# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 01 05_S69 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Alſo iſt's auch gangen, da wir durch's Evan⸗ gelium anfingen zu lehren, daß äußerlich Ding nicht ſelig machen könnte, weil es ſchlechte, leib⸗ liche Creaturen wären, und der Teufel oft zur Zauberei gebrauchete, fielen die Leute, auch große und gelehrte Leute dahin, daß die Taufe, als ein äußerlich Waſſer; das Wort, als eine äußerliche menſchliche Rede; die Schrift, als ein äußerlicher Buchſtabe von Dinten gemacht; das Brod und Wein, als vom Bäcker gebacken, ſollten ſchlechts nichts ſein; denn es wären äußerliche, vergäng⸗ liche Dinge. Alſo geriethen ſie auf das Geſchrei: Geiſi, Geiſt! der Geiſt muß thun, der Buchſtabe tödtet. Alſo hieß Münzer uns wittenberger Theo⸗ logen die Schriftgelehrten, und ſich den Geiſt⸗ gelehrten, und ihm nach viel Andre mehr. Darin ſiehſt du, wie ſich der Teufel alſo gerüſtet und verbaſtejet hatte: wenn man ſeine äußerliche Lehre und Sacrament (die doch bald und ſichtbarlich, gewaltig flugs hülfen) würde angreifen, ſo müßten die äußerlichen Saceramente und Worte Chriſti (welche langſam mit der Hilfe, oder ja un⸗ ſichtbarlich kommen) vielmehr mit zu Grunde gehen. Darum hat nun „Ecolesia“, das heilige chriſtliche Volk, nicht ſchlecht äußerliche Worte, Sacramente oder Aemter, wie der Gottes Affe, Satan, auch und viel mehr hat; ſondern hat ſie von Gott geboten, geſtift und geordnet, alſo daß er ſelbſt (Ckein Engel) dadurch mit dem Heiligen Geiſt wirken. Und ſoll nicht Engel, noch Menſch, noch Creatur, ſondern Gottes ſelber Wort, Taufe, Sacrament oder Vergebung, Amt, heißen; ohne daß er's will thun, uns armen, ſchwachen, blöden . Menſchen zu Troſt und gut, nicht durch ſeine bloße, erſcheinende, helle Majeſtät. Denn wer könnte dieſelbige in ſolchem ſündlichen armen Fleiſch einen Augenblick leiden? wie Moſes ſagt 2 Moſ. 33, 20.: Non videbit me homo et vivet. (Kein Menſch wird leben, der mich ſiehet.) So die Jüden nicht konnten ſeiner Füße Schuh leiden auf dem Berg Sinai 2 Moſ. 20, 19., das iſt, im Wetter und Wolken, wie wollten ſie mit ſolchen blöden Augen die Sonne ſeiner göttlichen Maje⸗ ſtät und klares Angeſicht gelitten haben? Son⸗ dern er will's thun durch leidliche, ſäuberliche, lieb⸗ liche Mittel, die nicht wohl von uns ſelbſt konnten beſſer erwählet werden, als: daß ein fromm gütig Menſch mit uns redet, predigt, die Hände auflegt, Sünde vergibet, täufet, Brod und Wein gibt zu eſſen und zu trinken. Wer kann ſich für ſolchen leiblichen Formen entſetzen und nicht vielmehr ſich von Herzen freuen? Wohlan, das geſchiehet uns blöden Menſchen zu gut, darin wir ſehen, wie Gott als mit lieben Kindern umgehet und nicht will (wie er wohl Recht hätte) majeſtätiſch mit uns handeln, und doch darunter ſeine majeſtätiſche, göttliche Werke, Macht und Gewalt uͤbet, als Sünde vergeben, Sünde ausfegen, Tod wegnehmen, Gnade und ewiges Leben ſchenken. Ja, ſolch Srück fehlet in des Teufels Sacramenten und Kirchen. Da kann Niemand ſagen: Gott hat's geboten, befoh⸗ len, eingeſetzt, geſtift; er will ſelber da ſein und Gott hats nicht geboten, ſondern verboten; Men⸗ 69 ſchen haben's erdichtet oder vielmehr der Gottes Affe hat's erdichtet und die Leute damit verführet. Denn er wirket auch nichts, denn was zeitlich iſt, oder wo es geiſtlich ſoll ſein, iſt's eitel Trügerei. Denn er kann damit nicht ewiglich Sünde ver⸗ geben und ſelig machen, wie er leuget, durchs Weih⸗ waſſer, Meſſen und Möncherei; ob er gleich eine Kuh kann wieder laſſen ihre Milch kriegen, die er ſelbſt zuvor durch ſeine Prophetin und Pfäffin ge⸗ ſtohlen hat, welche man bei den Chriſten heißt Teufelshuren, und wo man ſie kriegt, mit Feuer verbrennet, wie recht iſt, nicht um des Milchdieb⸗ ſtahls, ſondern um der Läſterung willen, daß ſie wider Chriſtum den Teufel mit ſeinen Sacra⸗ menten und Kirchen ſtärket. Summa, wenn dich Gott hieße einen Stroh⸗ halm aufheben, oder eine Feder reißen, mit ſolchem Gebot, Befehl und Verheißung, daß du dadurch ſollteſt aller Sünde Vergebung, ſeine Gnade und ewiges Leben haben; ſollteſt du das nicht mit allen Freuden und Dankbarkeit annehmen, lieben, loben und darum denſelben Strohhalm und Feder Heiligthum halten und dir laſſen lieber ſein, weder Himmel und Erden iſt? Denn wie geringe der Strohhalm oder Feder iſt, dennoch kriegſt du da⸗ durch ſolch Gut, das dir weder Himmel noch Erde, ja alle Engel nicht geben können. Warum ſind wir ſo ſchändliche Leute, daß wir der Taufe Waſſer, Brod und Wein, das iſt Chriſti Leib und Blut, mündliches Wort, eines Menſchen Hände Auflegen zur Vergebung, nicht auch ſo hoch Hei⸗ ligthum halten, als wir den Strohhalm oder Feder halten würden, ſo doch in denſelben, wie wir hören und wiſſen, Gott will ſelber wirken, und ſoll ſein Waſſer, Wort, Hand, Brod und Wein ſein, dadurch er dich wolle heiligen und ſeligen in Chriſto, der uns ſolches erworben, und den Hei⸗ ligen Geiſt vom Vater zu ſolchem Werk ge⸗ geben hat? Wiederum, wenn du denn gleich geharniſcht gingeſt zu St. Jakob, oder ließeſt dich von Cart⸗ häuſern, Barfüßern, Predigern, durch ſo ſtrenge Leben ermorden, damit du ſelig werden möchieſt, und Gott hätte ſolches nicht geheißen und geſtif⸗ tet, was hülfe dich's? Er weiß doch nichts drum, ſondern der Teufel und die habens erdacht, als ſondere Sacrament oder Prieſterſtände. Und wenn du gleich Himmel und Erden tragen könn⸗ teſt, damit du ſelig würdeſt, noch iſt's alles ver⸗ loren, und der, ſo den Strohhalm (wo es geboten wäre) aufhübe, der thäte mehr denn du, und wenn du zehen Welt tragen könnteſt. Warum das? Gott will, man ſolle ſeinem Wort gehorchen, man ſolle ſeine Sacrament brauchen, man ſolle ſeine Kirche ehren, ſo will er's gnädig und ſanft gnug machen, und gnädiger, auch ſänfter, weder wir's könnten begehren. Denn es heißt 2 Moſ. 2, 3.: „Ich bin dein Gott, du ſollſt keine andere Götter haben“, heißt auch: „Dieſen ſollt ihr höꝛen“, Matth. 17, 5., und keinen andern. Das ſei gnug geredet von der Kirchen. Mehr kann man nicht von ihr reden, ohne daß man ein jeglich Stück kann weiter ausſtreichen. Das ander alles muß ſelber alles tehun. Sondern ſo muß man ſagen: eine andere Meinung haben. Davon wollen wir auch ſagen. Ueber ſolche äußerliche Zeichen und Heiligthum hat die Kirche andre mehr äußerliche Weiſen, da⸗ von und dadurch ſie nicht geheiliget wird, weder an Leibe noch an Seele, auch von Gott nicht ein⸗ geſetzt noch geboten; ſondern, wie droben auch viel davon geſagt iſt, daß es von auswendig noth oder nütz iſt, wohl und fein anſtehet, als: daß man zur Predigt oder Gebet etliche Feiertage hält, etliche Stunden, als Vormittage oder Nachmittage, daß man Kirchenbau, oder Haus, Altar, Predigtſtuhl, Taufſtein, Leuchter, Kerzen, Glocken, Prieſterkleider und dergleichen braucht. Welche Stücke nichts wirken noch anders thun, denn ihre Natur iſt; gleichwie Eſſen und Trinken nichts mehr thun, um der Kinder Benedicite oder Gratias willen. Denn die gottloſen und rohen Leute, ſo kein Bene- dicite oder Gratias beten, das iſt, Gott weder bitten noch danken, werden eben ſo fett und ſtark vom Eſſen und Trinken, als die Chriſten. Die Chriſten können wohl ohne ſolche Stücke geheiliget werden und bleiben, wenn man ſchon auf dem Pflaſter, ohne Haus, ohne Predigtſtuhl predigt, Sünde vergibt, ohne Altar Sacrament reicht, ohne Taufſtein täufet; wie es täglich geſchiehet, daß man daheim predigt, täuft, Sacrament reicht, aus ſondern Urſachen. Aber um der Kinder und des einfältigen Volks willen iſt's fein. und gibt eine feine Ordnung, daß ſie eine gewiſſe Zeit, Stätte und Stunden haben, darnach ſie ſich rich⸗ ten und zuſammen finden können, wie St. Pau⸗ lus ſagt 1 Cor. 14, 40.: „Laßt alles fein ordent⸗ lich zugehen.“ Und ſolche Ordnung ſoll nie⸗ mand (wie auch kein Chriſt thut) ohne Urſach, aus lauter Stolz, allein eine Unordnung darwider auszurichten, verachten, ſondern dem Haufen ſolche Oidnung zu gut mit halten, oder ja nicht irren noch hindern. Denn das wäre wider die Liebe und Freundlichkeit gethan. Gleichwohl ſollen ſie frei bleiben, als: wenn wir nicht können, aus Noth, oder andern nützlichen Urſachen, predigen um 6 oder 7, um 12 oder 1, auf den Sonntag oder Montag, im Chor oder zu St. Peter; ſo predige man auf andere Stun⸗ den, Tage und Stätte, allein daß man den Hau⸗ fen nicht irre mache, ſondern mitnehme in ſolcher Aendrung. Denn ſolche Stücke ſind ganz und gar äußerlich, auch der Vernunft zu regieren (wie es die Zeit, Stätte und Perſon fordern), mächtig⸗ lich und gänzlich unterworfen; Gott, Chriſtus und der Heilige Geiſt fragen nichts darnach, eben ſo wenig als was und wo wir eſſen, trinken, klei⸗ den, wohnen, freien, gehen oder ſtehen wollen, ohne daß (wie geſagt) ohn Urſach Niemand ein eignes vornehmen, und den Haufen irre machen oder hindern ſoll. Gleichwie zu Hochzeit oder andern Geſellſchaften, ſoll Niemand der Braut oder dem Haufen zu Verdruß ein ſonderliches oder hinder⸗ liches vornehmen, ſondern mit dein Haufen ſich gleich halten, ſitzen, gehen, ſtehen, tragen, eſſen und trinken. Denn man kann nicht einem jeg⸗ lichen einen ſondern Tiſch, Küchen. Keller, Diener beſtellen. Fehlet ihm etwas, ſo ſtehe er auf vom Tiſche und laſſe die Andern mit Frieden ſitzen und bleiben. Alſo hier auch, ſoll's alles friedlich und ordentlich zugehen und doch frei ſein, wo es Zeit,