# Der Lutheraner_Frankfurt am Main_Juni 1948_S43 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Nummer 6 Juni 1948 Seite 43 Kampf innerhalb der lutherischen Landeskirchen? Im „Lutheraner“ ist wiederholt über die kirchliche Entwicklung der deutschen evangelischen Landeskirchen seit 1945 berichtet worden. Seit nach dem Zusammenbruch von den Vertretern aller Landeskirchen in Treysa die „Evangelische Kirche in Deutschland“ (EKD) proklamiert wurde (August 1945), ist zu befürchten, daß die lutherischen Landeskirchen sich trotz aller gegenteiligen Versicherungen und Bemühungen schließlich doch in ein unionistisches Kirchengebilde eingliedern lassen. Zwar wird von lutherischer Seite mit großem Ernst darauf hingewirkt, daß der Zusammenschluß aller deutschen Landeskirchen nur als „Bund“ verstanden werden dürfe und keineswegs den Charakter einer Einheitskirche erhalten solle. Zweifellos wird man diesen lutherischen Anliegen in den Formulierungen der Verfassung weitgehend Rechnung tragen. Aber die Tatbestände selbst werden sich vermutlich stärker auswirken als alle Vorbehalte, Auslegungen und Vorsichtsmaßnahmen . Zu den Tatbeständen, die man geschaffen hat, um die einige „Evangelische Kirche in Deutschland“ wirksam zu gestalten, gehören vor allem die Kirchenkanzlei unter dem Präsidium von Hans Asmussen D. D., das umfassende Evangelische Hilfswerk, die zentrale Lenkung aller ökumenischen Beziehungen zu irgendwelchen Kirchen und Kirchenbünden im Ausland, der Dienst an Männern, Frauen, Jungmännern und Jungmädchen durch die weitverzweigten großen Verbände, die alle als „Werke der Evangelischen Kirche in Deutschland“ ein ganz bestimmtes unionistisches Gepräge tragen. Der wirksamste Tatbestand , den man mit kluger Überlegung gleich zu Anfang geschaffen hat, und gegen den die offiziellen Vertreter der lutherischen Landeskirchen bisher sich noch niemals erklärt haben, ist und bleibt der Name, obwohl die Ordnung für den Zusammenschluß im einzelnen noch nicht festliegt, der programmatische Name: Evangelische Kirche in Deutschland! Solange man dem Programm dieses Namens zustimmt oder auch nur darüber verhandelt, statt ihn bedingungslos abzulehnen und unerbittlich zu bekämpfen, begnügt man sich damit, innerhalb der einigen Evangelischen Kirche nur eine Richtung neben anderen zu vertreten. Diese Genügsamkeit ist aber nichts mehr und nichts weniger als eine Verleugnung des lutherischen Bekenntnisses. Denn weil Gottes Wort uns die kirchliche Gemeinschaft mit denen verbietet, die an einer falschen Lehre festhalten, kann die lutherische Kirche sich nicht mit Kirchen anderer Bekenntnisse vereinigen. Das schriftgemäße Bekenntnis der rechtgläubigen Kirche beansprucht die alleinige Gültigkeit in der Gesamtkirche. Es kann und darf nicht vertreten werden als das Programm einer Richtung, die gleichberechtigt neben anderen , ihr entgegengesetzten Richtungen steht. Nun bemühen sich allerdings die lutherischen schon seit 1945 ernstlich darum, sich untereinander auf der Grundlage ihres Bekenntnisses zur „Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands“ (VELKD) zusammenzuschließen. Aber dieser an sich gute Plan hat „innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland“ von vornherein seinen eigentlichen Sinn verloren. Entweder muß für den Bund mit nichtlutherischen Kirchen der bekenntniswidrige Name „Evangelische Kirche“ endgültig fallen und dann auf allen Gebieten dementsprechend gehandelt werden, oder es stellt sich heraus, daß der Name „Evangelische Kirche“ tatsächlich so gemeint ist, wie er lautet , nämlich als Zusammenschluß von Lutheranern , Reformierten und Unierten zu einer einigen Kirche. Dann führt aber der Zusammenschluß der lutherischen Landeskirchen innerhalb dieser Evangelischen Kirche nicht mehr zu einer Vereinigten Lutherischen Kirche, sondern vielleicht noch zu einer Vereinigung chemals selbständiger lutherischer Kirchen, die sich nun an die einige „Evangelische Kirche“ im Widerspruch zu ihrem eigenen Bekenntnis haben binden lassen. Diese Beurteilung der Entwicklung in den Landeskirchen wurde bisher im „Lutheraner“ von Männern vertreten, die den lutherischen Freikirchen angehören. Die Leser dieses Blattes sollen jedoch erfahren, daß es auch innerhalb der lutherischen Landeskirchen einzelne gibt, die sich ernstlich bemühen, angesichts der gegenwärtigen Entscheidungen auf dem Boden der Heiligen Schrift ein klares Urteil zu gewinnen, dementsprechend ein deutliches Zeugnis abzulegen und sich schrittweise zu einem bekenntnisgemäßen Handeln führen zu lassen — trotz des Widerspruches, der sich dagegen von allen Seiten erhebt. Innerhalb der lutherischen Landeskirchen wird zur Zeit ernstlich gekämpft gegen das bekenntniswidrige Programm der „Evangelischen Kirche in Deutschland“ und dagegen, daß die verantwortlichen Vertreter der lutherischen Landeskirchen immer wieder diesem Programm zugestimmt haben. Dieser Kampf innerhalb der lutherischen Landeskirchen hat zum Ziel, wenn es noch irgendwie möglich ist, eine endgültige Bindung der Landeskirchen an bekenntniswidrige Entscheidungen zu verhindern und damit die Voraussetzungen dafür zu erhalten, daß dem Rechtsbestand des lutherischen Bekenntnisses auch der Tatbestand der landeskirchlichen Verhältnisse je länger desto mehr entsprechen möge und könne. Gelingt es nicht, die Bindung der lutherischen Landeskirchen an die „Evangelische Kirche in Deutschland“ und ihr unionistisches Programm noch in letzter Stunde zu verhindern, dann stehen die jetzt noch um ihre Landeskirche Kämpfenden vor einer schweren Entscheidung: entweder müssen sie gegen ihre Überzeugung, gegen ihr Gewissen, gegen das lutherische Bekenntnis, gegen die Heilige Schrift handeln und sich schließlich doch in die „Evangelische Kirche in Deutschland“ einfügen, — das wäre der Weg, den vor hundert Jahren die sogenannten „Vereinslutheraner“ innerhalb der Union gegangen sind, ein Weg, auf dem keine Verheißung liegt, — oder es wird dahin kommen , daß wenigstens etliche Pfarrer und Gemeindeglieder auch vor der Konsequenz nicht zurückschrecken und einem durch bekenntniswidrige Entscheidungen gebundenen Kirchenregiment entschlossenen Widerstand leisten, um gerade auf diesem Wege dem lutherischen Bekenntnis treu zu bleiben und alles Weitere dem HErrn der Kirche zu überlassen. Mühlhausen b. Bamberg, Fr. Wilh. Hopf. „Kaum!“ — „Dennoch!“ Auch die kleinen Worte in der Heiligen Schrift sind beachtenswert. Hast du schon einmal das Wörtchen „kaum“ ins Auge gefaßt ? Es scheint „einmalig“ zu sein in der Heiligen Schrift. St. Petrus sagt's in dem Wort: „So der Gerechte kaum erhalten wird, wo will der Gottlose und Sünder erscheinen ?“ (I. Petri 4, 18) So hart geht's also vorbei an dem Los, vom Sturm des Zornes Gottes hinweggefegt zu werden — auch für den Gerechten, Begnadigten, Erretteten! Ein uns tief demütigendes Wort! Kommt daneben noch die volle, reiche Gnade zur Entfaltung? Ein Morgengang gab mir letzthin Aufklärung. Was schimmerte dort mitten in einem Trümmerfeld mit hellstem Glanz mir ins Auge? War's ein verloren gegangener leuchtender Diamant? Beim Näherkommen entpuppte es sich als — eine Glasscherbe! Aber die Strahlen der Morgensonne hatten darein geschienen; davon dies helle Leuchten! „Ich bin ein Scherben“ sagt der Psalmist. In heutiger Sprache: ein Mensch des Stückwerks, gewissermaßen ein Bruchmensch, ein halbierter Mensch! Verzehrt , auch vergeudet wurde so manches Stück Lebenszeit, manche Anlage, manche Kraft! Eine Scherbe nur, nicht etwa ein Kristallgefäß ! Und nun ist die arme Scherbe über und über, durch und durch erleuchtet, strahlt das Sonnenlicht wider! Sie gibt dem Diamanten nichts nach an Leuchtkraft! Gottes Geist, des Heilandes Übermacht schafft dies Wunder beim Elendesten, Geringsten, Gebrechlichsten ! Das Wörtlein „kaum“ schrecke uns nicht; denn neben ihm, über ihm stehen die Wörtlein „dennoch“ (Ps. 73, 23), „ganz“, „durch und durch“ (1. Thess. 5, 23). Bochum Greve Wenn Gott einem Menschen all dessen Sünden vergibt und all dessen Gebrechen heilet, so ist der Mensch nicht nur vor dem Zorne und der Verdammnis verschont, sondern er ist auch zugleich ein Gegenstand der unfaßlichsten Liebe Gottes — der großen göttlichen Liebe, die alle Vernunft übersteigt. Rosenius.