# Der Lutheraner_Frankfurt am Main_Juni 1948_S52 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Seite 52 Juni 1948 Nummer 6 Aus unserer Arbeit Jugendmitarbeitertagung Hankensbüttel Vor einiger Zeit durften wir erfahren, daß die von uns allen erbetene Vereinigung der Evangelisch⸗ Lutherischen Kirche im früheren Altpreußen und der Ev.⸗Luth. Freikirche zur Tatsache geworden ist. Aber dieses so große Zeichen der Gnade verpflichtet uns auch, diese Gnade zu segensreicher gemeinsamer Arbeit beider Kirchen auf allen Gebieten zu ergreifen, auch auf dem der Jugendarbeit. Aus diesem Grunde trafen sich zum ersten Male Vertreter beider Kirchen zu einer Jugendmitarbeitertagung in Hankensbüttel bei Wittingen in Hannover. In der landschaftlich reizvoll gelegenen Jugendherberge, die von der Rüstwoche im vergangenen Jahr her noch vielen in guter Erinnerung sein wird, kamen Jugendliche, Jugendleiter und Pastoren aus beiden Kirchen zusammen, um sich über die Sorgen und Nöte der Jugend auszusprechen . Von der Kirche Altpreußens waren die Herren Pastoren Voelkel, Fritze und Stier erschienen, von der Ev.⸗Luth. Freikirche die Herren Pastoren Reuter und Rudolf Hein, und von der Flüchtlingsmissionskirche war Herr Pastor Dr. Lerle anwesend. Den Höhepunkt der Tagung bildete ein mehrstündiger Besuch der Fakultät unserer Theologischen Hochschule , vertreten durch Herrn Rektor Kirsten, Herrn Kirchenrat Lic. Kiunke und Herrn Pastor Oesch. Ferner waren für kurze Zeit Herr Präses Hein, Herr Pastor Herrmann und der Leiter des Theologischen Proseminars, Herr Oberstudienrat Vogt, zugegen . Als ersten Punkt der vom 25.—27. Februar dauernden Tagung behandelten wir die heutige Lage der Jugend. Das Elend, welches der Krieg über uns gebracht hat, bedeutet für viele Jugendliche den seelischen und moralischen Zusammenbruch. Wir spüren das deutlich in der sittlichen Verwahrlosung der Jugend in Stadt und Land. Und gerade jetzt schaut die Jugend auf die Kirche. Denn nur von ihr erhofft sie noch Rettung aus ihrer Not. Ueber aller Jugendarbeit soll das Wort stehen: „Die Liebe Christi dringet uns.“ Wir wollen uns zusammenfinden , um Gottes heiliges Wort zu hören. Denn wenn auch alles andere zerbricht, Gottes Wort ist unvergänglich, in ihm können wir uns immer stärken . Und wie notwendig ist es auch, daß wir in der Bibel recht zu Hause sind. — Wir wollen uns im festen Glauben zum Tische des HErrn einfinden, um durch den Genuß seines Leibes und Blutes Vergebung der Sünden zu erlangen. — Ein großes Anliegen ist es uns auch, daß wir unserem Nächsten, der noch nicht zum Glauben gekommen ist, Gottes Wort sagen. Sind wir uns dessen voll bewußt, daß jeder verdammt wird, der nicht zum Glauben kommt (Mark. 16, 16), dann werden wir alles daransetzen, ihm zu helfen. — Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, daß die Jugend sich nicht für sich organisieren soll. Sondern ihre Arbeit soll organisch aus der Gemeinde herauswachsen. Sie soll sich als notwendiges Glied des Ganzen wissen und sich als wahres Glied am Leibe Christi erkennen. Die Jugend soll wohl fröhlich sein und sich auch mit den schöngeistigen Dingen beschäftigen, aber der Maßstab , nach dem unser Leben ausgerichtet sein muß, ist die Heilige Schrift. Unsere Jugend muß ebenfalls bereit sein, unser lutherisches Bekenntnis gegen jeden Angriff zu verteidigen. Die Gestaltung der Jugendabende und Freizeiten wurde ausführlich behandelt. Die Musik nahm dabei einen breiten Raum ein. Frl. Pistorius von der Kirche Altpreußens hielt ein aufschlußreiches Referat über das Thema: „Die Kirchenmusik im Dienste der Jugendarbeit.“ Gerade das Singen birgt eine besondere gemeinschaftsbildende Kraft in sich. Luther bezeichnet die Musik als die „zweite Theologie“. Weiterhin wurden der Wechselgesang, Kanon und Chorgesang besprochen. Das Singen ist dem einzelnen nicht freigestellt. Denn es heißt: „Singet dem HErrn!“ Das ist ein Befehl für das dankbare Herz eines neugeborenen, von Gott erlösten Menschen, Gott zu loben und zu preisen. In diesem Zusammenhang bot am zweiten Abend der Tagung der Wittinger Gemeindechor unter Leitung von Herrn Kretzschmar einige Lieder, an denen gezeigt wurde, zu welchen Leistungen jeder Kirchenchor in beliebiger Zusammensetzung der Stimmen fähig sein kann. Weitere Punkte der Aussprache waren: die Gemeindebücherei , die Sonntagsschule und das Laienspiel. Zu unserer großen Freude erfuhren wir, daß die Freizeiten auf der Burg Tannenberg in diesem Sommer bereits für die Jugend beider vereinigten Kirchen gemeinsam stattfinden sollen. Allen Beteiligten der Tagung kam die Wichtigkeit der künftigen Jugendarbeit, besonders angesichts der gegenwärtigen ernsten kirchlichen Lage, recht zum Bewußtsein . Gott gebe, daß die Zusammenarbeit beider Kirchen sich auch in der Jugendarbeit weiterhin vertiefen möge, um so gemeinsam das große Werk unseres HErrn Jesus Christus zu treiben. Kühn. Jugendtagung in Zwickau. Gern folgten die Vertreter der einzelnen Gemeinden (Gruppen) der Einladung für den 4. April 1948 nach Zwickau. Wir reisten dorthin voller Erwartung, was bisher wohl schon geleistet wurde. Stehen wir doch vor dem Neuaufbau der Gruppen, der in eine gar schwere Zeit hineinfällt. Die Vertreter von Berlin, Leipzig, Dresden, Zwickau⸗ Planitz, Chemnitz, Crimmitschau, Lengenfeld und „Gibt dir Gott Freude, so brauche derselben; schickt er dir Trübsal zu, erschrick nicht und verzage nicht. Also sollte man die jungen Leute von Jugend auf unterweisen; und welche Jünglinge nicht dieser Mahnung folgen, da wird kein rechtschaffener Mann daraus.“ Luther Annaberg gaben im Beisein von Herrn Pastor Rüger ihre Berichte ab. Ein gemeinsames Lied und das von Herrn Pastor Herrmann verlesene Bibelwort leiteten den Sonntagnachmittag ein. Leider fehlten die Vertreter von Thüringen. Wir stellten uns das Thema: „Wie gewinnen wir die Jugend für unsere Gruppen, und wie halten wir sie bei uns?“ Das gab Stoff genug zu einer regen Aussprache . Wir merkten, daß in den Gruppen ganz neue Anregungen gegeben wurden. Ein wichtiger Punkt war: „Brauchen wir für die Gruppe einen Leiter, einen ersten und zweiten Vorsitzenden usw.?“ Wir stellten fest, daß unsere Gruppe eine Gemeinschaft ist und keine Führung in dem Sinne braucht, wie wir sie in vergangener Zeit erlebten. Wir stehen vielmehr alle auf einem Grund, der in Christo verankert ist. Wir sollten nicht nur innerhalb der Gruppe arbeiten und Mission treiben, sondern die Mission nach außen tragen. Der Glaube ist ein geschäftig Ding, er will weiterdringen. Die Jugendarbeit muß organisch wachsen. Wir wollen alle mitarbeiten, unser Werk muß mit gläubigen Herzen getan werden. — Die Jugend muß ein Ziel haben, dem sie näherkommen will: wir wollen unserm Heiland die Treue bewahren und unseren Mitmenschen den Glauben vorleben. Die Zeit ist heute wesentlich schwerer als früher. Die meisten Gemeinden haben ihre Kirchen und Gemeindesäle verloren. Somit ist auch die Arbeit in der Jugend erschwert und verschieden. Man hat nicht mehr die Möglichkeiten, vieles zu bieten. Darum heißt der Grundsatz: Ein jeder helfe mit, damit jedem etwas gegeben werde. Es soll nicht immer die Ausgestaltung des Nachmittags oder Abends in einer Hand ruhen, während die anderen der Dinge warten, die kommen sollen. Vor dem Auseinandergehen beraten wir schon: was gedenken wir das nächste Mal zu tun? Wir könnten einmal über dieses oder jenes Thema reden, oder Tagesfragen besprechen. — Es wäre bestimmt von großem Wert, wenn sich unsere Pastoren der Jugendarbeit in besonderem Maße annehmen würden und die älteren Gemeindeglieder, welche die evangelisch⸗lutherische Jugendarbeit von früher her noch kennen, ihre Anregungen der Jugend mitteilen. Wir stimmten auch überein, daß allein die Gesellschaftsspiele auf die Dauer keine Befriedigung geben. Da kann es leicht vorkommen, daß dieser oder jener wegbleibt und anderswo sein Vergnügen sucht. Es wäre traurig, wenn sie für uns verloren wären und in Versuchung und Anfechtung geraten. — Darum ist es sehr wichtig, daß ein feiner christlicher Ton in unseren Reihen herrscht. Unsere Gruppe muß, je länger sie besteht, desto fester werden. Dabei müssen wir uns zurufen: „Freue dich, Jüngling, in deiner Jugend, und laß dein Herz guter Dinge sein in deiner Jugend! Tue, was dein Herz gelüstet und deinen Augen gefällt und wisse, daß dich Gott um dies alles wird vor Gericht führen.“ Wir wollen froh sein, daß es langsam mit unserer Arbeit vorwärts geht. — So schieden wir nach einem gemütlichen Beisammensein mit der gesamten Zwickauer Jugend und zogen fröhlich wieder heimwärts . HErr, Du wollst unser Geleitsmann sein und mit uns gehen aus und ein, führen uns rechte Straß' und Steg, wehren dem Unfall auf dem Weg. HErr Christ, Du bist der rechte Weg zum Himmel und der einz'ge Steg; hilf uns pilgern ins Vaterland, weil Du Dein Blut hast drangewandt. Erika Schubach. Jugendtreffen in Berlin. Am Sonntag Jubilate fand erstmalig ein Jugendtreffen der sechs Berliner Gemeinden unserer Ev.⸗ Luth. Freikirchen im Saal der Westgemeinde statt. Herr Kirchenrat Schulz sowie Herr Pastor Heinrich Willkomm brachten in ihren Ansprachen zum Ausdruck , daß diese Veranstaltung der Auftakt zum künftigen Zusammengehen beider Kirchen in der Jugendarbeit darstelle. Zwei Studenten unserer Theologischen Hochschule in Oberursel waren zugegen. Sie berichteten über die Jugendarbeit in den Westzonen, so über die Mitarbeitertagung in Hankensbüttel (Hannover) und über die Vorbereitung des „Jungen Lutheraners“, der besonderes Interesse hervorrief. Die Veranstaltung wurde von einem Laienspiel umrahmt, das der Mädchenkreis der Westgemeinde unter Leitung von Hans⸗ Joachim Koch darbot. — Der Anfang ist gemacht, nun schenke Gott für die Zukunft eine fruchtbare Zusammenarbeit all unserer lutherischen Jugendkreise . Schneider. Für unsere Jugendstunden. „Der Junge Lutheraner“ will euch auch helfen bei der Gestaltung eurer Jugendstunden und Heimabende, und dies soll eine gemeinsame Hilfe sein, die wir uns gegenseitig leisten wollen. Schickt darum Berichte ein, wie ihr eure Heimabende und gemeinsamen Stunden gestaltet und erzählt darin auch, wie ihr den Frohsinn pflegt, und welche Spiele ihr treibt. Was geeignet ist, werden wir an dieser Stelle veröffentlichen , damit auch andere davon lernen und Gewinn haben. Verfasser der Aufsätze: Neue, bisher noch nicht genannte Mitarbeiter: Friedrich Wilhelm Hopf, Pfarrer, geb. 31. Mai 1910 zu Melsungen. F. Mozek, geb. 22. 6. 1906 in Osterode, Ostpr., Diakon im Flüchtlingswerk der Ev.⸗Luth. Freikirche, Außenstelle Hamburg. Johannes Priegel, geb. 31. 10. 77 zu Schwedt⸗ Oder, ev.⸗luth. Pfarrer in Görlitz. Walter Rüger, geb. 4. 4. 1899 Dresden, jetzt Pfarrer an unserer freikirchlichen Ev.⸗Luth. Trinitatisgemeinde in Leipzig. Heinz Kanzow, geb. 19. Febr. 1924 in Cottbus, Student der Theol. Hochschule Oberursel⸗Taunus. Wolfgang Kühn, geb. 28. Juni 1927 in Dresden, Student der Theol. Hochschule Oberursel⸗Taunus. Horst Schneider, geb. 1. Mai 1924 in Berlin, Student der Theol. Hochschule Oberursel⸗Taunus. Erika Schubach, geb. 5. März 1922 in Obercunnersdorf , Kreis Dippoldiswalde⸗Sachsen, Hausgehilfin in Freital bei Dresden. Verlag: Lutheraner⸗Verlag G.m.b.H., Frankfurt M., Taunusstr. 43. Schriftleiter: Rektor Pastor Hans Kirsten, Oberursel (Taunus), Altkönigstr. 50. Veröffentl. unt. d. Zulassungs⸗Nr. US⸗W⸗2055 der Nachrichtenkontrolle d. Militärregierung, Lizenzträger: Christian Schmidt. — Druck: Maindruck, Frankfurt M.⸗Fechenheim. 25 000 Exempl. — Erscheint monatlich. — Bezugspr.: Einzel⸗Nr. RM —.45, viertelj. 1.35, bei Postbezug zuzügl. Postzustellgebühr.