# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 06 29_S38 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Böſen, der Gläubigen und Ungläubigen, der Wahrhaftigen und Unwahrhaftigen, dem allge⸗ meinen Brauch und Mißbrauch aller ausgeſetzt iſt. Der Glaube aber nennt niemanden einen Heiligen, außer den, welcher durch eine göttliche Entſcheidung dafür erklärt iſt, weil des Glaubens Art iſt, nicht betrogen zu werden. Obwohl wir daher uns alle gegenſeitig für Heilige halten ſol⸗ len, nach dem Rechte der Liebe, ſo ſoll doch nie⸗ mand für einen Heiligen erklärt werden, nach dem Rechte des Glaubens, gleich als wäre es nemlich ein Artikel des Glaubens, daß dieſer oder jener ein Heiliger ſei, wie jener Widerwärtige Gottes, der Pabſt, ſeine Heiligen macht, von denen er doch nicht weiß, ob ſie es ſind, und macht ſich ſo ſelbſt zu Gott. (Luther in ſeiner Schrift: daß der freie Wille nichts ſei.) Ein Zeugniß Calvins für die ſogenannten Beichtmeldungen. Daß ſich die Schafe bei ihrem Hirten ſo oft perſönlich anmelden (sistant se), ſo oft ſie an dem heiligen Abendmahle theil nehmen wollen, weit entfernt, daß ich dagegen etwas ſagen ſollte, ſo wünſche ich vielmehr ſehr, daß dieſe Sitte all⸗ enthalben beobachtet werde. Denn wie diejenigen, welche in ihrem Gewiſſen gedrückt ſind, daraus einen beſonderen Nutzen ziehen können, ſo geben auch die, welche zu ermahnen ſind, ſo zu den nö⸗ thigen Ermahnungen Gelegenheit; nur muß dieſe Einrichtung weder mit Tyranney noch mit Aber— glauben verbunden ſein. (Instit. Chr. Rel. lib. III, c. 8. 528.) * * Luther über Zauberei und die ſogenannte Sympathie. (Siehe: Luthers Werke. Hall. VII, 1550 ff.) Ein greulicher Mißbrauch und Zauberei iſt es auch geweſen, daß man diß Evangelium Jo⸗ hannis: „Im Anfang war das Wort“, auf ein klein Zedlein geſchrieben, in einen Feder⸗ kiel oder ſonſt eingefaſſet, an Hals oder anderswo hin gehänget; item, wider den Donner und Wet⸗ ter lieſet; wie das im Pabſtihum iſt gebräuchlich geweſen. Wie denn auch die Zauberer derer Na⸗ men: JeéEſus, Maria, der vier Evangeliſten, Matthäus, Marcus, Lucas, Johannes, der hei⸗ ligen drei Könige; item der Wörter: IEſus von Nazareth, König der Juden, pflegen zu miß⸗ brauchen, treibens in ihrer böſen Büberei und Buhlerei. Das iſt daher kommen, daß die Gottloſen ge⸗ ſehen haben, daß die Apoſtel, ihre Jünger, und nach ihnen viel frommer Biſchöfe und Heiligen Wunder und Zeichen gethan, wenn ſie nur etliche Worte aus dem Evangelio geſprochen. Da nah⸗ men ſie auch die Wörter, und wollten alsbald der⸗ gleichen Zeichen darnach thun; wie die Juden von Chriſto auch ſagen, er habe durch das Wort Tetragrammaton (das Wort von vier Buchſta⸗ ben, welches im Hebräiſchen Gott bedeutet) Wunderzeichen gethan. Darum haben ſie gedacht, wenn ſie es ihnen ohne Glauben nachthäten, ſo 38 würde es auch geſchehen; wie Ap. Geſch. 19, 13. Lucas ein Exempel anzeucht. Aber noch lange nicht, Bruder, du macheſt ein Werk draus ohne Glauben. Eines Gläubigen und Ungläubigen Sprechen ſind gar ungleich, es iſt keine Kraft in den Worten, es ſei denn der Glaube da. Der Teufel fraget nichts darnach, wenn ein gottloſer Papiſt oder Zauberer eben der⸗ ſelben Worte braucht (es ſei denn, daß er Irr⸗ thum dadurch beſtätigen will), die ein Chriſt im Glauben ſpricht, da ers wahrlich nicht verachten kann. Und wenn du aus dem Glauben die Worte ſprichſt, ſo geſchieht dir nach den Worten; es geht nicht ohne große Frucht ab. Darum iſt ein großer Unterſchied zwiſchen dem, der im Glau⸗ ben ſolche Worte ſpricht, und einem andern, der Zauberei damit treibt. Ein jeder Zauberer giebt Heiligkeit für, ſaget: du mußt drei oder vier Pa⸗ ter noſter ſprechen, die Namen: IEſus, Maria, Lucas, Johannes; item, „das Wort ward Fleiſch“ ꝛc. führen. Ohne dieſe (und dergleichen heilige) Worte können ſie keine Zauberei ausrichten. Ja, ſagen ſie, ſinds doch gute Worte, in der heiligen Schrift gegründet? Deß danke dir der Teufel auf den Kopf! Sie ſind nicht dazu geordnet, daß du ihrer mißbrauchen ſollt, ſondern daß du daran gläubeſt, und in und durch den Glauben erlangeſt, was du willſt oder begehreſt. Daß du aber des Glaubens nicht achteſt und treibeſt Zau⸗ berei und dein Affenſpiel damit, das heißet ſchänd⸗ lich der Worte mißbraucht, und damit ge— zaubert. Simon Magus war eben ein ſolcher Geſelle; welcher, da er ſahe, daß der Heilige Geiſt ſich⸗ tiglich gegeben ward, wenn die Apoſtel die Hände auflegten, Ap. Geſch. 8., da wollte Simon den Apoſteln ſolches abkaufen, bote ihnen Geld an und ſprach v. 18. 19.: „Gebt mir auch die Macht, daß, wenn ich jemand die Hände auflege, der⸗ ſelbige den Heiligen Geiſt empfahe.“ Der fragte nichts nach dem Glauben, begehrete allein, daß er die Macht hätte, andern den Heiligen Geiſt zu geben, wollte es den Apoſteln abkaufen, ein ſol⸗ ches Werk ohne Glauben thun, und einen Han⸗ del oder Jahrmarkt draus machen, und Geld da⸗ mit erſchinden. Da ſprach ihm auch St. Petrus hart zu, ſagete zu ihm v. 20.: Der Teufel führe dich weg mit deinem Gelde! daß du verdammt werdeſt! Meineſt du, es gehe alſo zu, daß Got⸗ tes Gaben durchs Geld erlanget werden? Es gilt denen, die es gläuben, nicht denen, die es ſprechen ohne Glauben. Dieweil nun die böſen Buben geſehen haben, daß die heiligen Väter ſolche Worte gebrauchet, und ſich damit geſchützet haben, darum ſo haben ſie auch angefangen mit dieſen Worten zu zaubern. Guſtab Adolph. Der König ſoll im Geſetzbuch leſen ſein Leben⸗ lang, auf daß er lerne fürchten den HErrn, ſeinen Gott, daß er halte alle Worte dieſes Ge⸗ ſetzes und dieſe Rechte, daß er darnach thut (5 Moſ. 17, 19.). Als Guſtav Adolph im Lager vor Wer⸗ ben ſtand, blieb er einſt lange in ſeinem Zim⸗ mer allein. Der Hofrath Steinberg hatte ihm eine wichtige Nachricht mitzutheilen, und wagtr H es daher, die Thür ein wenig zu öffnen. Als er ſahe, daß der König mit der größten Aufmetk⸗ ſamkeit in der Bibel las, wollte er ſie leiſe wieder A zumachen. Indeſſen hatte ihn der König erblikt, und befahl ihm, herein zu treten. Steinberg ent⸗ ſchuldigte ſich, daß er den König in ſeiner Andacht . geſtört habe; der König aber ſprach: „Ich ſucht mich hier im Worte Gottes zu ſtärken, denn ich merke, daß der Teufel keinen Menſchen ſo feind⸗ ſelig nachſtellt, als denjenigen, die Gott allein für ihre Handlungen Rechenſchaft zu geben haben.“ Als Guſtav Adolph mit ſeiner Flotte glück⸗ lich die Seereiſe aus Schweden geendigt hatte, war er der Erſte, der an der pommerſchen Küſte an das Land ſtieg. Sobald er das Ufer betreten hatte, fiel er auf ſeine Kniee nieder, dankte Gol für die Erhaltung ſeiner Perſon und ſeiner Armer, und flehte ihn um Segen zu ſeinem Vorhaben an. Es war ein rührender Anblick für ſeine Offiziere, die, wie ſie an's Land ſtiegen, ſich um ihn her⸗ um ſtellten, als ſie ihren König, auf den Knieen liegend, beten hörten: „Gott, der Du über Him⸗ mel und Erde, über Wind und Meere herſſcheſt, wie ſoll ich dich preiſen, daß Du mich auf die⸗ ſer gefährlichen Reiſe ſo gnädig beſchützet haſt! O, ich danke Dir vom Grunde meines Herzens, und bitte Dich, zu dieſer Unternehmung, die ich nicht zu meiner, ſondern allein zu Deiner Ehre, zur Vertheidigung Deiner Kirche und zum Troſte der Gläubigen angefangen habe, Deine Gnade, Deinen Segen zu geben. Du SErr, der Du Herzen und Nieren prüfeſt, kenneſt die Lauterkeit meiner Abſichten. Du wolleſt auch gut Wetter und günſtigen Wind verleihen, damit ich meine noch zurückgelaſſene Armee mit fröhlichen Augen bei mir ſehen, und Dein heiliges Werk fortſetzen möge!“ Seine Offiziere konnten dabei die Thrä⸗ nen nicht zurückhalten, und als er ihre Rührung wahrnahm, ſagte er: „Weinet nicht, meine Freunde, ſondern betet mit aufrichtigem Herzen; je niehr Betens, deſto mehr Siegens; denn fleißig gebetet iſt halb geſiegt, der beſte Chriſt iſt immer der beſte Soldat.“ — Auf ſeinen Fahnen ſtanden mit gold⸗ nen Buchſtaben die Worte: „Iſt Gott für uns, wer mag wider uns ſein?“ (Röm. 8, 31. Nicht nur wenn er im Kriege etwas Wichtiges vorneh⸗ men wollte, ſondern auch im Frieden pflegte er oft aus dem 90. Pſalm zu beten: „HErr, kehre Dich wieder zu uns, und ſei Deinen Knechten gnädig! Fülle uns frühe mit Deiner Gnade, ſo wollen wir dich rühmen und fröhlich ſein unſer Leben lang!“ — Als er über Tilly den Sieg bei Leipzig erfochten hatte, und den Feind allenthal⸗ ben fliehen ſah, warf er ſich mitten unter den Todten und Verwundeten auf ſeine Kniee, und dankte Gott für den Sieg. Vor der Schlacht 3 bei Lützen, wo er ſein Leben verlor, hielt er noch mit der ganzen Armee eine Morgenandacht. Es wurden dabei die Lieder geſungen: „Eine feſte Burg iſt unſer Gott“, „Es wolle Gott uns gnä⸗ dig ſein“, „Verzage nicht, du Häuflein klein“, welches letztere der König ſelbſt verfertigt hatte. Der König warf ſich dabei auch wieder auf die Kniee, und betete mit inniger Andacht. Am „