# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 01 05_S70 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Perſon oder andre Urſachen fordern zu ändern. Daſelbſt folget der Haufe auch mit einträchtiglich. Weil es (wie geſagt) keinen Chriſten heiliger noch unheiliger macht. Wie wohl der Pabſt hievon die Welt voll Bücher geklickt und eitel Strick, Geſetz, Recht, Artikel des Glaubens, Sünde und Heiligkeit hat draus angericht, daß wohl werth wäre, noch einſt ſein Decret mit Feuer zu verbrennen.... Solche äußerliche freie Stücke wollen wir achten wie ein Weſterhemd oder Windel, darin man das Kind⸗ lein faſſet zur Taufe. Denn das Kindlein wird nicht getauft oder heilig vom Weſterhemd, noch von Windeln, ſondern bloß allein durch die Taufe, aber doch giebt's die Vernunft, daß man's in ein Tüchlein faſſe. Wenn dasſelbe unrein oder zer⸗ riſſen wird, nimmt man ein anders, und wächſt das Kindlein ohn alles Zuthun der Windeln oder Weſterhemd; doch daß man hie abermal Maaße halte, und der Weſterhemden oder Windeln nicht zu viel nehme, damit das Kindlein nicht erſtickt werde. Alſo ſollen die Ceremonien auch eine Maaße haben, damit ſie nicht zuletzt eine Laſt oder Arbeit werden, ſondern ſo leichte bleiben, daß man ſie nicht fühlet. Gleichwie zur Hochzeit Niemand fühlet eine Laſt oder Arbeit, wenn er ſich den Andern gleich hält und geberdet. (Eingeſandt.) „Sie ſind von uns ausgegangen, aber ſie waren nicht von uns, denn wo ſie von uns ge⸗ weſen wären, ſo wären ſie bei uns geblieben; aber auf daß ſie offenbar 6. 2. 10 daß ſie nichi alle von uns ſind.“ 1 Joh. 2 Die lieben Leſer werden ſich noch aus der 7. Num⸗ mer des 4. Jahrg. des „Lutheraner“ (S. 53.) er⸗ innern, daß die Fairfield Diſtricts-Prediger⸗-Con⸗ ferenz der deutſchen ev.-luth. Synode von Miſ— ſouri, Ohio u. a. Staaten in ihrem Berichte unter Anderem auch das veröffentlichte, daß ſie den zu ihr gehörenden vormaligen Paſtor zu Marion (Ohio), Schneider, wegen gewiſſenloſer Amts— niederlegung habe ſtrafen müſſen, daß ſie aber zum Preiſe Gottes erklären könne, der Geſtrafte habe ſein Unrecht eingeſehen und bekannt. Mit betrübtem Herzen müſſen wir es jedoch nun zur öffentlichen Kunde bringen, daß ſich die gute Hoffnung, weiche wir damals für Paſtor Schnei⸗ der's Buße und Beſſerung faßten und um welcher willen wir ihn damals noch nicht verſtoßen woll⸗ ten, nicht erfüllt hat. Es iſt immer offenbarer geworden, daß der Genannte ſeine Heerde nicht ſowohl hatte weiden als vielmehr beherrſchen wol⸗ len. Alles, was gerade ihm recht gedäucht hatte, hatte er eigenmächtig in ſeiner Gemeinde einge— führt, ohne im mindeſten der Gewiſſen zu ſchonen. Kurz, er hatte mitten in der lutheriſchen Kirche ein kleines Pabſtthum aufrichten wollen. Bei ſolchem Sinn fand freilich Herr Schneider in unſerer Gemeinſchaft ſeine Rechnung nicht. Die Conſtitution unſerer Synode, in welcher die den Gemeinden von Chriſto gegebenen Rechte ſo ernſt⸗ lich gewahrt ſind und jede Prieſterherrſchaft ſo gänzlich ausgeſchloſſen iſt, konnte einem ſo prieſter⸗ ſtozen Manne, als welchen Herr Schneider ſich offenbarte, nur eine unerträgliche Laſt ſein. Wie 70 aber Hochmuth immer die Mutter der Ketzerei ge⸗ weſen iſt, ſo war ſie es auch bei ihm. In dieſem Sommer hat ſich nemlich der unglückſelige Mann der römiſchen Kirche angeſchloſſen und befindet ſich gegenwärtig in einem Prieſterſeminar zu New Nork. Wir müſſen nun freilich deſſen gewärtig ſein, daß Böswillige unter unſeren Widerſachern ſchreien werden: Siehe da, ein neuer Beweis da— für, daß das alte Lutherthum nach Rom führt! Wir ſind aber getroſt, denn ein Kind weiß, daß das alte Lutherthum die Chriſtenheit nicht in das Pabſtthum hinein, ſondern aus dem Pabſtthum heraus geführt hat und daß gerade die jetzigen heftigſten Feinde des alten Lutherthums es nächſt Gott Niemand anderem zu danken haben, daß ſie dem Pabſte nicht mehr die Pantoffel küſſen, als eben unſerem alten Luther und der durch ihn zu Stande gebrachten Reformation. Wer da ſpricht, daß das alte Lutherthum nach Rom führe, weil ſchon Menſchen, die ſich vormals zu den Luthe⸗ ranern hielten, Papiſten geworden ſind, der muß behaupten, daß alle kirchliche Gemeinſchaften nach Rom führen, denn es gibt wohl keine, von welcher nicht Glieder wieder in das Pabſtthum zurückge⸗ fallen wären; ja, wäre jener Schluß richtig, dann müßte der Glaube zum Unglauben, die Wahrheit zum Irrthum, die Frömmigkeit in Schande und Laſter, das Chriſtenthum zum Teufel führen, denn nicht wenige fallen jetzt vom Glauben zum Un⸗ glauben, von der Wahrheit zum Irrthum, von der Frömmigkeit zu Schanden und Laſtern, von dem Chriſtenthum zum Teufel ab. Mag daher auch bei dem gegenwärtigen Abfall eines Menſchen, der ſich erſt zur lutheriſchen Kirche hielt und ſich nun der babyloniſchen Hure in den Schooß geſetzt hat, unſere Kirche läſtern, wer es nicht laſſen kann, wir ſagen mit Johannes: „Er iſt von uns aus⸗ gegangen, denn er war nicht von uns“; er war wohl in der Kirche, aber nicht von der Kirche, wie der Unrath wohl im menſchlichen Leibe iſt, aber nicht zum menſchlichen Leibe gehört und daher von ihm ausgeworfen wird.“) Schließlich bemerken wir noch, daß Herr Schneider kein Schüler Löhe's in Bayern, ſondern der Sendling eines unirtgeſinnten Vereins war. Im Namen der Fairfield Conferenz A. Ernſt. Marion, Ohio, im November 1848. Margarita Marchant. Zu Valencin lebte in friedlicher und einträchti⸗ ger Ehe Ambroſio Marchant mit ſeinem Weibe Margarita, geb. Vieronne. Aber durch eine böſe Magd, die ſie in das Haus bekommen, wurde *) Es ſei uns geſtattet, hier an einen Ausſpruch des hei⸗ ligea Auguſtinus zu erinnern; derſelbe ſchreibt im dritten Tractat über die erſte Epiſtel St. Johannis: „Die Ketzer ſind ſo in dem Leibe Chriſti, wie die böſen Feuchtigkeiten; werden dieſe ausgeworfen, ſo fühlt ſich der Leib erleichtert: ſo fühlt ſich auch die Kirche erleichtert, wenn die Böſen von ihr ausgehen, und ſie ſpricht, wenn ihr Leib ſie auswirft: Jene Feuchtigkeiten ſind von mir gegangen, aber ſie waren nicht von mir; was iſt das: ſie waren nicht von mir? Sie ſind nicht von meinem Leibe abgeſchnitten, ſondern ſie be⸗ ſchwerten mir die Bruſt, da ſie noch darinnen waren.“ Die Redaction. der Friede geſtört und das Glück untergraben. Denn als Frau Margarita die arge Bosheit der gedachten Magd nicht länger mehr ertragen kön⸗ nen, ſchickte ſie ſelbige im Einverſtändniſſe mit ihrem Manne aus Haus und Dienſten. Dieſe aber, darüber erboſ't und von heftiger Rachſucht getrieben, ging zu dem Gerichte der Inquiſition, und verklagte daſelbſt Frau Margarita, daß die⸗ ſelbe in vielen Jahren nicht in der Meſſe geweſen ſei, in ihrem Hauſe aber Eine Bibel verwahret halte, mit deren Leſen ſie ihre meiſte Zeit hin⸗ bringe. Die Inquiſition ſäumte nun nicht, die Sache bei der weltlichen Obrigkeit anzubrin⸗ gen, worauf Frau Margarita eingezogen und in den Kerker geworfen ward. Hier redeten ihr die weltlichen Richter gütlich zu, und verſprachen ihr, daß ſie frei aus dem Gefängniß gehen ſolle, wenn ſie ihnen nur in einer geringen Sache willfahren wolle. „Das will ich wohl thun“, ſprach die Ge⸗ fangene, „wenn Solches, was ihr von mir ver⸗ langet, nicht gegen die Ehre Gottes, noch wider meiner Seelen Seligkeit ſtreitet.“ Darauf er⸗ wiederten die Richter: „Nein! ſondern man wird Euch auf ein, neben dem Rathhauſe auf dem großen Markte aufgerichtetes, Schaffot führen, daſelbſt ſollt Ihr Gott und die Obrigkeit um Ver⸗ gebung bitten. Alsdann ſollet Ihr Eure Bibel ohne alle Widerrede ins Feuer werfen und zu Aſche verbrennen.“ — „Sagt mir doch“, entgeg⸗ nete Margarita, „ihr Herren, iſt meine Bibel nicht recht?“ — „Ja, ſie iſt recht!“ war die ein⸗ ſtimmige Antwort der Richter. — „Nun, ihr Herren“, ſagte weiter Margarita, „ſo Ihr doch alle bekennet, daß ſie recht ſei, warum ſoll ich ſie denn in Feuer verbrennen?“ — „Damit Ihr“, war die Antwort, „nur die Väter der Inquiſition zufrieden ſtellet; bedenket doch, daß das, was Ihr verbrennen ſollt, eitel Papier ſei, ſo errettet Ihr Euer Leben, und könnet Euch ja hernachmals eine andre Bibel kaufen.“ In ſolcher Weiſe ſuch⸗ ten die Richter noch länger denn zwei Stunden die Frau zu überreden. Aber ihre Mühe war vergeblich, die wackte gottſelige Frau blieb feſt und unerſchütterlich, und beharrte bei dem Entſchluſſe: „Lieber will ich, daß man mich ſelber verbrenne, denn daß ich meine Bibel verbrennen ſollte.“ Darauf ward ſie in ein hartes und ſchweres Gewahrſam gebracht, und kümmerlich mit Waſſer und Brot verſorgt, ob ſie ſolcher Weiſe in ihrer Standhaftigkeit wankend gemacht werden möchte; doch Alles vergebens. Lange Zeit brachte ſie in dieſem Elend hin, aufrecht gehalten durch die Kraft und Treu ihres Glaubens, und wußte man nicht einmal, wo ſie geblieben, ja es ging unter vielen Leuten das Gerede, ſie ſei im Kerker heie⸗ lich bei Seite geſchafft. Die Richter boten Alles auf, ſie ihnen willfährig zu machen, und ſendeten zu dem Ende auch den gelehrten und beredten Doctor Vineboine zu ihr, damit er ihr andre Ge⸗ danken beibrächte. Doch auch dieſem iſt es bei aller Kunſt der Rede nicht gelungen, und hat der⸗ ſelbige auch heruachmals bekannt, daß er an ihr keine Urſache gefunden, warum ſie ſollte getödtet werden. Am 22. Januar endlich des Jahres