# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 11 24_S50 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) der die ewige Gerechtigkeit, Liebe und Wahrheit ſelbſt iſt, wurde von ſeinem eigenen Volke gekreuzigt. A. Die ſchändliche, undankbare Welt. W. Darum wäre es auch ſchändlich, wenn ein Chriſt mit ihr noch ferner buhlen wollte. Er muß vielmehr mit Paulus ſagen: durch IEſum Chri⸗ ſtum iſt mir die Welt gekreuzigt und ich der Welt. Gal. 6, 14. Jener edle Held, welcher Jeruſalem erobert hatte, weigerte ſich, da eine Königskrone zu tragen, wo Chriſtus, unſer HErr, eine Dor⸗ nenkrone getragen hatte. Und warum ſollte ein Prediger nicht gerne um Chriſti willen leiden und entſagen, da Gott ihm mit ewiger, unausſprech⸗ licher Herrlichkeit lohnen will? A. Ich meinte, allen frommen Chriſten ſei dieſelbe verheißen? W. Gewiß. Aber Gott hat doch auch in ſei⸗ nem Worte treuen Predigern eine beſondere Ver⸗ heißung gegeben: Die Lehrer aber werden leuch— ten wie des Himmels Glanz, und die, ſo viele zur Gerechtigkeit weiſen, wie die Sterne immer und ewiglich. Dan. 12, 3. A. Iſt es ſchön, nur um jenes Lohnes willen, Prediger zu werden? W. Freilich iſt die dankbare Liebe zu Chriſto der erſte Grund, welcher uns antreiben inuß, um ſeinetwillen alle Opfer zu bringen. Aber weil der Chriſt, welcher nach Gottes Willen das heilige Predigtamt übernimmt, damit zugleich manche Leiden übernimmt, welchen er entgangen wäre, wenn er einen andern Beruf erwählt hätte, weil deßhalb ſo wenige Luſt dazu haben und dasſelbe doch ſo nothwendig iſt: darum will Gott die Chriſten dazu locken und reizen mit den allerlieb⸗ lichſten Verheißungen eines ewigen Gnadenlohnes. A. Es iſt auch der allerſchwerſte Beruf. Denke nur an die Laſt, welche ein treuer Prediger zu tra⸗ gen hat, an die Sorge für die Seelen, an die Ver⸗ achtung der Welt, die Anfechtungen des Satans und die Rechenſchaft, welche er einſt zu geben hat. W. Aber auch der allerſchönſte. Denn womit gehet ein Prediger täglich um? mit dem ſeligſten Gute, welches wir auf Erden haben, mit dem himmelſüßen Worte unſeres lieben Gottes. König Alexrander von Macedonien wußte Homers Hel⸗ dengeſänge faſt ganz auswendig; eine Abſchrift davon lag beſtändig unter ſeinem Kopfkiſſen; und dasſelbe war doch nur ein troſtloſes, heidniſches Buch. Wie viel mehr ſollten wir Luſt zum Worte Gottes haben und davon reden Tag und Nacht? denn da erſchließt ſich uns das Paradies, das von der Welt entſchwunden iſt; da grünen die ſeligen Auen; da rinnen die friſchen Waſſerbäche des ewigen Lebens; und wer gläubig aus dieſem Heilsbrunnen ſchöpft, der empfängt den unaus⸗ ſprechlichen Troſt, daß ihm alle ſeine Sünden vergeben ſind, der findet darin einen erquickenden Balſam für alle Schmerzen ſeiner Seele. Gottes Worte ſind Geiſt und Leben; darum können ſie allein nur die unendliche Sehnſucht des menſch⸗ lichen Herzens ſtillen. A. Jene Freude am Worte Gottes haben aber doch alle Chriſten? W. Prediger wollen auch nur Gehülfen ihrer Freude ſein. Dazu verkündigen ſie Gottes Wort, 50 dazu bedürfen ſie aber einer möglichſt tiefen Er⸗ kenntniß. Sie müſſen wo möglich die heilige Schrift in der Urſprache leſen können, müſſen die chriſtliche Lehre in ihrem Zuſammenhange kennen und dieſelbe gegen alle Angriffe zu vertheidigen wiſſen. O ich möchte das ganze Gebiet des menſchlichen Wiſſens durchwandern, um auf alle Weiſe Zeugniß für die Wahrheit ablegen zu können. A. Das Studiren wird dir noch Mühe genug machen. W. Eine Mühe, welche ich gerne übernehme, um immer tiefer in das Geheimniß der Liebe Gottes einzudringen, in welches auch die Engel gelüſtet zu ſchauen. „Alſo hat Gott die Welt ge⸗ liebet, daß er ſeinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren wer⸗ den, ſondern das ewige Leben haben.“ Joh. 3, 16. Dieſer Spruch iſt das Herz der Bibel, eine ewige Quelle des Friedens und der Freude. Wer den⸗ ſelben ſo recht kindlich und einfältig beherzigt, dem erſcheint das treue Vaterangeſicht unſers Gottes verklärt von all' dem Glanze ſeiner unendlichen Freundlichkeit und Leutſeligkeit; dem wird auch ſo ganz freundlich und treu zu Muthe, es wird ihm warm ums Herz, denn die Liebe Gottes wird darin ausgegoſſen. Bedenket nur einmal dieſe Liebe nach ihrer Breite, Länge, Tiefe und Höhe: Gott der Vater gibt uns ſeinen Feinden ſeinen Sohn; Chriſtus, Gott und Menſch, ſtirbt für uns am Kreuze, trägt unſere Sünden, Schmerzen und Krankheiten, und erkauft uns mit ſeinem eigenen Blute. Nun iſt die Sünde getilgt, Tod, Teufel und Hölle überwunden, nun iſt der Himmel auf Erden, wir ſind nun Gottes Kinder. Wir ſollten billig alle mit Paulus ſagen: „Ich achte es alles für Schaden gegen die überſchwengliche Erkenntniß Chriſti IEſu, meines HErrn, um welches willen ich alles habe für Schaden gerechnet und achte es für Dreck, auf daß ich Chriſtum gewinne.“ Phil. 3, 8. A. Wenn ich dieſe ſelige Botſchaft nur ſo recht faſſen könnte, ich glaube, mein Herz müßte mir vor Freuden zerſpringen. Aber ich bin leider ſo kalt, todt und ſtumpf für das Gönliche. W. Das ſind wir alle von Natur, todt und erſtorben in Sünden, durch und durch davon ver⸗ giftet, in unſerem Fleiſche wohnet nichts Gutes. Aber das Evangelium iſt eine Kraft Gottes, die da ſelig macht alle, die daran glauben. Röm. 1, 16. Es iſt ſo unausſprechlich reich, daß es uns nicht bloß die ſelige Kunde von den großen Thaten Gottes zu unſerer Erlöſung bringt, ſondern auch den Heiligen Geiſt mittheilt, welcher unſere todien Seelen zum Glauben erweckt. A. Darum heißt es auch: Wie lieblich ſind die Füße derer, die den Frieden verkündigen, die das Gute verkündigen. Röm. 10, 15. Ich muß dir geſtehen, bei dieſem Geſpräch wird mirs ſo wun⸗ derbar ums Herz, daß mich die Luſt ergreift, auch ein ſo lieblicher Bote zu werden. W. Die Lieblichkeit des heiligen Predigtamtes beſtehet in der Herrlichkeit des Wortes. Es iſt das Aint, das den Geiſt gibt, 2 Cor. 3, 8., darum hat es eine überſchwengliche Klarheit, gegen welche die glänzende Pracht der Welt erbleichen muß. Denn dadurch wird die Ehre Gottes ausgebreitet, der Himmel mit Seligen gefüllt und das Reich des! Teufels zerſtört. Alle Heiligen im Himmel und auf Erden ſind durch den Dienſt des heiligen Predigtamtes gewonnen, welches Gott ſelbſt ver⸗ waltet hat. A. Chriſtus, unſer HErr, hat ſelber gepredigt;“ wie hoch iſt dadurch jenes Amt gewürdigt! W. Und warum erhält Gott noch dieſe Erdes Warum noch brauſet das Meer und leuchtet dieſe Sonne? Um der Kirche willen, damit dem HErm! durch den Dienſt des heiligen Predigtamtes noch Kinder geboren werden. Wenn die Welt ſo gott⸗ los wird, daß ſie das Predigtamt nicht mehr leiden will, dann ſoll wohl ihre letzte Stunde geſchlagen haben. Darum können wir auch jetzt ſchon den jüngſten Tag alle Augenblicke erwarren, weil Gottes Wort und das heilige Predigtamt von Unzähligen ſchändlich verachtet wird, obwohl es die größten Wohlthaten ſind, welche Gott dem menſchlichen Geſchlechte dadurch erweiſtt. ö A. Wie ſelig wirſt du ſein, Wilhelm, wenn du ein treuer Prediger wirſt und einſt vor dem Throne Gottes erſcheinſt mit den Seelen, welcht durch deinen Dienſt zu Gott gekommen ſind, wenn du nun hören wirſt aus dem Munde deines Gottes das ſelige Wort: Ei du frommer und getreuer Knecht, du biſt über wenigem getreu geweſen, ich will dich über viel ſetzen, gehe ein zu deines HErtn Freude. Matth 25, 21. W. Ach, Auguſt, das heilige Predigtamt iſt ſo ſchwer, daß auch der heilige Apoſtel Paulus aus⸗ ruft: Und wer iſt hiezu tüchtig? 2 Cor. 2, 16. Denn von einem Prediger wird verlangt Reinheit in der Lebre, Treue in der Arbeit, Heiligkeit im Wandel. Werde ich das alles leiſten können? Ach, ich tauge nicht dazu! A. Nur getroſt! Dem Demüthigen gibt Gon Gnade, dem Aufrichtigen läßt Gott es gelingen. Und ich will mich beſtreben, ein treues und tüch⸗ tiges Gemeinde⸗Glied zu werden. W. Nun in Gottes Namen. 3 A. Dazu helfe dir der allmächtige Gott, welcher die Todten lebendig macht und ruft dem, das nicht iſt, daß es ſei. Röm. 4, 17. H. Fick. Protokoll der St. Louis Diſtricts⸗Prediger⸗ Conferenz der deutſchen ev.⸗luth. Synode von Miſſouri, Ohio u. a. Staaten, gehalten zu Neu-Melle, St. Charles Co., Mo., am 13. Oct. 1848 und den folgenden Tagen. (Schluß.) Vierte Sitzung. Um unter unſerer Jugend die Liebe zum Pre⸗ digtamte zu wecken, wurde beſchloſſen, daß von P. Fick ein Geſpräch zwiſchen zwei Knaben über den geiſtlichen Beruf ausgearbeitet werden ſolle. In der freundſchaftlichen Beſprechung, welche unter den Gliedern der Conferenz in den Muße⸗ ſtunden ſtattfand, wurden mancherlei Beiſpiele von dem wunderbaren Walten Gottes mitgetheilt. Damit nun ſolcher Schatz nicht verloren ginge,‚ 1 ſondern auch unſern Nachkommen bewahrt bliebe, beſchloß die Conferenz, daß jedes Glied aus dem Bereiche ſeiner Erfahrung dazu Beiträge liefern