# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1859_S381 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 381 Pastor Stölting weiset darauf hin, daß nicht die empirische Gemeine, sondern die rechte Gemeine der Gläubigen dieses Recht habe. Cand. Dedekind: Zur Ausübung dieses gemeindlichen Rechts seien nicht Viele erforderlich, gäbe es auch nur ein einziges gläubiges Mitglied, so habe dieses die Pflicht, dies Recht auszuüben, es handele sich um der Seelen Seligkeit, da habe jeder Einzelne die Pflicht, Zeugniß abzulegen. Dompred. Dr. Thiele: Ehe ein Mitglied von diesem Rechte Gebrauch macht, hat es sich ernstlich zu besinnen. Ein Recht hat jedes Mitglied, das Gebet, worin es die Sache bei der höchsten Behörde anbringt. Im Glauben an das Wort: „Wo Zwei oder Drei eins werden, das sie bitten, da soll es ihnen werden,“ hofft die Liebe Alles und gegenüber einem solchen Gebet wird der Prediger des Unglaubens sich nicht lange halten können. Pastor Dr. Arndt führt mehrere Beispiele an, wie gläubige Gemeinen für ihre Prediger beten und rationalistische Pastoren durch die Macht der gemeindlichen Fürbitte bekehrt seien. Die Elberfelder namentlich thun Beides, sie beten für ungläubige Pastoren und gehen ihnen dann mit der Bibel in der Hand ins Haus, um sie zu bitten und zu ermahnen.“ Gewiß ein wunderliches Gemisch von Wahrheit und Irrthum! Unser Hoyer ist, wie wir aus Münkels Zeitblatt ersehen, von der Garnisonpredigerstelle in Celle in die neu errichtete Pfarre der Christkirchen⸗Parochie zu Hannover versetzt worden. Am 15. Geburtstage des Kronprinzen nehmlich, den 20. September, hat in Hannover die Grundsteinlegung für die neue aus Privatmitteln des Königs zu erbauende „Christuskirche“ stattgefunden. Es sollen von nun an alle Missionare aus den hannoverschen Landen in dieser Kirche die Ordination empfangen, so daß die Kirche beides wird, das Gotteshaus einer heimischen Gemeinde und eine Mutterkirche für die Heiden⸗Mission. — Wien, 31. August. Die „Ostdeutsche Post“ gibt über die Ausbreitung des Protestantismus folgende Mittheilungen: „Bei der Besprechung des Protestantismus in Oesterreich,“ bemerkt also die „Ostdeutsche Post,“ „herrscht die Gewohnheit, hauptsächlich nur nach Ungarn zu blicken, und da dort allerdings weitaus die Mehrzahl der österreichischen Protestanten lebt, so verführt dies im In⸗ und Auslande Viele zu der Annahme, die protestantischen Elemente in den übrigen Kronländern für so geringfügig zu halten, daß sie einer besonderen Beachtung nicht werth wären. Es dürfte daher nicht überflüssig sein, im gegenwärtigen Momente das protestantische Oestereich dem Publikum mit statistischen Angaben vor Augen zu stellen. Im eigentlichen Königreich Ungarn leben 2,196,816 Protestanten, und zwar 1,450,090 Reformirte und 743,726 Lutheraner. Die Protestanten bilden also nahezu den vierten Theil der Bevölkerung dieses Königreichs. Sie bilden hier einen durch ältere und neue Gesetze garantirten Kirchenorganismus mit selbstständigen Superintendenzen und Senioraten und harren im gegenwärtigen Augenblicke nur noch der vollen Gleichberechtigung mit der katholischen Kirche. In Siebenbürgen leben unter einer Bevölkerung von 2,073,737 Seelen 543,634 Protestanten und zwar 297,419 Reformirte, 199,943 Lutherische und 46,272 Unitarier. Jede dieser drei Confessionen hat ihren eigenen Landessuperintendenten. In der Woiwodschaft Serbien zählt man unter einer Gesammtbevölkerung von 1,574,428 Individuen 78,345 Protestanten beider Confessionen. In der Militärgrenze leben 15,381, dagegen in Kroatien und Slavonien nur 4831 Protestanten. Unter den zum deutschen Bund gehörigen Kronländern zählt das kleine Schlesien verhältnißmäßig die größte Zahl von Protestanten, nämlich 60,783. Dann kommt Böhmen mit 90,000, Mähren mit 52,140, Ober⸗Oestreich mit 18,511, Kärnthen mit 17,900, Nieder⸗ Oestreich mit 20,000; Steiermark zählt nur 5,800, das Küstenland 1500 Protestanten. In Krain leben nur 139, in Tyrol etwa 122 Evangelische. In Salzburg sind 176 ansässig. Von den übrigen Kronländern hat Galizien eine protestantische Bevölkerung von 24,580 Seelen. In der Bukowina leben 7280, in Venetien etwa 400, in Dalmatien nur 15. Berlin, 5. September. Der Minister der geistlichen, Unterrichts und Medicinal⸗