# Der Lutheraner_Frankfurt am Main_Juni 1948_S42 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Seite 42 Juni 1948 Nummer 6 die jetzt noch über deinem Lebenswege liegen , und da wirst du staunend erkennen, wie dein himmlischer Vater, dein HErr und Heiland auch dein Leben nach einem liebevoll erdachten und wundervoll ausgearbeiteten Gottesplan geordnet und gelenkt hat. Nichts hat er verkehrt gemacht; alles hat er in deinem Leben zum Heil deiner Seele, zu deiner ewigen Vollendung und Verklärung erdacht und ausgeführt. Du wirst einmal staunend und anbetend deine Hände falten, die Tränen der Anbetung werden dir kommen, und du wirst, wenn ich einmal so sagen darf, auch lange am Halse deines Heilandes weinen vor Freude und Dankbarkeit, daß er alles so gut gemacht hat. Man hat einmal gesagt: Unser Leben ist wie ein Teppich, an dem unser großer Gott arbeitet . Ein Teppich hat eine Oberseite und eine Unterseite. Auf der Unterseite sieht man helle und dunkle Fäden wirr und ungeordnet durcheinandergehen , aber auf der Oberseite sieht man das sinnvolle Muster des Künstlers. Wir blicken auf unser Leben hier auf Erden nur von der Unterseite, und da gehen helle und dunkle Tage scheinbar wirr und sinnlos durcheinander , aber in der Ewigkeit werden wir es von der Oberseite schauen dürfen, und da werden wir staunend sehen, was für ein wunderbares , herrliches Muster und Kunstwerk unser großer, gütiger Gott aus unserm Leben gemacht haben wird, wie helle und dunkle Zeiten miteinander wechseln mußten. Seine großen Liebesgedanken wird er wie leuchtende Seidenfäden hineingewoben haben. Das wird ein Wunder seiner Liebe und Weisheit werden , und es wird zu den großen Seligkeiten des ewigen Lebens gehören, im eigenen Leben wie in dem der anderen Seligen immer neue Schönheiten und Gnadenwunder zu entdecken. Wie werden da die Tränen der Freude, der Anbetung, der Dankbarkeit fließen! Wie werden wir einstimmen in den Lobgesang des großen Apostels Paulus: „O welch eine Tiefe des Reichtums, beide der Weisheit und Erkenntnis Gottes! Wie gar unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege! Von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.“ Oft dürfen wir schon auf Erden solche Gnadenwunder seiner Liebe schauen, nicht wahr? Ganz gewiß! Er ist ein wunderbarer Gott! Görlitz Priegel Bausteine zum Aufbau einer echt lutherischen Jugendgemeinschaft Unsere kirchliche Jugendarbeit erlebt nach Jahren des Stillstandes einen Neuaufbau, der uns mit froher Hoffnung für die Zukunft der Kirche erfüllt. Wir geben einem erfahrenen Jugendleiter unserer Kirche das Wort zu folgenden Gedanken zur Jugendarbeit und an die Jugend. Soll unsere Jugend lebendig und glaubensstark in das Leben der Gemeinde und Kirche hineinwachsen, dann muß zweierlei von vornherein wohl beachtet werden! 1. Jugend muß ihr Leben aus eigenem, selbsterkämpftem , echtem Lebensgut gestalten. Sie kann nie einfach Ueberliefertes hinnehmen und wie ein fertiges (mehr oder weniger passendes) Gewand antun. Das Leben der Jugend kann nicht einfach eine gradlinige Fortsetzung des der älteren Generation sein. Wer das nicht anerkennt, verkennt die Jugend, leugnet wesentliche Stufen der eigenen Jugendzeit. Jugend aller Zeiten muß sich ihr Gewand selbst zuschneiden und anfertigen. 2. Im Bilde weiter zu sprechen: Stoff und Handwerkszeug dazu reicht ihr die vorausgehende Generation. Und wie glücklich ist da eine lutherische Jugend! Im ersten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts mußte die Jugend, abgestoßen von einer innerlich verlogenen Zivilisation und Lebensweise der „Alten“, abgestoßen erst recht von einer Kirche, die ihre eigene Botschaft nicht mehr ernst zu nehmen vermochte und dennoch nicht aufhörte, sie zu verkündigen, schier revolutionierend sich selbst einen Lebensgrund suchen, auf dem sich etwas Echtes und Vollwertiges bauen ließe. Ihr blieb nichts anderes übrig, als in Romantik und Idealismus vergangener Zeiten, wie in einen Schacht zu steigen (wohin eine entartete Predigt der Kirche ja auch verwies!), um dort Schätze zu heben, deren Minderwert sich gar bald zeigen mußte. — Eine lutherische Jugend aber hat die Vollwerte, die ihr Leben zu einem wirklichen Ganzen und Echten gestalten können. Das Luthertum gibt uns den einzig festen Baugrund, gibt uns auch die besten Bausteine, daraus die Jugend ein Haus bauen kann, das ihr zur Burg wird. Lutherische Jugend ist der peinvollen Not eines Bruches mit der vorausgehenden Generation enthoben . Sie nimmt die Arbeit auf, die diese ihr, von Vorvätern übernommen, weitergibt. Also eigenständig und echt, aber festverwurzelt im Ueberkommenen! Es mag Spannungen geben, aber das ist ja schön und „des Schweißes der Edlen wert“. Wir sind nicht Wiederkäuer . Wir sind aber Entdecker, die in ein Neuland vordringen, den Spuren derer nach, die vorausgingen. Laßt mich einige Bausteine euch zuwerfen: Unbedingte Wahrhaftigkeit! Eine Losung jener idealistischen Jugend vor 40 Jahren, die auch heute erste Voraussetzung für gedeihliche Arbeit ist. Wir füllen sie mit tieferem Sinn. Unbedingte Wahrhaftigkeit in deinem persönlichen Leben. Weder Mitgängertum und stumpfsinnige Gewohnheitssache noch heuchlerischer Aufputz, Tünchanstrich soll unser Glaube, also unser ganzes Leben sein. Laßt uns die Echtheit erstreben . Heuchelei ist die gefährlichste aller Gefahren. „Dem Aufrichtigen läßt es der HErr gelingen!“ Nichts Gemachtes und eben nur äußerlich Anerzogenes, nicht Schein und Fassade! Gott schenke euch tiefe Schamröte über jede Heuchelei und herzliche Freude an ehrlichem, gediegenem Wesen! Daher muß das erste und ernsteste Bemühen darum gehen, die Wahrheiten und Heilstatsachen unseres Glaubens nicht nur mit dem äußerlichen Lernen zu erfassen, sondern innerlich zu verarbeiten, ins eigene Leben zu übertragen. Da muß jeder selbst sich um ganze Klarheit und um die volle Echtheit seines Glaubens mühen. Jeder muß vor sich selbst Rechenschaft ablegen über seinen Glaubensstand , den Anteil am Glauben seiner Kirche, jeder muß sich selbst prüfen, sein Leben messen an dem Maß der gewonnenen Erkenntnis! Unbedingte Wahrhaftigkeit untereinander. Mit dir selbst magst du lieber zu streng, mit dem Nächsten aber mild und nachsichtig sein. Offenheit und brüderliche Liebe müssen die Möglichkeit schaffen, einander zu helfen, einander zu erziehen. Dazu gehört Demut und ehrliche Selbsterkenntnis. „Mehr sein als scheinen!“ Daß keiner sich in den Vordergrund rücke, um kindischen Ehrgeiz zu befriedigen, daß keiner sich und seinen Wert überschätze, des anderen Anteil aber an der Gemeinschaft verachte! Jeder soll mittun, mittun können, ermutigt von dem feinen Verständnis und der offenen brüderlichen Art der Kritik der anderen. Organisiert nicht! Schafft nicht Aemter und Würden! Ein lebendiger Organismus soll eure Gemeinschaft sein! Da tut jedes Glied seinen Dienst. Unbedingte Wahrhaftigkeit in der Wahl dessen, was ihr tun wollt. Oberster Grundsatz: Was uns das Gnadenleben, die Freude im HErrn stören oder verderben will, ist verboten! Verboten aus innerer Wahrhaftigkeit. Das Edelste und Beste, was Menschen geschaffen haben, sei uns gut genug. Unser Leben , unsere Jugendgemeinschaft sei uns ein Gottesbau (allein durch seine Gnade ermöglicht und gegeben)! Wie man aber zu einem Kirchbau nur edles Material und edle Formen wählt, so sei's uns darum zu tun, mit strengem Maßstab und hohem Anspruch die Mittel und Wege zu wählen, die unserm Jugendleben dienen sollen. Neuen Wein faßt man nicht in alte Schläuche. Der neue Mensch braucht auch „ein neu Gewand aus feinstem Stoff.“ In der Welt der zerbrochenen Existenzen und der Aussichtslosigkeit haben wir eine hohe Aufgabe . Wir haben die Welt der durch das Gesetz Gottes zerbrochenen und durch Gottes Gnade wieder geheilten Sünderherzen aufzuzeigen , die Welt, darinnen man nur von Gnade lebt, und den Reichtum, die Kraft eines Menschen, der Sünder und Heiliger in einem ist. Wollen wir ein sanftes und geruhsames selbstgenießerisches Leben haben? Wir sind an die Fronten des Lebenskampfes gerufen. Wer mag dahinten bleiben? Leipzig Rüger