# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 11 24_S54 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) und um der traurigen Folgen willen, die ſich uns durch vorliegenden Fall ſo deutlich zu erkennen gäben, bat und flehte ich ſie, zu ihrem eignen Heile, Gott die Ehre zu geben, und zu ſeinem lauteren Worte zurückzukehren. Aber über mein „Kehre wieder“, das ich ihnen im Namen Gottes zurief, ſchüttelten etliche meiner Zuhörer mißmuthig die Köpfe, und es ſchien, als wollten ſie ſagen: wir wollen im Irrthum beharren, und wenn wir auch alle ſollten „alſo umkommen wie dieſer“. (Luc. 13, 5.). Obſchon wir hoffen, daß dieſer oder jener für die Wahrheit, ſo ſie ihm geprediget würde, ge— wonnen werden könnte, ſo ſcheint es doch auch, als ob über etliche der deutſchen Methodiſten, welche die Wahrheit verlaſſen und ſich die Lüge gewählt haben, das Gericht der Verſtockung ergangen ſei. Gott gebe Gnade, daß ſie dieſes nicht immer mehr auf ſich herabziehen, und daß vornehmlich, die der Heerde hüten ſollen, auf die Stimme ihres Ge⸗ wiſſens Acht haben, welches doch nimmermehr ſchweigen kann, bei einer Seelſorge, wie ſie u. A. Herr Peter ausübt. Jemehr die Methodiſten ihren Herzensgedanken folgen, deſto einfältiger laßt uns unſere Augen auf die Leuchte des Wortes richten. Dann werden wir nie von einer Vollkommenheit in dieſem Leben träumen, ſondern täglich zu dem Kreuze Chriſti kriechen; aber auch werden wir dann nicht ver⸗ zagen, ſo uns das Geſetz und unſer eignes Herz anklagt, ſondern uns des Wortes der Gnade ge⸗ tröſten, und ſprechen: „Aus Gnaden! dies hör' Sünd' und Teufel, Ich ſchwinge meine Glaubens⸗ fahn' Und geh' getroſt trotz allem Zweifel Durchs rothe Meer nach Canaan. Ich glaub', was JEſu Wort verſpricht, Ich fühl' es oder fühl' es nicht.“ P. Heid. Die Schauſpielerin Pelagia. (Aus dem Sonntagsblatt.) Einſt rief der Erzbiſchof von Antiochien alle Biſchöfe ſeines Sprengels zuſammen, um mit ihnen ſich zu berathen und zu erbauen. Während ihres Aufenthalts in jener Stadt trug es ſich eines Tages zu, daß ſie bei einander vor der Kirche des Märtyrers Julianus ſaßen, und mit geſpannter Aufmerkſamkeit auf einen ergreifenden Vortrag des Biſchofs Nonnus hörten. Da zog Pelagia, die erſte Schauſpielerin der Stadt, mit großem Gepräng vorüber. Sie ritt auf einem Mauleſel und war über und über mit Gold, Edel⸗ ſteinen und Perlen bedeckt; ſelbſt ihre nackten Füße glänzten von Gold und Perlen. Vor ihr her und hinter ihr gingen viele prächtig geſchmückte Jüng⸗ linge und Jungfrauen; und die lieblichſten Ge— rüche erfüllten die Straßen, durch welche der Zug ging. Die Biſchöfe ſeufzten und wandten ihre Augen ab; denn ſchamlos, mit entblößtem Haupte und Nacken und mit frecher Stirn kam ſie daher. Der heilige Nonnus ſchaute ihr lange in das ſchöne triumphirende Antlitz; er blickte ihr nach, bis der Zug in einer andern Straße verſchwand. Hierauf wandte er ſich zu ſeinen Amtsbrüdern und ſprach: Habt ihr euch nicht ergötzt an dieſer Schönheit? Sie aber verſtanden die Abſicht ſei⸗ 5⁴4 ner Frage nicht und ſchwiegen. Da legte er ſein Antlitz auf die Kniee, netzte ſeinen Schooß mit Thränen, ſeufzte tief und fragte abermals: Habt ihr euch nicht ergötzt an ihrer Schönheit? Sie aber ſchwiegen noch immer, und waren faſt un⸗ willig über ſeine ſeltſame, ja nach ihrer Meinung unziemliche Frage. Da hob er an: In Wahr— heit, ich habe mich ſehr ergötzt an der. großen Schönheit, die ihr Gott verliehen hat, und habe die große Sorgfalt bewundert, welche ſie auf die Erhaltung und Hervorhebung ihrer Lieblichkeit wendet. Werthe Väter und Brüder, der HErr wird uns einſt am Tage des Gerichtes, wenn wir vor Seinem ſchrecklichen Thron erſcheinen müſſen, dieſes Weib gegenüber ſtellen. Wie viele Stun⸗ den hat ſie wohl heute in ihrer Schlafkammer zu⸗ gebracht, um ſich zu waſchen und zu ſchmücken! Wie großen Fleiß, wie vieles Nachdenken, wie viele Aufmerkſamkeit mag ſie auf jeden einzelnen Theil ihres Schmuckes verwendet haben, um ihren Zweck deſto gewiſſer zu erreichen, nämlich: Jedermann zu gefallen und der Gunſt ihrer Ver⸗ ehrer ſich zu verſichern, die heute leben und mor⸗ gen ſchon nicht mehr ſind! Und wir, die wir den allmächtigen Gott zum Freunde haben, Ihn, der Seinen Getreuen himmliſche Reichthümer und ewige Belohnung verheißt, was thun wir, um Ihin zu gefallen, der ſich in Gnaden und Barm⸗ herzigkeit mit uns verlobt hat auf alle Ewigkeit? wie wenig Fleiß, wie wenig Nachdenken und Auf⸗ merkſamkeit wenden wir darauf! Wie ſchwer wird es uns, ein Opfer zu bringen und eiwas uns Liebgewordenes zu entbehren, um ganz nach Seinem Willen zu leben! Wir, denen die Ver⸗ heißung gegeben iſt, daß wir das ſtrahlende Ant⸗ litz deſſen ſchanen ſollen, vor dem die Seraphim mit tiefſter Demuth anbeten, wir reinigen unſere Herzen nicht, ſondern laſſen unbekümmert und ſorglos den Schmutz der Sünden auf uns liegen! Nachdem er dies geſagt hatte, ging er heim in ſeine Zelle, warf ſich dort auf den Boden nieder, ſchung an ſeine Bruſt und betete unter vielen Thränen: HErr JEſu Chriſte! verzeihe mir ar— men unwürdigen Sünder, daß jenes eitle Weib herrlicher ſeinen Körper ſchmückte, als ich meine Seele. Wie ſoll ich aufblicken zu Dir, wie mich rechtfertigen vor Deinem Angeſicht? Denn ich kann mein Herz nicht vor Dir verbergen; ſelbſt meine innerſten Heimlichkeiten ſind Dir offenbar. Wehe mir Elenden, der ich vor Deinem heiligen Altar ſtehe, und Dir doch keine ſo reine und ſchöne Seele darbringe, wie Du ſie verlangſt! Jenes Weib hat ſich vorgenommen, den Menſchen zu gefallen, und hat es ausgeführt; ich habe ver— ſprochen, Dir zu gefallen; aber meine Fanlheit zeugt gegen mich, daß ich nicht Wort gehalten habe. Ich bin ohne alle Hoffnung, wenn ich auf meine Werke ſchaue; und nur der Gedanke an Deine Barmherzigkeit und Gnade tröſtet mich. So ſprach er und weinte bitterlich. Am darauffolgenden Sonntage, als die nächt⸗ lichen Gebete*) vollendet waren, ſprach der Bi— *) Es iſt bekannt, daß in deu Klöſtern gewiſſe Stunden der Nacht dem Gebet und der Abſingung von Pfſalmen ge⸗ widmet zu werden pflegen. Dieſe der Oidnung der Natur ſchof Nonnus zu ſeinem Diakon Jacobus: „Hört, mein lieber Diakon! ich ſah dieſe Nacht ein Traumgeſicht, welches mich ſehr beunruhigt, weil ich es nicht zu deuten vermag. Denn ſiehe, es ſtand an dem Horne des Altars eine ſchwarze Taube, mit vielem Schmutze bedeckt, die flog in⸗ mer um mich her; und ihr ekelhafter Geruch ward mir unerträglich. Sie aber blieb um mich, bis die Katechumenen“) entlaſſen wurden; als aber der Diakonus ihnen zurief: Gehet jetzt nach Hauſe! da verſchwand ſie auf einmal. Nach vollendetem heiligen Abendmahle aber, als die ganze Ver⸗ ſammlung entlaſſen war, ging ich zur Kirche hin aus; und ſiehe! jene ſchmutzige Taube umfla⸗ terte mich abermals; ich aber ſtreckte meine Hand aus, ergriff ſie, und warf ſie in das Taufbecken,! das in dem Vorhof der Kirche ſteht. Da verlor ſie im Waſſer all ihren Schmutz, ſtieg herauf weiß wie der Schnee, und verlor ſich hoch in den Lüften aus meinen Augen.“ Nachdem der fromme Gottesmann dieſes er⸗ zählt hatte, nahm er den Diakon Jacobus am Arme und ging mit ihm zur Hauptkirche, wo ſie mit den übrigen Biſchöfen zuſammentrafen, und den Erzbiſchof begrüßten. Dieſer hielt vor dem verſammelten Volke eine erbauliche Rede; dann als das Evangelium verleſen war, reichte er das Buch dem Biſchof Nonnus, und forderte ihn auf, vor der Verſammlung zu predigen. Nonnus be⸗ gann alsbald und ſprach aus der Weisheit Got⸗ tes, die in ihm wohnte, ergreifende und erhebende Worte; erfüllt von dem Heiligen Geiſt, traf er die Gewiſſen und rührte die Herzen des Volkes, in kindlicher Einfalt redend von der künftigen Verdammniß der Ungläubigen, und von den ewi⸗ gen Gütern, welche im Himmel den Gerechten aufbehalten ſind. Die ganze Verſammlung wurde tief erſchüttert und viele Chriſten weinten. Und ſiehe, Gottes Barmherzigkeit hatte es gefügt, daß zu derſelben Stunde die Schauſpielerin Pelagia in die Kirche trat, und auf einmal von der Furcht Gottes ergriffen und mit vorher nie gefühltem Schmerz über ihre Sünden erfüllt wurde. Denn als Nonnus das Volk zur Buße ermahnte, da ſchwand ihr alle Hoffnung dahin, jemals noch gerettet zu werden; eine Thräne ſchlug die an— dere, ſie konnte nichts mehr, als trauern, weinen und ſeufzen. Am Schluſſe der Predigt ſagte ſie zu ihren beiden Bedienten: Bleibet hier, bis der Biſchof nach Hauſe geht; dann folget ihm, und erkundigt, wo er wohnt, damit ihr es mir ſagen widerſtrebende Sitte hatte in der älteſten Kirche einen ſehr natürlichen Urſprung; denn ſo lange man ſich durch das Bekenntniß zum Chriſtenthum Verfolgungen ausſetzte, war es beinahe dringendes Bedürfniß fur die Chriſten, zuweilen auch in der Nacht zu gemeinſchaftlichem Gebete ſich zu ver⸗ einigen. *) Unter Katechumenen verſtand man alle diejenigen Chriſten, welche noch keine ſolche Erkenntniß des Evange⸗ liums beſaßen, daß ſie zum Genuſſe des heiligen Abend⸗ mahls hätten zugelaſſen werden können, mochten es nun Kinder oder Erwachſene ſein. Dieſe durften auch nicht einmal Zuſchauer bei der Feier des Abendmahls ſein. Da- her rief, bevor ſie begann, der Diakon: Missa est ecclesia, d. i. die Verſammlung iſt entlaſſen. Aus dieſem Worte Missa entſtand in der Folge der Name Meſſe, mit welchem man urſprünglich nichts anders, als das heilige Abendmahl bezeichnen wollte.