# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 01 05_S73 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) — — E. —— — — . Belligirt von C. E. W. Walther. der LCutheraner. „Gottes Mort und Authers Lehr' vergehet nun und nimmermehr. Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten. St. LCouis, Mo., den 9. Zanuar 1849. No. 10. Hahrgang 5. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben vorauszu bezahlen und das Poſtgeld R Nur die Briefe, welche tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. ittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. (Eingeſandt.) Roch eine Trauerſcene aus dem dreißigjährigen eriege, nemlich die Zerſtörung Magdeburgs, aber auch eben dabei ein Denkmal göttlicher Hülfe an einem Prediger. Die Zerſtörung Magdeburgs erzählt ein neuerer Geſchichtsſchreiber alſo: Guſtav Adolph wagte ſich mit ſeiner geringen Mannſchaft nicht gleich in das Innere eines Landes, wo ihn nur Feinde und mißtrauiſche oder ſchwache Freunde erwarteten. Er ſuchte zuerſt nur in Pommern und Mecklenburg feſten Fuß zu gewinnen, um ſich für ſeine weitern Un⸗ uemehmungen den Rücken zu decken. Den Her⸗ zog Bogislaw von Pommern zwang er, auf ſeine Seite zu treten, und die kaiſerlichen Beſatzungen ſchlug er auf allen Seiten zurück, oder nahm ſie in den Städten gefangen. Er benutzte dazu den Winter, ließ alle ſeine Soldaten in Pelze kleiden und über die gefrornen Moräſte und Wallgräben hinweg eine Stadt nach der andern ſtürmen. — Gern hätte ſich Guſtav allein auf die deutſchen Fiürſten geſtützt, aber dieſe kamen ihm nicht ent⸗ gegen, hemmten jeden ſeiner Schritte. In bit⸗ tern Unmuth ſagte Guſtav zu dem Herzog Al⸗ brecht von Mecklenburg, der mit ihm gekommen war, und der, von Sachſen aufgeſtiftet, auch jetzt noch ſchwankte, ob er nicht lieber des Kaiſers Gnade ſuchen ſolle: „Meine Reiſe geht auf Magdeburg, ſolches zu entſetzen, nicht mir, ſon⸗ dern den Evangeliſchen zum Beſten. Will mir niemand beiſtehen, ſo zieh ich von hier ſtracks wie⸗ . der zurück, mache mich in meinen Orten feſt, biete dem Kaiſer einen Accord an und ziehe wieder nach Stockholm. Ich weiß, der Kaiſer ſoll einen Accord eingehen, wie ich begehre. Aber am jüng⸗ ſten Tage werdet ihr Evangeliſchen angeklagt werden, daß ihr nichts für das Evangelium thun wollt; es wird euch wohl noch hier vergolten werden.“ Die Kurfürſten von Brandenburg und Sachſen wußten, wie viel ſowohl dem Kaiſer als den Schweden daran gelegen ſein mußte, ſich mit ihnen zu verbinden, aber ſie ſchwankten, mit wem ſie es halten ſollten, theils aus Ungewißheit, wer Sieger bleiben würde, theils aus Eigennutz, um von beiden Partheien Vortheile zu ziehen. Sie verſuchten, zwiſchen beide eine Mittelmacht auf⸗ zuſtellen und hielten deshalb zu Leipzig einen Fürſtentag, wo ſie ſich aber zu keinem kräftigen Handeln eniſchließen konnten. — So begannen höchſt ſchwierige und umſtändliche Unterhandlun⸗ gen und Magdeburg ging darüber verloren. Guſtavs Vorpoſten ſchlugen alle kaiſerlichen Beſatzungen aus Pommern, Mecklenburg und bald auch aus einem Theile der Mark heraus. Die Fliehenden rächten ſich durch eine Grauſam⸗ keit gegen die Einwohner, die bei der Soldateska dieſes Kriegs von Jahr zu Jahr ſtieg. Damals ließ unter Anderm der kaiſerliche Obriſt Götz die Stadt Paſewalk beim Abzug ausplündern, wobei nicht nur Alles geraubt und zerſtört, ſondern auch die Einwohner theils getödtet, theils mit allen erſinnlichen Martern zur Angabe ihres verbor⸗ genen Geldes genöthigt wurden. Mit den Fräuen trieben die Soldaten jeden Muthwillen, und ban⸗ den die ſchönſten an ihre Roſſe, um ſie im Lager zu verkaufen. Kleine Kinder quälten ſie auf ver⸗ ſchiedene Art zu Tore, um ſich an ihrem Anblick zu kurzweilen ꝛc. So rächten ſich auch die in den feſten Städten eingeſchloſſenen Commandanten an den unglücklichen Einwohnern, der Oberſt Peruſi in Greifswalde und Hatzfeld in Roſtock, durch tauſend Verruchtheiten. Den letztern ſtach der Lieutenant Jakob Marmeyer nieder, um die Bürger von dieſem Ungeheuer zu befreien, mußte dafür aber unter unerhörten Martern auf der Folterbank ſterben. Umſonſt bat Guſtav Adolph den ſächſiſchen Kurfürſten auf's dringendſte, ſich mit ihm zu verbünden, ehe Magdeburg fiele. Der Kurfürſt theilte den Haß aller Fürſten gegen die freien Städte und wartete eben deshalb nur, bis Mag⸗ deburg fiel. — Guſtav Adolph ſchickte der Stadt ſeinen Oberſten Falkenberg zum Commandanten, einen ſehr tapfern Mann, der ſich als Schiffer verkleidet durch den Feind hindurchſchlich. Die Fürſten von Heſſen und Weimar wünſchten zwar die Stadt zu retten, aber Tilly's Uebermacht —. ſchreckte ſie zurück. Dieſer Feldherr ſchloß Mag⸗ deburg auf's engſte ein und nahm trotz der ver⸗ zweifelten Gegenwehr nach einander alle Außen⸗ werke. In der Nacht auf den 10. Mai 1631 machte die kaiſerliche Parthei unter den Bürgern großen Lärm und verlangte die Uebergabe. Fal⸗ kenberg eilte Morgens 4 Uhr auf's Rathhaus. Er, der Adminiſtrator, alle Muthvollen unter den Bürgern widerſetzten ſich der ULebergabe. Wäh⸗ rend aber ſo alle Aufmerkſamkeit auf das Rath⸗ haus gerichtet war und man in dieſer frühen Morgenſtunde auf keinen Angriff gefaßt war, ſchlich Pappenheim, der ſich (eigenmächtig, ohne Ordre von Tilly), wie früher bei Maſtricht, ab⸗ ſichtlich dieſe ungewöhnliche Stunde zum Sturm auserleſen hatte, leiſe heran, und erſtieg heimlich die Mauern an einer Stelle, wo die Schildwache ſchlief und die übrige Beſatzung eben mit einer Betſtunde beſchäftigt war, und die Flinten (die damals noch mit Lunten entzündet werden muß⸗ ten) nicht ſchnell genug in Bereitſchaft hatte. Den erſten Kaiſerlichen folgten die Uebrigen ſogleich auf Leitern nach, und ihr unaufhaltſamer Strom wälzte ſich ſchon durch die Gaſſen, während man auf dem Rathhauſe noch zankte. Sobald Fal⸗ kenberg die Gefahr inne ward, warf er ſich der⸗ ſelben entgegen, aber ein Schuß ſtreckte ihn zu Boden. Der tapfere Bürgerhauptmann Schmidt fand denſelben Tod. Der Adminiſtrator wurde gefangen und körperlich hart mißhandelt. Ohne Führer und Plan wehrten ſich die Bürger dennoch faſt in allen Straßen, bis die Uebemacht der 40,000 Kaiſerlichen, die alle zumal eindrangen, ſie erdrückte. Nun begann ein gräßliches Mor⸗ den, Würgen, Schänden, Plündern in allen Häu⸗ ſern. Die wüthende Soldateska, gleich einer Bande losgelaſſener Teufel, warf ſich auf die Wehrloſen und ſchonte weder Alter noch Ge⸗ ſchlecht. Einige Offiziere baten Tilly, den Gräueln Einhalt zu thun, aber er hieß ſie in einer Stunde wiederkommen. Unterdeß geſchah das Grählichſte. Faſt alle Männer wurden umgebracht, die Pre⸗ diger Pormann und Ritter vor ihren Altären; 20 Frauenzimmer ſtürzten ſich freiwillig in die Elbe, andere in Brunnen, die meiſten in die