# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 02 02_S85 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) „Beſchloſſen: Wiewohl es uns das höchſte Vergnügen gewähren würde und wir aufs auf⸗ richtigſte wünſchen, diejenigen mit uns in Lehre und Gebräuchen vereint zu ſehen, die mit uns einen Namen führen, und in ſolchem Fall geneigt ſind, uns mit ihnen in ſolchen Sachen, die die Beförderung der Sache der Wahrheit bezwecken, zu vereinigen und gemeinſchaftlich mit ihnen zu wirken: ſo müſſen wir doch ausdrücklich erklären und wünſchen alſo verſtanden zu werden, daß, ſo wünſchenswerth auch eine Vereinigung ſein möge, ſie doch allein auf die Verſiche-⸗ rung eines ſtrengen Anhangens an der Lehre und den Gebräuchen unſerer Kirche, wie dieſe in den Symbolen derſelben dargeſtellt ſind, zu Stande gebracht werde; und ſo lange wir dieſe Ver⸗ ſicherung nicht erhalten können, ſo können wir, unſeres Theils, in keine ſolche Vereinigung ein⸗ willigen.“ Auch unſerer Synode und unſeres Blattes ha⸗ ben die theuren Brüder dieſes Verbandes freund⸗ lichſt gedacht. Wir finden folgenden betreffenden Beſchluß: „Beſchloſſen: Daß es uns freut, zu hören, daß etliche unſerer deutſchen lutheriſchen Brüder eine Synode formirt haben, genannt „„Die deut⸗ ſche evangeliſch⸗lutheriſche Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten““, und daß ſie ein deutſches Blatt herausgeben, genannt „„Der Lu⸗ theraner““, welches der Verbreitung und Ver⸗ theidigung der urſprünglichen Lehren und Ge⸗ bräuche der lutheriſchen Kirche gewidmet iſt, auf welches Blatt wir die Aufmerkſamkeit unſerer deutſchen Brüder zu lenken wünſchen.“ ö Mit herzlicher Freude leſen wir ferner, daß etliche engliſche Lutheraner aus Miſſouri an die Synode eine Bittſchrift haben ergehen laſſen, worin ſie darum anſuchen, unter die Aufſicht der Synode genommen und von Gliedern derſelben bedient zu werden, welcher Bitte auch gewillfahrt werden ſolle. Endlich finden wir noch in dem Berichte eine warme Empfehlung der von H. Ludwig in New Aork herausgegebenen Werke durch die Synode: 1. des Concordienbuchs, 2. der Hauspoſtille Lu⸗ thers, 3. der engliſchen Ueberſetzung der Augsbur⸗ giſchen Confeſſion mit einer hiſtoriſchen Einleitung und erklärenden Anmerkungen, und 4. der engli⸗ ſchen Ueberſetzung von Meurers Leben Luthers. Wir ſchließen dieſen Auszug mit dem innigen Wunſche, der HErr wolle dieſe Synode, die nun ſchon beinahe dreißig Jahre lang gegen den Ab⸗ fall der ſogenannten amerikaniſch⸗lutheriſchen Kirche und inſonderheit gegen den der Generalſynode unter viel Schmach und Verfolgung treulich ge⸗ zeugt und gekämpft und ſich, ſo viel wir wiſſen, unter allen ältern Synoden des Landes allein mit den Kleinodien unſerer Kirche in dieſe letzte greuliche Zeit herüber gerettet hat, ferner ſegnen und zu einem Salz der Erde machen, das der um ſich greifenden geiſtlichen Fäulniß in anderen Synoden wehrt. ö Die nächſte Sitzung der Synode ſoll in Beck's 85 gefähr ſechs Meilen ſüdöſtlich von Lexington), gehalten und, geliebt es Gott, Sonnabends vor dem dritten Sonntag im October 1849 begonnen werden. Der Secretär der Synode iſt: Rev. J. R. Moser, Flint Rock, Catawba Co., N. C. * (Eingeſandt.) Nea⸗Mathla über die Schöpfung der Menſchen. Die Regierung der Vereinigten Staaten hatte etwa um das Jahr 1825 Einrichtung getroffen, um unter den Seminolen von Florida Schu⸗ len einzuführen, und eine Geldſumme war zu die⸗ ſem Zwecke angewieſen. Dem widerſetzte ſich Nea⸗Mathla, ein ausgezeichneter Häuptling, der über jenen Stamm großen Einfluß ausübte. Nach mehreren fehlgeſchlagenen Verſuchen, die wohlwollende Abſicht der Regierung auszuführen, wurde eine Verſammlung gehalten, in welcher ſich Nea-Mathla erhob und den Gouverneur Duval, der damals Superintendent der Indiani⸗ ſchen Angelegenheiten war, folgendermaßen an⸗ redete: „Vater, es iſt nicht mein Wunſch, aus meinen rothen Kindern weiße Kinder machen zu laſſen. Als der Große Geiſt die Menſchen ſchuf, ſchuf er ſie ſo, wie ſie ſind, und zwar mit drei Merkmalen. Er wies bei der Erſchaffung einem jeden ſeine Farbe an, ſeine Pflichten, und es war nie ſeine Abſicht, daß ſie ſich vermiſchen ſollten. „Vater, alſo ſchuf der Große Geiſt die Men⸗ ſchen. Er ſtand an einem hohen Orte. Darauf nahm er etwas Staub in ſeine Hand, miſchte und trocknete ihn, blies ihn an, warf ihn aus ſeiner Hand vor ſich hin — und vor ihm ſtand ein weißer Mann! „Der Große Geiſt war traurig. Er ſah, daß das, was er geſchaffen hatte, nicht das war, was er beabſichtigte. Der Mann war weiß! Er ſah ſchwach und kränklich aus. Der Große Geiſt ſah ihn an und ſprach: „„Weißer Mann, ich habe dir das Leben gegeben. Du biſt nicht das, was ich eigentlich wollte. Ich könnte dich wieder dahin ſchicken, wo du hergekommen biſt; doch nein — ich will dir das Leben nicht nehmen. Tritt zur Seite.““ Der Große Geiſt miſchte den Staub von Neuem, trocknete ihn, blies ihn wie⸗ der an — und vor ihm ſtand ein ſchwarzer Mann! „Der Große Geiſt war bekümmert. Er ſah, daß dieſer Mann ſchwarz und häßlich war; darum befahl er ihm, zur Seite zu treten. Dann miſchte er den Staub von Neuem, blies ihn an — und vor ihm ſtand ein rother Mann! „Der Große Geiſt lächelte. In dieſem Augen⸗ blicke ſahen alle in die Höhe und erblickten eine Oeffnung im Himmel, durch welche drei Kiſten langſam herabſanken. Sie kamen endlich her⸗ unter und blieben auf dem Boden liegen. Drauf ſprach der Große Geiſt: „„Ich habe euch allen das Leben gegeben. Der rothe Mann allein iſt mein Liebling; jedoch ſollt ihr alle leben. Ein jeder von euch muß aber die ihm zukommenden Kirche, Davidſon County, Nord⸗Carolina (ohn⸗Pflichten erfüllen. Dieſe drei Kiſten enthalten die Werkzeuge, welche ihr zu gebrauchen habt, um euch den nöthigen Lebensunterhalt zu verſchaf⸗ fen.““ So redend, rief er den weißen Mann zu ſich. „„Weißer Mann““, ſaͤgte der Große Geiſt, „„du biſt nicht mein Liebling, doch habe ich dich zuerſt erſchaffen. Oeffne dieſe Kiſten, be⸗ trachte ſie und wähle, welche du willſt. Sie ent⸗ halten die Geräthe, welche ihr alle drei während eures Lebens zu gebrauchen habt.““ „Der weiße Mann öffnete die Kiſten, ſah hin⸗ ein und ſprach: „„Ich will dieſe nehmen.““ Sie war voll Federn, Tinte, Papier und all der Dinge, die ihr weißen Leute zu gebrauchen pflegt. Er blickte auf den ſchwarzen Mann und ſprach: „„Ich habe dich demnächſt geſchaffen; jedoch kann ich dir die zweite Wahl nicht geſtatten.“ Dann wandte er ſich zu dem rothen Manne, lächelte und ſprach: „„Komme, mein Liebling, und wähle.““ Der rothe Mann ſah in die beiden noch übrigen Kiſten und ſprach: „„Ich will dieſe nehmen.““ Sie war voll Biberfelle, Bogen und Pfeile und all der Dinge, welche die Indianer gebrauchen. Darauf ſprach der Große Geiſt zu dem Neger: „„Du kannſt dieſe nehmen.““ Sie war voll Hacken und Aexte, zum Beweiſe, daß der ſchwarze Mann geſchaffen war, um für den weißen und rothen Mann zu arbeiten. „Vater, ſo ſchuf der Große Geiſt die Menſchen und ſo verſah er ſie mit den Werkzeugen, mit wel⸗ chen ſie arbeiten ſollten. Es iſt nicht ſein Wille, daß unſere rothen Kinder die Artikel gebrauchen ſollen, welche in der Kiſte herab gekommen, die der weiße Mann wählte, ſo wenig, als ſich für den weißen Mann ſchickt, die Geräthe zu nehmen, welche von dem Großen Geiſte zum Gebrauche ſeiner rothen Kinder bereitet ſind.“ (MeKenney, Memoirs, Bd. 2. S. 16.0 Da ſie ſich für weiſe hielten, ſind ſie zu Narren worden. Röm. 1, 22. Jener ausgezeichnete Häuptling erzählt offenbar keine ältere Ueberliefe⸗ rung ſeines Volkes, ſondern theilt in der Form einer Dichtung ſeine Gründe gegen die Einfüh⸗ rung von Schulen mit. Und wie albern fällt dieſelbe aus! Der Name „Großer Geiſt“ erregt Anfangs die Erwartung, daß die Indianer Got⸗ tes ewige Kraft und Gottheit aus ſeinen Werken erſehen hätten. Allein dieſe Erwartung wird völlig getäuſcht, da der Große Geiſt ſo ohnmäch⸗ tig und unbarmherzig erſcheint, daß er den wei⸗ ßen und den ſchwarzen Mann als einen „ver⸗ unglückten Wurf“ betrachtet, weßhalb ſich ſein Liebling, der rothe Mann, denn auch berechtigt glaubt, ſie zu haſſen und zu verachten. Ihr ſeid allzumal Einer in Chriſto IEſu. Gal. 3, 28. So rief der Apoſtel einſt den Juden und Griechen zu. Möge es auch bald ſo heißen in Beziehung auf den „weißen und den rothen Mann“. Es ſteht bei dem HErrn; laßt uns ihn um Gnade anrufen. H. Fick.