# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 11 24_S47 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) bberragen. garn zu fechten oder, nach andern Berichten, nach Mähren verlegt zu werden, ſo widerſetzten ſich 4 dieſelben und der Alarm wurde allgemein. Nach der Flucht des Kaiſers hat der in Wien verſam⸗ melte Reichstag ſich für permanent erklärt und die ausübende Gewalt einem aus lauter entſchiedenen Demokraten beſtehenden Ausſchuß aus ſeiner Mitte Was wird nun das Nächſte ſein? Unverbürgte Nachrichten klingen ſehr unheil⸗ 4 bringend. In Italien bereitet ſich ein Nationalcongreß vor, der in Rom ſich verſammeln und einen Bund aller italieniſchen Völker zum Zweck haben ſoll. Vom Pabſte hört man gar nichts mehr, weder böſes, noch gutes. In Baden entſtand im September abermals eine republikaniſche Bewegung, wurde aber bald wieder unterdrückt. Der Reichsverweſer hat nun ein Corps von 60,000 Mann aufgeboten und an die fünf gefährlichſten Punkte zur Aufrechthaltung der beſtehenden Ordnung vertheilt. Die däni⸗ ſchen Streitigkeiten ſind noch auf dem alten Punkte, doch ſollen friedliche Ausſichten vorhan⸗ den ſein. Als charakteriſtiſch für die Geſinnung der ſelbſt noch monarchiſchen Partei verdient er⸗ wähnt zu werden, daß man in dem neuen Ver⸗ faſſungsentwurf von Preußen die Worte: von Gottes Gnaden, ſtreichen will, weil jene Worte gegenwärtig ihren Sinn verloren hätten und ihre Beibehaltung unnütz, wenn nicht gefährlich, ſein würde. Somit will man ſich von der bibliſchen Lehre, daß die Obrigkeit Gottes Ordnung iſt, öf⸗ fentlich losſagen. Die Cholera iſt endlich auch in London und einigen andern Städten, auch in Edinburg und der Umgegend ausgebrochen. Ihr Erſcheinen an unſern Ufern iſt vielleicht nicht ſehr weit mehr entfernt. 2* „Die Worte, die Ich rede, die ſind Geiſt und ſind Leben.“ Joh. 6, 63. Dieſe Worte ſind viel Goldes werth. Gott hat ſeinen Heiligen Geiſt geordnet, daß er ordentlicher Weiſe komme durch das Wort, ſolches ſpricht Chriſtus ſelber an dieſem Ort. Darum, wenn dir etwas vorkömmt, das gleich noch ſo ſchön und heilig ſcheinet, daß du auch meinteſt, es ſei gar ein engeliſch Weſen, ſo nimm es doch vor dich und halte es gegen Gottes Wort, ſiehe, ob es in der heiligen Schrift gegründet ſei, und ob es Gott ge⸗ boten, geheißen und befohlen habe oder nicht. Iſt es allein ein bloßer Gedanke, eine ſonderliche An⸗ dacht und gute Meinung ohne Gottes Wort, ſo ſpeie es an. Dieweil Gott nun das Predigtamt beſtätiget hat, ſo hüte dich vor ſolcher Andacht und Gedanken, die der Teufel wohl kann anrichten, und wenn ſie gleich ſo ſüße wären, daß ſie große Mulden voll Thränen weineten. Du mußt wiſſen, welche Andacht böſe, und welche gut, natürlich oder geiſtlich ſei, denn ſie ſind alle miteinander faſt gleich, der Mönche Bücher ſind voller geiſtlicher Andacht geweſen, und da iſt mancher betrogen worden durch ſolche Andacht, denn ſie haben nicht können unterſcheiden noch ſchließen, welche Andacht recht, oder welche unrecht ſei, dieweil ſie das Wort Got⸗ tes nicht gehabt, und geſagt, ſie dürfen dem Hei⸗ ligen Geiſt nicht widerſtreben. Aber ich ſpreche: Ich will ihnen widerſtehen, wenn ſie das Wort „Gottes nicht haben. Denn St. Johannes in ſeiner erſten Epiſtel (4, 1. ff.) befiehlt, „man ſolle 4² alle Geiſter prüfen“ und urtheilen, und zuſehen, wer predige und was er lehre. Soll ich den Geiſt prüfen, ſo muß ich das Wort Gottes haben; das ſoll die Regel ſein, der Prüfeſtein, der Ly- dius lapis, das Licht, dabei ich erkenne, was ſchwarz oder weiß, gut oder böſe ſei, gleichwie die Sonne alles erleuchtet. Und wo das Licht nicht ſcheinet, ſo ſprich: Ich will es gern laſſen ſchön vor der Welt, auch köſtlich Ding ſein; aber daß es mir ſollte zu Gott helfen und von dem Tode mich erlöſen, da will ich es weder hören noch ſehen, wenn es mit dem göttlichen Worte nicht übereinſtimmt, wie ſehr es gleißen mag. Betrifft ſolche Andacht meiner Seelen Heil und Seligkeit, ſo will ich ſie anſpeien, mit Füßen treten, nicht leiden, hören noch ſehen; denn es iſt nicht Gottes Wort da. Darauf iſt die Predigt Chriſti geſtellet, da er lehret, ſeine Worte und Reden ſind Leben und Geiſt, daß, wenn die Meuchelprediger kommen, und rühmen vom Geiſt, und ſagen, daß ſie durch die Liebe und Geiſt zu predigen gedrungen werden, — daß wir dann zuſehen und nicht verführet mögen werden. Matth. 24, 24. Denn ſie ſagen wahrlich jetzt auch: „Ich meine es gut und mit aller Treue; Gott weiß vom Himmel, ich wollte meine Seligkeit für eure Seligkeit ſetzen.“ Aber ſprich du: Predige du den Gänſen, du biſt ein Teufel, laß mich mit deinem Geiſt unverworren; Chriſtus will nicht haben, daß ich hören ſoll, und ſpricht: „Der Geiſt macht lebendig“; wo ſind ich und du? „Meine Worte“, ſpricht er, „ſind Geiſt“; wirſt du ſie faſſen, ſo haſt du ihn. Du möchteſt vielleicht fragen: Wo machet der Geiſt lebendig? oder, durch was? wo ſoll ich ihn finden? Hier wird dir geantwortet: Halte dich zu meinen Reden und Worten; ſo du die faſſeſt, ſo haſt du den Geiſt. Alſo ſind die Worte Geiſt in dem, der da lehret und predigt, und auch in dem, der da zuhöret und gläubet; als viel er an dem Worte hanget, als viel iſt er Chriſt; da⸗ gegen als viel er Fleiſch hat und nicht gläubet, iſt er Fleiſch. Dr. M. Luther. Correſpondenz ans dem Hannover'ſchen vom 4. September. . . . Die Zuſtände ſind der Art, daß man, wenn man unſer von Gott ſo hoch begnadigtes Volk alſo geſchlagen in ſeinem Blute daliegen ſieht in den Händen der Mörder, wenn man ſieht, wie es nachhuret ſeinen Verderbern und den Gott nicht ſehen will, der ſeine Städte herrlich gemacht, ſo möchte man mit Jeremia ausrufen: Ach daß meine Augen Thränenquellen wären! Uebrigens, wenn man die Vergangenheit kannte, ſo iſt es ſchlimmer eben nicht geworden, ſondern der furcht⸗ bare Schade, der in den Eingeweiden wühlte und wüthete, iſt jetzt nur ausgebrochen, ſo daß gewiſſer⸗ maßen in dieſer Offenbarung des Schadens eine Erlöſung wenigſtens vergleichungs- und theil⸗ weiſe liegt. Unſer Volk iſt als ſolches als orga⸗ niſirte Nation jetzt erklärtermaßen von Chriſto ab⸗ gefallen, wir haben kein chriſtlich-deutſches Volk mehr, und die Einheit des Staates und der Kirche iſt thatſächlich aus. Ich gebe Dir Recht, das iſt eine Befreiung; denn wir hatten nur die Hülſe noch, das Weſen aber war längſt entflohen. Das kann aber nicht hindern, daß man mit Furcht der weiteren Entwicklung unſeres Lebens entgegen⸗ ſieht. Indeſſen die lutheriſche Kirche kann jetzt durch Goites Gnade Siege gewinnen; denn wenn ſie auch jetzt alle äußerlichen Stützen verliert — und hatte ſie deren eigentlich unter uns? — ſo kann ſie jetzt in ihrer eigenthümlichen Freiheit und Herrlichkeit, ohne auf Fleiſch zu vertrauen, ſich dar⸗ ſtellen, wenn auch unter entſchiedenſter Knechts⸗ hülle. Es wird ſich jetzt zeigen, und mir däucht, es zeigt ſich ſchon, wie gerade der lutheriſchen Kirche in ihrem gewiſſen Bekenntniſſe der einzige feſte Grund gegeben iſt, der das furchtbare Zer⸗ fallen und Wanken aller Verhältniſſe überdauert; dahingegen die leidige Union, die jedoch als Kind 2 des Polizeikirchenthums an demſelben ihre Haltung hatte, jetzt zerfallen wird und muß. Die kirchliche Verwirrung im Preußiſchen ſcheint unendlich zu ſein, und die ſeparirten Lutheraner ſcheinen denn doch am Ende die zu ſein, zu denen noch alle treue Glieder der Kirche, die innerhalb der Union waren, flüchten müſſen, und da werden jene dann ernten den Lohn ihrer Treue. Es iſt neulich in Gnadenberg bei Bunzlau in Schleſien eine zahl⸗ reiche Conferenz geweſen, die in dieſer Beziehung ein deutliches Zeichen der Zeit iſt.) Eine ent⸗ ſchiedene Abneigung gegen die Union und Hin⸗ neigung zum lutheriſchen Bekenntniſſe hat ſich da kräftig ausgeſprochen; es iſt da recht eigentlich die Wahrung des Lutheriſchen Gegenſtand und Zweck der Berathungen geweſen. Der junge Profeſſor Kahnis (früher in Halle, jetzt, wenn ich nicht ganz irre, in Breslau) hat beſonders entſchieden ſich ausgeſprochen, auch Profeſſor Oehler. Ein Brief von Harleß an die Ver⸗ ſammlung hat einen ſo mächtigen Eindruck ge⸗ macht, daß er zu wiederholten Malen hat vor⸗ geleſen werden müſſen. Zwar iſt man ſo weit noch nicht gekommen, mit den Separirten zu ver⸗ handeln, doch hat die Verſammlung durch Pro⸗ feſſor Kahnis dem Oberkirchencollegium in Breslau erklären laſſen, daß die Verhandlungen zwar noch nicht ſo weit gediehen ſeien, um das Verhältniß zu den Altlutheranern beſtimmen zu können, daß man ſich aber in Liebe, Hochachtung und Dankbarkeit für das, was ſie für die gute Sache gethan und gelitten, verbunden wiſſe. — Bei uns zu Lande in Hannover ſtehen die Sachen ſo, daß bis jetzt die Kirche in die revolutionäre Bewegung nicht hineingezogen iſt; wir haben zwar ſchon einen von einer Commiſſion aus⸗ gearbeiteten Entwurf zu einem Wahlgeſetze für eine demnächſt zuſammentretende berathende Synode, die die Umgeſtaltung der Verfaſſung der Kirche unter Presbyterial⸗ oder Synodalform in Berathung nehmen wird; indeſſen das iſt der ganz legale (geſetzliche) und nothwendige Weg. Gott gebe uns Gnade, daß in dieſer Synode Sein guter Geiſt ſiegt; wo nicht, ſollten vielmehr wider⸗ chriſlliche Maßregeln von unſern Kirchenobern beſtätigt werden, ſo würde alsbald der Kampf entbrennen und wir zur Entſcheidung gedrängt werden. Petri gibt ſeit Anfang Juni ein kirch⸗ liches Zeitblatt heraus. — Denke Dir, es iſt au ſchon der Vorſchlag gemacht, und zwar von Pro⸗ feſſor Dorner in einer kleinen Schrift, nach Analogie (Vorbild) der politiſchen Geſtaltung! eine deutſche Nationalkirche zu gründen; im Weſentlichen, wie mir ſcheint, läuft das Ganze auf eine Durchführung deſſen im Großen an, was man auf der verunglückten Preußiſchen General⸗ ſynode von 1846 beabſichtigte. Wir werden uns natürlich keinenfalls darauf einlaſſen. (Eingeſandt.) Die aus der Union in Preußen hervorgehende lutheriſche Kirche. So ſchreibt uns in dieſen Tagen ein Freund: Folgendes finde ich in den „Stimmen aus und zu der ſtreitenden Kirche“, Juniheft: Von den Bewegungen in der lutheriſchen Kirche der alten Provinzen (in Preußen) ſchreibt die Dorffirchenzeitung folgendes: ö *) Eine ähnliche Conferenz, ſo berichtet der D. Kirchen⸗ freund, fand auch unter dem Präſidium Dr. Heubners in Wittenberg ſtatt.