# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 06 29_S33 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Bedigirt von C. F. W. Walther. Der Cutheraner. „Gottes Mort und Luthers Kehr' vergenet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten. gahrgang 5. t. Louis, Mo., den 31. October 1848. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jahrlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. heber einige nöthige Stücke, die bei der Privatſeelſorge in Betracht kommen. Eine Predigt, während der Sitzungszeit der deutſch⸗evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und andern Staaten zu St. Louis, in der Immanuelskirche gehalten den 29. Juni 1848 von G. H. Löber, Paſtor zu Altenburg, Perry Co., Mo. ) Gnade, Barmherzigkeit und Friede von Gott, unſerm Vater und von unſerm HErrn IEſu Chriſto. Amen. Geliebte im HErrn Chriſto! Inſonderheit theure und geliebte Anitsbrüder! Die öffentliche Predigt, worin wir einer ganzen Verſammlung das Wort Gottes verkündigen, iſt allerdings ein ganz beſonderer Haupttheil des theuern Amtes, das uns befohlen iſt. Dieſe Pre⸗ digt iſt das öffentliche Zeugniß, wodurch Freunde und Feinde in regelmäßig geordnetem Vortrag den ganzen Rath Gottes zu ihrer Seligkeit ver⸗ nehmen können. Dieſe Predigt iſt darum auch gleichſam der Mittelpunkt des ganzen öffentlichen Gottesdienſtes, ſo wie ſie auch die Grundlage der heiligen Sacramente iſt, welche der barmherzige Gott als die Gnadenſiegel zu ſeinem Worte hin⸗ zufügt. Wer vermag es nur einigermaßen, die reichen Segnungen in himinliſchen Gütern zu überſehen, welche an jeglichem Sonn⸗ und Feſttag durch den Mund aller rechtſchaffenen Prediger an heiliger Stätte ausgetheilet werden! — „Wie lieblich ſind auf den Bergen die Füße der Boten, die da Friede verkündigen und Gutes predigen!“ So ruft ſchon Jeſaias im alten Bund mit freudiger Ver⸗ wundrung aus, wenn er von der Predigt des Evangeliums weiſſagt, die in den ſeligen Zeiten des Neuen Bundes laut und öffentlich von Berg zu Berg, von Land zu Land ertönen und unter allen Völkern wiederhallen ſollte. Wie wurden gleich durch die erſte Predigt nach der Ausgießung des Heiligen Geiſtes bei 3000 Seelen zum ſelig⸗ ) Dieſe Predigt wird hier auf ausdrückliches Verlangen der Synode, vor welcher ſie gehalten worden iſt, mitgetheilt. D. R. machenden Glauben an Chriſtum gebracht! Und wie unzähligemal hat Gott dem Donner ſeines Worts auch ſpäterhin die Kraft verliehen, daß ganze Schaaren von Zuhörern vielleicht durch ein einziges Zeugniß der Wahrheit von der Finſterniß zum Licht und von der Gewalt des Satans zu Gott bekehret wurden. Und wenn auch oftmals viele ſolche Zeugniſſe überhört, ja von einem großen Theile der Menge in Unglauben verwor⸗ fen, oder von Solchen, die einſt glaubten, wieder verleugnet wurden, ſo ſoll doch auch jetzt noch das reine und lautere Wort, das in der Gemeinde des HErrn, wie von dem Einzelnen geleſen und be⸗ trachtet, ſo von Kanzel und Altar verkündigt wird, nicht leer zurück kommen, ſondern allenthalben, wenigſtens an Etlichen ausrichten, wozu es ge⸗ ſendet iſt. Haben wir darum, geliebte Brüder, den großen Troſt, daß der werthe Heilige Geiſt durch das Wort auch unſerer Predigt wirkſam ſei und das Gnadenreich Chriſti auch in dieſem Lande immer weiter ausbreiten will, ſo iſt es allerdings auch eine unſerer vornehmſten Aufgaben, daß wir durch das Vermögen, das Gott darreicht, allen Fleiß auf unſere Predigten wenden, damit der gute und gnädige Wille unſers Gottes immer beſſer dadurch erreicht werde, daß die Unwiſſenden belehrt, die Unbußfertigen geſtraft, die Irrenden zurecht ge⸗ wieſen, die Gläubigen geſtärkt, die Traurigen ge⸗ tröſtet, und alle, die uns hören und das Wort annehmen und bewahren, ſelig werden können. Soll aber das geſchehen, ſo dürfen wir es nicht blos bei der öffentlichen Predigt bewendet ſein laſſen, ſondern müſſen auch der einzelnen Seelen, die uns anvertraut ſind, mit aller Treue wahrnehmen, daß wir ihnen, ſo wie öffentlich, ſo auch ſonderlich das Wort des Heils verkün⸗ digen und die heilige Sorge tragen, daß dies Wort von einem Jeglichen recht verſtanden, recht geglaubt, recht bewahrt und wie zu einem from⸗ men Leben, ſo zu einem ſeligen Ende angewendet werde. Und von dieſer Privatſeelſorge, welche nächſt der öffentlichen allgemeinen Predigt uns ebenfalls als ein Haupttheil unſers theuern Am⸗ tes befohlen iſt, ſoll nun nach dem mir gewordenen Auftrage jetzt weiter gehandelt werden. „Je mehr ich aber den Umfang und die Schwie⸗ rigkeiten dieſes wichtigen Gegenſtandes erwogen habe, deſto mehr habe ich in Aufrichtigkeit des Herzens gewünſcht, vielmehr Andere meiner hier anweſenden, werthgeſchätzten Amtsbrüder von die⸗ ſer Sache reden zu hören. Was ich indeſſen aus dem Worte unſers HErrn, welches ja allein auch über die rechte Seelſorge den einzigwahren Unter⸗ richt ertheilen kann, als einige weſentliche Haupt⸗ punkte aus dem weiten Gebiete dieſes Gegenſtan⸗ des erkannt habe, das will ich Euch nach meiner Schwachheit unter dem Gnadenbeiſtand Gottes jetzt kürzlich vorlegen. Dasjen ige Capitel der heiligen Schrift, welches mir zur Wahl des Tertes vorgeſchlagen worden iſt, iſt das 20ſte der Apoſtelgeſchichte und nament⸗ lich darin die bereits vorhin verleſene treffliche Abſchiedsrede des Apoſtels Paulus, worin er den Aelteſten von Epheſus ſeine letzten Ermahnungen ertheilt. Aus dieſer Rede heben wir für jetzt den Abſchnitt von Vers 28—32 heraus, welcher alſo lautet: „So habet nun Acht auf euch ſelbſt und auf die ganze Heerde, unter welche euch der Heilige Geiſt geſetzet hat zu Biſchöfen, zu weiden die Gemeinde Gottes, welche er durch ſein eigen Blut erworben hat; denn das weiß ich, daß nach meinem Abſchiede werden unter euch kommen greuliche Wölfe, die der Heerde nicht verſchonen werden. Auch aus euch ſelbſt werden aufſtehn Männer, die da ver⸗ kehrte Lehren reden, die Jünger an ſich zu ziehen. Darum ſeid wacker und denket daran, daß ich nicht abgelaſſen habe drei Jahre, Tag und Nacht einen jeglichen mit Thränen zu ermahnen. Und nun, lieben Brüder, ich befehle euch Gott und dem Worte ſeiner Gnaden, der da mächtig iſt euch zu erbauen und zu geben das Erbe unter allen, die ge⸗ heiligt werden.“ Schon einige Verſe vor dieſem Abſchnitt hatte der Apoſtel bezeugt, daß er „öffentlich und ſon⸗ derlich“ in der Gemeinde zu Epheſus die Buße zu Gott und den Glauben an unſern HErrn IEſum gelehrt hätte, und in den verleſenen Worten ſagt er noch deutlicher, daß er während ſeines dreijäh⸗