# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1859_S379 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 379 ie die göttliche Verbindlichkeit des christlichen Sabbaths oder Tags des HErrn im historischen Sinne geleugnet habe.“ — Gewiß, ein merkwürdiger Beschluß! Zwar soll, wie es scheint, die Behauptung durch den Zusatz „in ihrer Praxis“ modificirt werden, allein weder Luther, noch die nach ihm genannte Kirche ist so inconsequent gewesen, zwar in der Theorie dem Sonntag die göttliche Einsetzung ab⸗, in der Praxis aber dieselbe ihm zuzusprechen. Der scheinbare Widerspruch löst sich vielmehr dadurch, daß etwas anderes ist die Freiheit im Gewissen und die Freiheit im Leben; jene regiert der Glaube, diese die Liebe; während aber der Glaube zu einem Freien macht, macht die Liebe zum Knecht. Das Ministerium des Staates New York, wie die Synode dieses Gebietes sich nennt, hat sich am 2. Sept. und die f. Tage versammelt. In dem darüber erschienenen Bericht finden wir u. A. folgenden Report und Beschluß: „Neuerungen im Gottesdienst in Kirchen. Die Committee, welcher der Protest überwiesen ist, den Gliedern der Ersten Deutschen Evang. Lutherischen Gemeinde zu Albany gegen die von ihrem Pastor, Ehrw. C. Hennicke, bei ihr eingeführten Neuerungen eingelegt haben, erlaubt sich zu berichten: 1. daß sie die Gebräuche, auf welche sich der genannte Protest bezieht: das Brennen der Lichter bei Tage während der Feier des Abendmahls, die Einführung des Crucifixes, das Kreuzeszeichen beim Segen und das Absingen lateinischer Hymnen als an sich unwesentlich und unnöthig und ihren Gebrauch als in jeder Hinsicht von keinem Belang ansieht. 2. daß sie ihre Einführung in eine Kirche und Gemeinde, die mit diesem Ministerium verbunden ist, als unvorsichtig, undienlich und überaus ungeziemend erachtet. 3. daß diese Gebräuche, die in unserer Kirche dieses Landes nie in Aufnahme waren und fast gänzlich unbekannt sind, auch durchaus abstoßend sind in den Ansichten und für die Gefühle der Christen in Amerika, berechnet sind falsche Eindrücke in unseren eigenen Gemeinden und in benachbarten religiösen Gemeinschaften in Betreff des Charakters und der Institutionen unserer Kirche hervorzubringen und so ernstlichen und bleibenden Schaden ihr zuzufügen. 4. daß man, weil die Einführung solcher Gebräuche deutlich eine entschiedene Neigung zu einem wohlbekannten Theile der Kirche anzeigt, solche Prediger, die sie für wesentlich halten und nicht entbehren können, anweisen sollte, ihre Verbindung mit Gemeinden, die diesem Ministerium zugehören und gegen solche Neuerungen sind, aufzulösen und ihnen rathen, sich mit einem Körper zu verbinden, von welchem solche Gebräuche gebilligt und gehalten werden. Ergebenst H. J. Schmidt, Levi Schell, C. M. Wossidlo. —Beschlossen, daß der Report angenommen werde.“ Adiaphora sind also für das Ministerium von New⸗York kirchentrennend! — „Katholische“ Kirche. Nach einer öffentlichen Anzeige in einem hiesigen politischen Blatte wurde zum Benefiz der katholischen Kirche in Neu⸗Bremen (einer St. Louiser Vorstadt) am Tage der Schillerfeier die Comödie „der Pariser Taugenichts“ aufgeführt. Mit solchen Mitteln bauen die Päpstlichen ihre Kirchen. Die deutschen Wiedertäufer in Amerika haben sich zu zwei Conferenzen constituirt. Die westliche, welche sich im September das erste Mal in Springfield, Ill., versammelte, umfaßt 16 Gem., wovon sich im St. Ohio 1, Indiana 1, Kentucky 1, Illinois 4, Missouri 3, Iowa 2, Wisconsin 4 befinden, deren gesammte Gliederzahl sich auf 495 beläuft. Der nicht an die Conferenz angeschlossenen Gemeinden auf demselben Terrain werden 15 gezählt mit 679 Gliedern. Der Conferenzbericht klagt fast in Bezug auf alle Gemeinden über Mangel an Zuwachs und über Belästigung durch „falsche Brüder,“ die oft „harmlose Seelen prellen.“ Die älteste der Conferenzgemeinden datirt bis 1849 zurück. Die Gemeinde in St. Louis vermehrte sich im letzten Jahre durch neun Taufen, während zehn Glieder ausgeschlossen werden mußten. II. Ausland. Carl Ritter, der berühmte Geograph, ist am 23. September im Beginne des 81. Jahres in Berlin gestorben. Die Juden und die Schweiz. Unser Gesandter in der Schweiz, Theo. S. Fay, hat der Schweiz eine Denkschrift überreicht, worin er nachzuweisen sucht, daß die