# Der Lutheraner_Frankfurt am Main_September 1950_S67 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Nummer 9 September 1950 Seite 67 Es entstanden in der jungen Kirche innere schwere Kämpfe zwischen unionistischen, lareren und strenger lutherischen Strömungen. Missouri verweigerte die Abendmahlsgemeinschaft und zeugte ernst gegen die Wisconsiner. Da erweckte Gott treue, gut lutherisch gesinnte Männer, wie den zweiten Präses der Synode, Pastor J. Bading, die gelehrten und entschiedenen Professoren A. Hönecke und A. Ernst, die sich mit heiligem Eifer und Mut gegen alles unlutherische Wesen wandten. Der junge Präses Bading stellte vor der Synode mit tiefer Bußfertigkeit und Offenheit die Schäden an den Tag und schloß: „Diese Ungereimtheiten, werte Amtsbrüder und Glaubensgenossen, müssen aufhören “. Prof. Hönecke hat ähnlich wie Prof. Walther in Missouri in seinen dogmatischen Vorlesungen und seiner Dogmatik Gottes Wort und Luthers Lehr mit herrlicher Klarheit bezeugt. So ist es diesen treuen Männern gelungen, ihre Synode zur Klarheit und Festigkeit zu führen. Eine Folge war, daß am 22. Oktober 1868 in Milwaukee ein Lehrgespräch zwischen Vertretern der beiden Kirchen stattfand, die volle Übereinstimmung festgestellt und mit Lob und Dank gegen Gott die gegenseitige Anerkennung und Kirchengemeinschaft erklärt wurde. Im Jahre 1872 wurde die Synodalkonferenz in der St. Johanneskirche ebenfalls in Milwaukee gegründet. So haben nun die beiden Schwesterkirchen über 80 Jahre lang in treuer Verbundenheit gearbeitet. Sie haben sich nicht organisch zusammengeschlossen — das war ihnen nicht die Hauptsache — aber jede Kirche hat an ihrem Ort ihr Werk getan. Später haben sie auch gemeinsame Werke aufgenommen, wie die so reich gesegnete Heidenmission in Nigerien , Afrika. Sie wetteiferten miteinander in der schweren Pionierarbeit unter den zerstreuten deutschen Einwanderern, in innerer und äußerer Mission. Nach 100 Jahren. Ein Jahrhundert ist vorüber gegangen, seit jene deutschen Lutheraner ihre ersten Kirchen in der neuen Heimat bauten. Die Zeit der Alten ist vorbei; die neuen Geschlechter sprechen nicht mehr die Muttersprache der Väter. Sie sind „amerikanisch“ geworden. Sie bauen große, prächtige Kirchen, umfangreiche Lehranstalten und Hochschulen, Wohltätigkeitsheime und Verlagshäuser. Sie haben einen ungeheuren Eifer für die Ausbreitung des Reiches Gottes und ihrer Kirche, sie schicken Missionare in alle Welt, sie predigen in der „Lutherischen Stunde“ im Rundfunk auf über 1000 Sendern vielen Millionen Menschen das Heil in Christo. Haben aber diese lutherischen Kirchen in Amerika noch das alte, unverfälschte Gotteswort in seiner Kraft und kristallenen Klarheit ? Die Geschichte der lutherischen Kirche, auch der in Deutschland, zeigt, wie schnell es dem Teufel gelingen kann, eine Trübung und Abschwächung der gesunden Lehre zu bewirken . Es ist heute gefährliche Zeit für die Kirche Luthers. Das große Feldgeschrei der Kirchen der Welt ist: Vereinigung um jeden Preis — Ausbreitung der Kirche und ihres Einflusses in der Welt — politisches Christentum — ökumenisches Christentum! Hier liegen oft so geschickt getarnte falsche Parolen, soviel Vermischung von Wahrheit und Lüge, daß es schwer ist, nüchtern und bei der rechten lutherischen Grundlinie zu bleiben. Je größer eine Kirche wird, je mehr sie aus einer gewissen Isoliertheit an die Öffentlichkeit tritt, desto größer ist die Gefahr. Diese Versuchung erfährt auch die Missourisynode. Wie sollte sie nicht? Einer der letzten Amerikabesucher aus Deutschland, Lic. W. Schmidt, München, lobt die Missourisynode, daß sie beides, die Treue in der Lehre (Verbalinspiration, Stellung zum Bekenntnis) und die starke Lebendigkeit der Gemeinde bewahrt habe, glaubt aber, daß sich z. B. die Lehre von der Verbalinspiration bei einer größer werdenden Kirche auf die Dauer nicht werde halten lassen . Auch praktische Fragen, die an das Bekenntnis rühren, wie Zusammenschlüsse aller lutherischen Synoden, oder wenigstens Zusammenarbeit in äußeren Fragen, zeigen eine Menge Gefahrenpunkte, wo auch in der Missourisynode verschiedene Meinungen zu Tage treten und wo hart gestritten wird. In dieser Situation gewahren wir etwas sehr Schönes: Die Wisconsinsynode, die infolge ihrer minderen Größe und größerer bisheriger Isolierung weniger diesen Gefahren ausgesetzt zu sein scheint, hilft der Schwesterkirche durch treuen Rat und Warnung. In der Zeitschrift der Missourisynode „The Lutberan Witneß“ schreibt einer der Herausgeber unter der Überschrift: „Eine brüderliche Warnung durch einen Bruder der Wisconsinsynode “ zu einem Aufsatz Prof. Lehningers im Gemeindeblatt der Wisconsinsynode u. a.: „Prof. Lehninger erinnert dankenswerter Weise an den heilsamen Einfluß, den Missouris fester Standpunkt in der Lehre auf die Väter der Wisconsinsynode hatte, welche dadurch von ihren früheren unionistischen Bindungen auf eine gesunde lutherische Stellung ausgerichtet wurden ... Professor Lehningers brüderliche Warnung an seine Brüder von der Missourisynode ist wohl angebracht, es ist unsere Christenpflicht , unsere Brüder zu warnen, welche wir in Gefahr zu sehen glauben, daß sie in Irrtum fallen. Außerdem ist es einer der Zwecke der Synodalkonferenz gemäß ihrer Verfassung: Die gegenseitige Stärkung im Glauben und Bekenntnis; Förderung der Einigkeit in Lehre und Praxis und die Beseitigung irgendeiner drohenden Störung derselben.“ So sehen wir, wie diese beiden lutherischen Schwesterkirchen sich gegenseitig den unschätzbaren Dienst der Fürbitte, der Ermunterung auf dem rechten Weg und der Warnung vor Abwegen erwiesen haben und noch erweisen. Das ist der tiefste Sinn und die köstlichste Frucht jeder rechten Glaubens⸗ und Kirchengemeinschaft . Möge dieser Dienst unter allen unseren in Glaubensgemeinschaft verbundenen Kirchen in Amerika, in Deutschland und wo es auch immer sein möge, untereinander in Demut und Festigkeit erwiesen und dankbar angenommen werden, wie Luther in seinem Katechismuslied zum heiligen Vater Unser zur fünften Bitte betet: „zu dienen mach uns all bereit in rechter Lieb und Einigkeit.“ Hch. St. Gottes⸗feinde als Gottes⸗zeugen Sollte man das für möglich halten? Und doch gibt es immer wieder ergreifende Gotteszeugnisse ganz gottloser, ungläubiger, ja gottesleugnerischer Menschen. In der Bibel hören wir den Jesusfeind Kaiphas sagen: „Es ist besser, ein Mensch sterbe für das Volk...“ und tiefsinnig fügt Johannes hinzu : „Dieweil er des Jahres Hoherpriester war, weissagte er.“ — Das bekannte Wort des Gottesfeindes Nietzsche: „Die Christen müßten erlöster aussehen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte!“ hat man genannt: In 2000 Jahren das tiefste, treffendste Kritikwort an dem landläufigen Leben der Christenheit. Nun steht in einem merkwürdigen, aufrüttelndem Buch, der Lebensbeschreibung eines englischen Missionars, Karl Studd (Karl Studd, ein Bote Gottes, Verlag Friedrich Reinhardt, AG. Basel), der in China und im afrikanischen Kongogebiet im Segen wirkte, ein Zeugnis eines Atheisten (Gottesleugner ), das dem jungen Studd tiefen Eindruck machte. Die Worte, die auch heute beherzenswert sind, lauten: „Wenn ich fest daran glaubte, woran angeblich Millionen glauben, daß unser Schicksal im künftigen Leben abhängig sei von der Religion, die wir in diesem Leben gehabt und durch die Tat bewährt haben, dann würde Religion mir schlechterdings alles bedeuten. Dann wären irdische Freuden Unrat, irdische Sorgen Torheit , irdische Gedanken und Gefühle Eitelkeit . Ich würde das alles von mir werfen. Religion sollte mein erster Gedanke sein beim Erwachen, mit religiösen Vorstellungen sollte mein Geist beschäftigt sein bis zu dem Augenblick , wo der Schlaf das Bewußtsein versenkt. Nur für die Religion würde ich arbeiten. Auf die Ewigkeit allein würde ich alle meine Gedanken richten. Wenn ich eine Seele für das ewige Leben gewinnen könnte, so würde ich das für einen Gewinn erachten, der an Wert alle Leiden dieser Zeit aufwöge. Der Gedanke daran, welche irdischen Folgen mein Reden oder Tun haben könnte, sollte niemals mir die Hand lähmen oder den Mund verschließen . Die Erde mit ihrer Freude und ihrem Gram sollte keinen Augenblick mehr meine Seele beschäftigen. Ich würde mich bemühen, nur auf die Ewigkeit zu schauen und auf die unsterblichen Seelen um mich, die nun bald für immer selig oder für immer verloren sein würden. Ich würde in die