# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 11 24_S49 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Beiligirt von C. 6. W. Walther. Qer Cutheraner. „Gottes Mlort und Juthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten. bahrgang 5. Ht. Jouis, Mo., den 28. November 1848. No. 7. vorauszubezahlen und das Poſtgeld N ö ENur die Briefe, welche Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſeriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Numnter für 5 Cents verkauft. ittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. (Eingeſandt.) Geſpräch zweier Knaben über das heilige Predigtamt. Zbwei Knaben gingen am Ufer des Meeres ſpa⸗ zieren. Ein friſcher Wind blies; mehrere Schiffe fuhren mit vollen Segeln einer benachbarten Ha⸗ fenſtadt zu. Eͤs iſt doch eine Luſt, wie die Schiffe durch die Wellen tanzen, rief Auguſt. Nun ſieh doch mal den prächtigen Dreimaſter da, Wilhelm, was er wohl geladen hat. Ich weiß jetzt, was ich werden will: ich werde Kaufmann; wenn es glückt, kann ich durch eine gute Speculation ungeheuer reich werden. Ich gebe dir dann aber was ab; und hier, Wilhelm, hier auf dieſem Hügel da baue ich mir ein ſchönes Haus und kaufe mir Wagen und Pferde. Das wird ein Leben! Du beſuchſt mich dann doch? W. Natürlich. Wir reiten dann zuſammen aus. ö A. Weißt du ſchon, was du werden willſt, Wilhelm? W. Mit Gottes Hülfe werde ich Prediger. A. Nun ſo was! Sag mal, wie kömmſt du denn nur darauf? W. Du erinnerſt dich, der Paſtor ſagte neulich in der Religionsſtunde, der liebe Gott hätte das heilige Predigtamt geſtiftet und es müßten immer Prediger da ſein. Denn wenn Gottes Wort nicht gepredigt würde, ſo könnten die Leute ja nicht zum Glauben kommen und ſelig werden. A. Richtig. Er ſagte aber auch, nicht Jeder ſei zum heiligen Predigtamte geſchickt. Denn wer Prediger werden wollte, der müßte nicht bloß im Glauben ſtehen, ſondern auch die nöthigen Gaben und innern Beruf dazu haben. W. Nun fragte mich der Paſtor, ob ich wohl Luſt hätte, Prediger zu werden. Ich ſagte: herz⸗ lich gerne, aber ich glaubte nur, ich taugte nicht dazu, denn ich könnte das nicht alles lernen, was dazu gehörte. Er antwortete mir aber, ich hätte die nöthigen Gaben dazu; das Lernen wird mir auch eben nicht ſchwer. A. Was ſagen aber deine Eltern dazu? W. O die freuen ſich darüber. Vater ſagte, er hätte es immer gewünſcht, daß ich Prediger würde, und hat mir ſeinen Segen dazu gegeben. Ich gehe jetzt mit zwei andern Knaben zum Paſtor in den lateiniſchen Unterricht. A. Lieber Wilhelm, werde doch kein Prediger. Es iſt das elendeſte, mühſeligſte Leben, ich ver⸗ ſichere dich, und bringt wenig ein. Wenn du Methodiſten⸗Prediger würdeſt, da könnteſt du im⸗ mer herumreiten und würdeſt gut bezahlt. W. Auf keinen Fall. Die Methodiſten weichen ja in den Sacramenten und andern Punkten von Gottes Wort ab. Und dann ihre Lagerver⸗ ſammlungen, Liebesfeſte und den andern ekelhaf⸗ ten Kram alle. A. Nun, ſo werde ein evangeliſcher, proteſtan⸗ tiſcher Pfarrer. Dann kannſt du Leute von aller⸗ lei Glauben in deine Gemeinde aufnehmen und bekommſt eine gute Einnahme. W. Schäme dich doch, Auguſt, du willſt ein Lutheraner ſein und machſt mir ſo gottloſe Zu— muthungen. Du weißt, daß die Union zwiſchen Lutheranern und Reformirten dem lieben Gott ein Gräuel iſt. Wir ſollen alle Menſchen, auch die Falſchgläubigen, lieben und für ſie beten, daß ſie zur Erkenntniß der Wahrheit kommen; aber vor ihren Irrthümern ſollen wir uns hüten. A. Vergieb mir, ich meinte es nicht ſo böſe. Genug, ich werde kein Prediger. Ich gehe in einen Store und verdiene mir viel Geld. So bleibe ich mein eigener Herr und kann den Gent⸗ leman ſpielen. Dann fange ich mein eigenes Geſchäft an, mache Reiſen und genieße mein Leben. W. Das wird dir auch bald langweilig werden. A. Du dagegen vertrauerſt die ſchönen Ju⸗ gendjahre hinter den Büchern. Dann beruft dich vielleicht eine kleine Gemeinde im Buſche. Die Woche über unterrichteſt du die Kinder, Sonntags predigſt du, ſo bleibt dir wenig freie Zeit. Dabei wohnſt du in einer elenden Blockhütte, in der es nach allen Richtungen hin durchregnet, weht und ſchneit; mußt ſelber Waſſer tragen und Holz hacken; haſt nichts zu beißen und zu brechen; baar Geld bekommſt du gar nicht zu ſehen. W. Iſt es wirklich ſo ſchlimm? A. Und endlich, wenn du deiner Gemeinde einige Jahre treu gedient haſt, wirſt du zum Lohne dafür — weggejagt. Armer Wilhelm, wenn du guten Rath annehmen willſt, werde kein lutheriſcher Prediger. W. Du übertreibſt aber auch furchtbar! Es geht nicht allen Predigern ſo. Und geſetzt, daß es mir ſo ginge, was liegt daran? Chriſtus hatte nicht, wo er ſein Haupt hinlegte, ſoll ich nicht ſei⸗ nem armen Leben nachfolgen? Seine Liebe wurde mit Undank belohnt, dürfte ich armer Sünder klagen, wenn ich dasſelbe erlitte? Ich müßte mich ja vielmehr freuen, wenn ich ihm darin ähnlich würde. A. Wähle dir doch lieber einen einträgliche⸗ ren Beruf. W. Ich könnte es; denn ich bin frei, aber ich will es nicht. Ich frage nichts nach dem unge⸗ rechten Mammon, dem elenden Gelde, dieſem ohn⸗ mächtigen Götzen, welchem leider ſo viele dienen zum ewigen Verderben ihrer Seele. Ach! die Herrlichkeit des Predigtamtes iſt ſo groß, daß mir dagegen alles Irdiſche ſo nichtig und werthlos erſcheint. A. Du entſagſt nur damit auch ſo manchen unſchuldigen Genüſſen! Ein Prediger iſt durch ſein Amt ſehr gebunden. W. Mag ſein; ich entſage ihnen gern. Sie ſind jedoch nur kurz und unmöglich iſt es, daß ein Menſchenherz darin Befriedigung findet. Es iſt alles eitel, ganz eitel, ſprach der prächtigſte König von Israel, nachdem er alle Luſt des Lebens ge⸗ noſſen hatte. Und du würdeſt am Ende in die⸗ ſelbe Klage ausbrechen müſſen, wenn du auch die ganze Welt gewönneſt und alle ihre Ehren, Freu⸗ den und Güter genoſſen hätteſt. A. Das heißt aber doch das Leben etwas zu ſchwarz anſehen. W. Nicht doch. Die Welt vergehet mit ihrer Luſt; ſie iſt eitel, weil ſie ſündlich iſt, und dit Gottloſen genießen ſie mehr, als die Frommen. Der reiche Mann lebte alle Tage herrlich und in Freuden. Die Heiligen dagegen mußten viel lei⸗ den. Jeſaias wurde mitten durchgeſägt, Stepha⸗ nus geſteinigt, Jacobus enthauptet und Chriſtus,