# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 01 05_S74 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Flammen der brennenden Häuſer, um den viehi⸗ ſchen Soldaten zu entgehen; 53 Frauenzimmern wurden in der Katharinen-Kirche, indem ſie knieend um ihr Leben baten, von den Kroaten die Köpfe abgeſchlagen. Einer rühmte ſich, 20 Säug⸗ linge aufgeſpießt zu haben, da aber Pappenheim gleich anfangs einige Häuſer hatte in den Brand ſtecken laſſen und der Wind ſchadenfroh hinein⸗ blies, ſtand bald die ganze Stadt in Flammen und verbrannte bis auf 137 kleine Häuſer und den feuerfeſten Dom, in den ſich 4000 Menſchen retteten. Alle übrigen Magdeburger kamen durchs Schwert oder in den Flammen um. Viele, die ſich in den Kellern verſteckt, wurden erſt nachher von den nach Beute wühlenden Soldaten ent⸗ deckt und abgeſchlachtet. Dieſe Scenen dauerten bis zum 22. Mai, dann erſt begab ſich Tilly ſelbſt auf die Brandſtätte und ſtellte Zucht und Ord⸗ nung her, die Flüchtlinge in der Domkirche, gleich anfangs durch eine Wache geſchützt, erhielten Gnade und ſeit drei Tagen zum erſtenmal etwas zu eſſen. Wahrſcheinlich fand ſich Tilly geſchmei⸗ chelt durch die lateiniſche Anrede, mit der ſich der Domprediger Bake ihm zu Füßen warf. Man ſah dieſen ſchrecklichen Tilly, eine hagere Figur auf einem großen Roſſe, in einer kurzen auf⸗ geſchlitzten Jacke von grünem Atlas, auf dem hohen Spitzhut eine noch höhere rothe Feder, unter einer aufgerunzelten Stirne große, grelle Augen, unter der ſpitzigen Naſe einen ſtarrenden Schnurrbart, ſteif, geſpenſtig, hohlwangig, mit einem gewiſſen wahnſinnigen Ausdruck, der jedoch bei ſeiner Eitelkeit nur erkünſtelt ſchien. So ſtand er auf den Trümmern von Magdeburg, ſtolz herabſchauend auf die 30,000 Leichen der ruhmvoll gefallenen oder ſchändlich gemordeten Einwohner, am 24. Mai 1631. Von dieſer „Magdeburgiſchen Hochzeit“, wie es ſeine Solda⸗ ten nannten, ſchrieb er voll Entzücken nach Wien: „daß ſeit der Eroberung Jeruſalems und Troja's keine größere Victoria erfahren und erhört worden, und bedaure, dero kaiſerliche Frauenzimmer nicht ſelbſt zu Zuſchauern gehabt und von ihnen den Ritterdank erhalten zu haben“. Die Katholiken feierten dieſe klägliche Zerſtörung Magdeburgs durch Siegesfeſte. — Wenden wir uns nun von dieſer ſchauerlichen Zerſtörung hinweg zu einem Denkmal göttlicher Hülfe, welches ein damaliger Prediger in dem unglücklichen Magdeburg erlebte und aus ſeinem Tagebuch alſo erzählt: Nachdem ich, Chriſtoph Thodänus, Prediger an der Catharinen-Kirche zu Magdeburg, Diens⸗ tags den 10. Mai 1631 meine ordentliche Wo⸗ chenpredigt durch Gottes Gnade abgelegt und dieſelbe mit dem Gebei und gewöhnlichen Frie⸗ denswunſch geendigt hatte und darauf zu Hauſe gegangen war, iſt die Botſchaft ſchon von etlichen Leuten aus St. Jakobs-Pfarre umgebracht, der Feind wäre ſchon auf dem Wall und in der Stadt. Darüber wir heftig erſchracken, und gleichwohl ſolches anfänglich nicht glauben woll⸗ ten. Als es nun aber allzu wahr war, habe ich mein Haus und Alles offen ſtehen laſſen, bin nebſt meiner Hausfrau und unſrer Magd zu mei⸗ 7⁴ nem Herrn Collegen, dem Herrn Seniori R. Mi- nisterii und Pfarrherrn zu St. Catharinen, Jo- hannes Malſius, in ſein Haus gegangen, dahin auch ſehr viel andere Leute gelaufen kamen, da wir dann einander getröſtet, mit einander gebetet, unſere Seelen dem getreuen Gott, welche er durch ſeines lieben Sohnes Blut und Tod gar theuer erkauft hat, befohlen, und als arme Schlacht— Schäflein in großer Furcht und Schrecken erwar— tet, wie es uns nach Gottes Willen ergehen werde. — Wie viel bittere und heiße Thränen, ſonderlich von dem wehmüthigen Frauenvolk, damals häufig vergoſſen, wie viel Herzensſeufzer geführet worden, das weiß der barmherzige Gott am allerbeſten, der unſere Flucht und Thränen ohne Zweifel zählet und in einen Sack faſſet. — Unterdeſſen ſchickte ein vornehmer Oberſter unſers Volks, meines Behaltens einer von Adel, aus dem langen Hals, einem Gaſthof, zu mir, wel⸗ cher ſehr gefährlich bei dem Hals geſchoſſen, be⸗ gehrend, ich ſollte zu ihm kommen, und ihn tröſten, er werde es wohl nicht lange machen; welches ich bewilligte, ließ meinen Rock holen und nahm Ab— ſchied von meiner Frau, befahl ſie und alle An- deren dem getreuen Gott, mit betrübtem Herzen ſagend: Nun ſehen wir uns allhier in dieſem Leben nicht wieder, ſo wollen wir doch im ewigen Leben mit Freuden einander wieder ſehen. Und ob zwar meine Frau mit Vergießung vieler bit⸗ terer Thränen ſagte: Ach, wollet ihr mich nun hier allein laſſen, ſo ſei es Gott geklaget. ſo habe ich ſie doch zufrieden geſprochen und angedeutet, ſolches wäre mein Amt, ich könnte es dem guten Herrn nicht abſchlagen. Alſo bin ich in Gottes Namen zum Hauſe hinausgegangen und mich dem lieben Gott mit Leib und Seele treulich be⸗ fohlen. Als ich aber auf den breiten Steg kommen, ſind etliche fromme Herzen von Frauen und Jungfrauen zu mir gelaufen und gefraget: Was ſie doch thun ſollten? Denen habe ich geantwortet: Ich wüßte jetzt keinen andern Rath zu geben, als ſie ſollten fleißig beten und ſich Gott dem HErrn ergeben. — Darauf bin ich in das Haus zum langen Halſe gegangen, und in der vorderſten Stuben den Verwundeten, auf der Erde liegend, ſehr ſchwach befunden, den ich, ſo gut ich damals im Schrecken konnte, getröſtet. Als aber der Feind ſchon in der Stadt war, und das arme Volk auf dem breiten Wege vor ſich her, wie Heerden Vieh, trieb, und darunter ſchoſſe, wer getroffen wurde, der lag, wer laufen konnte, der that es auch: ſo kam meine Frau mit der Magd zu mir in die Stube gelaufen, und weil dieſelbe voller Büchſen und Gewehre war und leicht zu erachten, wenn die Feinde ſolches ſähen, ſie würden ſehr darob erbittert werden; ſo hat ſie mich mit Gewalt, da die Feinde ſchon vor den Fenſtern waren und ſchoſſen, daß der Schmauch und Rauch zun Fenſtern hinein ſtieb, aus derſelben Stuben gezogen, und ſind wir Alle drei in das hinterſte Gemach nach dem Hofe ge⸗ gangen, und uns allda nicht weit von der Thüre nebeneinander geſtellet, erwartend, wie es uns ergehen würde. Tu Thür, als ſie aber verriegelt war, ſchlugen ſie mit Macht daran, welche dann auf des Wirths Be⸗ fehl bald eröffnet wurde, und kamen alſo mit gro⸗ ßem Sturm zu uns hinein. Die erſte Parthey begehrte alsbald von mir, der Pfaff ſollte Geld geben. darinnen ohngefähr etwa ſechs oder ſieben Thaler waren, das gab ich dem Einen, welcher es auch gerne annahm; weil aber kein Gold dabei war, wie er denn fleißig darnach ſahe, wollte er's nicht haben, ich ſollte ihm auch Gold verſchaffen; als er aber meine Entſchuldigung hörte, nahm er's, und ging davon. Unterdeſſen wurde Alles auf⸗ geſchlagen, in der Stuben und Kammer genom⸗ men, und was nicht gehen konnte, eingeſteckt und weggetragen. Unter dieſen war ein feines Bürſch⸗ lein, mitleidlich, zu dem ſagte meine Frau, bit⸗ terlich weinend: Ach, ich bitte euch um Goites willen, beſchützet uns; aber er antwortete: Liebe junge Frau, das können wir nicht thun, wir müſ⸗ ſen unſern Feind verfolgen. Und liefen wieder davon. Und alſo war die erſte Buben-Marter vorüber. Da vermeinten wir, es wäre nun Alles vorbei und ausgeſtanden, weil ich auf einer ſolchen Fechtſchule noch nie geweſen war. Aber es wäh⸗ rete nicht lang, da kam wieder eine Rotte, die be⸗ gehrete auch von uns Geld, welche wir mit zwei Reichsthaler und zwei ſilbernen Löffeln, welche unſere Magd in unſerm Hauſe eingeſteckt hatte, zufrieden ſtellten, die nahmen ſolches an und gin⸗ gen davon, verſuchten ſonſt nichts feindliches gegen uns. Bald darauf kamen Eltliche, dar⸗ unter einer war, der ſahe aus als der leidige Teufel, hatte zwo Muſqueten, und im Maul in einem jeden Backen eine Kugel, mit grimmigem Angeſichte mich anſehend und ſagend: Pfaff, gib Geld! denn das war auf ihrer Seiten die Loſung. Als ich mich aber entſchuldigte, ich hätte nichts mehr bei mir, ich gehörete auch nicht in dieſes Haus, ſo wollte er damit nicht zufrieden ſein, ſon⸗ dern er paſſete mit einer Muſqueten auf mich, als ihm aber die Lunte nicht recht wollte anbrennen, blies er ſie an und druckete los. Unterdeſſen er⸗ mannte ſich meine Frau, ſchlägt ihm die Muſ⸗ queten in die Höhe, daß mir die Kugel über den Nun hatte ich bei mir ein Schächtelein, Kopf flohe in die Wand hinein, und ſie hielt ihn“ bei den Armen, daß er ſich nicht regen konnte. Und weil er Geld forderte, wir aber nichts mehr hatten, ſo ſprach er, ſo gib mir Silberwerk. Da wird ſie eingedenk, daß ſie noch ſilberne Haken hatte an ihrem Bruſtleibchen, welche ſie ſelbſt ab⸗ geſchnitten und ihm gegeben, er aber ſtunde vor ihr, ſahe zu, rührete ſie aber mit keinem Finger an. haben, da griff ich in die Taſche und fand noch drei alte böhmiſche Groſchen darin, welche ich nicht wußte, legte ſie ihm auf den Tiſch und ſagte: daß ich in Wahrheit ein mehreres nicht hätte, die ſtrich er in die Hand und nahm ſie und ging davon. Da war abermal ein Weh vorüber. Hierbei iſt es zu merken, daß keiner unter dieſen Allen geweſen, der uns unterſucht hätte, ob wit etwa ein Mehreres bei uns hätten, worüber ſich Flugs darauf waren ſie vor der gleichwohl hoch zu verwundern. Ein Anderer wollte auch von mir Geld