# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 02 22_S50 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 50 Im Gegentheil gingen sie mit um so größerer Begierde aufs Neue an's Werk. Darum that Gott ein neues Wunder. Eine Feuermasse fuhr aus der Tiefe herauf, verzehrte oder versengte die Arbeiter und zerstörte eine große Menge der Baumaterialien; und diese Feuersbrunst währte den ganzen Tag. Durch dies alles ließen sich einige Juden bewegen, Christen zu werden; sie bekannten, daß JEsus Christus der rechte Messias sei und daß er selbst den Wiederaufbau des Tempels vereitelt habe. Die meisten Juden aber blieben, so wie der Kaiser Julian, verstockt und verblendet und zogen voll Unmuths von Jerusalem hinweg. Seitdem ist nie wieder ein Versuch zum Bau des Tempels gemacht worden. Die christlichen Zeugen für diese wundervolle Begebenheit sind Rufin, in der Fortsetzung des Eusebius, Gregor von Nazianz, Ambrosius und Chrysostomus, welche alle um diese Zeit lebten. Ferner die drei Kirchengeschichtsschreiber Socrates, Sozomenus und Theodoret, welche im folgenden Jahrhunderte lebten. Mit diesen allen stimmt endlich nicht nur Julians Bericht selbst in seinem 25. Briefe, sondern auch ein anderer heidnischer Schriftsteller, Ammianus Marcellinus, in seiner römischen Kaisergeschichte überein,*) der sich in dem Gefolge Julians befand, und daher völlige Glaubwürdigkeit verdient, da er nie ein Freund der Christen war. Demnach hat diese Begebenheit so zuverlässige Zeugnisse für sich, daß man auch nicht die mindeste Ursache hat, sie zu bezweifeln; denn wollte man ja dem Berichte der Freunde nicht trauen, so läßt doch dies keinen Zweifel zu, daß selbst die Feinde unsere Geschichte erzählen. Wollen nun sogenannte starke Geister diese Geschichte dennoch bekritteln und Christen als leichtgläubige Leute verlachen, so mögen sie bedenken: um ihretwillen ist's nicht geschrieben, um ihretwillen wird's auch nicht verschwiegen. Christen aber wissen wohl, daß Gott auch heute noch, wie ehemals, Wunder thun kann, wenn er will, zur Bestätigung seines wahrhaftigen Wortes. Und dies thut er eben mit den erzählten Wundern; denn es sollte und mußte die Weissagung Christi von dem Tempel erfüllt werden, daß kein Stein auf dem andern bleiben und dies Haus wüste gelassen werden sollte. Ebenso wahrhaftig sind nun auch alle andere Worte der heil. Schrift; daher haben alle Bemühungen des Vaters der Lügen und seines Anhanges bis jetzt noch nicht ein einziges Wort der Bibel zunichte machen können und werden's auch ferner *) So schreibt der Heide Ammianus Marcellinus in seiner Hist. rerum sub Impp. Constantino, Juliano etc. gestarum, lib. 23. c. 1.: Quum itaque rei idem fortiter instaret Alypius, iuvaretque provinciae rector, metuendi globi flammarum prope fundamenta crebris assultibus erumpentes, fecere locum exustis aliquoties operantibus inaccessum; hocque modo elemento destinatius repellente cessavit inceptum.“ Das heißt zu deutsch: „Als daher Alypius das Werk eifrig betrieb und der Landpfleger es unterstützte, brachen nahe bei dem Grunde in wiederholten Ansätzen, furchtbare Feuerkugeln heraus, welche den Platz, nachdem einige Male Arbeiter von den Flammen verzehrt worden waren, unzugänglich machten: und auf diese Weise, da das Element so harten Widerstand leistete, mußte das angefangene Werk unterbleiben. nicht vermögen; sie selbst sammt ihrem Bau werden untergehen und ein Ende mit Schrecken nehmen, aber des HErrn Wort bleibet in Ewigkeit und alle, die erbauet sind auf den Grund der Apostel und Propheten, da JEsus Christus der Eckstein ist, auf welchem der ganze Bau in einander gefügt, wächst zu einem heil. Tempel in dem HErrn! „Die evangelische Kirche in Nordamerica.“ (Fortsetzung.) Nachdem wir den ersten Grund, den die Evangelischen hier im Westen für ihre Sache angeben, beleuchtet und, wie wir hoffen, überzeugend dargethan haben, daß schon Eine Heerde unter Einem Hirten entstanden und daß Christi Weissagung hiervon durch die Berufung der Heiden in sein Reich erfüllt sei und auf diese Weise noch täglich erfüllt werde bis an den jüngsten Tag: so kommen wir nun auf den zweiten Grund, den die Glieder des erwähnten Vereins zur Rechtfertigung ihres Vorhabens angeben. Es ist dieser: „Daß nach der ausdrücklichen Ermahnung des Apostels: „„Lasset nicht Spaltungen unter euch sein,““ für alle Christen überhaupt, insbesondere aber für die Lehrer und Repräsentanten der Kirche, die Verpflichtung besteht, die in derselben entstandenen Spaltungen nach Maßgabe der Verhältnisse und auf dem Wege friedlicher Uebereinkunft allmälig auszugleichen und das Getrennte wieder zu vereinigen.“ Wollten die Evangelischen hiermit sagen, daß es jedes Christen Pflicht sei, an seinem Theile zu thun, was er vermag, daß die rechte Union in der Wahrheit unter allen bisher durch Irrthümer von einander Abgesonderten zu Stande gebracht werde, so müßte freilich auch jeder nur vernünftige Mensch mit ihnen übereinstimmen. Aber das ist es nicht, um was es sich hier handelt. Die Evangelischen wollen hiermit vielmehr beweisen, daß die Union, wie sie sie gestiftet haben, durch das Wort des Apostels: „Lasset nicht Spaltungen unter euch sein,“ von Gott selbst geboten sei, und daß daher alle diejenigen Feinde der Einigkeit und Friedens- und Ruhestörer sein, die sich ihrem Werke widersetzen dürften. Leider müssen wir aber die Evangelischen auch hier wiederum eines Mißbrauchs des Wortes Gottes bezüchtigen; denn auch diese von ihnen angeführte apostolische Ermahnung ist, wenn wir sie in ihrem Zusammenhange betrachten, keinesweges für sie, sondern gerade ganz wider sie, ja sie ist ein rechtes Donnerwort gegen alle dergleichen falsche Unionsmacherei. Denn sie lautet, um sie noch einmal unseren Lesern vorzuführen, vollständig also: „Ich ermahne euch aber, l. Brüder, durch den Namen unseres HErrn JEsu Christi, daß ihr allzumal einerlei Rede führet und lasset nicht Spaltungen unter euch sein, sondern haltet fest aneinander in Einem Sinn und einerlei Meinung.“ (1 Cor. 1, 10.) Wird hier eine Union geboten, die, wie die Evangelischen sagen, durch menschliche „friedliche Uebereinkunft“ hergestellt wird? — Nein! sondern vielmehr eine solche, die darin besteht, daß man einerlei Rede führt in Einem Sinn und in einerlei Meinung, daß man also nicht durch wechselseitiges Nachgeben in den Glaubensartikeln, sondern durch gemeinsames strenges Festhalten an der Wahrheit vereinigt ist. Wird daher eine Kirche nicht durch Einen Glauben, Eine Lehre und Ein Bekenntniß ihrer Glieder gesammelt und ist sie nicht auf diesem Grunde vereinigt, sondern auf menschliche Friedfertigkeit, so beruht nach jenem Spruche eine solche Kirche schon auf einem unchristlichen Grundsatze, ist ein menschliches Machwerk und einem Kriegsheere gleich, in welchem zwar alle eine und dieselbe Uniform tragen, sich aber gegenseitig zu bekämpfen haben. Eine sichtbare Kirche ist eben nichts anderes, als eine Gesammtheit von Menschen, die sich darum äußerlich verbunden haben, weil sie eine und dieselbe Lehre im Herzen für wahr halten und mit dem Munde bekennen: wo das nicht einmal statt findet, da kann eine Gemeinschaft auf den Namen „Kirche“ gar nicht mehr Anspruch machen; sie ist in der That ein Unding, nicht eine Union, sondern eben nur eine Uniformirung. Sagt aber der Apostel nicht auch deutlich: „Lasset nicht Spaltungen unter euch sein? — Wohl sagt er dies; wehe daher dem, der diese apostolische, und darum göttliche Ermahnung verachtet und in der christlichen Kirche Spaltungen und Trennungen anrichtet! Wehe darum allen Störern des wahren Friedens im Hause Gottes! Aber was heißt denn Spaltungen anrichten? — Dieß kann nach Gottes Wort auf zweierlei Weise geschehen; erstlich, wenn man eine neue falsche Lehre aufbringt und dadurch die Glieder der rechtgläubigen Kirche von derselben losreißt (Röm. 16, 17.), oder zweitens, wenn man aus Lieblosigkeit, Personenhaß, Stolz, Eigensinn, um bloßer äußerlicher Ceremonien willen oder wegen Gebrechen im Leben u. dergl. sich von denen kirchlich absondert, mit welchen man doch einig ist in der reinen christlichen Lehre. Das Erste heißt in der heil. Schrift, eine Rotte oder Secte (ketzerische Gemeinschaft) machen, das andere heißt, eine bloße Spaltung oder Trennung (ein Schisma) machen (1 Cor. 11, 18. vergl. 1, 11 — 13.); die erstere stiftet der Ketzer, die andere der Separatist. Welche Art der Spaltung ist es nun, die zwischen Lutheranern und Reformirten besteht? Offenbar die erste Art; denn sie ist, wie alle Welt weiß, durch nichts anderes entstanden, als durch Uneinigkeit in der Lehre. Daß eine solche Spaltung entstanden ist, ist nun freilich nicht genug zu beklagen; sie hat nun schon 300 Jahre lang dem Reiche Gottes einen erschrecklichen unersetzlichen Schaden gebracht, aber wir fragen alle, die die Geschichte der Reformation nur ein wenig kennen: wer war der unselige Urheber dieser Spaltung und wer hat sie daher bei Gott zu verantworten? Nicht Luther, sondern allein Zwingli. Denn obgleich auch der