# Der Lutheraner_Frankfurt am Main_Mai 1949_S51 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Nummer 5 Mai 1949 Seite 51 Aus Kirche und Welt Die verfälschte Augustana 1930 Eine Berichtigung und eine Feststellung Aus Bayern ist die Schriftleitung unseres Blattes mehrfach gebeten worden, eine Richtigstellung zu bringen zu einer Bemerkung in Nr. 2 des „Lutheraner “ über die Verlesung von Artikeln der Augsburgischen Konfession bei der Jubiläumsfeier in Augsburg am 25. Juni 1930. Wir sehen uns veranlaßt, dazu nach zwei Seiten Stellung zu nehmen, einmal — und das soll heute geschehen —, indem wir noch einmal auf das Ereignis selbst und seine Bedeutung im Zuge einer Entwicklung, die folgerichtig zu der Union von Eisenach 1948 führte, zu sprechen kommen, und zum andern, indem wir die damit aufgeworfene Frage zu beantworten suchen, welches Recht uns diese Entwicklung für unsere nun auch in Bayern durchzuführende Sammlung freikirchlich lutherischer Gemeinden gibt. Zur Bedeutung jenes Ereignisses wird uns auf unsere Bitte hin von besonderer Seite geschrieben: „In Bayern hat man an der Bemerkung Anstoß genommen über die Verlesung von Artikeln der Augsburgischen Konfession unter Auslassung der Verwerfungsformeln anläßlich der Vierhundertjahrfeier des Bekenntnisses von Augsburg. Wir stellen hier ausdrücklich fest, daß es der damalige oberste Geistliche der Preußischen Union, Vizepräsident des Preußischen Oberkirchenrats, D. Burghart, war, der sich diese einer Verfälschung gleichkommende Verstümmelung der von ihm vorgelesenen Artikel der Augustana zuschulden kommen ließ. Es geschah dies bei dem Festakt in der Barfüßerkirche zu Augsburg am 25. Juni 1930 in Gegenwart der höchsten Würdenträger auch der damaligen bayerischen Landeskirche. Auch wenn es sich um eine Feier handelte, die nicht die bayerische Landeskirche, sondern der damalige Deutsche Evangelische Kirchenbund veranstaltete, eine Feier, zu der alle möglichen protestantischen Kirchen Europas und Amerikas geladen waren, so hätte das bayerische Kirchenregiment oder einer seiner Vertreter die Verstümmelung der Augustana und seine Umfälschung in ein allgemein protestantisches Bekenntnis taktvoll zurückweisen müssen. Das ist nicht geschehen, schon mit Rücksicht auf die Augsburger Gemeinden, obwohl das ganze bekenntnistreue Luthertum Deutschlands über den Vorfall empört war. Wenn es aber wirklich in München an dem Mannesmut fehlte, dann hätte man wenigstens auf dem unmittelbar an die Augustanafeier sich anschließenden Deutschen Kirchentag reden müssen. Denn auf diesem Kirchentag wurde eine „Kundgebung des Kirchentags zur Kirchenfrage “ angenommen, und zwar einstimmig unter Bravorufen, und ohne daß ein Vertreter der bayerischen Kirche sich zu Worte gemeldet hätte, in der Burgharts Kirchenbegriff allgemein anerkannt wurde. Auf Grund des Referats, den der reformierte Präses Wolff aus Aachen über „Recht und Kraft der deutschen Reformation zur Kirchenbildung“ hielt, wurde mit den Formulierungen Wolffs eine fast zwei Seiten lange Erklärung zur Frage der Kirche angenommen, in der zwar viel von den deutschen evangelischen Kirchen, die nach Gottes Willen aus der Reformation hervorgegangen seien, die Rede war, aber völlig verschwiegen wurde, daß diese Kirchen verschiedene Bekenntnisse haben. „Die deutsche Bibel und der Katechismus , das deutsche Kirchenlied und das Gesangbuch sind Ausdruck eines neuen kirchlichen Lebens“, heißt es da. Die Augustana, die man fünf Tage zuvor jubelnd gefeiert hatte, war vergessen. Und beim „deutschen“ Katechismus konnte sich jeder nach Belieben den lutherischen oder den Heidelberger oder irgendeinen anderen denken. Damals kam der ehrwürdige Wilhelm Zoellner, Vorkämpfer einer Auflösung der preußischen Union, ganz verzweifelt nach Berlin und rief seine lutherischen Freunde zusammen , berichtete von den Feiern von Augsburg und Nürnberg und sagte das Ende voraus, das dann 1933 begann. Denn damals in Augsburg ist der Kirchenbegriff geprägt worden, den der Kirchentag in Nürnberg unter Bravorufen auch der bayerischen Vertreter annahm, der dann in der „Deutschen Evangelischen Kirche“ in Wittenberg unter Ludwig Müller 1933 auch von den lutherischen Landesbischöfen verwirklicht und in der „Evangelischen Kirche in Deutschland“ 1948 vollendet wurde. Es ist der Begriff einer evangelischen Kirche, in der verschiedene Bekenntnisse vereinigt sind und das Damnamus , mit dem man in der Reformation die Irrlehre verwarf, praktisch beseitigt ist. „Die evangelische Kirche Deutschlands“ — ja wirklich, die EKiD war im Grunde damals fertig. Und die evangelischen Landeskirchen hatten sich des höchsten Amtes und der höchsten Pflicht begeben, welche die Kirche Augsburgischer Konfession hat, nämlich zwischen reiner und falscher Lehre, zwischen Kirche und Häresie zu unterscheiden. Niemand wird behaupten wollen, daß sie diese Fähigkeit inzwischen wiedergewonnen hätten. Daß sie aber den Freikirchen zumuten, auf das zu verzichten, was ihre Aufgabe ist, nämlich über der Reinheit der Lehre in ihrem Bereich zu wachen, ist eine Tatsache, die wir zu unserem tiefen Schmerz zur Kenntnis nehmen. Wir, die wir die Not und Einsamkeit des Freikirchentums tragen, wie es unsere Väter getragen haben, könnten uns keinen schöneren Tag denken als den, an dem eine wirkliche Vereinigung aller derer möglich ist, die sich zur Ungeänderten Augsburgischen Konfession bekennen. Aber dieser Tag könnte erst kommen, wenn auch die Landeskirchen wieder „Lehre urteilen“ und von Bestreitern der Wahrheiten der Augustana sich lossagen könnten. So lange aber in den lutherischen Landeskirchen und in der sogenannten „Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland“, von der EKiD ganz zu schweigen, jede Irrlehre widerspruchslos verkündet werden kann, dürfen wir keine Kirchengemeinschaft mit ihnen haben. Das verbietet uns Gottes Wort (Röm. 16, 17; Gal. 1, 8; Eph. 4, 5; Tit. 3, 10; 1. Joh. 4, 1; 2. Joh. 10).“ „Vergebliche Hoffnungen“ nennt das Blatt unserer Glaubensgenossen in Australien „The Australian Lutheran“ in einer uns zugegangenen Ausgabe vom 15. September 1948 gewisse Erwartungen, die an die großen Weltkirchenbewegungen , besonders auch an die Weltkirchentagung in Amsterdam geknüpft werden. Seine Ermahnungen zur Nüchternheit sind auch bei uns beachtlich. Es schreibt: „Als vergebliche Hoffnungen müssen wir alle die bezeichnen , die von einigen, vielleicht sogar vielen Kirchenmännern in Verbindung mit dem Weltbund der Kirchen so geflissentlich verbreitet werden. Ein hervorragender Prediger in Melbourne stellte z. B. erst kürzlich die Hoffnung heraus, daß als ein Ergebnis von Amsterdam „die Weltkirche plötzlich vor eine erstaunte Welt treten würde, um sie von Haß, Furcht, Bitterkeit und Leidenschaft zu reinigen“. Zwei vergebliche Hoffnungen sind in dieser Behauptung enthalten. Die erste ist, daß eine Weltkirche noch entstehen würde. Das Wort Gottes weiß nichts von solcher Hoffnung. Im Gegenteil es sagt uns, daß die Kirche bis ans Ende geteilt bleiben wird. Lies 2. Thess. 3, 2—12. Da spricht der Geist Gottes von dem „Menschen der Sünde“, dem „Kind des Verderbens “, der im Tempel Gottes, d. i. in der Kirche, sitzen wird, und dessen böses Werk fortdauern wird, bis der HErr ihn umbringen wird mit dem Geist seines Mundes und ihm ein Ende machen wird mit der Erscheinung seiner Zukunft, d. i. mit seiner herrlichen Wiederkunft am Jüngsten Tage. Es ist sicherlich nicht die Meinung, daß sich alle Christen unter die Herrschaft des Antichrists beugen werden. Die andere Möglichkeit wäre die, daß der Mann der Sünde und sein betrügerisches Werk aufhören würden — aber das wird eben durch die klare Aussage der Schrift, die wir angeführt haben, ausgeschlossen . Wie kann es dann also eine Weltkirche geben? Auch wenn das die Meinung von Amsterdam sein sollte, daß eine protestantische Weltkirche entstehen würde (wie könnte dies eine Weltkirche sein?), müssen wir fragen: Was würde dann aus unseres HErrn feierlichen Warnungen vor den vielen Betrügern, die in den letzten Tagen auftreten, und die, so es möglich wäre, selbst die Auserwählten verführen sollen? Seine Worte sagen deutlich genug, daß diese Feinde innerhalb der Kirche auftreten werden, und daß es ihnen nicht zugelassen werden wird, alle Gläubigen zu betrügen. Das läßt wiederum den Schluß zu, daß die Kirche (im Sinne der Christenheit) bis ans Ende der Welt zerteilt bleiben wird. Die andere vergebliche Hoffnung ist die, daß die Welt von Haß, Furcht, Bitterkeit und Leidenschaft noch gereinigt werden würde. Um das zu erreichen, müßte man zunächst die Sünde der Menschen ausrotten . Das ist aber ein utopischer Traum. Unser Heiland sagt seinen Jüngern, daß eins der Zeichen seiner Wiederkunft und des herannahenden Endes der Welt das sein werde, daß „die Ungerechtigkeit werde überhandnehmen“ und „die Liebe werde in vielen erkalten“. Matth. 24, 12. Lies auch, was der Geist Gottes von den letzten Zeiten sagt, die er 2. Tim. 3, 1—5 „greuliche Zeiten“ nennt, andere Schriftstellen gar nicht zu nennen. „Ein Volk wird sich erheben wider das andere und ein Königreich wider das andere“ — das ist Christi eigene Beschreibung der letzten Tage. Wir müssen daher schließen: Haß, Bitterkeit und Leidenschaft werden nicht von der Erde zu entfernen sein. Ist es zu viel, zu sagen, daß diese vergeblichen und darum törichten Hoffnungen für sich selbst schon ein Zeichen der letzten Zeiten sind? Die, die sie verbreiten, widersprechen dem Wort der Wahrheit und sind in eine Reihe mit jenen Betrügern zu stellen, von denen unser HErr spricht. Wenn Menschen die gesunde Lehre nicht mehr leiden mögen, dann schaffen sie sich „jückende Ohren“ an, die sich von der Wahrheit wenden und zu den Fabeln kehren. 2. Tim. 4, 3. 4. Eine dieser Fabeln ist die vergebliche Hoffnung, die mit dem Weltbund der Kirchen zusammenhängt.“ Ein falscher Christus Die Zeitungen des Westens berichteten in der vorösterlichen Zeit vom Auftreten eines seltsamen Propheten in Schweden und anderswo, der, von Amerika kommend, durch seine Erscheinung und seine Verkündigung Aufsehen erregte. Ein Heer von Journalisten und Kameramännern und viel Volks sollen z. B. versammelt gewesen sein, als Krishna Venta, wie er sich nennt, in Stockholm mit seiner Frau dem Flugzeug entstieg, barfüßig und in ein langes wallendes Gewand aus gelber Seide gehüllt, über dem er einen dunkelblauen Mantel trug. Sein Äußeres wird als groß und stattlich von Figur beschrieben, er hatte ungeschnittenes lockiges Haar, das bis tief über den Nacken fiel und einen wallenden Vollbart. Den Reportern erklärte er: „Meine Botschaft ist die wichtigste, die es gibt: Ich will allen Menschen das Evangelium der Liebe predigen, wobei ich die Verkündigung einer neuen Religion weit von mir weise. Meine Lehre ist die Lehre Christi, meine vielen Anhänger nennen mich Messias, und meine Werke werden dereinst zeigen, daß ich der wahre Messias bin.“ Der Frage nach seiner Herkunft (er soll als Francis Pencoviz am 20. März 1901 in San Francisco geboren sein) wich er aus und stellte fest: „Ich bin niemals geboren auf dieser Welt. Zwar existiert ein Mann namens Pencoviz, den ein Vater und eine Mutter 1901 in die Welt setzten. Aber das bin ich nicht ...“ Er gab an, in Denver in U. S. A. über 80 000 Anhänger zu verfügen, und will nun auch der europäischen Welt sich offenbaren. Erkundigungen eines Reporters der „Welt“ bei der Kriminalpolizei in Stockholm zeigten allerdings ein merkwürdig abweichendes Bild. Ihre Nachforschungen in Amerika haben ergeben, daß der „Messias“ schon mehrfach vorbestraft ist wegen Scheckbetrugs und sogar wegen eines Einbruchs. Für Christen bedarf es dieser polizeilichen Ermittlungen nicht. Sie wissen aus der Schrift, daß das Auftreten falscher Christi zu den Zeichen des herannahenden Weltendes gehört. Christus selber hat gesagt (Matth. 24, 5): „Es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin Christus, und werden viele verführen .“ Und er warnt: „Darum, wenn sie zu euch sagen werden: Siehe, er ist in der Wüste, so gehet nicht hinaus, — siehe, er ist in der Kammer! so glaubet nicht.“ Christi Wiederkunft wird nicht die Erscheinung eines wandernden Salonpredigers im Flugzeug sein, sondern „gleichwie der Blitz ausgehet vom Aufgang und scheinet bis zum Niedergang, also wird auch sein die Zukunft des Menschensohnes.“ (V. 26. 27) Darum „sehet zu, daß euch nicht jemand verführe“ (V. 4)