# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 01 05_S76 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ten anhören, welches wir Alles verſchmerzten und Gott befahlen. Als wir nun ein wenig aus dem Geſchwärme und alſo aus dem Tod wieder ins Leben etlichermaßen kamen, fragete der Oberſte und ſprach: Frau, ich habe euch und eurem Herrn das Leben errettet, was könnt ihr mir nun geben? Wir antworteten: Wir hätten das Unſrige an Geld und Silber vergraͤben, hofften, man würde es ſo leicht nicht finden, das ſollte ſein ſein, ſonſt wüßten wir auf der Welt nichts mehr. Damit war er zufrieden. Als wir nun ein wenig hinaus ferner kamen, ſtunden etliche Officier, die ſahen uns als arme Gefangene an, da ſprach einer zu mir: Ego tibi condoleo, nam et ego addictus sum Augustanae Confessioni, d. h. Ich habe Mitleiden mit dem Herrn, denn ich bin auch ein Augsburgiſcher Confeſſionsverwandter; aber ich durfte ihm aus Furcht nicht antworten. Und hiemit kamen wir zu unſers Oberſten Gezelt vor dem Rothenſeeiſchen Holz gelegen, da uns dann ein ſilberner Becher mit Wein geboten wurde. Gegen dem Abend wurde der liebe Herr T. Olvenſtädt von unſerm Koch auf einem Wagen auch gebracht, ach Gott ſo elend und erbärmlich zugericht, daß wir ihn nicht kannten als an der Sprache, hatte ſich ſo verblutet, alſo, daß er gegen die Nacht in eine Ohnmacht fiel, daß wir nicht anders meinten, er würde uns abdanken, ich trö⸗ ſtete ihn, ſo viel es ſein konnte, wie er dann den folgenden Tag, da die Reihe auch an mich kam, mir auch bei meiner großen Krankheit ſoll mit Troſt Lateiniſch zugeſprochen haben, davon ich doch nichts wiſſen kann; aber er erholete ſich wieder. Wir legten ihm einen Rock unter, wir wurden auch verbunden und warteten ant einan⸗ der, ſo gut wir konnten. Auf den ſpäten Abend mußten ich und meine Frau neben den Andern mit zur Mahlzeit gehen, es ging wohl Alles prächtig zu, aber uns ſchmeckte weder Eſſen noch Trinken. Der Oberſte ſagte: Frau, warum wollt ihr nicht eſſen? Sie antwor⸗ tete ihm und ſprach: Herr Oberſter, wenn der Herr nur eine Viertelſtunde ſollte an meiner Statt ſein, das Eſſen ſollte ihm wohl vergehen. Gleich⸗ wohl aber that der Herr Oberſte mir dieſe Ehre an, daß er mich über ſeinen Meß⸗Pfaffen ſetzte, welcher hatte commandiret, ſie ſollten mich zügeln. Er war ein junger Menſch und ſonſt ein rude pecus, ich redete auf Lateiniſch mit ihm, er ſollte eine Collect für mich einlegen, aber er ging davon, und ſagte: Dicam; alſo daß die Diener ſagten: Ob ich wollte Latein mit ihm reden? Er könnte kein Latein. Und mochte er freilich nicht viel davon vergeſſen haben. Nach geendigter Mahl⸗ zeit war kein Menſch, der gebetet hätte, der Sacri- nalis oder Pfaffe auch nicht, da es doch ſein Amt geweſen wäre. Des Morgens ſchickte unſer Oberſter etliche ſeiner Diener nebſt unſrer Magd in die Stadt, un⸗ ſer zugeſichertes Ranzion-Geld, weil die Magd wußte, wo es ſtünde, zu bringen, kamen aber wie⸗ der und brachten es nicht, mit Vorwendung, der Keller wäre noch voll Feuer gelegen, daß ſie nicht binein kommen können; ob demſelben alſo geweſen, kann ich nicht wiſſen. — 76 (Aus dem weiteren damaligen Tagebuche jenes Herrn Pfarrers wird hernach noch gemeldet, wie er nemlich mit Gottes Hilfe durch Vermittlung jenes kaiſerlichen Oberſten fortgebracht, in das Holſteiniſche geleitet und nach einiger Zeit in Rendsburg wieder in ein neues Pfarramt berufen worden ſei. Er ſchließt, nachdem er auch von einer ſchweren Krankheit wieder geneſen war, mit den Worten: „Gott ſei Lod und Dank geſagt, daß es von Tag zu Tag mit mir beſſer wurde, und ich im Namen der hochgelobten Dreifaltigkeit das erſte Jahr meines hieſigen Miniſterii anfan⸗ gen konnte. Der allerhöchſte Gott wolle zu ſolchem meinem Pflanzen und Begießen ſein gnädiges Gedeihen verleihen um Chriſti willen! Amen!“) * Kirchliche Nachricht. Die beiden von Paſtor Husmann bedienten Gemeinden, die eine in Allen⸗, die andere in Adams⸗County, Ind., haben Herrn Andreas Fritze aus Würtemberg, bisher Zögling auf dem Seminar zu Fort Wayne, zu der von ihnen errichteten Hülfspredigerſtelle ordentlich berufen. In Folge deſſen iſt ſelbiger nach wohl beſtandenem Eramen von dem Vicepräſes unter Aſſiſtenz der Paſtoren Husmann und Jäbker Dom. II. Adv. 1848 vor beiden Gemeinden ordinirt und in ſein Amt eingewieſen worden. Möge der Herr der Ernte nun auf die Arbeit zweier Diener des Wor⸗ tes doppelten Segen legen. (Eingeſandt von S.) Am 18. October v. J. wurde die Kirche der unter Herrn Paſtor F. A. Hoffmann gebildeten ev.⸗luth. St. Johannis⸗ Gemeinde zu Schaumburg, Cook Co., Ill., ein⸗ geweiht. Die betreffenden Predigten wurden von den Paſtoren Selle und Brauer gehalten. Ebenſo hatten dieſe Beide die Freude, am letzten zweiten Weihnachtsfeiertage das Kirchlein der ebenfalls durch die eifrigen Bemübungen Herrn Paſtor Hoff⸗ manns gebildeten und nun von Herrn Paſtor W. Klein bedienten ev.⸗luth. St. Peters-Gemeinde an Elk Grove, Cook Co., Ill., einzuweihen. Beide Gemeinden ſind in einem erfreulichen Zuſtande und berechtigen zu den ſchönſten Hoffnungen. Wolle der HErr den Samen ſeines dort gepredig⸗ ten Wortes aufgehen und herrliche Früchte brin⸗ gen laſſen! — Vor kaum drei Jahren war in dor⸗ tiger Gegend noch keine Spur der theuren Kirche zu erkennen, und ſchon arbeiten in einem Umkreis von dreißig Meilen vier Diener der Kirche in großem Segen, deren Zahl ſich vorausſichtlich in weiteren zwei Jahren verdoppeln dürfte. Gott ſei gelobt, der ſein Licht wieder überall hervor⸗ brechen heißt! Aus Deutſchland. Ueber den Einfluß der Revolution und der da⸗ durch herbeigeführten Umgeſtaltung der Verhält⸗ niſſe im alten Vaterlande auf die Kirche lauten die Nachrichten immer betrübender. Unter an⸗ deren ſchreibt ein theurer Amtsbruder aus der Um⸗ gegend von Hamburg an uns vom 9. Ocrober v. J. Folgendes: „Dazumal. als Ihr lieben ſächſiſchen Brüder hinwegzoget, konnten wir uns und Ihr ſelbſt ſeid wohl ſtutzig geworden über Euren Weggang. Ietzt freilich ſiehet es ganz ſo aus, als habet Ihr deshalb vor- ausgehen müſſen, um dort eine Herberge für die Kirche, falls ſie aus Deutſchland hinausgedrängt würde, zu bereiten. Zu Letzterem läßt ſichs in unſemn Tagen an. Was man auch ſagt und ſchreibt über Freiheit und Trennung der Kirche vom Staate, man zeigt alsbald wieder, daß es nicht ſo gemeint iſt; daß man Freiheit aller gottloſen Secten wohl will, aber die Kirche mit ihrem Bekenntniß und Cultus (Gottesdienſt-⸗Ordnung) unter die „„Majorität des ſouveränen Volkes““ ſtellen will; will nur Schulen als Staatsanſtaͤlten, keine mehr als Anſtalten der Kirche dulden u. ſ. w. Man weiß es, erſt, wenn die Kirche und deren Schulen beſeitigt ſind, hat die Revolution und der Communismus ungebundene Macht und freies Spiel. Im 'gegenwärtigen Deutſchland iſt Anarchie und Geſetzloſigkeit am ſchlimmſten in den Gegenden, aus welchen früher die ſtärkſten Auswanderungen der Kirchlichgeſinnten erfolgt ſind: Schleſien, Erfurt, Magdeburg, Altenburg“ u. ſ. w. Ein anderer Correſpondent aus Meck⸗ lenburg ſchreibt: „Es iſt nicht zu ſagen, wie weit es mit der Gottentfremdung unter uns gekommen iſt. Man kann nicht ſagen, daß die Revolution wie die erſte franzöſiſche, blasphem (gottesläſterlich) geweſen iſt, aber unter dem negativ guten Scheine birgt ſich eine noch nie dageweſene Ignorirung (Nichtswiſſenwollen) des Göttlichen. In dem Vorparlament in Frankfurt ſtand man, als es er⸗ öffnet wurde, wenigſtens von den Sitzen auf, um dem Gott die ſchuldige Ehrerbietung zu bezeigen, von dem Franklin (1) geſagt habe: Wo der HErr nicht das Haus bauet, bauen umſonſt, die daran arbeiten. Als aber in der Nationalverſammlung der Paulskirche in Frankfurt der Biſchof von Münſter den Antrag machte, vor Beginn der Ver⸗ handlungen eine gottesdienſtliche Feier zu veran⸗ ſtalten, wurde das Wort des Abgeordneten Raveaurx: Hilf dir ſelber, ſo hilft dir Gott, ſtür⸗ miſch beklatſcht (freilich nicht von allen Mitglie⸗ dern, ohne daß aber ein ernſtes Wort der Ent⸗ gegnung geſprochen worden wäre). Der Name Gottes iſt nicht blos aus dem Herzen eines großen Theiles unſeres Volkes — er iſt auch von ſeinen Lippen entſchwunden. Was hat die Kirche zu er⸗ warten, wenn ſich erſt die Wuth des Zeitgeiſtes gegen ſie als reactionäre Macht wenden wird. Doch zu fürchten hat ja die Kirche nicht, denn wenn ſie erſt ans Kreuz geſchlagen wird, iſt ihre Auferſtehung nicht ferne. Während Deutſchland von ſolchen Stürmen durchwühlt wird, genießt ihr in Amerika geſegneten Frieden. Euer Land wird mehr und mehr ein Pella werden für die in Deutſchland verſchmähte Kirche des reinen Be⸗ kenntniſſes. O ſo ſegne der HErr, der ihr Haupt iſt, alle eure Arbeit an ihrem Aufbau. Vielleicht waret ihr berufen, ihre Heiligthümer hinüberzu⸗ retten. In dem Einen und ſeiner Einen Wahr⸗ heit Dein D.“ Inländiſche Correſpondenz. Es iſt eine von den Chriſten ſchon oft gemachte Erfahrung, daß die Feinde der Wahrheit, indem ſie den Bekennern derſelben öffentlich ſchreckliche