# Der Lutheraner_Frankfurt am Main_Juni 1948_S45 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Nummer 6 Juni 1948 Seite 45 Katechismus⸗ABC Gewissen Gewissen nennt man das religiös-sittliche Urteilsvermögen des Menschen, Gottes Gerichtshof im Menschen, die ununterbrochene göttliche Selbstbezeugung an den Menschen. Den ersten Menschen war bei der Schöpfung Gottes heiliger Wille ins Herz geschrieben. Durch den Sündenfall ist diese Schrift zwar nicht ausgelöscht, wohl aber verwischt. Hat der Mensch in seiner Ungehorsamstat (I. Mose 3) das Band mit seinem Schöpfer bis auf die letzte Faser zerschnitten, so läßt Gott ihn bei Lebzeiten doch nicht völlig los. Das Gewissen ist der unaustilgbare Rest des göttlichen Ebenbildes, ohne welchen der Mensch nicht mehr erlösungsfähig wäre. Die dem Evangelium den Weg bereitende Gesetzespredigt knüpft im Gewissen an, denn gäbe es kein Gewissen mehr, so könnten die Pastoren lange predigen, ehe sie Gehör fänden. Wie der natürliche Mensch in der Irre geht (Jes. 53, 6), so irrt auch sein Gewissen. Es ist nicht mehr der unbestechliche Zeuge wider alles Böse, regt sich nicht bei jeder Ungerechtigkeit, wie etwa die feine Magnetnadel fortgesetzt nordet; vielmehr lehrt die Geschichte, daß Heidenvölker in die größten Laster versunken sind, ohne sie für Sünde zu halten. Viele Menschen haben ihr Gewissen abgestumpft und eingeschläfert, wofür Roheitsakte im Kriege zeugen, die bisweilen eine völlige Gewissenlosigkeit offenbaren. Wenn das Gewissen aufwacht, kann es einen Menschen peinigen. (1. Mose 4, 13—14) Der Christ schärft sein Gewissen an Gottes unwandelbarem Wort. (Micha 6, 8) Er wandelt vor Gott. (I. Mose 17, 1) Sein Gewissen ist gebunden in Gottes Wort. Daher ist es nicht geraten, etwas wider das Gewissen zu tun. Die Gewissensnot, zu den Greueln kirchlicher Irrlehren nicht schweigen zu können , machte Luther zum Reformator. Gottes Wort berät die Gewissen recht. Im Glauben an die Vergebung der Sünden durch das Gotteslamm, das der Welt Sünde trägt (Joh. I, 29), haben wir ein gutes Gewissen. Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen und köstlicher als aller Welt Gut. Es gibt irrende Gewissen, die etwas für Sünde halten, was nach Gottes Wort nicht Sünde ist. Wer gegen sein Gewissen handelt, sündigt in jedem Fall. Wir sollen die Schwachen tragen. (I. Kor. 8) Doch müssen wir versuchen, irrende Gewissen zurechtzubringen. Wir sprechen mit Paulus (Apg. 24, 16): Ich übe mich, ein unverletztes Gewissen gegen Gott und die Menschen zu haben. Glaube Der christliche Glaube ist das unbeirrbare Vertrauen auf den sich in seinem Wort uns offenbarenden lebendigen Gott. Er hat den dreieinigen Gott und sein Heilswirken in Christus zum Inhalt. Die unsichtbare Welt ist ihm nicht weniger wichtig als die sichtbare. (2. Kor. 4, 18) Der Glaube ist seines Gottes gewiß: Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen! Er ist nicht Verstandessache, sondern Sache des ganzen Menschen. Er lebt aus dem Worte Gottes, das er nicht entbehren kann. Was für den Fisch das Wasser ist, das ist für den Glauben das Wort Gottes. Der Glaube geht einen einsamen Weg. Während die erdrückende Mehrheit der Menschen durch den Zeitgeist geknechtet wird, spricht der Glaube mit Luther: An einem Wort Gottes ist mehr gelegen als an Himmel und Erde. Der Glaube ist Gottes Gabe, nicht sittliche Selbstentscheidung des Menschen, nicht eigene religiöse Leistung, denn er ist ja göttliches Leben. (Joh. I, 4) Das Gläubigwerden des Menschen setzt die Schrift auf eine Linie mit dem göttlichen Allmachtswirken der Weltschöpfung (2. Kor. 4, 6) und der Totenerweckung (Eph. 2, 5—6). Gott ist das A und O unsers Glaubens. Auch die Beharrung im Glauben ist allein Gottes Werk. (I. Petri 1, 5) Wir wandeln hier im Glauben. (2. Kor. 5, 7) Das Ende des Glaubens ist das Schauen Gottes in aufgedeckter Herrlichkeit. (Hiob 19, 27; Ps. 42, 3; Matth. 5, 8) Gnade (Dazu: Gnadenmittel) Gnade ist die göttliche Huld und Herablassung, ist das ewige Erbarmen, das alles Denken übersteigt, mit dem Gott dem todverfallenen, schuldbeladenen Menschen begegnet. Aus Gnaden vergibt er ihm um Christi stellvertretender Genugtuung willen alle Sünden (2. Kor. 5, 19) und macht ihn zu seinem Kinde und Erben des ewigen Lebens. (Röm. 8, 17) Abseits von Christus kennt Gott keine Gnade, ist er nicht heilige Liebe, sondern Zorn. (Joh. 3, 36) Menschen zeigen Gnade im Gegensatz zum Recht; Gott gewährt sie als das bei ihm um Christi willen geltende Recht. (Röm. 8, 31—34) Im Evangelium und in den Sakramenten wird uns das in der Sündenvergebung bestehende Heil Gottes nicht nur angeboten, sondern wirklich zugeeignet und mitgeteilt; daher werden Evangelium, Taufe und Abendmahl Gnadenmittel genannt. So ist es schriftgemäß im Unterschied zur reformierten Lehre, die in den Gnadenmitteln nur äußerliche Zeichen sieht. Gnadenwahl Die Entstehung des Glaubens und Beharrung im Glauben verdankt der Christ allein dem Wirken Gottes durch das Evangelium. Die Schrift lehrt uns, daß Gott, der uns durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet und im rechten Glauben ge⸗ heiligt und erhalten hat, schon in Ewigkeit vor Grundlegung der Welt dies zu tun bei sich beschlossen und uns zur Seligkeit erwählt hat. (2. Tim. 2, 10; 2. Thess. 2, 10—12; Apg. 13, 48; Röm. 8, 28—30; Eph. 1, 3—6) Die Erwählung geschieht auf Grund des Verdienstes des Heilandes und erstreckt sich auf den ganzen Glaubensweg der Kinder Gottes von der Berufung bis zur Einführung in die Herrlichkeit; sie geschieht nicht im Blick auf etwaige sittliche Vorzüge der Erwählten vor anderen, oder weil Gott vorhergesehen habe, daß sie Glauben halten bis ans Ende. Nur in Gottes anbetungswürdiger Liebe, mit der er uns in Christus geliebt hat, hat die Erwählung ihren Grund. Es ist den Christen zum Trost gesagt, daß ihre Seligkeit in den starken Händen Gottes ruht, der das in ihnen begonnene gute Werk gewißlich hinausführen wird. (Phil. 1, 6) Gott (Dazu: Ewigkeit) Gott ist der unerschaffene, höchste und vollkommenste Geist, Leben, Licht und Liebe. Es ist nur ein Gott. (5. Mose 6, 4) Der wahre Gott ist der dreieinige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. (Matth. 28, 19; 2. Kor. 13, 13) Er ist von Ewigkeit zu Ewigkeit. (Ps. 90, 2; Ps. 102, 28) Er ist der Vater des Lichtes, der Schöpfer der Geister, bei welchem ist keine Veränderung des Lichtes und der Finsternis. (Jak. 1, 17) Durch ihn ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare. (Kol. 1, 16) Er ist ewig, allgegenwärtig (Jer. 23, 23—24), allmächtig (Luk. 1, 37), allwissend (Ps. 139, 1—4), wahrhaftig (Ps. 33, 4), die Liebe (1. Joh. 4, 8). Wie wir die Sonne nur in ihrem eigenen Lichte sehen, so kann Gott recht nur in seinem Wort, wo er sich selbst offenbart, erkannt werden. (Ps. 36, 10) Wohl offenbart Gott „seine ewige Kraft und Gottheit“ auch in Natur und Geschichte, aber diese göttliche Kundmachung bleibt uns ein Buch mit sieben Siegeln, wenn wir nicht aus Gottes Wort seinen „Namen“ erkennen, nämlich ihn selbst in seinem Willen, die Sünde zu strafen, die Sünder aber zu retten. (Ps. 119, 105; Ps. 19, 8) Dresden Lampert [Bild: Anzeigenrahmen mit Gedichttext] Gott Vater, Sohn und heil'ger Geist heißt sein hochheil'ger Name; so kennt, so nennt, so rühmt und preist ihn der gerechte Same: Gott Abrahams, Gott Isaaks, Gott Jakobs, den er liebet, Herr Zeboth, der Nacht und Tag uns alle Gaben gibet und Wunder tut alleine. Paul Gerhardt, † 1676.