# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 11 24_S48 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) „In Gnadau hat eine ſehr zahlreiche Verſamm⸗ lung gläubiger Prediger aus der Nähe und Ferne ſtattgefunden. Ein Theil, die entſchieden lutheriſch Geſinnten, haben ſich an den Miniſter gewendet mit der Erklärung, daß ſie mit ihren lutheriſchen Gemeinden und mit dem lutheriſchen Conſiſtorio in Magdeburg fortan wieder die alte lutheriſche Kirche herſtellen würden. Ihre Zahl iſt bedeu⸗ tend. Das Conſiſtorium ſoll in der That mit ihnen einverſtanden ſein. So wird ſich wohl in der Provinz Sachſen eine Kirchenreform kundge⸗ ben, noch ehe Urwahlen (zu der vorgeſchlagenen Landesſynode) wieder zuſammentreten können. Noch kräftiger und entſchiedener ſind die Lutheri⸗ ſchen in Pommern aufgetreten. Dort ſind in Stargard eine große Zahl Prediger zuſammenge⸗ treten und haben ſich auf Grund des lutheriſchen Bekenntniſſes geeinigt, ein proviſoriſches Comite für die Wahrung der lutheriſchen Kirche einzu⸗ ſetzen; dies hat dem Miniſter Kunde gegeben, daß fortan in Pommern wieder die lutheriſche Kirche zu Recht beſtehe. Der Herr Miniſter hat nach dem jetzt beſtehenden freien Verbindungsrechte ihnen nichts in den Weg gelegt, ſondern nur auf⸗ gegeben, andre Religionsgeſellſchaften nicht zu be⸗ einträchtigen. Darauf hat das proviſoriſche Comite ihre Adreſſe an den Miniſter und desſelben Ant⸗ wort an das königliche Conſiſtorium in Stettin geſendet mit der Anfrage und Bitte, ob es ſich nicht gleichermaßen mit ihnen offen zur lutheriſchen Kirche bekenne. Und es verlautet, daß in der That auch das Stettiner Conſiſtorium ſeine Bereitwilligkeit aus⸗ geſprochen und ſich mit dem Miniſter in Unter⸗ handlung geſetzt haben ſoll. Man ſieht, daß überall vom Berathen nun endlich zum Handeln übergegangen wird. Man iſt bemüht, den alten Beſtand der Kirche im Lande, wie er vor der Union geweſen, wieder herzuſtellen. Dabei wird es nicht fehlen, daß auch eine unirte Kirche bleiben, ja vielmehr ſich erſt jetzt bilden wird, denn bisher beſtand nur ihr Name ohne Wirklichkeit. Uebrigens hat man ſich in Pom-⸗ mern in Bezug auf die Symbole und Agende der Kirche alſo geeinigt: die Pommerſche Kirchenord⸗ nung tritt wieder in volle Kraft. In volle Gül⸗ tigkeit treten wieder ſämmtliche ſymboliſche Bücher der lutheriſchen Kirche, und die Ordination findet wieder wie früher auf den kleinen lutheriſchen Katechismus und die unveränderte Augsburgiſche Confeſſion ſtatt. Ebenſo bleibt es jedem Pfarrer überlaſſen, noch einſtweilen die neue preußiſche Agende fortzugebrauchen, nur mit alleiniger Be⸗ nutzung der alten Formulare lutheriſcher Agenden für die Sacramente. Eine Vereinbarung mit den ausgeſchiedenen Lutheranern konnte jetzt noch nicht eintreten. Viel⸗ leicht iſt das einer ſpäteren Zeit überlaſſen. Ein Uebel bleibts immer. Zweierlei Kirchen und doch nur Ein Bekenntniß! Haben die älteren Brüder nicht ihren Auftrag an die geſammte lutheriſche Kirche erreicht? ſollten ſie nun nicht wieder zu⸗ rücktreten? werden ſie ferner ohne Seelenſchaden fortbeſtehen können, wenn ſich wieder überall die alte lutheriſche Kirche geltend macht? Oder ſoll es wie in Amerika mehrere lutheriſche Kirchenpar⸗ theien geben? Eine ähnliche Verſammlung lutheriſch geſinnter Prediger war jüngſt auch in Neuſtadt⸗Eberswalde zuſammengetreten, um ähnliche Schritte auch für die Mark Brandenburg zu thun. Aber es kam nur zur Bildung eines einnweiligen Comites, das den Auftrag erhielt, in der Provinz Nachfrage zu thun, ob ein ähnlicher Sinn für Wiederherſtellung der lutheriſchen Kirche vorhanden ſei? und dann in kürzeſter Zeit Anſtalten zu treffen zu einer voll⸗ ſtändigen Verſammlung aller Gleichgeſinnten. 48 Es verlautet, daß auch die lutheriſchen Paſtoren in Schleſien ein Gleiches beſchloſſen haben, und im Juni in Gnadenberg zuſammen kommen wer⸗ den zu gleichen Zwecken. So ſcheint ſich alſo in Preußen die alte luthe⸗ riſche Kirche aus der Union herauszuarbeiten, und ſich wieder neu zu geſtalten. An Pfarrern wird's nicht fehlen, ob aber auch noch in den Ge⸗ meinden eine Bekanntſchaft mit lutheriſcher Lehre und Kultus vorhanden ſein wird, das wird ſich bald zeigen. Schreiber dieſes wollte in ſeiner dem Namen nach lutheriſchen Gemeinde das Collec⸗ tiren oder Singen des Geiſtlichen bei der Abend⸗ mahlsfeier einführen, weil er es in ſeiner früher lutheriſchen Gemeinde gethan, und weil es in allen (2) lutheriſchen Ländern Brauch und Sitte iſt. Aber das weiß man hier nicht, und ſprach die Beſorgniß aus: ich wollte ſie katholiſch ma⸗ chen.“) Doch will ich Berlin nicht als Muſter und Beiſpiel aufführen (kann keine lutheriſche Gemeinde geweſen ſein, denn die lutheriſche Ge⸗ meinde hat ganz den alten lutheriſchen Gottes⸗ dienſt). Wir Schleſier gelten hier als ſchlechte Berliner und es kann wahr ſein. Die confeſſio⸗ nelle Kirchlichkeit iſt hier ſchlecht vertreten.“ „Zu derſelbigen Zeit antwortete JEſus und ſprach: Ich preiſe Dich, Vater und HErr Him⸗ mels und der Erden, daß Du ſolches den Wei⸗ ſen und Klugen verborgen haſt, und haſt es den Unmündigen geoffenbaret.“ Matth. 11, 25. (Siehe: Luthers Werke. Hall. VII. 1188.) Es ſind hier die zwei Stücke, darüber ſich Chriſtus freuet. Das erſte, daß Gott ſolch Ge⸗ heimniß verborgen hat vor den Weiſen und Klugen. Das andere: Daß er es offen⸗ baret hat den Kleinen, Albernen und Unmündigen; dieß machet erſt eine rechte Freude. Als wollte Chriſtus ſagen: Wollen es die Klugen und Weiſen nicht, ſo wollen es doch die Albernen und Unmündigen, die da nichts reden wider Gottes Wort, die da nicht murren wider Gottes Willen, ſondern wie er es mit ihnen ſchaffet und macht, ſo gefällt es ihnen wohl. Das ſind alle die, ſo bei ſich nicht klug und verſtändig ſind, mit Vernunft in Gottes Werke und Worte zu fallen. Sie ſind nicht Schwätzer und Wäſcher, wie der Schwärmer Art iſt, die ſich ſelbſt treiben zu predigen, ohne Beruf und unerfordert, ſprechen dann, der Geiſt treibe ſie. Das iſt gewiß ein Zeichen, daß ſie der Teufel heißet predigen; und wenn du der einen findeſt, willſt du ihn lehren und den rechten Weg weiſen, ſo thun ſie das Maul auf und reden hundert Worte, ehe du Eines redeſt. Aber ein rechter Prediger iſt nicht alſo ſchwätzig, bricht nicht herein, als ſei er voller Kunſt, ſtellet ſich, als könne er nichts. Wie er ſich denn auch gewißlich dafür hält, als wiſſe und könne er am wenigſten davon. Unmündige. Die heißet der HErr hier Denn dieſelbigen hören viel *) Schade, daß Herr Weyl mit ſeinem trefflichen Kir⸗ chenboten nicht da iſt, der könnte die Leute weiter über die⸗ ſen Punkt aufklären, und mit ſeiner Dummdreiſtigkeit und unverwüſtlichen Unverſchämtheit ihnen tapfer unter die Arme greifen. Wie wäre es, wenn man collectirte und den Mann hinausſendete, um gegen dieſe neuen Altluthe⸗ raner zu Felde zu ziehen, und die armen Seelen gegen die „jeſuitiſchen Pfaffen“ des alten Lutherthums, die ſie „wieder in die grauſige Nacht des Pabſtthums“ zurück⸗ führen wollen, zu ſchützen? Er ſollte mit ſeiner Weisheit ihnen ſchon einen Floh in's Ohr ſetzen, denn er verſteht's, und hat's gelernt in ſeinem ſo eigenthümlich ſpaßhaft ge⸗ führten Kampf mit den hieſigen Altlutheranern. Ich denke, die altlutheriſchen Pfaffen und ihre Geiſtesverwandten, die Jeſuiten, würden gern den letzten Heller zu dieſer Collecte hergeben, um dieſen furchtbaren Feind los zu werden. E.· E lieber zu, und wollen ſelbſt gerne Schüler ſein, denn daß ſie ſollten den andern predigen; wollen nicht klug ſein, wie die Wäſcher, die nur dahin ihr Herz und Sinne wenden, daß ſie andere Leute lehren, ſie aber wollen niemand hören; und wie⸗ wohl ſie ſich zuweilen vor den Leuten geringe er⸗ zeigen, ſo haben ſie doch einen adamantiſchen Kopf und trotzigen Geiſt, der da niemand weichen will; ja kurzum, ſeine Meinung iſt die beſte, deß und kein anders. Die aber rechtſchaffen geringe ſind, die weichen gerne, und laſſen ſich weiſen in den rechten Verſtand, ja ſind froh, und danken darum, daß ſie zum rechten Verſtande kommen. Alſo ward Au guſtinus mit Gewalt herfürge zogen, wäre viel lieber unmündig und ein Schüler blieben, denn daß er andere ſollte lehren; aber e. mußte herfür treten, und der Gemeinde predigen. Darum iſt er auch der beſte Doctor geweſen zu ſeiner Zeit, und hat auch etwas mit ſeiner Lehre und Predigten ausgerichtet, mehr denn ihr keiner. Das ſind aber nicht die Kleinen, die da äußerlich im Leben und Wandel geringe und arm ſind, oder die da unverſtändig wären in der Schrift. Denn wenn die alſo grobe Klötze woll⸗ ten bleiben, nichts lernen, und ſich als die Unge⸗ lehrten für die Kleinen, Geringen und Unmündi⸗ gen wollten ausgeben, auch die, ſo in der Schrift erfahren wären, verachten wollten, das wäre nichts geredt. Ja, dieſelbigen hoffärtigen, ſtolzen Rülze ſind die rechten Klugen, die ſich inwendig groß empor heben, und viel von ſich ſelbſt halten, ver⸗ achten andere, und meinen, ſie wiſſen es alleine. Und darum verbirget es auch Gott vor ihnen, und will ſolchen hochmüthigen Stümplern diß Ge⸗ heimniß nicht offenbaren. Denn es mag wohl ſein, daß ein Bettler in einem grauen Filz und langen Barte einen hoffärtigeren Geiſt haben kann, denn etwa zehen Fürſten in güldenen Kleidern. Gott ſiehet das rechte, innerliche, demüthige Herz an, das ſich ſelbſt für verdammlich achtet, und allein aus Gnaden begehret Gottes Hülfe; denenſelbigen eröffnet auch Gott ſeinen Willen. Die aber klug wollen ſein vor Gott, und ihr Ding nicht wollen laſſen verdammen, dieſelbigen verwirft er. — Empfangen für den Bau einer Kirche der „Erſten deui⸗ ſchen Ev.-Lutheriſchen St. Paulus⸗-⸗Gemeinde“ in Chicago, Ill. Durch Hrn. P. W. Keyl von deſſen Gemeinde in Mil⸗ waukee, Wis., 511.50. A. Selle, Paſtor. Erhalten n) für das lutheriſche Seminar in Fort Wayne: 52.50 von der ev.-lutheriſchen Zions-⸗Gemeine bei Jef⸗ ferſon City. b) für die Miſſion am Fluſſe Cass in Mich. 51.00 von Herrn Paar. 32.00 von Herrn S. Koch. c) für die Synodal⸗-Miſſions⸗Caſſe: P1.00 von Hrn. Wendel Kautz in Cheſter Townſhip, O. 52.00 von der lutheriſchen Gemeinde in Pomeroy, Meigs County, O. P4.724 von Gemeindegliedern in St. Louis. Bezahlt. Die 2. Hälfte des 4. Jahrg. Hr. Pankow. Den 4. Jahrg. Die HH. Georg Bremer, P. Sauer. Die 1. Hälfte des 5. Jahrg. Die HH. Höckendorf und Stüber. Den 5. Jahrg. Die HH. P. Biltz, P. Birkmann, E. Beck, Georg Bremer, Frau Dieterly, A. Einwächter, P. Fricke, J. Fetting, P. Geyer, P. Habel, Jakob Hügley, P. Kalb (2 Ex.), Franz Leutner, Frau Lenz, Friedr. Leutner, J. H. Müller, Eberh. Muhly, C. Meyer, G. Niklas, Peh⸗ rel, Dietr. Pardieck, Th. Rückert, Wig. Rollmann, Rup⸗ pel, Joh. Strobel, G. M. Sus, J. G. Schneider, Thit⸗ meier, G. Trentmann, Joh. Heinr. Trautmann, H. Wie⸗ gel, Gottfr. Wiedemann, Joh. Weckeſſer, H. Wolf. Gedruckt bei Arthur Olshauſen, derausgeber des Anzeiger des Weſtens.