# Der Lutheraner_Frankfurt am Main_Juni 1948_S49 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Nummer 6 Juni 1948 Seite 49 Der Junge Lutheraner Was will „Der Junge Lutheraner“? Unsere Jugend wird es dankbar begrüßen, daß ihr in unserm lutherischen Gemeindeblatt „Der Lutheraner“ eine Jugendecke eingeräumt wird, die ihr unter dem Titelkopf: „Der Junge Lutheraner“ gleich sagt: Hier wird die Jugend angesprochen, und hier kommt die Jugend selbst zum Wort. Damit ist auch schon gesagt, was „Der Junge Lutheraner“ will. Er wird eine doppelte Aufgabe erfüllen. Er gibt unsern nunmehr vereinigten lutherischen Kirchen, die ebenfalls in ihrer Jugendarbeit eng zusammengehen wollen, die Möglichkeit , ihr Wort auch an die Jugend besonders zu richten und ihr mahnend und helfend den rechten Weg zu weisen, und er gibt andererseits der Jugend selbst Gelegenheit, ihre Gedanken auszusprechen, Anregungen untereinander auszutauschen und sich gegenseitig zum Dienst in Kirche und Gemeinde zu ermuntern. Diese doppelte Aufgabe wird dem „Jungen Lutheraner“ sein Gesicht geben. Das Wort, das die lutherische Kirche ihrer Jugend zu sagen hat, wird auch hier in diesen Spalten nichts anderes sein als Gottes Wort, unter das wir alle, alt und jung, uns in Glaubensgehorsam beugen. Es soll aber hier nicht einfach nach Form und Gestaltung wiederholt werden, was schon „Der Lutheraner“ zu sagen hat. Denn es soll ja nicht so sein, daß „Der Lutheraner“ nur von den Alten und „Der Junge Lutheraner“ nur von den Jungen gelesen wird. Sondern was „Der Lutheraner“ bringt an Belehrung und Erbauung wie an Berichten aus dem Zeitgeschehen und den Gemeinden , soll auch euch jungen Lutheranern zur Förderung eures Glaubenslebens dienen, und umgekehrt hofft „Der Junge Lutheraner“, daß auch die Alten ihn liebgewinnen und Freude an ihm haben werden. Weil er sich aber insonderheit an die Jugend wendet mit dem, was er zu sagen hat, darum wird er auch besonders auf die Anliegen und Nöte, Wünsche und Hoffnungen der Jugend eingehen , wofür die Schrift selbst uns ein Vorbild gibt. Enthält sie nicht manch beherzigenswertes Wort für den jungen Christen, angefangen bei den so ernsten Berichten der Bibel von Kain und Abel, Jakob und Esau und weiter über Joseph und David bis hin zu der Begegnung des HErrn Jesus mit dem reichen Jüngling und dem Wort des Apostels Johannes : „Ich schreibe euch Jünglingen“ (I. Joh. 2, 13)? Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht und in der Schrift auch nachgelesen , wieviel Gottes Wort gerade euch für eure Jugendzeit zu sagen hat? Euch darin zu helfen und die Schrift zu erschließen , dazu wird euch „Der Junge Lutheraner “ in die Hand gegeben. Damit will er euch auch dienen, daß euer Verantwortungsbewußtsein gestärkt und vertieft werde; denn nur wer sich verantwortlich weiß vor Gott und sich darum gottesfürchtig und gläubig der Gnade Gottes getröstet, wird auch bereit sein, sich freudig und willig als ein lebendiges Glied in den Dienst seiner Gemeinde zu stellen. Dieses Verantwortungsbewußtsein schließt auch das rechte lutherische Bekenntnisbewußtsein mit ein, daß schon unsere Jugend weiß, warum sie einer bekenntnistreuen lutherischen Kirche angehört, und daß sie die Lehre ihrer Kirche lieb hat als die lautere göttliche Wahrheit . Nur wer sich im Glauben verantwortlich weiß vor Gott, wird auch die rechte Haltung einnehmen zu all den Fragen und Versuchungen , von denen besonders junge Christen bewegt und angefochten werden. Alle Warnungen vor Weltwesen und Leichtfertigkeit, die auch in dieser Jugendecke nicht fehlen werden, alle Mahnungen zur Mitarbeit in Kirche und Gemeinde und zur lebendigen Teilnahme an dem großen Werk der Kirche, dem Missionswerk , werden nichts fruchten, wenn sie nicht Ohr und Herz einer Jugend treffen, die weiß, daß auch sie für alles, was sie denkt, redet und tut, vor Gott Rechenschaft ablegen muß, und daß darum auch sie nur von Gottes Gnade leben kann und diese Gnade sie treibt zu dem Bekenntnis: „Leben wir, so leben wir dem HErrn.“ Wo aber solches Verantwortungsbewußtsein und rechte gläubige Verantwortungsfreudigkeit die Herzen der Jugend erfüllt, da wird sie sich dadurch auch bewegen lassen, nun auch von sich aus den „Jungen Lutheraner“ zu ihrem Sprachrohr zu machen. Wie unsere Jugend in den Gemeinden nicht abseits stehen und sich nicht darauf beschränken soll, „Hörer allein“ zu sein, sondern als „Täter des Worts“ immer fester hineinwachsen soll in die Gemeinschaft der christlichen Gemeinde, so soll sie auch hier im „Jungen Lutheraner“ zur Tat werden lassen, was sie an Liebe zu Gottes Wort und zu Kirche und Gemeinde im Herzen trägt. Seht den „Jungen Lutheraner“ als eine Gabe an, die ihr nicht teilnahmslos in den Händen halten, sondern nun auch freudig und fleißig gebrauchen sollt als ein Mittel, euch untereinander zu dienen mit gegenseitiger Belehrung, Ermunterung und Anregung in allem, was euch als Jugendliche bewegt und erfüllt. Stellt eure Fragen, sprecht eure Meinungen, Gedanken, Anliegen, Wünsche und Hoffnungen, Sorgen und Nöte aus, und laßt euch dabei immer von Gottes Wort und Willen regieren! So will „Der Junge Lutheraner“ euch dienen, und ihr könnt und sollt es durch ihn aneinander tun. Eine schöne und verheißungsvolle Aufgabe, vor die ihr damit gestellt werdet. Gott gebe, daß durch diesen Dienst, den „Der Junge Lutheraner“ an unserer Jugend tun will, und zu dem er gleichzeitig die Jugend ruft, sich auch an ihr erfüllt, was von dem jungen Samuel in der Schrift nach seiner Berufung in den Dienst des HErrn gesagt wird: „Samuel aber nahm zu, und der HErr war mit ihm“. (I. Sam. 3, 19). Wie liesest du? „Wie liesest du?“ so fragte der HErr Jesus den Schriftgelehrten, der an ihn die Frage gerichtet hatte: „Was muß ich tun, daß ich das ewige Leben ererbe?“ Und dann gab der HErr diesem Mann, der das Gesetz und die Schrift des Alten Testaments sehr wohl kannte, mit der Geschichte vom barmherzigen Samariter eine Belehrung, die ihm zeigte, daß er trotz all seiner Schriftgelehrsamkeit noch garnicht recht mit der Schrift vertraut war und sie noch nicht verstand; denn auch für ihn hing noch, wie der Apostel Paulus es von den Juden schreibt (2. Kor. 3, 14), die Decke Moses' unaufgedeckt vor dem Alten Testament. „Wie liesest du?“ Diese Frage soll auch uns hier im „Jungen Lutheraner“ immer wieder aufs neue beschäftigen. Es war schon immer eine besondere Aufgabe lutherischer Jugendarbeit , das persönliche Bibelstudium zu fördern. Das ist heute nötiger denn je, wo so viele unter uns in der Zerstreuung leben und nicht die Möglichkeit haben, regelmäßig eine lutherische Predigt zu hören, und wo wir alle mehr denn je in unserm Glaubensleben von mancherlei Nöten und Gefahren umgeben sind. Ein Christ lebt aus dem Worte Gottes und kann ohne das Wort nicht im Glauben bleiben. Aber jeder von uns, der den ernsten Versuch regelmäßigen persönlichen Bibelstudiums gemacht hat, wird auch die Erfahrung kennen, daß ihm die Schrift oft wie ein verschlossenes Buch gewesen ist, als hinge gleichsam eine Decke darüber. Er hat dieses oder jenes Buch der Bibel zu lesen angefangen oder sich auch nach dieser oder jener Bibellesetafel gerichtet und dann wieder aufgehört, weil ihm das Lesen unfruchtbar und an seinem Herzen wirkungslos zu bleiben schien. Das aber lag nicht an der Bibel. Sie ist in allem, was geschrieben ist, das lebendige Wort unseres Gottes und „nütze zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung , zur Züchtigung in der Gerechtigkeit“. (2. Tim. 3, 16). Es liegt an dir selbst, wenn dir das Bibelstudium bisher vielleicht wenig gegeben hat. Auch dir gilt da die Frage, die Philippus einst an den Kämmerer aus dem Mohrenland richtete: „Verstehst du auch, was du liesest?“ (Apg. 8, 30). Wie liesest du? Ja, darauf kommt sehr viel an, wie du die Schrift liest, ob du sie mit dem rechten Verständnis liest. Und darin will dir auch der „Junge Lutheraner“ an seinem bescheidenen Teil den Dienst erweisen, den