# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 10 13_S31 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ten können. Mitten unter dieſen Bewegungen hört man Stimmen: es lebe die Republik! In Ungarn iſt alles in der äußerſten Aufre⸗ gung. Der ungariſche Reichstag ſchickte eine De⸗ putation nach Wien, um vom Kaiſer eine Erklä⸗ ung zu verlangen, ob er die Krone von Ungarn zu behalten wünſchte, und falls er das bejahen würde, ihn zu erſuchen, mit ihnen nach Peſth zu kommen. Die Deputation kehrte ohne Kaiſer und ohne Antwort von Wien zurück und ihre Rückkehr war die Veranlaſſung großer Aufregung. Auf dem ungariſchen Reichstag wurde die Ernennung eines Dictators beſchloſſen; und die nächſte Nachricht von dort kann eine Unabhängigkeitserklärung des ungariſchen Volks ſein. Der Reichstag ernannte auch eine Committee, um mit den empörten Croa⸗ ien zu unterhandeln und ihnen alle möglichen bil⸗ ligen Conceſſionen zu machen; doch ſind die Aus⸗ ſichten einer friedlichen Ausgleichung nicht ſehr ermuthigend. Die franzöſiſch⸗engliſche Vermittlung in Ita⸗ lien iſt von Oeſtreich, nachdem ſie erſt abgelehnt worden war, angenommen worden; doch iſt dieſe Annahme noch keineswegs eine Bürgſchaft für Herſtellung des Friedens. Die Stadt Meſſina in Sicilien iſt von den Neapolitanern nach verzweifelter Gegenwehr ge⸗ nommen und zum größten Theil in einen Aſchen⸗ haufen verwandelt worden. Obige Nachrichten werden durch ſpätere, am 7. October hier eingetroffene leider nur beſtätigt. Es iſt kein Zweifel, daß, wenn die Hand des HErrn nicht ſchnell alles ändert, gewaltige Umſtürzungen in Deutſchland bevor ſtehen. Der König von Preußen hat auf das Entlaſſungsgeſuch ſeiner Miniſter erklärt, daß ohne Aufrechthaltung des von ihnen aufgeſtellten Princips die conſtitutio⸗ nelle Monarchie nicht beſtehen könne. Nun hat aber der preußiſche Neichstag jenes Princip der Miniſter umgeſtoßen; folglich ſtehen die Sachen Nauf dem äußerſten Punkte. In Potsdam ſollen die Garderegimenter (die immer für königlich ge⸗ ſinnt galten) gegen ihre Officiere ſich empört und die Revolution und die Nationalverſammlung haben leben laſſen. Auch Barrikaden ſind er⸗ baut worden und der Prinz von Preußen ſoll auf dieſe Nachrichten Berlin ſogleich verlaſſen haben, ſowie auch der König. In Frankfurt brach am 17. September ein Aufſtand aus, Barrikaden wurden errichtet und das Volk kämpfte gegen die Bürgerwehr und Soldaten. Auf beiden Seiten blieben viele Todte. In Sachſen iſt gleichfalls Aufſtand in der Nähe von Chemnitz und ſelbſt in den Vorſtädten von Chemnitz wird hinter Barrikaden fürchterlich ge⸗ kämpft. Der Aufſtand ſcheint noch fortzudauern. In Schleſien ſtehen die Weber wieder auf. In Wien iſt wie immer Anarchie und Aufruhr, wie man ſagt, wegen des verrätheriſchen Einver⸗ ſtändniſſes des Hofs mit dem Anführer der Croa⸗ ten, Jellachich, welcher unaufhaltſam vordringt und vielleicht vor Wien erſcheinen wird. In Frankreich verbreitet ſich die Meinung im⸗ mer mehr, daß die Republik nicht lange mehr be⸗ . ſtehen werde. Kirchliche Nachricht. Die meiſten Leſer werden wohl aus einer be⸗ reits in dieſem Blatte gegebenen Notiz und aus dem zweiten Spnadalbericht unſerer Synode ſich erinnern, daß die lutheriſchen Gemeinden in Po⸗ meroy und Cheſter Townſhip, Meigs Co., Ohio, ihren damaligen Prediger bei der Synode der Amtsuntreue angeklagt haben. Die Synode hat die Sache durch eine Commiſſion von dreien ihrer Glieder an Ort und Stelle unterſuchen laſſen, in Folge deſſen, jedoch noch vor Abſchluß der Ver⸗ handlungen, hat der Angeklagte, Herr Roma⸗ nowsky,*) auf ſein Pfarramt reſignirt. Dadurch ſind die genannten theuern Gemeinden prediger⸗ los geworden. Dieſelben haben jedoch neuerdings Herrn Ludwig Habel, Candidaten des hei⸗ ligen Predigtamtes aus Berlin, zu ihrem neuen Seelſorger ordentlich berufen. Derſelbe hat ſich an unſere Synode gewendet, und iſt nun, nach wohlbeſtaͤndenem Examen, am letztvergangenen vierzehnten Sonntag nach Trinitatis von unſe— rem Vicepräſidenten, Herrn Dr. Sihler, unter Aſſiſtenz des Paſtor und Profeſſor Wolter und Paſtor Claus in Fort Wayne vor verſammelter dortiger Gemeinde zu ſeinem heiligen Amte nach dem Gebrauche und nach der Weiſe unſerer Kirche ordinirt worden. Möge der HErr die genannten Gemeinden, die jüngſt unverkennbar Beweiſe ge⸗ geben haben, daß ſie ebenſo treulich unſerer theuren Kirche und ihrer Lehre anhangen, als ſie nach treuer Seelſorge Verlangen tragen, unter ihrem neuen Seelſorger fröhlich gedeihen! Die lutheriſchen Kirchen in St. Louis, Mo. Die Beamten der Synode von Illinois haben in dem „Lutheran Observer“ eine öffentliche Aufforderung an die lutheriſche Kirche Amerikas zur kirchlichen Verſorgung der in Illinois zerſtreut wohnenden Lutheraner einrücken laſſen. Der in dieſem „Appeal“ gegebene ſtatiſtiſche Bericht iſt ſehr ungenan und fehlerhaft. Wir wollen nur Eine Angabe berichtigen. Es heißt nemlich u. A., daß ſich in St. Louis „fünf oder ſechs lutheriſche Kirchen befinden“. Das iſt falſch. Es befinden ſich hier nur zwei lutheriſche Kir— chen, welche der Einen deutſchen evangeliſch-luthe⸗ riſchen Gemeinde ungeänderter Augsburgiſcher Confeſſion dahier zugehören. Anßerdem ſind noch zwei deutſche unirt⸗evangeliſche und Eine deutſche ſogenannte evangeliſch-proteſtantiſche Kirche hier, in welcher letzteren ein überaus trauriges Sub⸗ jekt, ein gewiſſer Herr Picker, des Sonntags eine große Anzahl Deutſche die Religion des alten Adams lehrt, die er ſodann an den Wochentagen in den hieſigen Schenkhäuſern ꝛc. praktiſch mit ſeinen lieben anvertrauten Pfarrkindern ausübt. Wir wünſchen nicht, daß unſerer theuren Kirche die Schande angethan wird, mit irgend einer der genannten, am wenigſten mit der Letzteren, in welcher JEſus Chriſtus, der hochgelobte Sohn Gottes, geleugnet und geläſtert wird, verwechſelt zu werden. *) Wie wir hören, ireibt derſelbe jetzt ſein Weſen unter mißvergnügten Gliedern der Gemeinde des Paſt. Keyl in Freiſtadt bei Milwaukee in Wisconſin. Der Baltimorer Kirchenbote. Soeben ſchreibt uns ein Freund u. A. Folgen⸗ des: „Haben Sie die unverſchämte Nachricht in Weyls Kirchenboten geleſen, daß in der ganzen Pennſylvaniſchen Synode kaum 10 Prediger ſeien, die in der Lehre vom heiligen Abendmahl von den (bekanntlich Zwingli'ſchen) Anſichten der Gene⸗ ralſynode verſchieden glaubten und lehrten? Es geſchieht der Synode, die ſich nicht ſchämte, ihr 100jähriges Jubiläum damit zu beſchließen, die⸗ ſes elende Blatt zu ihrem Organ zu erklären, und damit ihren geiſtlichen Tod der Welt zu verkün⸗ digen, ganz recht, daß ihr von dieſem Manne die Grabſchrift geſetzt wird.“ Wir haben das uns hier Gemeldete nicht geleſen, wir bringen dieß daher hierdurch zur tranrigen Kunde. Wir hoffen übrigens, daß Herr Weyl hierbei ebenſowohl wi⸗ der die Nachricht Zeugniß ablegt, als in ſeinem Blatte vom Sten v. M., wo er ſchreibt: „Wir haben Urſache zu glauben, daß Prof. Reynolds (in ſeinem Review), wie wir ſelbſt (wie Herr Weyl), den Mittelweg (zwiſchen Wahrheit und Lüge 2) einſchlagen wird.“ (Eingeſandt.) Methodismus. Wenn ſich ein Blatt ein „chriſtliches“ nennt, und noch dazu mit ſo großen Buchſtaben, wie der Apologete, ſo iſt es doch gewiß keine ganz unbil⸗ lige Erxwartung des Leſers, darin nichts Unchriſt⸗ liches zu finden. Allein dieſe Erwartung wird nur zu ſehr getäuſcht. Die Mittheilungen über die neueſten Zeitereigniſſe ſind faſt ſämmtlich von revolutionairem Standpunkte geſchrieben. Ja! es wird ſogar ein Artikel aufgenom men, worin ein Geiſt geprieſen wird: „Aus den Tiefen des neuen ſouverainen Menſchenlebens wühlte und brach er hervor mit dem Donner und den Flam⸗ men der Revolution, nicht mit ſcheuer frommer Hand: — Die Blouſe flattert von Frankreich herüber, die Hand faßte das Brecheiſen, baute Barrikaden, griff nach der Krone u. ſ. w.“ Nun, dieſen Wühl⸗, Brech⸗ und Mordgeiſt ken⸗ nen wir wohl, ſein Name iſt Satan und die Hölle folget ihm nach und die Rationaliſten beten ihn an: — und wie? unter ihnen auch der Heraus⸗ geber des Apologeten? auch er tanzend um das goldene Kalb der Revolution? auch er huldigend dem neuen Gott der Erde? So müſſen wir nämlich leider ſchließen, da Herr Naſt doch gewiß nichts aufnehmen wird, was er für unchriſtlich hält, denn er nennt ſein Blatt ja ein chriſtliches, einen Apologeten, auf deutſch Ver⸗ theidiger; Herr Naſt ſtellt ſich damit zur Aufgabe, das Chriſtenthum zu vertheidigen, doch nein! — nicht das reine Chriſtenthum, ſondern den Metho⸗ dismus, deſſen Lehre rationaliſtiſch iſt, da ſie die heiligen Sacramente als bloße Zeichen erachtet; deſſen ganzes Streben egoiſtiſch (eigennützig, ſelbſtſüchtig) iſt, da er nur geiſiliche Wolluſt des Gefühls in dieſer, Befreiung von Strafen in jener Welt ſucht. Man ſagt, auf den Lager⸗Verſamm⸗ lungen werde auch fleiſchliche Wolluſt getrieben. Möge Herr Naſt aufhören, Artikel aufzuneh⸗ men, welche Aufruhr, Empörung, Revolution lobpreiſend anerkennen. Revolution iſt in Gottes Wort verboten. „Jedermann ſei unterthan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat.“ Röm. 13, 1. Es iſt unrecht, mit dem antichriſtlichen Geiſte der Welt zu buhlen; jetzt gilt es, Chriſtum zu be⸗ kennen, auch da, wo er der Welt am verhaßteſten iſt, nämlich in ſeiner Lehre, der Obrigkeit als einer göitlichen Ordnung nicht zu widerſtreben. H. Fick.