# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 12 22_S63 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) wo nicht Chriſti Klarheit neben ſolcher Klarheit Moſis käme, könnte niemand ſolche Glänze des Geſetzes, der Sünde und des Todes Schrecken ertkagen. Dieſe fallen ab von allen Werken und Vermeſſenheit und lernen am Geſetz nicht mehr, denn allein Sünde erkennen und nach Chriſto zu ſeufzen; welches auch das eigentliche Amt Moſis und des Geſetzes Art iſt, Gal. 3, 24.“ SEo ſchreibt Luther in ſeiner Vorrede auf das Alte Teſlament. Nun frage dich, lieber Leſer, zu welcher Claſſe von Geſetzesſchülern du gehö⸗ teſt; denn zu einer von dieſen dreien mußt du ge⸗ höreu. Prüfe dich wohl. Gehörſt du auch viel⸗ Lkeicht nicht zur erſten Claſſe, biſt du auch vielleicht nicht offenbar gottlos und laſterhaft, ſo gehörſt du vielleicht doch noch zur zweiten Claſſe, nemlich zu denen, welche damit vor Gott zu beſtehen hof⸗ fen, daß ſie das Geſetz oder die heiligen zehn Gebote ſo halbwege, oder, wie ſie ſagen, ſo viel in ihren ſchwachen Kräften ſtehe, halten und dar⸗ nach leben. Biſt du noch ein ſolcher Geſetzes⸗ ſchüler, verläßt du dich auf deine bloße Weltehr⸗ barkeit, ſprichſt du ſelbſtgenügſam: „Es kann mir niemand etwas Schlechtes nachſagen, darum hoffe ich, daß ich ein guter Chriſt bin, und gedenke doch auch in den Himmel zu kommen“, ſo verſtehſt du das Geſetz noch nicht; ſo hängt für dich noch eine Decke vor Moſes; wenn du einmal dieſem Mann wirſt recht ins Angeſicht ſchauen, ſo wirſt du er⸗ ſchrecken. Wehe dir, wenn du darauf bis zur Todesſtunde warteſt! da kannſt du denn leicht in Verzweiflung gerathen. Darum bitte Gott, er wolle dir jetzt deine Augen aufthun, daß du aus dem Geſetz dein Elend kennen und an dir verzagen und nach Chriſto, der das Geſetz allein vollkom⸗ men erfüllen konnte, und nach ſeiner Gnade ſeuf⸗ zen lerneſt. Dann gehörſt du in die dritte Claſſe. Wohl dir, dann wirſt du ſelig. (Eingeſandt.) Erwiederung. In den „Verhandlungen der dritten (diesjährigen) Sitzung der Deutſch Ev.⸗ Lutheriſchen Spnode von Indianapo⸗ lis“ findet ſich S. 9 und 10 folgender meine Perſon betreffende Committeebericht: „Die Committee No. 2 hat die Ehre zu berich⸗ ten, daß das ihr überreichte Document ein Ent⸗ ſchuldigungsſchreiben des Ehrw. Paſtor Kunz aus Indianapolis iſt, worin er um Entſchuldi⸗ gung ſeines Nichterſcheinens zur Synode bittet. Sein Grund iſt, daß er jetzt zu einer andern Ueberzeugung über Bedienung gemiſchter Gemein⸗ den von lutheriſchen Predigern gekommen ſei, und da er gerade dieſe Sache der Synode zur Bera⸗ thung empfiehlt, ſo glaubt er, indem er von ſeiner Ueberzeugung nicht abgehen werde, durch ſeine perſönliche Gegenwart nur hinderlich zu ſein. Die Committee kann dieſen Grund nicht als triftig anerkennen, denn wäre es ihm ein Ernſt, ſeine Ueberzeugung zu vertheidigen zur Ehre Got⸗ tes und dem Heil der Kirche, ſo wäre ſeine per⸗ ſönliche Gegenwart gerade am allernöthigſten. Daß es ihm mit ſeiner Ueberzeugung kein wahrer Ernſt ſein muß, geht auch daraus hervor, daß er dieſer ſeiner Ueberzeugung nicht gemäß handelt; denn es iſt der Committee bekannt, daß er zu dieſer Ueberzeugung bereits ein Jahr gekommen iſt, und er hat doch (nicht zu gedenken, daß er früher ſelbſt gemiſchte Gemeinden gegründet) bis ſeit fünf Wo⸗ chen noch eine gemiſchte Gemeinde bedient, die er nicht ſeiner Ueberzengung nach aufgegeben, ſon⸗ dern die Gemeinde hat ihn, weil ſie ſeines Dien⸗ ſtes nicht mehr bedurfte, entlaſſen. Folglich findet ſich in der Theorie und Praxis des Ehrw. Herrn Kunz ein Widerſpruch.“ Ich bin es mir und der Sache ſelbſt ſchuldig, dieſem Berichte Folgendes entgegenzuſtellen. 1.) Ich habe ſchon in der vorjährigen Sitzung der Synode den obenbedachten Gegenſtand, näm⸗ lich die Bedienung gemiſchter Gemeinden von Seiten lutheriſcher Prediger, zur Sprache gebracht; allein die Erfahrung, die ich dabei machte, wie nemlich ein Glied der Synode darob in heftigen Eifer gerieth, ließ mich von meinem perſön⸗ lichen Erſcheinen in heuriger Sitzung nichts Er⸗ ſprießliches hoffen, im Gegentheil fürchten, daß ich dadurch nur Oel ins Feuer gießen würde. Dieſe Erfahrung und die große Wichtigkeit des Gegenſtandes bewog mich, ein Erinnerungs⸗ und Ermahnungs-⸗Schreiben an die Synode zu erlaſſen, in welchem ich ausführlich zu zeigen ſuchte, welche nachtheilige Folgen das Bedienen ſogenannter evangeliſcher Gemeinden habe 1. für den Prediger ſelbſt, 2. für die Gemeinde, 3. für die benachbarten lutheriſchen Gemeinden und 4. für die lutheriſche Kirche überhaupt. Aus Schonung gegen das betreffende Synodalglied unterließ ich es, den wichtigſten Grund meines Zurückbleibens anzuführen, und nur Anſtands halber fügte ich noch eine Bitte um Entſchuldi⸗ gung meines Außenbleibens hinzu. Der Com⸗ mittee⸗Bericht enthält kein Wort davon, daß meine Gründe gegen das Bedienen gemiſchter Gemeinden auch nur im geringſten erwogen wor⸗ den wären. Dies war meines Erachtens Pflicht der Committee und der Synode. Es liegt auf der Hand, daß ſie auch in dem Fall dazu verbun⸗ den war, wenn ich ſelbſt meiner Ueberzeugung entgegengehandelt hätte. Allein dies iſt, wie ich 2) bemerken muß, eine grundloſe Behauptung. Denn meine Stadt⸗, und die von mir bisher be⸗ diente Landgemeinde, gehören der evang.Kuthe⸗ riſchen Kirche an. Die Gemeinde an der Cicero habe ich noch nie als ausſchließlich meiner Seel⸗ ſorge befohlen angeſehen, wie ich ſie auch in meinem Paſtoralberichte nie als meine Gemeinde angegeben habe. Wäre jedoch dem auch anders und hätte ich in einer genauern Verbindung mit ihr geſtanden, ſo hätte ich noch nicht Urſache zu erröthen, denn auch ſie ſtand (aber jetzt noch?) als eine lutheriſche Gemeinde da. Sodann hat jene Gemeinde mich nicht entlaſſen (wie es im Com⸗ mittee⸗Bericht heißt), ſondern als ein engliſcher Prediger es übernahm, ſie regelmäßig zu bedienen, erſuchte man mich, ihnen deutſch zu predigen, was ich aber aus guten Gründen ablehnte. Oder hat die Committee vielleicht die wenigen Familien im Auge, die ich in der letzten Zeit mehrmals beſuchte? Dieſe waren vorher Glieder der lutheriſchen Ge⸗ meinde an der Cicero, ſind aber Gewiſſens halber aus der Verbindung mit derſelben herausgetreten, und bilden zur Zeit noch keine für ſich beſtehende Gemeinde. So viel zur Beleuchtung der im Committee⸗ Berichte angegebenen Thatſachen. Der unpar⸗ theiiſche Leſer möge hiernach ſelbſt urtheilen, auf welchem bodenloſen Grunde das Gutachten ſteht. J. G. Kunz. Kirchliche Nachricht. Am 23. Sonntage nach Trinitatis, den 26ſten November d. J., wurde Herr Carl Heinrich Gottlieb Schliepſiek aus Mennighüffen (Kreis Herford, Regierungsbezirk Minden, König⸗ reich Preußen), berufener Pfarrer der neu conſti⸗ tuirten deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Ge⸗ meinde zu Neu⸗Bielefeld, St. Louis Co., Mo., auf ſein und ſeiner Gemeinde Anſuchen inmitten der letzteren von dem Präſes unſerer Synode unter Aſſiſtenz des Paſtor Müller von Central Townſbip mit feierlicher Verpflichtung auf ſämmtliche Be⸗ kenntnißſchriften unſerer Kirche zu ſeinem Amte ordinirt. Derſelbe hatte ſich zuvor, wie aus einer Einſendung für gegenwärtige Nummer zu erſehen iſt, von der unirt⸗evangeliſchen Kirche und deren irrigen Prinzipien aufrichtig und entſchieden los⸗ geſagt und war auch von dem Synodalpräſes in Betreff ſeiner Tüchtigkeit zur Führung des heili⸗ gen Predigtamtes öffentlich geprüft worden. Möge der treue Gott den lieben Amtsbruder ſammt ſeiner theuren Gemeinde in der erkannten Wahrheit ſtärken zum treuen Ausharren bis ans Ende. Amen. Des wahren Glaubens Thätigkeit. Wo der Glaube iſt, kann er ſich nicht halten, er beweiſet ſich, bricht heraus durch gute Werke, bekennet und lehret das Evangelium vor den Leu⸗ ten und waget ſein Leben dran. Und alles, was er lehret und thut, das richtet er zu des Nächſten Nutz, ihm zu helfen, nicht allein auch zu ſolcher Gnade (wie er) zu kommen, ſondern auch mit Leib, Gut und Ehre, wie er ſiehet, daß ihm Chriſtus gethan hat; und folget alſo dem Exempel Chriſti nach. Das meinet auch Chriſtus, da er zuletzt kein ander Gebot gab, denn die Liebe, daran man erkennen ſollte, wer ſeine Jünger wären und rechtſchaffene Gläubigen. Denn wo Weike und Liebe nicht herausbricht, da iſt der Glaube nicht recht, da haftet das Evangelium noch nicht und iſt Chriſtus noch nicht recht erkannt. Luther in ſ. Vorrede zum Neuen Teſtament. Lockende Mahnungen. Der HErr ſpricht zu dir: du ſollſt nicht ver⸗ zweifeln, bin ich doch um dich und alle Sünder in die Welt gekommen. Ich ſtehe vor dir bleich und blutig, wie ich am hohen Pfahl des Kreuzes hing, zwiſchen dem ſtrengen Gericht meines Vaters und dir. Ich bin dein Bruder, ich habe Alles ver⸗ geſſen, was du je wider mich thateſt, wenn du dich nur gänzlich zu mir kehreſt. Waſche dich in meinem Blute, erhebe dein Haupt, thue auf deine Augen und gewinne guten Muth. Siehe, ich habe dich ſo recht ſauer erworben. Wäre alles Erdreich ein helles Feuer und läge mitten drin eine Handvoll Flachſes, ſo wäre dieſer nicht ſo empfänglich für die Flammen, als der Abgrund meiner Barmherzigkeit einem wiederkehrenden Sünder. Suſo. Die göttliche Ferne. Für Manche iſt Chriſtus zwar geboren, geſtor⸗ ben und auferſtanden, aber noch nicht gen Him⸗ mel gefahren. Sie ſind den ganzen Tag andäch⸗ tig geſtimmt, weinen bei ihren Gebeten, ſeurzen bei ihren Betrachtungen, Alles iſt ihnen feierlich und ein fortwährendes Halleluja hören ſie in ihren