# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1859_S383 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 383 Verlauf in weiterer Darlegung vorführend und damit schließend, daß unsere Kirche die dem Worte Gottes entsprechendste sei. Stellung der ref. und luth. Kirche in Frankreich und Rußland. Hierüber läßt sich das Sächs. Kirchen⸗ und Schulblatt vom 29. Sept. folgendermaßen aus: Die Bibel gehört in Frankreich unter die Bücher, deren Verbreitung unter polizeiliche Aufsicht gestellt ist, die Errichtung von Schulen und Kirchen ist eine Sache mißtrauischer Beobachtung und der Hinderung der Präfecten, das Kirchenvermögen der lutherischen Kirche zu Straßburg ist zwar vorläufig vor rechtswidriger Gewaltthat gerettet, aber nicht gesichert, sondern von der Gnade abhängig, und die reformirte Kirche ist zahm gemacht, sie ist napoleonisch „civilisirt.“ Sie hat vor einigen Monaten (29. Mai) ihr dreihundertjähriges Jubiläum gefeiert — eine reformirte Kirche ohne Glaubensbekenntniß, ohne Synodalverfassung und ohne Kirchenzucht. Wohl, sie weiß nichts mehr von Dragonaden, sie hat Freiheit — aber um den Preis, daß sie den Kampf aufgibt wider die römische Kirche, daß sie die Zeit ihrer Helden und Märtyrer vergißt, sich unter das Regiment der kaiserlichen katholischen Herrschaft beugt und auf die kirchliche Selbstständigkeit verzichtet. Schon lange haben die Reformirten ihre Synodalverfassung zurückgefordert; aber der Kaiser weigert sie ihnen — er weiß, welch eine Waffe sie vordem war. Sie sollen frei sein, aber sie sollen unter seiner Hand stehen und nur nach seinem Willen sich regen. Und die lutherische Kirche in Frankreich? Wir wissen nur allzugut, wie sehr sie vom rationalistischen und unionistischen Geist geschwächt ist. Wie übel es mit der Straßburger Facultät bestellt ist, liegt vor Aller Augen. Und die lutherische Kirche von Mömpelgard begrüßt in ihrem Beglückwünschungsschreiben an die reformirte die Aussicht einer Union. „Die Herzen neigen sich einer vollständigen Union durch gegenseitige Zugeständnisse zu. — Wir reichen euch die brüderliche Rechte, welche Joh. Andreä ausschlug, und wollen uns damit einer drückenden Last von unsrem Gewissen entledigt haben.“ Solcher Unionsgeist gibt die Kirche der inneren Entzweiung und so vollends der staatlichen Gewalt preis, deren Künsten es gelingen wird, sie, wie sie meint thun zu müssen, unschädlich zu machen. Nicht besser ist das Loos, das ihr von Osten bevorsteht. Wir haben es an den Ostseeprovinzen gesehen. Es ist ein reichgesegnetes kirchliches Leben in der lutherischen Kirche jener Provinzen. Aber gebunden an Händen und Füßen hat sie nicht einmal das Wort des Mundes auf der Kanzel und in seelsorgerlicher Berathung ganz frei. Stumm muß sie's geschehen lassen, ohne wider den Irrthum zeugen zu dürfen, wenn ihre Kinder sie verlassen, um sich zur griechischen Kirche zu wenden. Und ohne es zu einer Gewalt kommen zu lassen, welche nöthigte, einmal Leib und Leben daranzusetzen und laut und entschieden wider die Gewaltthat die Stimme des Zeugnisses zu erheben, weiß man die Schlinge immer enger zu ziehen, welche, wenn Gott nicht dareingreift, die Kirche mit langsam nahendem Ende bedroht. Sartorius' Meditationen. Aus einem handschriftlichen Nachlaß theilt von denselben die Ev. K. Z. einige ihren Lesern mit. Wir lassen daraus einige hier folgen: „Schleiermacher und Twesten behaupten, die Religion beruhe auf dem Gefühle oder dem religiösen Bewußtsein; aus diesem ginge der Glaube und aus ihm das Erkennen und die Religionswissenschaft als wissenschaftliche Darstellung und Beschreibung desselben hervor. Richtiger muß behauptet werden, daß der Grund aller Religion der heilige Geist ist, wodurch das Wahre der obigen Aussage nicht aufgehoben, sondern nur das fromme Gefühl zugleich auch auf seinen objectiven Grund zurückgeführt wird, was dem Begriffe der Religion erst die wahre Haltung gibt.“ „Jede Apologetik des Christenthums muß mit der Nachweisung des für jedes Individuum wegen der Sünde unumgänglich nothwendigen Bedürfnisses einer übernatürlichen Erlösung zur Seligkeit und Heiligung beginnen, und darauf erst müssen die objectiven historischen Beweise, daß Jesus dieser Erlöser und wie er es sey, folgen. Die Nachweisung des Bedürfnisses für die Menschheit überhaupt, oder nur für die intellectuelle Aufklärung derselben oder nur für die Gründung einer Kirche u. dgl. trifft nicht zum Ziele. — Die Apologetik muß mehr von der Ohnmacht des freien Willens, als von der Vernunft ausgehen. Da der Herr selbst nur zur Heilung der Kranken und Rettung der Verlorenen gekommen ist