſtände aber, die auch aus dieſer viel⸗ regiereriſchen“) Unart der deutſchen Fürſten ent ) Wird übrigens in Deutſchland zu viel, ſo wird hier zu wenig regiert. Die Obrigkeit hat hier unleugbar nicht ſprungen, finden ſich überall reichlich vor, und üben auf das Volk einen höchſt läſtigen Druck aus. Wie nun, — ſo ſchreien die Freiheitshelden, ſo treiben die Zeitungsſchreiber, ſo hetzen die Volks⸗ redner — wie nun, ſollte das jetzt ſo überaus auf⸗ geklärte und mündige Volk dieſen Druck ſammt der ganzen Fürſtenherrſchaft nicht auf einmal ab⸗ ſchütteln, da es lange genug geduldet hat und die Beſchwerung eher zu⸗ als abnimmt? Sollte es jetzt nicht an der Zeit ſein, daß es ſich in Maſſe wider ſeine Fürſten erhebe, mit Gewalt ihr Re⸗ giment abthue und aus ſich ſelber nach hieſigem Vorbild ein Volksregiment aufrichte? Laſſet uns dieſe Frage und was damit näher zuſammenhängt, nicht nach den geſchwinden Ein⸗ fällen der fleiſchlichen Vernunft, ſondern nach Gottes Wort, als der untrüglichen, unwandel⸗ baren Wahrheit, beantworten. Wir ſtellen aber zuerſt dieſe Frage: I. Was iſt die chriſtliche Obrig- keit ihren Unterthanen ſchul⸗ dig? und ſodann erſt II. Was ſind die chriſtlichen Un⸗ terthanen ihrer Obrigkeit ſchuldig? I. Ehe wir an die Beantwortung dieſer Frage gehen, ſo laſſet uns etwas bei einer zwiefachen Vorfrage ſtehen bleiben; nämlich: ob die Obrig⸗ keit nothwendig, und welches ihre oberſte Urſache das ihr gebührende Anſehn, und dies kommt daher, daß das Volk (als Wähler) ſie nicht als Gottes, ſondern als ihr Geſchöpf, Werk und Ordnung anſieht. Und weil hier alſo die Obrigkeit eine Creatur der Volkswahl und Volks⸗ gunſt iſt, ſo kommt daher wieder der Uebelſtand, daß ſie nicht ſelten, um populär und beliebt zu bleiben und etwa wieder gewählt zu werden, ſo wenig Ernſt und heilſame Strenge zumal in der Vollziehung der Strafgeſetze beweiſet. Daher z. B. die unzähligen und oft ſo bedeutenden Un⸗ glücksfälle auf Eiſenbahnen und Dampfſchiffen, von denen man in Deutſchland nichts hört. Würde hier der ſchuldige Theil, wenn er mit dem Leben davon kommt, nach Gebühr beſtraft, ſo würden dieſe Unglücksfälle bald aufhören. Ader ſolche gonloſe, leichifertige Großmörder empfangen faſt nie irgend eine, geſchweige die gerechte Strafe, nemlich das Zuchthaus, indeß ein verwahrloſ'ter Bube von etwa fünf⸗ zehn Jahren, der eines geringen Diebſtahls ſich ſchuldig gemacht, alsbald dahineinkommt. Menſchenleben iſt eben hier zu Lande wohlfeiler als Geld und Gut. — ſei? Beides beantwortet kurz das göttliche Wort, wenn es ſagt: „Es iſt keine Obrigkeit ohne von Gott, wo aber Obrigkeit iſt, die iſt von Gott ver⸗ ordnet.“ Röm. 13, 1. Hieraus erkennen wir alſo, daß Gott ſelber das Amt der welilichen Obrigkeit geſetzet und daß es folglich nothwendig ſei; denn Gott verordnet nichts Unnöthiges. Und zwar iſt die Obrigkeit um zweierlei Urſachen willen von Gott geordnet; die eine iſt, daß ſie ſein Bild und Ehre auf Erden darſtelle, nämlich, daß ſie im Kleinen das ſei, was er weſentlich und urſprünglich im Großen und Ganzen iſt, d. i., daß ſie unter ſeiner Oberherr⸗ lichkeit als ſeine Statthalterin Recht und Gerech⸗ tigkeit anrichte auf Erden, und gleichſam das Maaß und die Ordnung des ſittlich geſelligen Zuſammenlebens der Menſchen ſei, von den ein⸗ zelnen Familien an bis zu großen und mächtigen Völkern; die andere iſt, daß ſie durch das Geſetz und ſeine Strafdrohung in dieſem ihrem Regi⸗ ment, ſonderlich den gröbern Ausbrüchen der Sünde möglichſt wehre. Fragen wir aber die Geſchichte und Erfahrung, ſo finden wir, daß dieſe Ordnung von Anbeginn vorhanden war, wenn gleich in ſehr verſchiedener Geſtalt. ö In den einzelnen Familien, aus denen jedes größere Gemeinweſen zuſammengeſetzt iſt, finden wir ſogar unter den Heiden, daß der Vater das leitende Oberhaupt iſt, zu dem die andern Glieder des Hauſes in einem untergeordneten Verhältniß ſtehen. Er ordnet und beſtimmt, wie es in ſeiner Familie ſoll gehalten werden; ſein Wille iſt das Geſetz des Hauſes und er überwacht die Aus⸗ führung desſelben, er ſtraft die Uebertreter, und lobt, die es halten u. ſ. w. Ein ähnliches Verhältniß finden wir dann fer⸗ ner in Horden und Stämmen, die meiſt von einem Stammvater herkommen, und in die Länge und Breite gewachſen ſind. Da iſt keine noch ſo wilde Bande, wo nicht ein Häuptling wäre, der meiſt an Verſtand und Willen die an⸗ dern Hausväter übertrifft, und außer ſonſtigen größern Gaben, je nach Art und Bildung der Leute, auch die Gabe der Leitung hat, und den