# Der Lutheraner_Frankfurt am Main_September 1950_S69 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Nummer 9 September 1950 Seite 69 + Aus Kirche und Welt + Lutherische Freikirche in Finnland Präses A. Aijal Uppala (Wegelius) schreibt in einem Brief aus der Arbeit der kleinen lutherischen Freikirche in Finnland: In Finnland hat fast das ganze Volk schon vom Mittelalter her zu einer Kirche gehört. Zuerst herrschte hier die Papstkirche und dann eine lutherische Staatskirche. Ein jeder Bürger gehörte zur Kirche. Es ist auch jetzt fast also. Auch die Weltmenschen sehen es als eine selbstverständliche Lebensordnung an, daß sie zur Staatskirche gehören. Das macht kirchlich nichts aus, was diese Bürger glauben oder nicht glauben. Diese Freiheit haben auch die Pastoren und die theologischen Professoren. Vor etwa 100 Jahren bildeten im Lande die fester konfessionellen lutherischen Christen eine eigene Richtung . Diese schlossen sich später zu einem Verein zusammen . Andere Richtungen führten zu andern Vereinen . Diese Art Religiosität ist dem „Fleisch und Blut“ sehr angenehm. Die Staatskirche begünstigt diese Vereine der verschiedenen Richtungen, weil diese in der indifferenten Kirche bleiben. Die Vereine begünstigen wieder die Staatskirche, weil sie nicht die volle kirchliche Verantwortung über ihre Glieder tragen wollen. Die Kirche aber läßt jeden glauben und leben, wie er will. Niemand ist also verantwortlich für irgend etwas. Dieser Zustand ist ein entschiedener Feind aller konfessionellen Kirchlichkeit. Alle Gemeinschaftssachen werden nicht nach Lehre und Bekenntnis, sondern nach besseren Tätigkeitsmöglichkeiten beurteilt. Erst seit 1920 hörten wir, daß anderswo, im Auslande, konfessionelle, treulutherische Gemeinden und Synoden bestehen. Dies war uns eine unaussprechlich wunderbare Entdeckung. Nun lernten auch wir in Finnland die vollen Rechte und Pflichten der Christen kennen, und deshalb entstanden unsere freien lutherischen Gemeinden seit 1923. Aber es waren nur sehr wenige, die sich uns anschlossen. Von seiten unsers alten Vereins erhielten wir den härtesten Widerstand. Unsere Gemeindeglieder wohnen sehr zerstreut — meistens nur eine Familie auf ihrer Ortschaft. Die größte Gemeinde hat nur 14 Familien, die auf derselben Ortschaft wohnen. Jetzt nach dem Kriege wurde es uns möglich, unser erstes Kirchgebäude als Zentralhaus für unsere Tätigkeit zu bauen. Anfänge der lutherischen Freikirche in Brüssel, Belgien Als das neue Gemeindlein in Brüssel am 19. März dieses Jahres das Gottesdienstlokal einweihte, waren auch sämtliche Pastoren unserer Freikirche im Elsaß erschienen, um der Gründung dieser Gemeinde beizuwohnen . Herr P. Lambert Hellings und ein gut Teil seiner Gemeinde aus Antwerpen waren auch erschienen , so daß die Zuhörerschaft aus über 90 bestand. Wie ist es dazu gekommen, daß wir in Brüssel beginnen konnten? P. C. H. Hobus, der dieser neuen Gemeinde vorsteht, war während des Krieges Feldgeistlicher für die Methodisten. Er wurde bekannt mit Herrn Van der Geynst, der früher der katholischen Kirche angehörte , aber in der Kriegsgefangenschaft mit der lutherischen Lehre bekannt wurde, die ihm das Herz gewann. Herr Van der Geynst ist Fleischermeister in Elouge, Süd⸗Belgien. Aber er hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, das liebe Evangelium zu bekennen, wo immer er Gelegenheit hat. Er hat sich von Herrn Präses Fritz Kreiß in Paris alle Zeitschriften der Elsässischen Freikirche kommen lassen, einschließlich des französischen Katechismus, den Pastor Kreiß vor Jahren übersetzt und herausgegeben hat, und teilt nun überall aus. So hat er auch Herrn Pastor Hobus an Präses Kreiß gewiesen, und Gott hat ihn zu uns gezogen . Auch das edle Werk der Lutheran Hour über Luxembourg hat viel dazu beigetragen, daß Pastor Hobus mit unserer Lehre bekannt wurde. So erfolgte denn bald sein Austritt aus der Methodistengemeinschaft , und nun steht er der jungen Gemeinde zu Brüssel vor. „Lutheraner“ (St. Louis, Mo.) Weibliche Pfarrer in Schweden Eine Kommission, die unter dem schwedischen Bischof die Zulassung von Frauen zum kirchlichen Amt studiert hat, hat mit 7 gegen 4 Stimmen beschlossen, die Frau zum kirchlichen Dienst heranzuziehen. Die Mehrzahl der Kommission ist der Ansicht, daß die Frau als Pfarrer gewählt werden dürfe und sogar Bischof oder Erzbischof werden könne. Allerdings muß in einer Gemeinde , wo sie amtiert, auch noch ein männlicher Pfarrer sein. (Nachrichtendienst des Presseverbandes der EK i. Rh.) Das ist gegen Gottes Wort, vergl. I. Kor. 14, 33—35. Die Frau hat ihren wichtigen Dienst in der Gemeinde, aber er ist anderer Art. Was Gottes Wort geordnet hat, wird nur zum Schaden der Kirche geändert. Hch. St. Unfrieden in Israel Die politischen Ereignisse in Palästina, die Aufteilung des Landes zwischen Juden und Arabern und die Errichtung des neuen Staates Israel haben Unfrieden und Aufruhr ins Land gebracht. Der „Australian Lutheran “ schreibt: „Das heilige Land ist wieder im Scheinwerferlicht der Weltöffentlichkeit, so wie es vor 2000 Jahren war. Das Land, in welchem der Friedefürst geboren wurde, ist jetzt der Ort schwerster Spannungen. Menschenmengen bevölkern wieder die Wege, aber nicht, um in ihre Heimatstadt zu gehen, „um sich schätzen zu lassen“, wie in den Tagen des Kaisers Augustus, sondern weil sie aus ihren Städten und Häusern verjagt sind. Es sind Flüchtlinge. Die internationale Politik bestimmte, daß das Land einer neuen Nation gehören sollte, und Tausende von Arabern, welche seit Generationen dort wohnten, werden vertrieben, ohne etwas mitnehmen zu können. Viele dieser Araber sind gegen das Christentum verbittert . Wenn die Vereinigten Staaten ein christliches Land sein wollen und diese Zustände hier billigen, dann wollen wir vom Christentum nichts wissen, so sagen sie. Die lutherische Kirche hat vielleicht am meisten getan, um diese Verbitterung gegen das Christentum zu lindern. Gaben an Kleidung, Lebensmitteln und Medizin wurden durch das Lutheran World Relief nach Palästina für die arabischen Flüchtlinge geschickt und machten einen tiefen Eindruck auf die zuerst feindseligen Herzen“. In Jerusalem, der heiligen Stadt, sind Stacheldrahtverhaue und Straßenkämpfe. Die Stadt soll international werden, aber jede Partei beansprucht sie für sich. Ebenso wird von inneren Kämpfen des jüdischen Volks beim Aufbau des neuen Staates berichtet. Der Religionsminister versucht, den früheren Hohen Rat oder das Synedrium, das bis zur Zerstörung Jerusalems Anno 70 bestand, wieder ins Leben zu rufen. Man meint, daß diese Versammlung von 70 Gelehrten die Möglichkeit hätte, die Vorarbeiten für eine Staatsverfassung zu leisten. In dem augenblicklichen Parlament des Staates Israel, der sogenannten Knesseth, sind verschiedene Strömungen. Die einen wollen das alttestamentliche Gesetz Moses bzw. den Talmud zur Grundlage der staatlichen Gesetzgebung machen. Die andere liberale Richtung macht geltend, daß z. B. die alttestamentlichen Sabbatgebote im modernen Leben undurchführbar seien und haben einen weltanschaulich völlig anderen Standpunkt. Interessant ist eine Notiz aus dem „Überblick“: „Es ist nicht unbekannt, daß die Regierung Israels eine Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit dem Vatikan sehr begrüßen würde, weil eine solche, obwohl die römisch⸗katholische Kirche in Israel nicht zu den stärksten Kirchengemeinschaften gehört, ihre moralische Autorität international sehr vergrößern würde“. Augenblicklich gibt es in Israel etwa 50 000 Christen, während es vor der Teilung (1943) in Palästina rund 143 000 waren. Über die Zukunft Israels sind mancherlei verkehrte und schwärmerische Gedanken laut geworden. Nach den Aussagen des Apostels Paulus Römer 11, 9—11 über die Zukunft seiner Brüder nach dem Fleisch ist gewiß, daß die Lehre einer allgemeinen Bekehrung Israels zu Christo ein leerer Traum ist, daß die Mehrzahl dieses Volkes, wenn es überhaupt noch auf einen Messias wartet, dieselben fleischlichen Gedanken hat wie vor 2 000 Jahren, daß Gottes gerechtes Gericht über dies Volk ergeht um seiner Verstockung willen, daß aber ein Rest nach der ewigen Wahl Gottes gerettet und selig wird. Hch. St. Mit der Wahrheit kommt man am weitesten Arnold Wiehemeyer war ein junger Kaufmann mit glänzenden Fähigkeiten. Aber er geriet in schlechte Gesellschaft und hatte sich zu Unterschlagungen hinreißen lassen. Zwei Jahre Gefängnis waren die Strafe. Sie wurden ihm zum Segen. Oft hat ihn der Gefängnisgeistliche in seiner Zelle besucht und manches ernste Gespräch mit ihm gehabt. Bei seiner Entlassung versprach Wiehemeyer dem Gefängnisseelsorger, stets bei der Wahrheit zu bleiben. Es dauerte nicht lange, bis er auf die Probe gestellt wurde, ob ihm dieses Versprechen ernst gewesen sei oder nicht. Denn bald stand er vor einem Bremer Kaufherrn, um sich für den Posten eines Buchhalters zu melden. Er hatte vorzügliche Zeugnisse vorzuweisen. Nur die zwei Jahre fehlten. Die gefürchtete Frage kam: „Wo waren Sie in den zwei Jahren?“ Der Teufel gab ihm ein, er möge sagen, er sei im Auslande gewesen oder habe sich auf einen anderen Beruf vorbereiten wollen. Aber Gott ließ ihn denken an sein dem Gefängnisgeistlichen gegebenes Versprechen und er gab dem Kaufmann die kurze Antwort: „Im Gefängnis!“ „Dann allerdings kann ich Sie natürlich nicht anstellen!“ meinte der Kaufmann und reichte ihm die Papiere zurück. Aber er konnte doch die Frage nicht unterdrücken : „Aber sagen Sie mir: warum haben Sie mir das gesagt?“ „Ich habe es meinem Seelsorger im Gefängnis versprochen, immer nichts als die Wahrheit zu sagen!“ Darauf der Kaufmann: „Wollen Sie in meinem Betrieb ebenso zu Ihrem Worte stehen, wie Ihrem Seelsorger gegenüber?“ „Ja.“ Er erhielt die Stelle, kam gut vorwärts und hat später dem Gefängnisseelsorger den Vorgang erzählt. Es bleibt dabei, daß die Wahrhaftigkeit eine der Grundtugenden des Menschen ist. Immer wieder erfährt man es: Lügen haben kurze Beine, dem Wahren und Aufrichtigen läßt es der Herr gelingen! Fr. Bell Bibellesen in der Gemeinde Ein junger lutherischer Pfarrer — wo das ist, spielt hier keine Rolle — hatte sich vorgenommen, mit Gottes Hilfe „das Buch“ in die Hände und Herzen seiner Gemeindeglieder zu bringen. Zunächst machte er Besuche von Haus zu Haus und sprach mit den Familiengliedern in freimütiger und gewinnender Weise über die Notwendigkeit rechter Bibelkenntnis und planmäßigen Lesens in der Schrift. Dann gewann er die verschiedenen Gruppen und Vereine für seinen Plan und wies auch jeden Sonntag im Gottesdienst kurz darauf hin. So erreichte er es, daß in seiner kleinen Gemeinde von 50 Familien 40 Familien mitmachten und im Familienkreis jeden Tag den vom Pastor angegebenen Bibelabschnitt lasen. Es war bald in der Gemeinde ein Fortschritt in der Erkenntnis und im christlichen Leben zu spüren. Manche äußerten sich: „Ich weiß jetzt mehr von der Bibel als je zuvor“. Ein junger Mann sagte: „Ich kann nun meinen Glauben viel besser verteidigen und auch Bibelstellen für meine Behauptungen anführen“. Eine Mutter äußerte: „Wir merken in unserer Familie , daß Gottes Wort mehr regiert“. Der Pastor schrieb an einen Amtsbruder: „Ich habe festgestellt, daß ein Bibellese⸗Plan sehr viel dazu hilft, das große Ziel unserer Kirche zu verwirklichen: die Familie wirklich christlich zu machen“. (Aus einem lutherischen Blatt) Gottes Namen nicht vergeblich führen Die Schwiegermutter des Pfarrers Oberlin hatte die üble Gewohnheit, häufig in unbedachter Weise den Namen Gottes in den Mund zu nehmen. Bei jeder Erregung glitt ein „Ach Gott!“ über ihre Lippen. Schon lange sann Oberlin darüber nach, wie er sie von dieser Untugend kurieren könne. Eines schönen Tags nun saß sie in der Gartenlaube, und Oberlin ging zwischen den Kohlkräutern spazieren. „Schwieger⸗