# Der Lutheraner_Frankfurt am Main_Mai 1949_S50 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Seite 50 Mai 1949 Nummer 5 ligen Werk und sollten doch anhalten am Gebet und beten ohne Unterlaß. Würde uns der Heilige Geist nicht beten lehren und beten helfen, so wäre unser Gebetsleben längst erstarrt , wie wir auch Glauben, Liebe und Hoffnung ohne seinen Beistand nicht behalten können. Dazu kommt ein anderes: „Wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich's gebühret.“ Wir verstehen uns nicht darauf, um das zur Seligkeit Nötige so zu bitten, wie sich's gebühret . Von den großen Gütern der ewigen Herrlichkeit haben wir nur geringe Vorstellungen , daß unsere Gebetsworte und Gebetsgedanken sie nicht gebührend beschreiben und würdig genug erflehen können. Irdische Nöte drücken unsern Geist nieder, und Anfechtungen und Zweifel quälen unsere Seele und machen sie verzagt. Ja, bete nur einmal, o Christ, wenn deine Sünden dich wirklich martern! Ringe um deine Seligkeit, wenn des irdischen Lebens Lust und Freuden dich anlachen! Jubele freudig auf mit betendem Geist, wenn des Todes Schreckensgestalt dein Krankenlager umschleicht! Ach was kann der Sünder beten, wenn sein eigener Geist ermattet ist und der Heilige Geist ihn verlassen hat, weil er mit Sünden fortwährend betrübt wurde? Es ist daher nur einer, der recht beten kann, nämlich der Heilige Geist. Und darum der Christ, in dessen Herzen er wohnt! „Denn der kann mich bei dir vertreten mit Seufzern, die ganz unaussprechlich sind; der lehret mich recht gläubig beten, gibt Zeugnis meinem Geist, daß ich dein Kind und ein Miterbe Jesu Christ sei, daher ich: Abba, lieber Vater! schrei.“ — Wie nötig ist also allen, die recht beten wollen, der Geist der Gnade und des Gebets! Welch ein Trost ist's für uns Christen, daß uns der Heilige Geist gegeben ist! Er versetzt sich in unsere Not, entzündet unsere von Natur kalten Herzen und unsern müden Geist zu brünstigem Gebet, richtet unsere trüben Augen auf das rechte Christenziel, unsere ewige Seligkeit, redet aus unserm Herzen zu Gott, verwendet sich mit seinem unwiderstehlichen Seufzen für uns bei ihm, ist vor Gottes Gnadenthron unser Anwalt und vertritt uns dort aufs beste mit für uns Menschen unaussprechlichem Seufzen. Gewiß ist, daß er besser betet, als du, lieber Christ, es jemals könntest. Wenn das Kreuz dich niederbeugt, wenn Freunde dich verlassen, wenn du mit Zagen an dein Tageswerk gehst und sorgenvoll dich wieder zur Ruhe niederlegst : Er bleibt bei dir und stärkt dich und seufzt in deinen Gebeten und auch ohne sie aus deinem Herzen zu Gott bis an dein seliges Ende; dann erst hören dein und sein Seufzen auf und werden in lauter Lob und Dank in der ewigen Herrlichkeit verwandelt. Solchen Trost kann auch die ärgste Not dir nicht rauben. Und „Gott weiß, was des Geistes Sinn ist.“ Der Heilige Geist erforschet alle Dinge, auch eines Christen Herz. Gott der Vater kennt, weiß, hört und merkt das Seufzen seines Heiligen Geistes in meinem Christenherzen, weil es zwischen den drei Personen der wahren Gottheit nichts Verborgenes gibt. „Dann bricht sein Vaterherz und wallet ganz brünstig gegen mich vor heißer Lieb', daß mir's die Bitte nicht versagen kann, die ich nach seinem Willen hab' getan.“ Ihm gefällt die Heiligkeit seines Seufzens, die Innigkeit seiner Bitten, die vollkommen würdige Weise seiner Gebete und die ununterbrochene Beständigkeit seines Flehens so wohl, daß er sein Seufzen in allen Christenherzen nach seinem guten und gnädigen Willen erfüllt! Wilde Aus der Predigt der Väter An Christi Himmelfahrt über Mark. 16, 14—20 „... Erkennet hieraus, welch einen sicheren Grund wir in der Himmelfahrt Christi zu einem freudigen Glauben haben. Wollen wir nicht glauben, daß Sünde, Gesetz und Tod unter unseren Füßen liegen, so müssen wir die Himmelfahrt Christi gänzlich verleugnen, oder doch leugnen, daß der gen Himmel gefahrene unser Heiland, unser Erlöser, unser Bruder, unser Haupt, unser Herzog sei, und daß sein Kampf für uns einen so herrlichen Ausgang gewonnen habe. Will uns daher unsere Sünde ängstigen, so wollen wir uns dadurch nicht zum Verzagen bringen lassen, sondern im Glauben auf die Himmelfahrt schauen und in unserem Herzen sprechen: Sünde, du bist besiegt; du sollst mich nicht aufs neue überwinden , sondern als mein Gefangener mir dazu dienen, daß ich mich desto fester an meinen Heiland klammere. Er ist gen Himmel gefahren und ich mit ihm; denn ich fasse ihn mit der Hand meines Glaubens, und auf seinen Namen bin ich ja getauft. Will uns das Gesetz verdammen, so wollen wir uns seinem Urteil nicht unterwerfen, sondern in unserem Herzen sagen: Du bist erfüllt, deinen Forderungen ist vollkommen Genüge getan; Gottes Sohn hat sich dir für mich unterworfen ; dadurch hast du all dein Recht an mich verloren; denn ihm kannst du nichts vorwerfen ; ja, er hat sich auf den höchsten Stuhl gesetzt und ist nun, Gesetz, dein Herr; nicht von dir, sondern von ihm empfange ich daher nun mein Urteil, und das heißt: ‚Gnade, Barmherzigkeit, Vergebung!' Will uns der Tod schrecken und die Hölle ihren Rachen wider uns öffnen, so haben wir uns nun nicht zu fürchten; es sind dies nun durch Christi Himmelfahrt leere Schreckbilder geworden; getrost können und sollen wir ihrer daher nun spotten und sprechen: Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern HErrn Jesum Christum....“ D. Carl Ferdinand Wilhelm Walther, Professor der Theologie am Concordia⸗College in St. Louis, Mo., Mitbegründer und erster Präses der „Deutschen Ev.⸗Luth. Synode von Missouri, Ohio u. a. St.“ 1811-1887. Eine ungehaltene Leichenrede „...... Nachdem wir unseres entschlafenen Freundes gedacht haben in Liebe und Schmerz, wende ich mich an euch, ihr seine Freunde, Nachbarn und Berufsgenossen, die ihr erfreulicherweise eurem Kameraden die letzte Ehre erweisen wollt. In wenigen Minuten werden wir alle um sein Grab stehen, und am Schluß der ernsten Feier singen wir alle die altbekannten Sterbenverse der Christenheit, die auch noch dem Entschlafenen auf seinem Sterbelager als Trostworte gebetet wurden: »Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht vor mir«, und »Erscheine mir zum Schilde ...«. (Der Sarg wird eingesenkt, das Lied wird angestimmt und — man hört lediglich einige schüchterne Frauenstimmen, während die zehn oder zwanzig Männer stumm dabeistehen.) Wie? Ihr schweigt? Seid ihr alle erkältet? Oder könnt ihr nicht singen? Ich weiß doch, etliche von euch singen mit im Männergesangverein „Liederperle“ oder im Chor „Heideröschen “, und wie kräftig klingen da eure Männerstimmen! Und hier, wo es gilt, in heiligem Trotz gegen den Herrscher Tod das Lied von unsers Heilandes Helfermacht in der Todesnot anzustimmen, verstummt ihr? Ich weiß noch, wie ich einmal am Grabe durch euer übles Schweigen ein unfreiwilliger Solosänger zu sein gedrängt wurde, und ich sang allerdings, so laut ich konnte! Ich glaube auch, daß ein im Glauben gesungenes Gotteslied eine Art Schwertstreich gegen den bösen Feind bedeutet. Und Schwertstreiche sind doch männliche Sachen. Darum sollte kein Mann solch Singen etwa als unpassend für die männliche Natur erachten, noch auch aus Scheu vor den vielleicht nicht mehr christgläubigen Kameraden sich des Singens enthalten. Sagt Luther einmal von den Lehrern: „Ein Schulmeister muß singen können, sonst sehe ich ihn nicht an“, so können wir hier sagen: Ein christlicher Mann muß, wenn anders er überhaupt singen kann, am Grabe mitsingen und damit den HErrn bekennen. — Darum, ihr lieben lutherischen Männer unserer Gemeinden, singt kräftig mit bei den Begräbnissen und bezeugt damit, daß auch ihr einen Heiland habt, der des Lobsingens wert ist in unserm Leben und Sterben! Greve. Der Abdruck der beiden Bilder von Rudolf Schäfer in dieser Nummer erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Verlagsbuchhandlung Gustav Schloeßmann, Leipzig.